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Wien, 23. September 2026 (aiz.info)

Wiens ambitioniertes Ziel der Klimaneutralität 2040

Erneuerbare Energieerzeugung niedrig, Bioenergie wichtigste Quelle

Schon mehr als ein Jahr bevor sich die Bundesregierung auf ein Klimagesetz festlegte, hat der Wiener Landtag im März 2025 ein eigenes Klimagesetz beschlossen und sich dort zur Klimaneutralität 2040 verpflichtet, informiert der Österreichische Biomasse-Verband anlässlich seines Energiewende-Checks der Bundesländer. Wien wird laut Studien zu den am meisten von der Klimakrise betroffenen Städten Europas zählen, bis 2050 könnte die Maximaltemperatur im Sommer um 7,6 °C steigen. Der bisherige Rekordsommer 2024 wurde heuer schon wieder überholt. Bis Ende August wurden 2026 bereits 48 Hitzetage in Wien gemessen, an vier Tagen erreichte die Temperatur die 40-Grad-Marke. Das Wiener Klimagesetz soll die Bundeshauptstadt auch an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen.

Starker Bevölkerungszuwachs und geringes Potenzial für Erneuerbarenproduktion

Seit den 1990er-Jahren hat die Bundeshauptstadt um fast 500.000 Einwohner*innen zugenommen. Zudem hat Wien nur begrenzte Möglichkeiten, auf eigenem Landesgebiet erneuerbare Energien zu erzeugen. Mit Importen von Erdgas und Erdöl wird 70 % des Wiener Bruttoinlandsverbrauchs (BIV) an Energie gedeckt. Durch Nutzung fossiler Energien entstehen mehr als 80 % der Wiener Treibhausgasemissionen.

Bioenergie ist wichtigster erneuerbarer Energieträger in Wien

Aufgrund von Energieeinsparungen erreichte der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoinlandsverbrauch 2024 mit 13,6 % einen Höchstwert. Bioenergie ist mit einem Anteil von 63 % der wichtigste erneuerbare Energieträger in Wien. Im Jahr 2024 wurden rund 3 TWh Bioenergie eingesetzt. Basierte 2010 noch ein Drittel der Bioenergie auf im Waldbiomassekraftwerk genutzten Holzabfällen, wie Waldhackgut, stellen Biotreibstoffe heute mit 30 % die größte Biomassefraktion. Dahinter folgt biogener Hausmüll mit 28 % vor Holzabfällen (17 %) und Scheitholz (14 %).

Wiener Treibhausgasemissionen pro Kopf nicht einmal halb so hoch wie Bundesschnitt

Der durchschnittliche Energieeinsatz eines privaten Haushaltes für Raumwärme, Warmwasser und Kochen liegt in Wien mit rund 10.000 kWh deutlich unter dem Bundesschnitt (17.200 kWh). Das hängt auch mit der bundesweit kleinsten Wohnnutzfläche von durchschnittlich 75 m2 pro Hauptwohnsitz zusammen. Obwohl 22 % der österreichischen Bevölkerung in Wien lebt, beträgt ihr Anteil an den Emissionen der Republik nur etwa 10 %. Die Pro-Kopf-Emissionen der Wiener*innen liegen mit 3,5 Tonnen CO2-Äquivalenten unter der Hälfte des Bundesschnitts von 7,5 Tonnen. Die absoluten Treibhausgasemissionen Wiens sind zwischen 1990 und 2024 um 21 % auf 6,7 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent gesunken.

Raumwärme kommt vor allem aus Gasheizungen oder (Erdgas-basierter) Fernwärme

Ziemlich genau die Hälfte des gesamten Wiener Endenergieverbrauchs wird für Wärme benötigt, 43 % für Raumklima und Warmwasser und nur 7 % für Prozesswärme. Zu 84 % wird die Raumwärme der Wiener Haushalte aus Erdgas und Fernwärme bereitgestellt. Der Anteil von Gasheizungen als primäres Heizsystem bei Wiener Hauptwohnsitzen ist in den letzten 20 Jahren nur relativ leicht von 52 % auf 43 % zurückgegangen, womit immer noch 416.000 Gasheizungen im Einsatz sind – fast genau so viele wie vor 20 Jahren (411.000 Gasheizungen). Die eingesetzte Gasmenge hat sich aber in diesem Zeitraum halbiert, wozu auch der Rückgang der Heizgradtage um 21 % zwischen 1990 und 2023 beigetragen hat.

Raus aus Gas bis 2040 – auch mit Biomasse

Laut Wiener Klimafahrplan soll der Gebäudebereich bis 2040 durch stärkeren Ausbau der Fernwärme und Wärmepumpen sowie in seltenen Fällen auch durch Biomasse CO2-neutral werden. Ersetzt werden müssen mehr als 400.000 dezentrale Gas(etagen)heizungen, deren Umstellung meist mit einer Zentralisierung der Wärmeverteilung im Gebäude verbunden ist. Derzeit werden pro Jahr rund 10.000 Wohnungen von Gas-(etagen)heizungen auf Fernwärme oder Wärmepumpen umgestellt, das lässt den Gasausstieg bis 2040 rein rechnerisch unmöglich erscheinen. Dicht bebaute Gebiete sollen laut Strategie „Raus aus Gas – Wiener Wärme und Kälte 2040“ künftig mit Fernwärme versorgt werden. In weniger dicht bebauten Gebieten sollen Wärmepumpen und punktuell Biomasse eingesetzt werden. Speziell im Geschoßwohnbau außerhalb der Fernwärme-Gebiete könnte Biomasse als zentrale Wärmeversorgung zum Einsatz kommen.

Autoverkehr Hauptverursacher der Wiener Treibhausgasemissionen

Die Emissionen des Verkehrssektors, der mit einem Anteil von 38 % Hauptverursacher der Wiener Treibhausgasemissionen ist, haben seit 1990 um 20 % zugenommen. Aufgrund kurzer Wege und des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs ist Wien mit 46 Kraftfahrzeugen pro 100 Einwohner das Bundesland mit der niedrigsten Kfz-Dichte (AT: 82 Kfz). Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an den zurückgelegten Wegen soll laut Wiener Klimafahrplan bis 2030 auf 15 % zurückgehen. 2025 war jedoch eine Steigerung des Autoverkehrs von 25 % auf 26 % zu verzeichnen. Der geplante Lobautunnel würde nach Expertenmeinung zu vermehrtem Autoverkehr führen. Der Anteil von mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegten Alltagswegen ging 2025 erstmals seit 2020 wieder zurück und erreichte 34 %. Damit sind die „Öffis“ von ihrem Vor-Corona-Höchstwert von 39 % weit entfernt. Auch die Fahrgastzahlen der Wiener Linien haben 2025 mit 903 Millionen Fahrgästen trotz steigender Bevölkerungszahlen das Niveau vor der Pandemie nicht wieder erreicht. Trotz sukzessiver Verbesserung des Radwegenetzes im Zuge der Radwegoffensive ging 2025 auch der Fahrrad-Anteil an den Verkehrswegen leicht auf 10,5 % zurück.

Weitere Informationen und Abbildungen finden Sie untere folgendem Link:
https://www.biomasseverband.at/wiens-ambitioniertes-ziel-der-klimaneutralitaet-2040/ (Schluss)
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