Mehr als 400 Expert:innen bei internationaler Almwirtschaftstagung
Klimawandel, Beutegreifer und Besucheransturm als Herausforderung
Mehr als 400 internationale Almwirtschaftsexpertinnen und -experten sind von Mittwoch bis Freitag zu Gast im Salzburger Pinzgau. Sie diskutieren bei der 32. Internationalen Almwirtschaftstagung aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen rund um die Bewirtschaftung von Bergmähdern und -weiden. Renommierte Vortragende beleuchten in ihren Fachvorträgen zentrale Themen wie die Auswirkungen der neuen GAP, das EU-Naturschutzrecht und den Klimawandel als Herausforderungen für die Almwirtschaft, die Bedeutung der Almwirtschaft für Tourismus und regionale Wertschöpfung, Haftungsfragen im Almgebiet und die Rolle von Almprodukten in einem klimafreundlichen Ernährungssystem.
„Ich freue mich sehr, dass bei dieser Tagung anerkannte Expertinnen und Experten nach Salzburg kommen, um gemeinsam Lösungen für viele offene Fragen zu finden“, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Rupert Quehenberger. „Unsere Almwirtschaft hat große Bedeutung weit über die Landwirtschaft hinaus. Vom Klimawandel über die Rückkehr des Wolfes bis hin zum Besucheransturm sind die Almbäuerinnen und -bauern aber mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.“
Natur zwischen Idealbild und Wirklichkeit
Gregor Grill von der Landwirtschaftskammer zeigte in seinem Vortrag auf, wie EU-Naturschutz auch die Almwirtschaft betrifft und wie problematisch dies gerade im Zusammenhang mit den Veränderungen durch den Klimawandel zu sehen ist. So sei die öffentliche Debatte über Natur- und Umweltschutz maßgeblich von Idealbildern geprägt. Natur werde häufig als Gegenwelt zur Zivilisation dargestellt, als Raum, der umso schützenswerter sei, je weniger er vom Menschen beeinflusst wurde. Grill: „Diese Denkfigur ist zwar zum Teil kulturell verständlich, führt insbesondere im alpinen Raum jedoch systematisch in die Irre. Die Landschaften der Alpen sind keine Überreste eines vor-menschlichen Zustandes. Almen, Bergwiesen, Schutzwälder, Terrassen, Wasserableitungssysteme und Siedlungsräume sind Ergebnisse bewusster Gestaltung. Ihre ökologische Vielfalt ist nicht trotz, sondern wegen dieser Nutzung entstanden.“
Der alpine Raum sei Ausdruck einer Natur, die durch Arbeit, Wissen und Verantwortung geformt wurde. Naturschutz im alpinen Raum könne daher nicht als Rückzug aus der Gestaltung gedacht werden. Vielmehr stehe die Frage im Zentrum, wie unter sich rasch wandelnden klimatischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen jene Funktionen erhalten werden könnten, die diese Landschaften bis heute tragen würden.
Die Almwirtschaft muss sich weiterentwickeln, Veranstaltungen wie die Almwirtschaftstagung sind für den Obmann des Salzburger Alm- und Bergbauernvereines, Bundesrat Silvester Gfrerer, wichtig: „Die Almwirtschaft ist ein verhältnismäßig kleiner Bereich innerhalb der gesamten Landwirtschaft der EU. Daher braucht es auch eine länderübergreifende Vernetzung.“ Sorgen bereitet in Österreich u. a. der Rückgang beim Auftrieb von Milchkühen. Gfrerer: „Damit unsere Almen offenbleiben, sind klare Anreize in der neuen GAP nötig, sonst wächst uns die Landschaft zu.“ Sehr präsent in den Diskussionen ist auch der anhaltend starke Nutzungsdruck der Almen durch Besucher. „Für die Weidetiere bedeutet das zusätzlichen Stress, Unfälle mit Vieh nehmen eher zu. Almen sind aber für den Tourismus in den Alpenländern von extremer Bedeutung. Auch hier braucht es eine Abstimmung über die Grenzen hinaus, um nachhaltige Lösungen zu finden“, zeigt sich Gfrerer überzeugt.
Am Exkursionstag Almwirtschaft erleben
Am Donnerstag stehen praxisorientierte Exkursionen auf dem Programm. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten aus mehreren Themenschwerpunkten wählen, darunter „Almwirtschaft & Tourismus“, „Schaf- und Ziegenalmen, seltene Nutztierrassen“, „Projektalm des Salzburger Almprojektes zur gelenkten Weideführung“, „Almwirtschaft & Schule“, „Bayrisch-österreichische Gemeinschaftsalm mit Milchproduktion“ und „Die Rolle von Almprodukten in einem klimafreundlichen Ernährungssystem“. Der dritte Tag führt auf die Lofereralm, eine der größten Agrargemeinschaften im Land Salzburg. Nach einer gemeinsamen Almbesichtigung findet eine Almmesse statt.
Die Tagung wird vom Salzburger Alm- und Bergbauernverein in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Salzburg organisiert. Sie findet im zweijährigen Rhythmus in den Alpenländern Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz und Slowenien statt und zählt zu den wichtigsten Fachveranstaltungen im Bereich der Almwirtschaft. (Schlus)
„Ich freue mich sehr, dass bei dieser Tagung anerkannte Expertinnen und Experten nach Salzburg kommen, um gemeinsam Lösungen für viele offene Fragen zu finden“, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Rupert Quehenberger. „Unsere Almwirtschaft hat große Bedeutung weit über die Landwirtschaft hinaus. Vom Klimawandel über die Rückkehr des Wolfes bis hin zum Besucheransturm sind die Almbäuerinnen und -bauern aber mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert.“
Natur zwischen Idealbild und Wirklichkeit
Gregor Grill von der Landwirtschaftskammer zeigte in seinem Vortrag auf, wie EU-Naturschutz auch die Almwirtschaft betrifft und wie problematisch dies gerade im Zusammenhang mit den Veränderungen durch den Klimawandel zu sehen ist. So sei die öffentliche Debatte über Natur- und Umweltschutz maßgeblich von Idealbildern geprägt. Natur werde häufig als Gegenwelt zur Zivilisation dargestellt, als Raum, der umso schützenswerter sei, je weniger er vom Menschen beeinflusst wurde. Grill: „Diese Denkfigur ist zwar zum Teil kulturell verständlich, führt insbesondere im alpinen Raum jedoch systematisch in die Irre. Die Landschaften der Alpen sind keine Überreste eines vor-menschlichen Zustandes. Almen, Bergwiesen, Schutzwälder, Terrassen, Wasserableitungssysteme und Siedlungsräume sind Ergebnisse bewusster Gestaltung. Ihre ökologische Vielfalt ist nicht trotz, sondern wegen dieser Nutzung entstanden.“
Der alpine Raum sei Ausdruck einer Natur, die durch Arbeit, Wissen und Verantwortung geformt wurde. Naturschutz im alpinen Raum könne daher nicht als Rückzug aus der Gestaltung gedacht werden. Vielmehr stehe die Frage im Zentrum, wie unter sich rasch wandelnden klimatischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen jene Funktionen erhalten werden könnten, die diese Landschaften bis heute tragen würden.
Die Almwirtschaft muss sich weiterentwickeln, Veranstaltungen wie die Almwirtschaftstagung sind für den Obmann des Salzburger Alm- und Bergbauernvereines, Bundesrat Silvester Gfrerer, wichtig: „Die Almwirtschaft ist ein verhältnismäßig kleiner Bereich innerhalb der gesamten Landwirtschaft der EU. Daher braucht es auch eine länderübergreifende Vernetzung.“ Sorgen bereitet in Österreich u. a. der Rückgang beim Auftrieb von Milchkühen. Gfrerer: „Damit unsere Almen offenbleiben, sind klare Anreize in der neuen GAP nötig, sonst wächst uns die Landschaft zu.“ Sehr präsent in den Diskussionen ist auch der anhaltend starke Nutzungsdruck der Almen durch Besucher. „Für die Weidetiere bedeutet das zusätzlichen Stress, Unfälle mit Vieh nehmen eher zu. Almen sind aber für den Tourismus in den Alpenländern von extremer Bedeutung. Auch hier braucht es eine Abstimmung über die Grenzen hinaus, um nachhaltige Lösungen zu finden“, zeigt sich Gfrerer überzeugt.
Am Exkursionstag Almwirtschaft erleben
Am Donnerstag stehen praxisorientierte Exkursionen auf dem Programm. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten aus mehreren Themenschwerpunkten wählen, darunter „Almwirtschaft & Tourismus“, „Schaf- und Ziegenalmen, seltene Nutztierrassen“, „Projektalm des Salzburger Almprojektes zur gelenkten Weideführung“, „Almwirtschaft & Schule“, „Bayrisch-österreichische Gemeinschaftsalm mit Milchproduktion“ und „Die Rolle von Almprodukten in einem klimafreundlichen Ernährungssystem“. Der dritte Tag führt auf die Lofereralm, eine der größten Agrargemeinschaften im Land Salzburg. Nach einer gemeinsamen Almbesichtigung findet eine Almmesse statt.
Die Tagung wird vom Salzburger Alm- und Bergbauernverein in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Salzburg organisiert. Sie findet im zweijährigen Rhythmus in den Alpenländern Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz und Slowenien statt und zählt zu den wichtigsten Fachveranstaltungen im Bereich der Almwirtschaft. (Schlus)
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