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St. Pölten, 6. Mai 2026 (aiz.info)

Schmuckenschlager: Trockenheit bringt Landwirtschaft massiv unter Druck

Frühjahrsentwicklung zählt zu den angespanntesten der letzten Jahre

Die anhaltende Trockenheit in Niederösterreich stellt die landwirtschaftlichen Betriebe vor große Herausforderungen. „Die Betroffenheit ist enorm. Wir erleben derzeit eine der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der letzten Jahre“, erklärt Johannes Schmuckenschlager, Präsident Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Die aktuelle Situation in Niederösterreich ist geprägt von gravierend unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen – und das flächendeckend. Von Ost bis West, von Nord bis Süd fehlt es massiv an Regen. Besonders kritisch ist, dass seit Beginn der Vegetationsperiode Ende Februar vielerorts kaum nennenswerter Niederschlag gefallen ist. Die Folge ist eine zunehmend angespannte Situation auf den Feldern und Wiesen. Mit steigenden Temperaturen von bis zu 30 °C verschärft sich der Trockenstress zusätzlich durch Hitzestress.

Pflanzenentwicklung massiv beeinträchtigt

Die Auswirkungen zeigen sich in allen Kulturen:
* Getreide (Weizen, Gerste, Roggen etc.) befindet sich in einer entscheidenden Wachstumsphase. Der Wasserbedarf der Pflanzen wäre in dieser Phase hoch. Daher sind vielerorts bereits Wachstumsdepressionen sichtbar. Jeder weitere trockene Tag reduziert Ertrag und Qualität.

* Frisch angebaute Kulturen wie Mais, Kürbis oder Sojabohne leiden unter unzureichender Bodenfeuchte – die Keimung ist vielerorts gefährdet oder bleibt ganz aus.

* Jungpflanzen wie Sonnenblume, Rübe oder Kartoffel verfügen über ein noch schwaches Wurzelsystem und können das spärlich vorhandene Wasser kaum aufnehmen. Die Entwicklung verläuft daher entsprechend schleppend.

* Grünland: Beim ersten Schnitt wurden bereits Einbußen verzeichnet. Der notwendige zweite Aufwuchs ist durch die Trockenheit massiv gefährdet. Auf exponierten Flächen drohen nachhaltige Schäden bis hin zum „Ausbrennen“ der Grasnarbe.

Auch internationale Märkte betroffen

Die Trockenheit ist kein regionales Phänomen. Große Teile Mitteleuropas sowie der Westen der USA sind ebenfalls betroffen. Es ist aus heutiger Sicht daher mit geringeren Erntemengen zu rechnen. Ob und wie sich das auf die schon längere Zeit sehr niedrigen Preise auswirken wird, ist noch nicht abschätzbar. Angesichts der in den letzten Monaten massiv gestiegenen Produktionskosten bleibt jedoch zu hoffen, dass die Marktpreise für Getreide steigen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Teuerungsdebatte ist laut Schmuckenschlager anzumerken: „Selbst wenn sich der Weizenpreis deutlich erhöht, hat das kaum Auswirkungen auf den Lebensmittelpreis im Regal.“ Der Grund liegt in der Wertschöpfungskette: Der Anteil der Landwirtschaft am Endprodukt ist sehr gering.

Am Beispiel Weizen zeigt sich das besonders deutlich: Bei einer Semmel entfallen lediglich rund 4 Prozent auf den Weizen, das heißt, Landwirt:innen erhalten nur rund 1 Cent. Auch bei einem Kilogramm Brot liegt der Getreideanteil mit rund 6 Prozent bzw. etwa 20 Cent nur bei einem kleinen Teil des Verkaufspreises. Der Rest entfällt auf Verarbeitung, Energie, Personal, Transport, Handel etc. Kurz gesagt: Der Weizen macht nur einen sehr kleinen Teil des Preises aus, deshalb wirken sich Schwankungen beim Getreidepreis nur begrenzt auf den Endpreis aus.

Steigende Kosten verschärfen Situation zusätzlich

Neben der Trockenheit belastet auch die wirtschaftliche Situation die Betriebe stark. Hohe Preise für Betriebsmittel wie Treibstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel erhöhen den Druck zusätzlich, betont Schmuckenschlager: „Wir befinden uns in einer ohnehin schwierigen Lage. Die Kombination aus Trockenheit, hohen Produktionskosten und unsicheren Erträgen bringt viele Betriebe an ihre Grenzen.“

Forderungen: Rasches Handeln notwendig

Angesichts der aktuellen Entwicklung fordert die Landwirtschaftskammer Niederösterreich konkrete Maßnahmen. Dazu zählen insbesondere weitere Maßnahmen zur Kostenentlastung der Betriebe schon im Jahr 2026, zusätzlich zum vereinbarten Agrardiesel für 2027 und 2028. 

Kurzfristig sieht die Kammer die Nutzung von Biodiversitätsflächen zur Verbesserung der Futtergrundlage als eine unterstützende Maßnahme. Darüber hinaus ist eine Stärkung von Risikoinstrumenten wie Dürreversicherungen erforderlich. Langfristig braucht es zudem einen konsequenten Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur, um resiliente Produktionssysteme zu schaffen. „Trockenheit und Extremwetter sind Realität. Maßnahmen wie Bewässerung und Absicherungssysteme müssen konsequent weiterentwickelt werden“, so Schmuckenschlager.

Ausblick bleibt angespannt

Die Prognosen für die kommenden Wochen geben wenig Anlass zur Hoffnung: Nahezu alle Wettermodelle lassen weiterhin keine flächendeckenden Niederschläge erwarten. Die Landwirtschaft in Niederösterreich steht damit vor einer entscheidenden Phase – mit weitreichenden Folgen für Produktion, Märkte und Versorgungssicherheit. (Schluss) APA OTS 2026-05-06/10:25
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