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Linz, 1. Juni 2026 (aiz.info)

Schafhaltung - ein Erwerbszweig mit viel Potenzial

Vom Nischenzweig zum Zukunftszweig der Landwirtschaft

Die Schafhaltung entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten in Oberösterreich sehr positiv. Seit dem Tiefststand im Jahr 1965 hat sich der Schafbestand in Oberösterreich mit nunmehr 68.200 Schafen (laut Statistik Austria) mehr als versiebenfacht. Diese grünlandbasierte Tierhaltungsform, die in kleinstrukturierten Familienbetrieben stattfindet und Produkte wie Lammfleisch, Schafmilch und Schafwolle hervorbringt, entspricht dem Wunsch vieler Konsumentinnen und Konsumenten nach Ursprünglichkeit und Lammfleisch aus Österreich ist heiß begehrt. 

Mit der Einführung der Kategorie „Junglamm“ (max. Alter sechs Monate, gut proportionierte fleischige Schlachtkörper, 16 bis 24 Kilogramm Schlachtkörpergewicht) für den heimischen Markt vor 20 Jahren wurde ein entscheidender Schritt in Richtung verbesserter Fleischqualität gemacht. Zudem wurde im Bereich der Zucht konsequent ein ausgewogener Weg zu Tieren mit hoher Vitalität, Fruchtbarkeit, Gesundheit und Langlebigkeit bis hin zu Vollfleischigkeit und geringem Fettanteil eingeschlagen. Insgesamt gibt es in Oberösterreich etwa 3.000 Lammfleisch-Erzeuger – aufgeteilt auf alle Regionen Oberösterreichs, aber vor allem im Hausruckviertel und Traunviertel.

„Bei der hohen Fleischqualität bei den Junglämmern greifen wieder viele Konsumenten zum Lammfleisch, die dieses früher eher nicht so goutiert haben. Lammkotelettes vom Grill sind z.B. einfach in der Zubereitung und bringen gewürzt mit den passenden Kräutern mediterranes Flair auf die heimischen Teller. Dennoch ist beim Pro-Kopf-Verbrauch von 1,2 Kilogramm Lammfleisch pro Österreicher und Jahr noch viel Luft nach oben. Die Nachfrage ist da und es werden Neueinsteiger in diesem Bereich sind gesucht“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. 

Leistungen der Schafhaltung nachhaltig absichern

Oberösterreichs Schafbäuerinnen und Schafbauern erzeugen hochwertige Lebensmittel und bewirtschaften mit ihren Tieren Flächen, die für andere Nutzungsformen oft nur eingeschränkt geeignet sind. Viele Betriebe werden im Nebenerwerb geführt und sind daher besonders auf praktikable Rahmenbedingungen angewiesen.

Dazu braucht es zukünftig vor allem einfachere und besser abgestimmte Melde- und Dokumentationssysteme. Digitale Anwendungen müssen so vernetzt werden, dass Mehrfacheingaben vermieden werden. Gleichzeitig sind Regelungen, etwa bei der Tierkennzeichnung, stärker an den betrieblichen Alltag anzupassen.

Mit Blick auf die nächste Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) ab 2028 braucht es dringend eine ausreichende finanzielle Ausstattung, insbesondere für die Maßnahmen im österreichischen Agrarumweltprogramm ÖPUL. Die Schafhaltung erbringt durch ihre weidebasierte Bewirtschaftung wichtige Leistungen für Biodiversität, Landschaftspflege und Tierwohl. Geringer Vertritt, die natürliche Verbreitung von Samen und Insekten über die Wolle sowie die nachhaltige Pflege sensibler Flächen sprechen klar für diese Form der Tierhaltung. Damit diese Leistungen auch künftig gesichert werden können, müssen sie in den Förderprogrammen entsprechend berücksichtigt werden. 

„Die Branche hat seit jeher hohe Tierwohlstandards und leistet damit einen wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigen, standortangepassten Landwirtschaft. Diese Leistungen kommen der gesamten Gesellschaft zugute und müssen daher auch in Zukunft durch ausreichend ausgestattete Förderprogramme abgesichert werden“, betont Präsident Waldenberger.

Ja! Natürlich Bio-Junglamm feiert 20 Jahre Erfolgsgeschichte

Landwirtschaftliche Tierhaltung baut auf Engagement, fairen Preisen und langfristiger Absatzsicherheit auf. Die oft beobachtete Schnelllebigkeit unserer Zeit steht dabei im klaren Gegensatz zu einer verantwortungsvollen Lebensmittelproduktion nach höchsten Qualitäts- und Tierschutzstandards, die auf langfristigen Beziehungen beruht.

Vor mittlerweile 20 Jahren stellten sich REWE Group, die Marke Ja! Natürlich sowie die österreichische Schaf- und Ziegenbörse gemeinsam dieser Herausforderung. Heute ist das Ja! Natürlich Bio-Junglamm eine fixe und unangefochtene Größe am österreichischen Lebensmittelmarkt und steht für hochwertige, regionale Bio-Lammfleischproduktion.

Zahlreiche heimische Bäuerinnen und Bauern begleiten das Projekt seit der ersten Stunde als verlässliche Lieferpartner. Vor allem aber beweist der große und treue Kundenkreis seit zwei Jahrzehnten, dass kompromisslose Qualität, transparente Herkunft und nachhaltige Produktion geschätzt werden.

Mit der strategischen Entscheidung von BILLA, ausschließlich österreichisches Frischfleisch innerhalb der REWE Group anzubieten, wurde zudem ein wichtiger Schritt zur Stärkung regionaler Wertschöpfung und höchster Tierschutzstandards gesetzt. 
Diese konsequente Weiterentwicklung machte das Ja! Natürlich Bio-Junglamm mittlerweile zu einem der erfolgreichsten Biolämmerprogramme Europas.  

Schafmilch und Schafmilchprodukte sind bei den Konsumenten begehrt

Neben der Lammfleischproduktion hat sich in OÖ auch die Haltung von Milchschafen als spezialisierter Betriebszweig innerhalb der insgesamt kleinstrukturierten und grünlandbasierten Schafhaltung etabliert. Insgesamt werden in OÖ laut VIS-Jahreserhebung 2025 gut 6.600 Milchschafe auf 108 Betrieben gehalten. In der Milchschafhaltung erfolgt im Unterschied zur extensiven Fleischproduktion eine intensivere Betreuung mit regelmäßigem Melken sowie angepasster Fütterung und gezieltem Herdenmanagement, um eine ausreichende Milchleistung und Tiergesundheit sicherzustellen. Die erzeugte Schafmilch (etwa 3.300 Tonnen insgesamt) stellt einen vergleichsweise kleinen, aber hochwertigen Produktionszweig dar und wird fast ausschließlich zu veredelten Produkten weiterverarbeitet. Da es nur wenige spezialisierte Molkereien gibt (wie z. B. Biogenossenschaft Schlierbach und Leeb Biomilch), erfolgt die Vermarktung in Oberösterreich häufig über die Direktverarbeitung am Betrieb, etwa zu Käse, Joghurt oder anderen Spezialitäten, wodurch eine höhere Wertschöpfung erzielt werden kann. Für viele schafhaltenden Betriebe ist die Direktvermarktung von Schafmilchprodukten ein wesentliches Standbein für die Einkommensbildung. 

Aus- und Weiterbildung

Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich unterstützt interessierte Bäuerinnen und Bauern fachlich mit Beratung für Neueinsteiger, sowie mit Spezialberatungen für das Management und die Fütterung und einem umfassenden Fortbildungsprogramm über das Ländliche Fortbildungsinstitut. Des Weiteren existieren seit über 16 Jahren Arbeitskreise für Schafhalter, in denen die Betriebe biologische und wirtschaftliche Kennzahlen erheben, vergleichen und ein exklusives Weiterbildungsangebot gemeinsam erstellen und nutzen. Viele Betriebe nutzen dieses Angebot bereits von Anfang an und es entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte.

Lamm frisch auf den Grill – ein Hochgenuss

„Die oberösterreichische Schafzucht und Schafhaltung blickt auf eine sehr gute und stabile Entwicklung zurück. Der steigende Bedarf an Lammfleisch und Zuchtschafen bietet zahlreichen Betrieben eine Produktionsalternative“, ist Johann Perner, Obmann des OÖ Landesverbandes für Schafzucht und Schafhaltung, überzeugt. 

Der Landesverband für Schafzucht und Schafhaltung Oberösterreichs ist das zentrale Netzwerk für die Schafhalter in unserem Bundesland. Fast 1.000 Mitglieder sind in dem Verein, der zu den ältesten Schafzuchtorganisationen Österreichs zählt, organisiert und nutzen die zahlreichen Vorteile. Auf den Betrieben der Verbandsmitglieder werden rund 89 Prozent der oberösterreichischen Schafe gehalten.

Neben der Zuchttiervermarktung ist ein sicherer Schlachtlämmerabsatz das wirtschaftliche Rückgrat der Schafhaltung. Die Entwicklung stabiler Märkte und breit aufgestellter Absatzstrukturen ist ein zentrales Aufgabengebiet. Ergänzend zu der in Oberösterreich sehr starken Direktvermarktung wurde ein regelmäßiger Wochenabsatz von Schlachtlämmern über den Landesverband bzw. die Österreichische Schaf- und Ziegenbörse eGen aufgebaut. 

Lammfleisch ist das ganze Jahr verfügbar und hat auch das ganze Jahr Saison, ist jedoch besonders jetzt in den Sommermonaten auf dem Grill immer mehr gefragt.
Das Besondere am Lammfleisch ist, dass es sehr feinfaserig und zart ist – vor allem das österreichische Junglamm. Dieses darf in nicht älter als sechs Monate sein. Das hat seinen Grund darin, dass mit der beginnenden Geschlechtsreife des Lammes das Fleisch stärker nach Schaf schmeckt, die Muskeln härter und die Fasern gröber werden. Obmann Perner: „Wir haben uns bewusst für diese Altersgrenze entschieden. Dieses Qualitätsmerkmal unterscheidet österreichisches Lammfleisch von demjenigen, das aus dem Ausland zu uns kommt.“

Nach der Schlachtung sollte das Lammfleisch einige Tage reifen. Während dieser Reifezeit entwickelt es seine besondere Zartheit und sein feines Aroma. Lammfleisch eignet sich hervorragend für den Grill. Es hat einen starken Eigengeschmack, der gut zu Rauch- und Röstaromen passt, die beim Grillen entstehen. Wichtig ist, dass das Lammfleisch niemals durchgegart wird, sondern innen zartrosa und somit saftig und geschmacksintensiv bleibt. (Schluss)
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