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Wien, 2. Februar 2026 (aiz.info)

Nur ein Cent für den Bauern: Schleuderpreise zerstören Existenzen

Strasser: "Zu den aktuellen Preisen können wir in Österreich kein Getreide produzieren"

Während die Erzeugerpreise im Ackerbau bereits das zweite Jahr in Folge stagnieren, belasten die hohen Produktionskosten das Einkommen der Betriebe zunehmend. Für 1 Tonne Mahlweizen erhielt ein Landwirt zuletzt rund 180 Euro, das ist ein Rückgang von 15 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders brisant ist der äußerst geringe Anteil der Wertschöpfung, der bei den Betrieben ankommt: Von einem 1-kg-Laib Brot landen rund 20 Cent am Anfang der Kette bei den Bäuerinnen und Bauern, das sind lediglich 6 % vom durchschnittlichen Verkaufspreis. Bei einer Semmel bleibt dem Bauern nur rund 1 Cent.

„Selbst wenn der Bauer seinen Weizen verschenkt, würde die Semmel für Konsumenten nur um rund einen Cent billiger. Zu diesen Preisen können wir in Österreich kein Getreide produzieren“, so Bauernbund-Präsident Georg Strasser

Ackerbau braucht dringende Entlastungen auf der Kostenseite

Düngemittel machen im Ackerbau einen deutlichen Anteil der Produktionskosten aus, seit dem Krieg in der Ukraine sind die Preise massiv gestiegen. Der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) und weitere EU-Klimavorgaben dürfen diese Kosten nicht weiter in die Höhe treiben. „CBAM muss entweder ausgesetzt werden oder die Einnahmen daraus gezielt zur Entlastung der Landwirtschaft verwendet werden. Deshalb begrüßen wir die Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der beim Agrarministerrat letzten Montag in Brüssel ein umfassendes Maßnahmenpaket eingebracht hat, das genau diese Forderungen enthält“, so Strasser.

Auch die ausreichende Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln ist eine Priorität: „Bäuerinnen und Bauern brauchen die nötigen Werkzeuge, um ihre Pflanzen gesund zu halten“, so Strasser. In Drittstaaten wie der Ukraine oder in Südamerika gelten teils andere Regeln als in der EU. Dort sind Pflanzenschutzmittel zugelassen, die in der EU seit Jahrzehnten verboten sind. Strasser betont: „Wir brauchen ein nationales Monitoring für Lebensmittel aus Drittstaaten wie Südamerika oder der Ukraine. Wir fordern scharfe Kontrollen importierter Lebens- und Futtermittel auf Rückstände von in Europa längst verbotenen Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik.“

Landwirtschaft ist strategisch wichtiger Sektor

Getreide trägt wie kein anderes Lebensmittel zur Krisenvorsorge bei. Es ist ungekühlt haltbar und lange lagerfähig. Der Selbstversorgungsgrad liegt jedoch bereits bei unter 100 %. Bauernbund-Direktorin Corinna Weisl ergänzt: „Wir setzen die österreichische Krisenvorsorge aufs Spiel, wenn wir hier nicht gegensteuern. In einem Krisenfall, von dem wir hoffen, dass er nie eintritt, sind wir froh über jedes Kilogramm Weizen, das wir im eigenen Land produzieren können.“

Von Konsumenten und Handel erwartet sich Weisl ein deutliches Bekenntnis zur österreichischen Landwirtschaft: „Heimische Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif. Unsere Bauernfamilien haben nur dann eine Zukunft, wenn Konsumenten zu österreichischen Lebensmitteln greifen. Der Handel muss dafür sorgen, dass ein fairer Anteil der Wertschöpfung beim Landwirt ankommt. Schleuderpreise müssen der Vergangenheit angehören.“

Info-Box zur Kampagne „Schleuderpreise stoppen“: Der Österreichische Bauernbund setzt sich mit der Kampagne „Schleuderpreise stoppen“ für einen fairen Anteil an der Wertschöpfung für bäuerliche Familienbetriebe ein. Unterstützen kann man die Kampagne durch die Unterzeichnung der Petition unter schleuderpreise-stoppen.at. (Schluss) APA OTS 2026-02-02/11:25
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