Wissenschafter: Weltweite Klimaschäden sind auch für Österreich teuer
Verursachen Kosten etwa über Lieferketten, Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkte - Finanzierung für Klimawandelanpassung mehr als zehnmal zu niedrig
Folgen der Klimakrise in anderen Weltregionen können Österreich hohe Kosten bescheren, berichteten Wissenschafter Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz laut APA. Selbst bei moderater Erderwärmung wären das laut Berechnungen jährlich fast zwei Millionen Euro zur Mitte des Jahrhunderts: "Über Lieferketten, Verkehrswege, globale Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkte und Systemzusammenhänge verursachen sie nämlich auch Schäden in benachbarten Regionen und sogar weit entfernten Ländern."
Diese finanzielle Belastung würde noch zu den lokalen Klimakosten hierzulande dazukommen, die für 2050 mit vier bis zehn Milliarden Euro eingeschätzt werden, so Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. "Klimawandelfolgen wurden lange Zeit als lokales Problem verstanden, das mit lokaler und nationaler Anpassung abgefedert werden kann", sagte sie. Diese falsche Annahme habe dazu geführt, dass die meisten europäischen Länder grenzüberschreitende Effekte weitgehend ausblenden und nicht in den Anpassungsplänen an die Klimakrise berücksichtigen.
Landwirtschaft und Industrie sind schon betroffen
Bei landwirtschaftlichen Produkten wie Soja, Kakao oder Getreide wäre es leicht nachvollziehbar, dass die Kosten durch Klimaschäden in den Ursprungsregionen ansteigen, erklärte die Wissenschafterin: "Die Industrie war aber ebenfalls schon betroffen, beispielsweise durch Lieferengpässe bei Halbleiterkomponenten und Computerchips, die durch Extremwetterereignisse in Südostasien hervorgerufen wurden."
Großunternehmen setzen sich schon intensiv mit lokalen und Lieferketten-bezogenen Klimarisiken auseinander und bereiten sich entsprechend vor, sagte Bednar-Friedl: "Klein- und mittelständische Unternehmen sind in der Regel aber weder personell noch finanziell in der Lage, dies zu beurteilen und entsprechend darauf zu reagieren." Ihnen sollte durch Informationsangebote etwa in Form von Dashboards und länderübergreifenden Frühwarnsystemen geholfen werden.
Experte: Schockierend wenig Finanzhilfen für Klimaanpassung
Außerdem sollten die reichen Industrienationen die ärmeren Nationen finanziell wie zugesagt unterstützen, sagte Thomas Schinko vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (Nö). Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) seien sie zwölf- bis 14-mal zu niedrig, um den Anpassungsbedarf dort zu befriedigen.
"Während sich der zuverlässig geschätzte Finanzierungsbedarf für Klimawandelanpassung in den wirtschaftlich weniger entwickelten Weltregionen auf circa 310 bis 365 Milliarden US-Dollar (267 bis 314 Milliarden Euro, Anm.) pro Jahr beläuft, beliefen sich die finanziellen Flüsse aus dem globalen Norden im Jahr 2023 auf nur 26 Milliarden US-Dollar (22 Milliarden Euro), und das bei fallender Tendenz", so Schinko. Diese massive Diskrepanz, die der jüngst erschienene "Adaptation Gap Report (engl.: Anpassungslücken-Report)" der UNEP aufzeigt, sei "schockierend und höchst besorgniserregend". (Schluss)
Diese finanzielle Belastung würde noch zu den lokalen Klimakosten hierzulande dazukommen, die für 2050 mit vier bis zehn Milliarden Euro eingeschätzt werden, so Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. "Klimawandelfolgen wurden lange Zeit als lokales Problem verstanden, das mit lokaler und nationaler Anpassung abgefedert werden kann", sagte sie. Diese falsche Annahme habe dazu geführt, dass die meisten europäischen Länder grenzüberschreitende Effekte weitgehend ausblenden und nicht in den Anpassungsplänen an die Klimakrise berücksichtigen.
Landwirtschaft und Industrie sind schon betroffen
Bei landwirtschaftlichen Produkten wie Soja, Kakao oder Getreide wäre es leicht nachvollziehbar, dass die Kosten durch Klimaschäden in den Ursprungsregionen ansteigen, erklärte die Wissenschafterin: "Die Industrie war aber ebenfalls schon betroffen, beispielsweise durch Lieferengpässe bei Halbleiterkomponenten und Computerchips, die durch Extremwetterereignisse in Südostasien hervorgerufen wurden."
Großunternehmen setzen sich schon intensiv mit lokalen und Lieferketten-bezogenen Klimarisiken auseinander und bereiten sich entsprechend vor, sagte Bednar-Friedl: "Klein- und mittelständische Unternehmen sind in der Regel aber weder personell noch finanziell in der Lage, dies zu beurteilen und entsprechend darauf zu reagieren." Ihnen sollte durch Informationsangebote etwa in Form von Dashboards und länderübergreifenden Frühwarnsystemen geholfen werden.
Experte: Schockierend wenig Finanzhilfen für Klimaanpassung
Außerdem sollten die reichen Industrienationen die ärmeren Nationen finanziell wie zugesagt unterstützen, sagte Thomas Schinko vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (Nö). Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) seien sie zwölf- bis 14-mal zu niedrig, um den Anpassungsbedarf dort zu befriedigen.
"Während sich der zuverlässig geschätzte Finanzierungsbedarf für Klimawandelanpassung in den wirtschaftlich weniger entwickelten Weltregionen auf circa 310 bis 365 Milliarden US-Dollar (267 bis 314 Milliarden Euro, Anm.) pro Jahr beläuft, beliefen sich die finanziellen Flüsse aus dem globalen Norden im Jahr 2023 auf nur 26 Milliarden US-Dollar (22 Milliarden Euro), und das bei fallender Tendenz", so Schinko. Diese massive Diskrepanz, die der jüngst erschienene "Adaptation Gap Report (engl.: Anpassungslücken-Report)" der UNEP aufzeigt, sei "schockierend und höchst besorgniserregend". (Schluss)
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