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Linz, 9. Oktober 2026 (aiz.info)

Versorgung heimischer Nutztierhalter mit Eiweißfutter muss gesichert werden

Niedrigwasser, Krieg und Mühlenausfälle verknappen Angebot und führen zu massiven Preisanstiegen

Die Versorgungslage mit Sojaextraktionsschrot hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft und die Preise ziehen kräftig an. Nicht ein Mangel an Sojabohnen ist die Ursache, sondern massive Störungen in der Logistik. Für die heimischen Schweine- und Geflügelhalter bedeutet das zusätzliche Kosten, die sie in einer ohnehin angespannten Marktlage treffen. Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert, die Versorgung der heimischen Nutztierhaltung mit Eiweißfuttermitteln deutlich höher zu gewichten, Investitionen in widerstandsfähige Transportinfrastrukturen und eine konsequente Stärkung der heimischen und europäischen Eiweißpflanzenproduktion.

„Die derzeitige Situation macht deutlich, dass Versorgungssicherheit wieder einen wesentlich höheren Stellenwert in der Agrar- und Wirtschaftspolitik erhalten muss. Obwohl weltweit ausreichend Sojabohnen vorhanden sind, führen Niedrigwasser auf Rhein und Donau, kriegsbedingte Störungen der Transportwege über das Schwarze Meer und Ausfälle einzelner Verarbeitungsstandorte innerhalb weniger Wochen zu erheblichen Verwerfungen am Futtermittelmarkt. Das zeigt, wie verletzlich die europäischen Lieferketten geworden sind“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Aus dem Logistikproblem wird eine Verfügbarkeitsfrage

Nicht ein Mangel an Rohstoff, sondern die Logistik bringt den Markt aus dem Gleichgewicht: Niedrigwasser auf Donau und Rhein und blockiert Transportwege im Schwarzen Meer verhindern, dass die Ware die europäischen Ölmühlen erreicht. Dazu kommt der Ausfall wichtiger Verarbeitungsstandorte, etwa in Mainz, wo der Konzern ADM Force Majeure gemeldet hat. Aus der Störung der Transportwege wird damit eine Frage der Verfügbarkeit: Hamsterkäufe verstärken die Knappheit, Mischfutterwerke liefern teils nur noch rationierte Mengen.

Die Folgen zeigen sich in kräftigen Preisanstiegen bei sämtlichen Sojaschrotqualitäten innerhalb weniger Wochen. Sojaextraktionsschrot mit 44 Prozent Rohprotein kostet mit 500 bis 510 Euro je Tonne um 45 Euro oder rund zehn Prozent mehr als zuvor (455 bis 465 Euro). HP-Sojaschrot mit 49 Prozent Rohprotein stieg um 40 Euro auf 520 bis 530 Euro je Tonne, das sind rund acht Prozent Steigung. Am stärksten verteuerte sich GMO-freies Sojaschrot: Es kostet mit 565 bis 575 Euro je Tonne um 60 Euro mehr, ein Plus von rund zwölf Prozent. Alle Preise verstehen sich ohne Mehrwertsteuer.

Heimische Schweinebetriebe setzen überwiegend auf hofeigenes Futter

Die österreichischen Schweinehalter setzen auf eine bodengebundene Landwirtschaft und sind damit im internationalen Vergleich hinsichtlich der Futterversorgung krisenfester. Drei Viertel der Komponenten einer Futterration stammen von den eigenen Flächen, vor allem Mais, Gerste und Futterweizen. Diese Eigenversorgung ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Produktionsländern und macht die Betriebe unabhängiger von Zukäufen. Dürrebedingt geringere Maiserträge schwächen heuer jedoch die hofeigene Futterbasis der Schweinehalter.

Eiweißfuttermittel wie Sojaextraktionsschrot ergänzen die Ration, zählen aber zu den kostenintensivsten Futtermitteln. Daher schlagen die höheren Preise deutlich zu Buche: Ein Mastschwein benötigt über die gesamte Mastdauer durchschnittlich 50 Kilogramm Sojaextraktionsschrot. Bei einer Preissteigerung von 100 Euro je Tonne erhöhen sich die Futterkosten allein vom Eiweißfutter je Mastschwein um rund 5 Euro. Beim Geflügel macht das Futter 70 bis 75 Prozent der variablen Kosten aus, allein für Eiweißfutter fallen etwa 15 Prozent an. 

In Österreich arbeiten Forschung, Beratung und Praxis intensiv an Strategien zur Reduktion des Sojaeinsatzes, etwa durch den Einsatz heimischer Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Rapsprodukte sowie durch eine noch präzisere Aminosäurenversorgung der Tiere. Ziel ist es, die Abhängigkeit von importierten Eiweißfuttermitteln zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Tierhaltung langfristig zu sichern.

Hohe Produktionskosten müssen sich im Erzeugerpreis niederschlagen

Besonders die Schweinehaltung steht bereits seit Monaten unter erheblichem wirtschaftlichem Druck: Der Schweinepreis ist zuletzt um 12 Cent auf 1,52 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht gefallen und liegt damit um 15 Prozent unter dem Vorjahr und um 25 Prozent unter dem Niveau von 2024. Teureres Eiweißfutter trifft die Betriebe daher zur Unzeit, viele Betriebe geraten dadurch wirtschaftlich an ihre Belastungsgrenze. Geringe Erlöse und hohe Produktionskosten verringern die Deckungsbeiträge und das Einkommen: Notwendige Abschreibungen können nicht verdient, Rückzahlungen nur schwer getätigt und Rücklagen für Investitionen nicht gebildet werden. Steigende Futterkosten müssen daher letztendlich im Erzeugerpreis ihren Niederschlag finden.

Versorgungssicherheit bei Eiweißfutter muss abgesichert werden

Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert den Erhalt regionaler Verarbeitungsstandorte, Investitionen in widerstandsfähige Transportinfrastrukturen und eine konsequente Stärkung der heimischen und europäischen Eiweißpflanzenproduktion.
„Die Versorgung der Nutztierhaltung darf nicht von einzelnen Transportachsen oder wenigen Verarbeitungsstandorten abhängen. Die aktuellen Entwicklungen sind ein Weckruf. Europa muss seine strategische Eigenversorgung stärken und die Resilienz der Agrar- und Ernährungswirtschaft erhöhen. Die Kombination aus kriegerischen Auseinandersetzungen und zunehmenden Wetterextremen zeigt, dass vermeintlich sichere Lieferketten jederzeit ins Wanken geraten können“, unterstreicht Waldenberger. (Schluss)
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