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Eisenstadt, 20. März 2026 (aiz.info)

Burgenland: Heftige Kritik an Nein zu Notfallzulassung

Obst- und Gemüsebauverband fordern rasches Umdenken - Ablehnung gefährdet Erträge und Qualität heimischer Lebensmittel

Der Burgenländische Obst- und Gemüsebauverband üben deutliche Kritik an der Entscheidung des Landes Burgenland, die Notfallzulassung für den Wirkstoff Spirotetramat (Produkt: Movento 100 SC) abzulehnen. Diese Entscheidung stelle eine massive Benachteiligung der burgenländischen Bäuerinnen und Bauern dar und gefährde die regionale Lebensmittelproduktion.

Während in allen anderen Bundesländern Österreichs eine Notfallzulassung befürwortet wird, gehe das Burgenland einen isolierten Sonderweg – mit gravierenden Folgen für die heimische Landwirtschaft. Besonders kritisch sehen die Interessenvertretungen, dass für den betroffenen Anwendungsbereich derzeit keine gleichwertigen Alternativen zur Verfügung stehen. „Es gibt schlichtweg keinen anderen Wirkstoff, der dieselbe gezielte Wirkung erzielt. Die vorhandenen Mittel sind entweder weniger effektiv oder haben breitere Auswirkungen – teilweise sogar stärker als der nun abgelehnte Wirkstoff“, betont der Obmann-Stv. des Bgld. Gemüsebauverbandes, Lukas Scheiblhofer. Der Präsident des Bgld. Obstbauverbandes, Johann Plemenschits, erklärt weiters: „Wir stehen vor der Situation, dass wir unsere Kulturen nicht ausreichend schützen können. Der Wirkstoff Spirotetramat wirkt gezielt und effizient – vergleichsweise schonend im Einsatz. Ohne diese Möglichkeit riskieren wir massive Ernteausfälle und Qualitätsverluste.“

Pflanzenschutz um Produktion und Ernte abzusichern

Plemenschits zeigt sich unverständlich gegenüber der Entscheidung: „Kein Bauer setzt Pflanzenschutzmittel leichtfertig ein – im Gegenteil: Es bedeutet zusätzliche Kosten, mehr Arbeitsaufwand und erhöhtes Risiko. Pflanzenschutz ist immer die letzte Maßnahme, um die Produktion abzusichern. Wenn uns diese Möglichkeit genommen wird, gefährdet das die Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Existenz unserer Betriebe.“ Beide weisen zudem darauf hin, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegt und fachlich begleitet wird. Notfallzulassungen seien ein wichtiges Instrument, um auf außergewöhnliche Situationen reagieren zu können. Die Produktion vieler Kulturen, insbesondere kleinerer Kulturen, hängt mittlerweile an nur wenigen Wirkstoffen. In Österreich hat dies bereits zum Verlust des letzten Kohlsprossproduzenten geführt, und weitere Kulturen wie Kirschen, Jungzwiebeln oder Rettich stehen stark unter Druck. Ihre wirtschaftliche Produktion ist stark abhängig von Jahr und Witterung.

Landwirtschaftskammer steht hinter den Bäuerinnen und Bauern

Die Landwirtschaftskammer stellt sich hinter die beiden Organisationen. „Wir wollen eine heimische Produktion von Obst und Gemüse mit höchster Qualität absichern. Wenn uns diese Sparten wegbrechen, wird Obst und Gemüse vom Ausland importiert, wo nicht so hohe Produktionsstandards angewendet werden“, so die Landwirtschaftskammer Burgenland. Abschließend fordern die Landwirtschaftskammer, der Bgld. Obst- und Gemüsebauverband eine sachliche Neubewertung der Situation sowie eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise: „Es braucht praktikable Lösungen für die Betriebe – keine politischen Alleingänge. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen.“ (Schluss)
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