Neue Geschäftsführung beim OÖ Tiergesundheitsdienst
Zusammenarbeit für Tiergesundheit, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit
Der Oberösterreichische Tiergesundheitsdienst (TGD) wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, durch Beratung der landwirtschaftlichen Tierhalter und Betreuung der Tierbestände die Tiergesundheit zu fördern. Einheitliche Regeln sollen den Einsatz von Tierarzneimitteln regeln und minimieren. Zusammenarbeit, Digitalisierung, Vernetzung und Wissenstransfer sind wichtige Themen der zukünftigen Ausrichtung und weiteren Professionalisierung. Diese Maßnahmen tragen zur Tiergesundheit, zum Tierschutz sowie zur Lebensmittelsicherheit bei.
Tierwohl ist gelebte Praxis in der heimischen Nutztierhaltung
Das Thema Tierwohl steht verstärkt im Fokus der Gesellschaft. Immer wieder wird die heimische Tierhaltung – meist von NGO-Seite – mit dem Vorwurf konfrontiert, das Tierwohl werde in den Ställen der oberösterreichischen Bäuerinnen und Bauern zu wenig berücksichtigt. Das Gegenteil ist der Fall.
„Die moderne Landwirtschaft hat kaum etwas mit dem verklärten Bild der Tierhaltung in der Werbung zu tun. Durch viele Um- und Neubauten bei Ställen wurden und werden die Haltungsbedingungen der Tiere massiv verbessert. Technologische Entwicklungen sowie Bildungs- und Beratungsangebote unterstützen die Tierhalter im Management ihrer Tierbestände. Die Tiere sind die Lebensgrundlage für den Großteil der Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich und daher achten diese selbstverständlich auf eine entsprechende Haltung, Fütterung und Pflege. Tierwohl ist gelebte Praxis auf den bäuerlichen Betrieben und der TGD ist dabei ein wichtiger Partner“, betont Rosemarie Ferstl, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ.
Oberösterreich verzeichnet eine ausgezeichnete Teilnahmequote
Oberösterreich ist das Bundesland mit den meisten tierhaltenden Betrieben. Dies spiegelt sich auch in den Betriebs- und Tierzahlen, sowie in der TGD-Teilnahme wider. „Auch wenn die Teilnahme am TGD grundsätzlich freiwillig ist, ist doch bei vielen Qualitätsprogrammen die Teilnahme verpflichtend und dort ein wichtiger Baustein in der Qualitätssicherung. Eine moderne Tierhaltung ohne Tiergesundheitsdienst ist kaum vorstellbar. Gerade für Produktionsformen, die einen gewissen Tierarzneimitteleinsatz durch den Tierhalter voraussetzen, etwa Eisenprophylaxe oder Impfprogramme, ist eine TGD-Teilnahme unverzichtbar", betont Rosemarie Ferstl.
„Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Tierärzteschaft, Verarbeitungsbetrieben, den Verbänden und Behörden ist entscheidend, um praxisorientierte und weiterhin vorbildliche, den modernen Anforderungen entsprechende Standards in Österreich sicherzustellen. Das sind wichtige Voraussetzungen für die hohe Qualität der heimischen Produkte", unterstreicht die Vizepräsidentin.
Barbara Leeb als neue Geschäftsführerin des OÖ TGD bestellt
Mit der bevorstehenden Pensionierung des langjährigen Geschäftsführers Gottfried Schoder stand beim oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst eine zentrale personelle Weichenstellung an. In der außerordentlichen Generalversammlung des OÖ TGD am 16. Juli 2026 wurde Barbara Leeb als Nachfolgerin von Gottfried Schoder zur neuen Geschäftsführerin bestellt. Mit ihr übernimmt eine erfahrene Tierärztin die Verantwortung für die strategische und operative Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes. Gottfried Schoder, der den OÖ TGD seit Vereinsgründung vor 23 Jahren mit großem Engagement geführt und wesentlich zu dessen heutiger Stärke beigetragen hat, gilt großer Dank und Anerkennung.
Tiergesundheitsdienste – Zukunftsprozess 2035
Das neue Tiergesundheits- und Tierarzneimittelgesetz macht es notwendig, die TGD-Verordnung, die Arzneimittel-Anwendungsverordnung und die Antibiotika-Mengenströme-Verordnung zu novellieren. Damit werden Anpassungen im Bereich der Struktur, der Zusammenarbeit zwischen Tierhaltern und Tierärzten, der Professionalisierung, der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz vorgenommen. Es braucht auch Lösungen für die tierärztliche Versorgung der Nutztierbestände in strukturschwachen Regionen sowie für die Akut- und Notversorgung. Tiergesundheitsdienste können Unterstützung geben und Teil der Lösung sein.
Ziel ist die rasche Schaffung einer klaren und zeitgemäßen Rechtsgrundlage zur Weiterentwicklung der Tiergesundheitsdienste. Ziel muss die Etablierung eines modularen Systems sein, das den unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen gerecht wird und eine flexible Ausgestaltung von Leistungen ermöglicht. Dieses System soll Betreuungsintensität, Leistungsumfang und Kostenstruktur transparent und bedarfsgerecht differenzieren. Betriebe sollen je nach Größe, Produktionsrichtung, Risikoprofil und praktische Betriebsanforderungen in Abstimmung mit ihrem Betreuungstierarzt passende Module wählen können. Damit wird eine zielgerichtete Betreuung im Sinne der Tiergesundheit und Qualitätssicherung sichergestellt.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Einbindung der Landwirtinnen und Landwirte in der Zusammenarbeit mit dem Betreuungstierarzt oder der Betreuungstierärztin. Eigenverantwortung, Nutzung von digitaler Dokumentation und Datenbereitstellung, sowie die aktive Teilnahme an Gesundheitsprogrammen sind wesentliche Faktoren für nachhaltige Verbesserungen in der Tiergesundheit, im Tierwohl und in der Biosicherheit. Darauf aufbauend ist die Systematik für die Aus- und Weiterbildungserfordernisse praxisnah im Rahmen der Module anzupassen.
„Wir brauchen eine klare Zielsetzung sowie den Willen zur gemeinsamen Umsetzung zwischen Landwirtschaft und Tierärzteschaft. Es gilt jetzt die Grundlagen und den Rahmen zu schaffen, um aktuelle und kommende Herausforderungen und Anforderungen im Bereich der Tiergesundheit, Qualitätssicherung und Seuchenprävention unter Berücksichtigung der strukturellen Entwicklungen in Tierhaltung und Veterinärversorgung aktiv bearbeiten zu können. Zentrale Zielsetzung muss ein niederschwelliger Zugang und damit eine breitere Umsetzung von Tiergesundheitsmaßnahmen in der Nutztierhaltung sein“, hält Rosemarie Ferstl fest.
TGD Labor – wichtig bei diagnostischer Zuarbeit
Das vereinseigene Labor im Ried im Innkreis ist eine wichtige Einrichtung zur Unterstützung in der Diagnostik. „Als Vorsitzende des OÖ TGD ist es mir wichtig, dass sich auch das Labor den Anforderungen entsprechend weiterentwickelt. Dazu braucht es effiziente Abläufe und die Bereitstellung bestmöglicher technischer Einrichtungen. So wird aktuell in ein Gerät zur raschen Identifikation von Bakterien (MALDI-TOF Massenspektrometer) investiert. Vorteile dieses Gerätes sind die Verringerung der Materialkosten der Untersuchung und die hohe Geschwindigkeit der Analyse“, unterstreicht Rosemarie Ferstl die Wichtigkeit und zeitgemäße Ausstattung des TGD eigenen Labors.
„Barbara Leeb verfügt durch ihre bisherige Arbeit u.a. im Fachbereich Schwein über breite Expertise in der Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitsprogrammen sowie in der Zusammenarbeit mit Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Mit ihr als Tierärztin in der Geschäftsführung setzen wir ein deutliches Zeichen für den Wandel im Berufsstand. Sie hat durch ihre fachliche Kompetenz, ihren Werdegang und ihre Zukunftsperspektiven im Bewerbungsverfahren klar überzeugt.
Der OÖ TGD ist mit dieser Neubesetzung weiterhin bestens aufgestellt und kann seine wichtige Arbeit für die oberösterreichischen Tierhalterinnen und Tierhalter sowie Tierärztinnen und Tierärzte nahtlos fortsetzen. Ich freue mich auf eine positive und gute Zusammenarbeit und wünsche Barbara Leeb alles Gute und viel Schaffenskraft für diese verantwortungsvolle Position", so Andreas Jerzö, Landesstellenpräsident der Österreichischen Tierärztekammer, Landesstelle OÖ.
TGD OÖ: verlässlicher Partner des öffentlichen Veterinärwesens
Biosicherheit ist in den Betrieben des Tiergesundheitsdienstes gut umgesetzt und stellt zugleich einen wesentlichen Bestandteil jeder Betriebserhebung dar, bei der noch vorhandene Sicherheitslücken aufgezeigt und konkrete Lösungsvorschläge zur Verbesserung entwickelt werden. Die Biosicherheit dient dabei nicht nur dem Schutz vor allgemeinem Krankheitseintrag, sondern auch dem Schutz vor dem Eintrag von Tierseuchen.
In der Tierkörperverwertung Regau (TKV Regau) wird auf Antrag der Betreuungstierärzte jährlich etwa ein Prozent der dort angelieferten Tierkadaver einer Sektion unterzogen und pathologisch untersucht. Neben der Feststellung der Todesursache oder Tierkrankheit dient dies auch dem Ausschluss von Tierseuchen. Zudem werden dort im amtlichen Auftrag an ausgewählten Tierkadavern Proben zur Untersuchung auf Tierseuchen wie Klassische und Afrikanische Schweinepest, Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) und Transmissible spongiforme Enzephalopathien (TSE) sowie Tuberkulose durchgeführt.
Im Labor des Tiergesundheitsdienstes Oberösterreich werden im Auftrag des Landes Oberösterreich Tankmilchproben auf Brucellose, Leukose und IBR/IPV untersucht. Damit kann auf kostenschonende Art die stichprobenartige Untersuchung auf diese anzeigepflichtigen Tierkrankheiten sichergestellt werden. Weiters werden im Labor des TGD OÖ im amtlichen Auftrag Untersuchungen auf Bovine Virus-Diarrhoe (BVD) durchgeführt. Dieser guten Zusammenarbeit ist die seit mehreren Jahren bestehende Anerkennung Österreichs als „BVD-freies Land" zu verdanken, was den Rinderhaltern den Tierverkehr wesentlich erleichtert und zum Exporterfolg der heimischen Rinderwirtschaft beiträgt.
„Im TGD-Labor werden zudem zahlreiche Untersuchungen auf Antibiotika-Resistenzen durchgeführt und damit eine Entscheidungsgrundlage für die Tierärzte bei der Auswahl der richtigen Tierarzneimittel geschaffen. In Summe kann so der Einsatz antibiotischer Tierarzneimittel reduziert und die Gefahr der Resistenzbildung verringert werden. Die TGD-Programme führen bei den einzelnen Tierarten – Rind, Schwein, kleine Wiederkäuer, Fische und Wildtiere in Gehegehaltung – nicht nur zu besserer Tiergesundheit und höherer Wirtschaftlichkeit der teilnehmenden Betriebe, sondern auch zu besserem Tierschutz", erläutert Landesveterinärdirektor Thomas Hain.
Schwerpunkte und zukünftige Entwicklung des OÖ TGD
„Ich verfolge das klare Ziel, den TGD als unverzichtbaren Partner für Tiergesundheit, Tierwohl und eine zukunftsorientierte, nachhaltige Nutztierhaltung weiter zu stärken. Der OÖ TGD als größter österreichischer Tiergesundheitsdienst, gemessen an den Teilnehmerzahlen, mit eigenem veterinärmedizinischem Labor, Durchführung von Sektionen an der TKV Regau ist für diese Aufgaben gut aufgestellt und bietet seinen Teilnehmern eine Vielzahl an Leistungen“, fasst die neue Geschäftsführerin Barbara Leeb zusammen.
Die Arbeitsschwerpunkte im Detail:Weiterentwicklung von Tiergesundheitsprogrammen: Bestehende Programme zur Prävention und Stabilisierung wichtiger Tierkrankheiten werden kontinuierlich auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt. Als Beispiel dient hier die erfolgreiche Umsetzung von Programmen, wie z.B. im Bereich PRRS (Porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom (Schwein)) (Überwachungsprogramm mit Untersuchungen und Impfungen) als wichtiger Baustein für die langfristige Verbesserung der Tiergesundheit.Nutzung von Gesundheitsdaten: Die systematische Nutzung vorhandener Gesundheitsdaten bietet großes Potenzial für die frühzeitige Krankheitserkennung, gezielte Beratung und evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen. Eine verstärkte Auswertung und Aufbereitung dieser Daten, sowie die fixe Einbindung in die Betriebserhebungen stärken die Arbeit des Tiergesundheitsdienstes punktgenau.Starke Zusammenarbeit: Die erfolgreiche Umsetzung von Tiergesundheits-maßnahmen erfordert eine enge Kooperation zwischen Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben, Beratung, Verbänden, Forschungseinrichtungen und Behörden. Der Tiergesundheitsdienst soll weiterhin eine zentrale Plattform für fachlichen Austausch und Wissenstransfer darstellen.Förderung eines verantwortungsvollen Arzneimitteleinsatzes: Programme zum Antibiotikamonitoring und zur Verbesserung der Tiergesundheit leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes und zur Sicherstellung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Tierarzneimitteln.Wissensvermittlung und Weiterbildung: Fortbildungsangebote für Tierärzte und Tierhalter sowie praxisnahe Informationsmaterialien tragen wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung von Tiergesundheitsmaßnahmen bei und stärken die Rolle des Tiergesundheitsdienstes als Kompetenzzentrum. Der OÖ TGD in Zahlen
Aktuell sind 9.710 Betriebe und 326 Tierärzte Mitglieder im OÖ TGD. Die Teilnahme bietet Rechtssicherheit bei der Einbindung der Tierhalter in die Behandlung der Tiere (Arzneimittelsicherheit) und unterstützt bei der Absicherung der Tiergesundheit. Geboten wird ein umfangreiches Angebot in den Bereichen Diagnostik, Weiterbildung sowie bei Gesundheitsprogrammen.
Eine tragende Säule ist das eigene TGD-Labor in Ried im Innkreis, wo jährlich eine Vielzahl an Untersuchungen, z.B. knapp 14.000 BVD Untersuchungen, 42.000 bakteriologische Milchuntersuchungen, 9.000 PRRS Untersuchungen durchgeführt werden (siehe dazu TGD Jahresbericht 2025). Die Zusammenarbeit mit dem Qualitätslabor Österreich und dem Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung in OÖ ermöglicht die effiziente Handhabung und Kostenreduktion bei Probenahme- und Logistikkosten. Mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und Nutzung von Fördermöglichkeiten wird laufend in bestmögliche Laborausstattung investiert sowie eine fachlich qualifizierte und effiziente Personalausstattung bereitgestellt.
Um im Bereich der Digitalisierung und Umsetzung von einheitlichen Standards noch effizienter und schlagkräftiger zu werden, wurde im Februar 2023 die bundesweite Organisation „Tiergesundheit Österreich“ gegründet. Hier arbeiten alle Tiergesundheitsdienste, Tierhalter, Tierärzte sowie Milch- und Schlachtbetriebe an den Fragestellungen der Zukunft. Für das Datenmanagement wurde eine zentrale Auswertungsdatenbank „Tiergesundheitsdatenbank, Animal Health Data Service – AHDS“ etabliert. Damit stehen den Betrieben und Betreuungstierärzten Informationen zu Antibiotikaeinsatz und Tiergesundheit zur Verfügung. Mittels Benchmark ist es jedem Betrieb möglich zu sehen, wo er sich im Vergleich zu anderen Betrieben der gleichen Produktionsform befindet. (Schluss)
Tierwohl ist gelebte Praxis in der heimischen Nutztierhaltung
Das Thema Tierwohl steht verstärkt im Fokus der Gesellschaft. Immer wieder wird die heimische Tierhaltung – meist von NGO-Seite – mit dem Vorwurf konfrontiert, das Tierwohl werde in den Ställen der oberösterreichischen Bäuerinnen und Bauern zu wenig berücksichtigt. Das Gegenteil ist der Fall.
„Die moderne Landwirtschaft hat kaum etwas mit dem verklärten Bild der Tierhaltung in der Werbung zu tun. Durch viele Um- und Neubauten bei Ställen wurden und werden die Haltungsbedingungen der Tiere massiv verbessert. Technologische Entwicklungen sowie Bildungs- und Beratungsangebote unterstützen die Tierhalter im Management ihrer Tierbestände. Die Tiere sind die Lebensgrundlage für den Großteil der Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich und daher achten diese selbstverständlich auf eine entsprechende Haltung, Fütterung und Pflege. Tierwohl ist gelebte Praxis auf den bäuerlichen Betrieben und der TGD ist dabei ein wichtiger Partner“, betont Rosemarie Ferstl, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ.
Oberösterreich verzeichnet eine ausgezeichnete Teilnahmequote
Oberösterreich ist das Bundesland mit den meisten tierhaltenden Betrieben. Dies spiegelt sich auch in den Betriebs- und Tierzahlen, sowie in der TGD-Teilnahme wider. „Auch wenn die Teilnahme am TGD grundsätzlich freiwillig ist, ist doch bei vielen Qualitätsprogrammen die Teilnahme verpflichtend und dort ein wichtiger Baustein in der Qualitätssicherung. Eine moderne Tierhaltung ohne Tiergesundheitsdienst ist kaum vorstellbar. Gerade für Produktionsformen, die einen gewissen Tierarzneimitteleinsatz durch den Tierhalter voraussetzen, etwa Eisenprophylaxe oder Impfprogramme, ist eine TGD-Teilnahme unverzichtbar", betont Rosemarie Ferstl.
„Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Tierärzteschaft, Verarbeitungsbetrieben, den Verbänden und Behörden ist entscheidend, um praxisorientierte und weiterhin vorbildliche, den modernen Anforderungen entsprechende Standards in Österreich sicherzustellen. Das sind wichtige Voraussetzungen für die hohe Qualität der heimischen Produkte", unterstreicht die Vizepräsidentin.
Barbara Leeb als neue Geschäftsführerin des OÖ TGD bestellt
Mit der bevorstehenden Pensionierung des langjährigen Geschäftsführers Gottfried Schoder stand beim oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst eine zentrale personelle Weichenstellung an. In der außerordentlichen Generalversammlung des OÖ TGD am 16. Juli 2026 wurde Barbara Leeb als Nachfolgerin von Gottfried Schoder zur neuen Geschäftsführerin bestellt. Mit ihr übernimmt eine erfahrene Tierärztin die Verantwortung für die strategische und operative Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes. Gottfried Schoder, der den OÖ TGD seit Vereinsgründung vor 23 Jahren mit großem Engagement geführt und wesentlich zu dessen heutiger Stärke beigetragen hat, gilt großer Dank und Anerkennung.
Tiergesundheitsdienste – Zukunftsprozess 2035
Das neue Tiergesundheits- und Tierarzneimittelgesetz macht es notwendig, die TGD-Verordnung, die Arzneimittel-Anwendungsverordnung und die Antibiotika-Mengenströme-Verordnung zu novellieren. Damit werden Anpassungen im Bereich der Struktur, der Zusammenarbeit zwischen Tierhaltern und Tierärzten, der Professionalisierung, der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz vorgenommen. Es braucht auch Lösungen für die tierärztliche Versorgung der Nutztierbestände in strukturschwachen Regionen sowie für die Akut- und Notversorgung. Tiergesundheitsdienste können Unterstützung geben und Teil der Lösung sein.
Ziel ist die rasche Schaffung einer klaren und zeitgemäßen Rechtsgrundlage zur Weiterentwicklung der Tiergesundheitsdienste. Ziel muss die Etablierung eines modularen Systems sein, das den unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen gerecht wird und eine flexible Ausgestaltung von Leistungen ermöglicht. Dieses System soll Betreuungsintensität, Leistungsumfang und Kostenstruktur transparent und bedarfsgerecht differenzieren. Betriebe sollen je nach Größe, Produktionsrichtung, Risikoprofil und praktische Betriebsanforderungen in Abstimmung mit ihrem Betreuungstierarzt passende Module wählen können. Damit wird eine zielgerichtete Betreuung im Sinne der Tiergesundheit und Qualitätssicherung sichergestellt.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Einbindung der Landwirtinnen und Landwirte in der Zusammenarbeit mit dem Betreuungstierarzt oder der Betreuungstierärztin. Eigenverantwortung, Nutzung von digitaler Dokumentation und Datenbereitstellung, sowie die aktive Teilnahme an Gesundheitsprogrammen sind wesentliche Faktoren für nachhaltige Verbesserungen in der Tiergesundheit, im Tierwohl und in der Biosicherheit. Darauf aufbauend ist die Systematik für die Aus- und Weiterbildungserfordernisse praxisnah im Rahmen der Module anzupassen.
„Wir brauchen eine klare Zielsetzung sowie den Willen zur gemeinsamen Umsetzung zwischen Landwirtschaft und Tierärzteschaft. Es gilt jetzt die Grundlagen und den Rahmen zu schaffen, um aktuelle und kommende Herausforderungen und Anforderungen im Bereich der Tiergesundheit, Qualitätssicherung und Seuchenprävention unter Berücksichtigung der strukturellen Entwicklungen in Tierhaltung und Veterinärversorgung aktiv bearbeiten zu können. Zentrale Zielsetzung muss ein niederschwelliger Zugang und damit eine breitere Umsetzung von Tiergesundheitsmaßnahmen in der Nutztierhaltung sein“, hält Rosemarie Ferstl fest.
TGD Labor – wichtig bei diagnostischer Zuarbeit
Das vereinseigene Labor im Ried im Innkreis ist eine wichtige Einrichtung zur Unterstützung in der Diagnostik. „Als Vorsitzende des OÖ TGD ist es mir wichtig, dass sich auch das Labor den Anforderungen entsprechend weiterentwickelt. Dazu braucht es effiziente Abläufe und die Bereitstellung bestmöglicher technischer Einrichtungen. So wird aktuell in ein Gerät zur raschen Identifikation von Bakterien (MALDI-TOF Massenspektrometer) investiert. Vorteile dieses Gerätes sind die Verringerung der Materialkosten der Untersuchung und die hohe Geschwindigkeit der Analyse“, unterstreicht Rosemarie Ferstl die Wichtigkeit und zeitgemäße Ausstattung des TGD eigenen Labors.
„Barbara Leeb verfügt durch ihre bisherige Arbeit u.a. im Fachbereich Schwein über breite Expertise in der Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitsprogrammen sowie in der Zusammenarbeit mit Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Mit ihr als Tierärztin in der Geschäftsführung setzen wir ein deutliches Zeichen für den Wandel im Berufsstand. Sie hat durch ihre fachliche Kompetenz, ihren Werdegang und ihre Zukunftsperspektiven im Bewerbungsverfahren klar überzeugt.
Der OÖ TGD ist mit dieser Neubesetzung weiterhin bestens aufgestellt und kann seine wichtige Arbeit für die oberösterreichischen Tierhalterinnen und Tierhalter sowie Tierärztinnen und Tierärzte nahtlos fortsetzen. Ich freue mich auf eine positive und gute Zusammenarbeit und wünsche Barbara Leeb alles Gute und viel Schaffenskraft für diese verantwortungsvolle Position", so Andreas Jerzö, Landesstellenpräsident der Österreichischen Tierärztekammer, Landesstelle OÖ.
TGD OÖ: verlässlicher Partner des öffentlichen Veterinärwesens
Biosicherheit ist in den Betrieben des Tiergesundheitsdienstes gut umgesetzt und stellt zugleich einen wesentlichen Bestandteil jeder Betriebserhebung dar, bei der noch vorhandene Sicherheitslücken aufgezeigt und konkrete Lösungsvorschläge zur Verbesserung entwickelt werden. Die Biosicherheit dient dabei nicht nur dem Schutz vor allgemeinem Krankheitseintrag, sondern auch dem Schutz vor dem Eintrag von Tierseuchen.
In der Tierkörperverwertung Regau (TKV Regau) wird auf Antrag der Betreuungstierärzte jährlich etwa ein Prozent der dort angelieferten Tierkadaver einer Sektion unterzogen und pathologisch untersucht. Neben der Feststellung der Todesursache oder Tierkrankheit dient dies auch dem Ausschluss von Tierseuchen. Zudem werden dort im amtlichen Auftrag an ausgewählten Tierkadavern Proben zur Untersuchung auf Tierseuchen wie Klassische und Afrikanische Schweinepest, Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) und Transmissible spongiforme Enzephalopathien (TSE) sowie Tuberkulose durchgeführt.
Im Labor des Tiergesundheitsdienstes Oberösterreich werden im Auftrag des Landes Oberösterreich Tankmilchproben auf Brucellose, Leukose und IBR/IPV untersucht. Damit kann auf kostenschonende Art die stichprobenartige Untersuchung auf diese anzeigepflichtigen Tierkrankheiten sichergestellt werden. Weiters werden im Labor des TGD OÖ im amtlichen Auftrag Untersuchungen auf Bovine Virus-Diarrhoe (BVD) durchgeführt. Dieser guten Zusammenarbeit ist die seit mehreren Jahren bestehende Anerkennung Österreichs als „BVD-freies Land" zu verdanken, was den Rinderhaltern den Tierverkehr wesentlich erleichtert und zum Exporterfolg der heimischen Rinderwirtschaft beiträgt.
„Im TGD-Labor werden zudem zahlreiche Untersuchungen auf Antibiotika-Resistenzen durchgeführt und damit eine Entscheidungsgrundlage für die Tierärzte bei der Auswahl der richtigen Tierarzneimittel geschaffen. In Summe kann so der Einsatz antibiotischer Tierarzneimittel reduziert und die Gefahr der Resistenzbildung verringert werden. Die TGD-Programme führen bei den einzelnen Tierarten – Rind, Schwein, kleine Wiederkäuer, Fische und Wildtiere in Gehegehaltung – nicht nur zu besserer Tiergesundheit und höherer Wirtschaftlichkeit der teilnehmenden Betriebe, sondern auch zu besserem Tierschutz", erläutert Landesveterinärdirektor Thomas Hain.
Schwerpunkte und zukünftige Entwicklung des OÖ TGD
„Ich verfolge das klare Ziel, den TGD als unverzichtbaren Partner für Tiergesundheit, Tierwohl und eine zukunftsorientierte, nachhaltige Nutztierhaltung weiter zu stärken. Der OÖ TGD als größter österreichischer Tiergesundheitsdienst, gemessen an den Teilnehmerzahlen, mit eigenem veterinärmedizinischem Labor, Durchführung von Sektionen an der TKV Regau ist für diese Aufgaben gut aufgestellt und bietet seinen Teilnehmern eine Vielzahl an Leistungen“, fasst die neue Geschäftsführerin Barbara Leeb zusammen.
Die Arbeitsschwerpunkte im Detail:Weiterentwicklung von Tiergesundheitsprogrammen: Bestehende Programme zur Prävention und Stabilisierung wichtiger Tierkrankheiten werden kontinuierlich auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt. Als Beispiel dient hier die erfolgreiche Umsetzung von Programmen, wie z.B. im Bereich PRRS (Porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom (Schwein)) (Überwachungsprogramm mit Untersuchungen und Impfungen) als wichtiger Baustein für die langfristige Verbesserung der Tiergesundheit.Nutzung von Gesundheitsdaten: Die systematische Nutzung vorhandener Gesundheitsdaten bietet großes Potenzial für die frühzeitige Krankheitserkennung, gezielte Beratung und evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen. Eine verstärkte Auswertung und Aufbereitung dieser Daten, sowie die fixe Einbindung in die Betriebserhebungen stärken die Arbeit des Tiergesundheitsdienstes punktgenau.Starke Zusammenarbeit: Die erfolgreiche Umsetzung von Tiergesundheits-maßnahmen erfordert eine enge Kooperation zwischen Tierärzten, landwirtschaftlichen Betrieben, Beratung, Verbänden, Forschungseinrichtungen und Behörden. Der Tiergesundheitsdienst soll weiterhin eine zentrale Plattform für fachlichen Austausch und Wissenstransfer darstellen.Förderung eines verantwortungsvollen Arzneimitteleinsatzes: Programme zum Antibiotikamonitoring und zur Verbesserung der Tiergesundheit leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes und zur Sicherstellung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Tierarzneimitteln.Wissensvermittlung und Weiterbildung: Fortbildungsangebote für Tierärzte und Tierhalter sowie praxisnahe Informationsmaterialien tragen wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung von Tiergesundheitsmaßnahmen bei und stärken die Rolle des Tiergesundheitsdienstes als Kompetenzzentrum. Der OÖ TGD in Zahlen
Aktuell sind 9.710 Betriebe und 326 Tierärzte Mitglieder im OÖ TGD. Die Teilnahme bietet Rechtssicherheit bei der Einbindung der Tierhalter in die Behandlung der Tiere (Arzneimittelsicherheit) und unterstützt bei der Absicherung der Tiergesundheit. Geboten wird ein umfangreiches Angebot in den Bereichen Diagnostik, Weiterbildung sowie bei Gesundheitsprogrammen.
Eine tragende Säule ist das eigene TGD-Labor in Ried im Innkreis, wo jährlich eine Vielzahl an Untersuchungen, z.B. knapp 14.000 BVD Untersuchungen, 42.000 bakteriologische Milchuntersuchungen, 9.000 PRRS Untersuchungen durchgeführt werden (siehe dazu TGD Jahresbericht 2025). Die Zusammenarbeit mit dem Qualitätslabor Österreich und dem Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung in OÖ ermöglicht die effiziente Handhabung und Kostenreduktion bei Probenahme- und Logistikkosten. Mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln und Nutzung von Fördermöglichkeiten wird laufend in bestmögliche Laborausstattung investiert sowie eine fachlich qualifizierte und effiziente Personalausstattung bereitgestellt.
Um im Bereich der Digitalisierung und Umsetzung von einheitlichen Standards noch effizienter und schlagkräftiger zu werden, wurde im Februar 2023 die bundesweite Organisation „Tiergesundheit Österreich“ gegründet. Hier arbeiten alle Tiergesundheitsdienste, Tierhalter, Tierärzte sowie Milch- und Schlachtbetriebe an den Fragestellungen der Zukunft. Für das Datenmanagement wurde eine zentrale Auswertungsdatenbank „Tiergesundheitsdatenbank, Animal Health Data Service – AHDS“ etabliert. Damit stehen den Betrieben und Betreuungstierärzten Informationen zu Antibiotikaeinsatz und Tiergesundheit zur Verfügung. Mittels Benchmark ist es jedem Betrieb möglich zu sehen, wo er sich im Vergleich zu anderen Betrieben der gleichen Produktionsform befindet. (Schluss)
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