Zum Content springen
Neue Suche

Absender

Empfänger

Innsbruck, 24. Juli 2026 (aiz.info)

"Wer Ernährungsbildung streicht, riskiert eine Generation ohne Lebensmittelwissen"

Andrea Lechleitner, Tiroler Bauernbundobmann-Stellvertreterin, kritisiert die geplante Abschaffung des eigenständigen Unterrichtsfaches an den BAfEP scharf.

Die geplante Streichung des eigenständigen Unterrichtsfaches „Gesundheit und Ernährung“ an den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik stößt auch in Tirol auf scharfe Kritik. Für die Tiroler Bauernbundobmann-Stellvertreterin Andrea Lechleitner aus Wenns ist die Entscheidung des Bildungsministeriums ein völlig falsches Signal – gerade in einer Zeit, in der ernährungsbedingte Krankheiten zunehmen und gleichzeitig immer mehr Kinder den Bezug zu Lebensmitteln und ihrer Herkunft verlieren. 
„Wir diskutieren über steigende Gesundheitskosten, Übergewicht bei Kindern und fehlende Alltagskompetenzen – und gleichzeitig wird eines der wenigen Fächer gestrichen, das genau diesen Problemen vorbeugt. Das ist bildungs- und gesellschaftspolitisch ein fatales Signal“, stellt Lechleitner klar.

Prävention beginnt nicht im Krankenhaus, sondern im Kindergarten

Gerade Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen begleiten Kinder in einer Lebensphase, in der Essgewohnheiten und Einstellungen zu Lebensmitteln dauerhaft geprägt werden. „Wer selbst kein fundiertes Wissen über Ernährung, regionale Lebensmittel und deren Herkunft vermittelt bekommt, kann dieses Wissen später auch kaum an Kinder weitergeben. Prävention beginnt nicht erst im Krankenhaus oder in der Arztpraxis – sie beginnt bereits im Kindergarten.“

Immer mehr Wissen geht verloren

Mit Sorge beobachtet Lechleitner die zunehmende Entfremdung vieler Menschen von der Landwirtschaft. „Viele Kinder wissen heute nicht mehr, wann Kartoffel Saison haben, wie Milch entsteht oder dass ein Ei nicht aus dem Supermarkt kommt. Gleichzeitig greifen immer mehr Familien zu hochverarbeiteten Fertigprodukten. Grundlegendes Wissen über Lebensmittel geht verloren. Diese Entwicklung muss uns alarmieren.“
Ernährungsbildung vermittle weit mehr als die Ernährungspyramide. Sie schaffe Verständnis für Regionalität, Nachhaltigkeit, Lebensmittelverschwendung und die Arbeit jener Menschen, die täglich hochwertige Lebensmittel produzieren.

Gesunde Ernährung ist auch eine Frage der Eigenverantwortung

Als Bäuerin weiß Lechleitner, wie wichtig der bewusste Umgang mit Lebensmitteln ist. „Wer schon als Kind lernt, Lebensmittel wertzuschätzen, saisonal einzukaufen und selbst einfache Speisen zuzubereiten, nimmt dieses Wissen ein Leben lang mit. Das stärkt nicht nur die Gesundheit jedes Einzelnen, sondern auch die Eigenverantwortung unserer Gesellschaft.“

Gleichzeitig würden regionale Lebensmittel wieder stärker ins Bewusstsein rücken. „Wer weiß, wo Lebensmittel herkommen und wie sie erzeugt werden, entscheidet sich viel häufiger bewusst für heimische Produkte. Das stärkt unsere bäuerlichen Familienbetriebe und schafft Verständnis für ihre tägliche Arbeit.“

Sparen am falschen Platz

Für Lechleitner ist die geplante Streichung deshalb kurzsichtig. „Jeder Euro, den wir heute in Ernährungsbildung investieren, spart morgen ein Vielfaches an Gesundheitskosten. Wenn wir ernsthaft über Prävention sprechen, dürfen wir genau dort nicht den Rotstift ansetzen.“ Abschließend richtet sie einen klaren Appell an das Bildungsministerium: „Ernährungsbildung ist keine Nebensache und kein Luxusfach. Sie ist eine Investition in die Gesundheit unserer Kinder, in die Wertschätzung regionaler Lebensmittel und in die Zukunft unserer Gesellschaft. Wer dieses Fach streicht, spart heute ein paar Unterrichtsstunden – und zahlt morgen einen hohen gesellschaftlichen Preis.“ (Schluss)
3.495 Anschläge
  • Empfehlen
  • Drucken
  • PDF downloaden
  • RTF downloaden