Sommergespräch: Bayerischer Bauernverbands-Präsident Felßner kritisiert Bürokratieflut
Austausch mit Tiroler Bäuerinnen und Bauern
Großer Andrang beim Sommergespräch des Tiroler Bauernbundes am „Pfaringhof“ der Familie Osl in Angerberg: rund 350 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, um mit Spitzenvertretern aus Politik und Landwirtschaft ins Gespräch zu kommen. Hauptredner des Abends war der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner. In seiner Rede betonte er die drängenden Herausforderungen für die Land- und Forstwirtschaft und warf zugleich einen Blick über den Tellerrand ins benachbarte Bayern.
„Die Land- und Forstwirtschaft braucht Entscheidungen und Politik mit Augenmaß. Unser Ziel für Brüssel, aber auch und gerade für Bayern und Tirol, muss eine zukunftsgerichtete Agrarpolitik sein, die wirksame Vereinfachungen durchsetzt. Wir brauchen keine überbordende Bürokratie und Regelungen, die keinerlei Mehrwert bringen. Wir setzen auf langfristige, regional starke Wertschöpfungsketten. Wir brauchen eine Agrarpolitik, bei der die Bäuerinnen und Bauern im Mittelpunkt stehen und die auch wieder auf Ernährungssicherung ausgerichtet ist. Zudem sind wir als Berufsstand selbst gefordert. Landwirtschaft ist Zukunft und das heißt, Herausforderungen zu meistern und auch die Zukunft zu gestalten.“
Felßner unterstrich zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tirol: „Seitens der Land- und Forstwirtschaft und unserer Verbände sind wir seit sehr vielen Jahren eng verbunden. Ich schätze diese vertrauensvolle Freundschaft sehr. Wir teilen nicht nur Berge und Almen, sondern auch Werte, Herausforderungen und Ziele.“
Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler und Landwirtschaftskammer Tirol-Präsident Josef Hechenberger bekräftigten in ihren Wortmeldungen die Wichtigkeit einer starken Interessenvertretung auf allen Ebenen. Beide betonten, dass es vor allem praxistaugliche Lösungen und weniger Bürokratie brauche, um die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe abzusichern.
Geisler: „An der Selbstversorgung darf nicht gespart werden“
In seiner Rede nahm Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler kein Blatt vor den Mund:
„Die bäuerlichen Gelder im Landesbudget sind unverzichtbar und nicht verhandelbar. Es darf nicht sein, dass an der Selbstversorgung gespart wird. Wer heute bei der Landwirtschaft kürzt, gefährdet morgen unsere Ernährungssicherheit“, betonte Geisler.
Scharfe Kritik übte er zudem an der zunehmenden Belastung durch Großraubtiere und das Vorgehen selbsternannter Tierschutzorganisationen: „Es ist absurd, dass Bäuerinnen und Bauern sowie Amtstierärzte von ideologiegetriebenen Tierschutzorganisationen angezeigt werden, weil sie sich für die Almwirtschaft einsetzen. Wenn das Schule macht, bedeutet es das Ende unserer jahrhundertealten Almkultur.“
Hechenberger fordert starkes Agrarbudget
LK Tirol-Präsident Josef Hechenberger richtete seinen Blick auf die bundespolitischen Herausforderungen: „Wir kämpfen derzeit mit voller Kraft um das Agrarbudget auf Bundesebene. Zusätzlich fordern wir eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – gerade im Zusammenhang mit Mercosur. Es darf nicht sein, dass wir in Österreich unter höchsten Standards produzieren und dann schlecht gekennzeichnete Massenware aus Übersee als Konkurrenz in unseren Regalen haben.“ Eine klare Absage erteilt Hechenberger auch geplanten Netzentgelten im Bereich bäuerlicher und kleiner Photovoltaikanlagen: „Unsere bäuerlichen Betriebe haben in den letzten Jahren mit großem Engagement und auf eigene Initiative in Photovoltaikanlagen investiert – mit dem klaren Ziel, zur Energieautonomie Tirols beizutragen. Diese vom Bund ausdrücklich gewünschte und geförderte Vorreiterrolle darf nun nicht durch neue Gebühren zur Innovationsbremse werden. Die Einführung pauschaler Netzentgelte für PV-Einspeiser steht im extremen Widerspruch zu allem, was wir in Tirol in den letzten Jahren gemeinsam aufgebaut haben. Das ist kein Beitrag zur Energiewende, sondern ein Rückschritt.“
Jäger: „Weidetierhaltung ist die Grundlage unserer Berglandwirtschaft“
Bezirksbauernobmann und Landtagsabgeordneter Michael Jäger griff in seinem Statement die aktuelle Diskussion um die Beutegreiferproblematik auf: „Die Weidetierhaltung ist die Grundlage unserer Berglandwirtschaft. Wenn Wolf und Bär unsere Tiere bedrohen, dann bedrohen sie damit auch unsere Kulturlandschaft und unsere bäuerliche Existenz. Wir müssen lernen, den Jäger Wolf auch zu jagen – und zwar rechtssicher und praxistauglich. Dafür werden wir uns als Bauernbund weiterhin mit voller Kraft einsetzen.“
Gastgeber Gerhard und Johanna Osl gaben gemeinsam mit ihrer Familie Einblicke in ihren Betrieb, der 2024 einen modernen Laufstall errichtet hat und 100 Stück Fleckvieh hält – davon 45 Milchkühe, die im Sommer auf die hofeigene Stangalm gealpt werden. Das Sommergespräch begann mit einer Hofbesichtigung und bot anschließend die Gelegenheit zu vertiefenden Gesprächen zwischen bäuerlichen Familien, Politik und Spitzenfunkionären. Auch im Anschluss standen die Referenten für einen persönlichen Austausch zur Verfügung. (Schluss)
„Die Land- und Forstwirtschaft braucht Entscheidungen und Politik mit Augenmaß. Unser Ziel für Brüssel, aber auch und gerade für Bayern und Tirol, muss eine zukunftsgerichtete Agrarpolitik sein, die wirksame Vereinfachungen durchsetzt. Wir brauchen keine überbordende Bürokratie und Regelungen, die keinerlei Mehrwert bringen. Wir setzen auf langfristige, regional starke Wertschöpfungsketten. Wir brauchen eine Agrarpolitik, bei der die Bäuerinnen und Bauern im Mittelpunkt stehen und die auch wieder auf Ernährungssicherung ausgerichtet ist. Zudem sind wir als Berufsstand selbst gefordert. Landwirtschaft ist Zukunft und das heißt, Herausforderungen zu meistern und auch die Zukunft zu gestalten.“
Felßner unterstrich zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tirol: „Seitens der Land- und Forstwirtschaft und unserer Verbände sind wir seit sehr vielen Jahren eng verbunden. Ich schätze diese vertrauensvolle Freundschaft sehr. Wir teilen nicht nur Berge und Almen, sondern auch Werte, Herausforderungen und Ziele.“
Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler und Landwirtschaftskammer Tirol-Präsident Josef Hechenberger bekräftigten in ihren Wortmeldungen die Wichtigkeit einer starken Interessenvertretung auf allen Ebenen. Beide betonten, dass es vor allem praxistaugliche Lösungen und weniger Bürokratie brauche, um die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe abzusichern.
Geisler: „An der Selbstversorgung darf nicht gespart werden“
In seiner Rede nahm Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler kein Blatt vor den Mund:
„Die bäuerlichen Gelder im Landesbudget sind unverzichtbar und nicht verhandelbar. Es darf nicht sein, dass an der Selbstversorgung gespart wird. Wer heute bei der Landwirtschaft kürzt, gefährdet morgen unsere Ernährungssicherheit“, betonte Geisler.
Scharfe Kritik übte er zudem an der zunehmenden Belastung durch Großraubtiere und das Vorgehen selbsternannter Tierschutzorganisationen: „Es ist absurd, dass Bäuerinnen und Bauern sowie Amtstierärzte von ideologiegetriebenen Tierschutzorganisationen angezeigt werden, weil sie sich für die Almwirtschaft einsetzen. Wenn das Schule macht, bedeutet es das Ende unserer jahrhundertealten Almkultur.“
Hechenberger fordert starkes Agrarbudget
LK Tirol-Präsident Josef Hechenberger richtete seinen Blick auf die bundespolitischen Herausforderungen: „Wir kämpfen derzeit mit voller Kraft um das Agrarbudget auf Bundesebene. Zusätzlich fordern wir eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – gerade im Zusammenhang mit Mercosur. Es darf nicht sein, dass wir in Österreich unter höchsten Standards produzieren und dann schlecht gekennzeichnete Massenware aus Übersee als Konkurrenz in unseren Regalen haben.“ Eine klare Absage erteilt Hechenberger auch geplanten Netzentgelten im Bereich bäuerlicher und kleiner Photovoltaikanlagen: „Unsere bäuerlichen Betriebe haben in den letzten Jahren mit großem Engagement und auf eigene Initiative in Photovoltaikanlagen investiert – mit dem klaren Ziel, zur Energieautonomie Tirols beizutragen. Diese vom Bund ausdrücklich gewünschte und geförderte Vorreiterrolle darf nun nicht durch neue Gebühren zur Innovationsbremse werden. Die Einführung pauschaler Netzentgelte für PV-Einspeiser steht im extremen Widerspruch zu allem, was wir in Tirol in den letzten Jahren gemeinsam aufgebaut haben. Das ist kein Beitrag zur Energiewende, sondern ein Rückschritt.“
Jäger: „Weidetierhaltung ist die Grundlage unserer Berglandwirtschaft“
Bezirksbauernobmann und Landtagsabgeordneter Michael Jäger griff in seinem Statement die aktuelle Diskussion um die Beutegreiferproblematik auf: „Die Weidetierhaltung ist die Grundlage unserer Berglandwirtschaft. Wenn Wolf und Bär unsere Tiere bedrohen, dann bedrohen sie damit auch unsere Kulturlandschaft und unsere bäuerliche Existenz. Wir müssen lernen, den Jäger Wolf auch zu jagen – und zwar rechtssicher und praxistauglich. Dafür werden wir uns als Bauernbund weiterhin mit voller Kraft einsetzen.“
Gastgeber Gerhard und Johanna Osl gaben gemeinsam mit ihrer Familie Einblicke in ihren Betrieb, der 2024 einen modernen Laufstall errichtet hat und 100 Stück Fleckvieh hält – davon 45 Milchkühe, die im Sommer auf die hofeigene Stangalm gealpt werden. Das Sommergespräch begann mit einer Hofbesichtigung und bot anschließend die Gelegenheit zu vertiefenden Gesprächen zwischen bäuerlichen Familien, Politik und Spitzenfunkionären. Auch im Anschluss standen die Referenten für einen persönlichen Austausch zur Verfügung. (Schluss)
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