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Wien, 20. Jänner 2026 (aiz.info)

Wintertagung Ökosoziales Forum: Faire Lebensmittelpreise und Transparenz gefordert

Größte agrarpolitische Diskussionsveranstaltung Österreichs von 20.–29.Jänner 2026 eröffnet

Mit einem starken Appell an Politik, Handel und Gesellschaft wurde heute die 73. Wintertagung des Ökosozialen Forums eröffnet. Von 20. bis 29. Jänner diskutieren in ganz Österreich über hundert Expertinnen und Experten entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Frage, was unsere Lebensmittel tatsächlich wert sind.

Unter dem Titel „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ rückt die Wintertagung die zunehmenden Spannungen rund um Lebensmittelpreise, Produktionskosten und Versorgungssicherheit in den Fokus. Hintergrund sind massive Veränderungen im agrarpolitischen Umfeld, von geopolitischen Krisen über Umbrüche im Welthandel bis hin zu Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit im Inland.

Pernkopf: Preistransparenz entlang der gesamten Lebensmittelkette

Zum Auftakt machte der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf, deutlich, dass die Preisdebatte weder auf Kosten der bäuerlichen Betriebe noch auf dem Rücken der Konsumentinnen und Konsumenten geführt werden darf. „Viele Dinge werden im Supermarkt immer teurer, während bei vielen Bäuerinnen und Bauern immer weniger ankommt. Wenn wir über Lebensmittelpreise sprechen, dann muss daher auch offengelegt werden, wo entlang der Wertschöpfungskette Gewinne entstehen und wer die Last trägt. Wer macht sich ein G’schäft im Geschäft? Von 100 Euro für Lebensmittel landen nur 4 bei den Bäuerinnen und Bauern. Um das Leben wieder leichter zu machen, braucht es Transparenz auf allen Ebenen, von der Produktion bis zum Handel, und auch genaue Kontrollen des Handels durch die Bundeswettbewerbsbehörde“, so Pernkopf. Zudem hielt der Präsident fest: „Lebensmittelversorgung ist auch Sicherheitspolitik. Wer Sicherheit will, muss Sicherheit bieten. Wenn die Bäuerinnen und Bauern den Kontinent ernähren sollen, dann braucht es mehr Produktion und nicht weniger. Eine nachhaltige Intensivierung, die auf Qualität setzt und so nachhaltig, wie das nur wir können. Denn wenn wir Lebensmittel importieren müssen, dann machen wir uns abhängig und dann importieren wir gleichzeitig schlechtere Umwelt- & Tierwohlstandards.“

Kaniber: Ernährungssicherheit braucht Wettbewerbsfähigkeit und umgekehrt

Die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Michaela Kaniber, unterstrich bei der Eröffnung die europäische Dimension der Debatte. „Ernährungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sind kein Widerspruch – im Gegenteil. Europas Landwirtschaft kann und muss beides leisten: Dies gelingt nur, wenn wir gemeinsame Standards, faire Handelsbedingungen und eine starke bäuerliche Basis sichern. Nur so bleibt Europa am Weltmarkt erfolgreich und unabhängig in der Versorgung“, betonte Kaniber.

Bayerns Landwirtschaft stehe für hohe Qualität, Tierwohl und Umweltstandards, die einen klaren Mehrwert für die Gesellschaft bringen. Diese Leistungen hätten ihren Preis, auch wenn dieser oft nicht im Supermarkt sichtbar werde. Gleichzeitig könne eine nachhaltige Lebensmittelversorgung nur funktionieren, wenn bäuerliche Betriebe unter marktwirtschaftlichen Bedingungen faire Erlöse erzielen.

Totschnig: Bäuerinnen und Bauern brauchen Planungssicherheit und Stabilität

Bundesminister Norbert Totschnig hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Produktionsstandorts Österreich hervor: „Österreich ist kein Billigproduzent, sondern Qualitätsproduzent mit vergleichsweise kleinstrukturierten Betrieben. Hohe Standards dürfen unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen, deswegen benötigen unsere Bäuerinnen und Bauern leistbare Betriebsmittel, Bürokratieabbau, wirksamen Pflanzenschutz und Unterstützung bei Investitionen in hohe Tierwohlstandards. Meine zentralen Ziele sind weiterhin faire Einkommen für unsere bäuerlichen Familienbetriebe und die Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln“, so Totschnig.

73. Wintertagung

Die Wintertagung des Ökosozialen Forums ist Österreichs größte Informations- und Diskussionsplattform der Agrarbranche. Mit der Fachtagung beginnt traditionell das agrarpolitische Jahr. Die Wintertagung wird seit 1954 vom Ökosozialen Forum ausgerichtet und setzt wichtige Impulse für die künftigen Entwicklungen im österreichischen Agrarsektor. Geboten werden geballtes Wissen auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sowie Tipps für die landwirtschaftliche Praxis. In ihrer 73. Auflage bietet die Veranstaltungsreihe eine Plattform für sachliche, faktenbasierte Diskussionen über die Zukunft der Versorgungssicherheit in Europa. Detaillierte Informationen zur Wintertagung 2026 und zum Kartenverkauf finden sich unter www.wintertagung.at
Branchen-Fachtage der Wintertagung in den Bundesländern

Im Rahmen der Wintertagung 2026 wird die agrarpolitische Debatte auf Branchenebene fortgesetzt. Die Fachtage finden in Oberösterreich, Salzburg, Wien, der Steiermark und Niederösterreich statt und bieten zudem praxisrelevante Informationen für Bäuerinnen und Bauern.

21.01.2026: Fachtag Schweinehaltung, HLBLA St. Florian, Fernbach 37, 4490 St. Florian, Oberösterreich

22.01.2026: Fachtag Fischereiwirtschaft, Heffterhof, Maria-Cebotari-Straße 1–7, 5020 Salzburg

26.01.2026: Fachtag Gemüse-, Obst- und Gartenbau, HBLFA Schönbrunn, Grünbergstraße 24, 1130 Wien

27.01.2026: Fachtag Waldwirtschaft, HBLA Bruck/Mur, Dr.-Theodor-Körner-Straße 44, 8600 Bruck an der Mur, Steiermark

28.01.2026: Fachtag Ackerbau, HBLFA Francisco Josephinum, Weinzierl 1, 3250 Wieselburg, Niederösterreich

29.01.2026: Fachtag Grünland- und Viehwirtschaft, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Raumberg 38, 8952 Irdning-Donnersbachtal, Steiermark (Schluss)
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