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Wien, 21. September 2026 (aiz.info)

Moosbrugger: Missernte bei Herbstkulturen dramatischer, als befürchtet

Weitere Investitionen in Klimafitness der Land- und Forstwirtschaft erforderlich

„Die Missernte der Herbstkulturen fällt noch dramatischer aus, als befürchtet. Die bisherigen Schätzungen bestätigen unsere Aussage, dass unsere Landwirtschaft von einer Trockenheit bisher ungeahnten Ausmaßes getroffen und geschädigt worden ist. Die Ertragseinbußen zeigen, wie überlebensnotwendig das Dürrepaket und die anderen gesetzten Maßnahmen waren und sind“, betont Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger

„Diese Entwicklung zeigt auch, wie wichtig es war und ist, dass unsere Landwirtschaft früh auf Boden- und Klimaschutz, Klimawandelanpassung und ein starkes Risikomanagement gesetzt hat. Ansonsten wären die Schäden und die Lage auf unseren Höfen noch viel dramatischer“, so Moosbrugger, der weitere Zukunftsinvestitionen in die Klimafitness der heimischen Land- und Forstwirtschaft als wichtig erachtet und etwa auf Projektmaßnahmen a la www.klimafittelandwirtschaft.at verweist. 

Die Ernteerwartungen bei den Herbstkulturen fallen heuer sehr enttäuschend aus. Die Unterschiede sind in den einzelnen Regionen selbst stark ausgeprägt. Vor allem auf leichten, sandigen Böden sowie auf Schotterstandorten war das pflanzenverfügbare Wasser bereits früh im Jahr aufgebraucht, wodurch Pflanzen vertrockneten. Es gab zudem Flächen, die aufgrund der Dürrefolgen nicht geerntet worden konnten. So legte beispielsweise Mais teilweise keine Kolben an oder die Befruchtung blieb infolge der extremen Hitze aus.

Das Frühjahr war zudem von kalten Nächten und Spätfrösten geprägt. Auch die Eisheiligen machten sich in vielen Regionen bemerkbar. In der Folge froren teilweise Bestände ab und mussten neu angebaut werden. Diese Kulturen konnten sich meist nicht mehr vollständig erholen und wiesen deutlich geringere Erträge auf. Aufgrund der späteren Entwicklung fiel die Blüte zudem häufig in die Phase der Extremhitze, was zusätzliche Probleme bei der Befruchtung verursachte.

Die Getreideernte wurde mittlerweile von der AMA erhoben, hochgerechnet und veröffentlicht. Bei den Kulturen, die erst im Herbst geerntet werden, sind Ertragsschätzungen derzeit noch schwierig. Bis zum Abschluss der Ernte sind daher noch deutliche Veränderungen möglich.

Mais:

Mais ist eine Pflanze, die Dürre und Trockenphasen noch am besten überstehen kann. Wenn allerdings Wasser fehlt, vortrocknet auch der Mais. Die geschätzte Ernteerwartung liegt daher bei ca. 1,5 Mio. Tonnen oder sogar darunter. Im Vorjahr wurden über 2,5 Mio. Tonnen Mais geerntet. Durch die regionalen Unterschiede belaufen sich die Ertragsverluste auf ca. 35% bis 50%. 

Als Folge der Dürre wurden heuer einige Flächen, die zur Kolben- bzw. Körnerernte vorgesehen waren, für die Rinderfütterung siliert – teilweise auch, weil keine Kolben ausgebildet wurden. Da dieses Futter sehr rohfaserreich ist, stellt es eine Notlösung dar.

Grundsätzlich sind die Niederschläge in Österreich so verteilt, dass in den Sommermonaten durchschnittlich mindestens doppelt so viel Niederschlag fällt wie in den Wintermonaten. Dass Niederschläge über einen längeren Zeitraum nahezu vollständig ausbleiben, stellt daher eine Ausnahmesituation dar, die in dieser Ausprägung von der Klimaforschung nicht prognostiziert wurde.

Soja:

Soja ist während der Blüte empfindlich gegenüber Hitze und hat heuer zum Teil Hülsen abgeworfen. Auch die Kornausbildung ist dieses Jahr gering. Die Ertragserwartung wird daher auf ca. minus 50% geschätzt. Während 2025 noch eine Menge von knapp 246.000 Tonnen geerntet werden konnte, liegt die Ernteschätzung in diesem Jahr aktuell bei rund 125.000 Tonnen.

Zuckerrübe: 
In der Zuckerrüben-Züchtung konnten bereits Erfolge punkto Trockenresistenz erzielt werden. Allerdings war es für die Zuckerrübe in allen Regionen zu trocken, im Osten am deutlichsten. Die Ertragserwartungen bewegen sich von minus 30% in den besseren Lagen bis minus 70% im Trockengebiet. Die Erntemenge sinkt somit voraussichtlich von 1,98 Mio. Tonnen auf ca. 940.500 Tonnen.

Sonnenblume: 

Die Sonnenblume kann mit trockenen klimatischen Bedingungen grundsätzlich gut umgehen und wird gerne auf Böden angebaut, die Wasser schlechter speichern können (sandig, Schotteruntergrund). In diesem Jahr war es jedoch auch für die Sonnenblume zu trocken. Mit ohnehin geringen Durchschnittserträgen je Hektar lagen die ersten Ertragsmeldungen deutlich unter 1.000 kg. Im 5-Jahresdurchscnitt liegen die Erträge bei 2.700 kg. Noch nicht abgedorrte Pflanzenbestände zeigen, dass die Sonnenblumenkörbe teilweise nicht vollständig mit Körnern gefüllt sind. Die geschätzte Ernteerwartung liegt bei minus 35% bis 50% im Vergleich zum Vorjahr.

Erdäpfel:

Die geschätzten Ertragserwartungen bewegen sich zwischen minus 50% bis minus 70%, sind also dramatisch. Neben den geringeren Erträgen hofft man, dass heuer auch verformte oder kleinere unförmige Knollen vermarktet werden können, um die Versorgung mit heimischen Erdäpfeln zu verbessern. 

„Aktives Handeln – in Politik genauso wie auf den Höfen selbst – ist wichtig, denn diese Entwicklung verdeutlicht, dass eine sichere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln ansonsten gefährdet ist. Auch wäre es fahrlässig, sich in weltpolitisch herausfordernden Zeiten auf andere Länder zu verlassen, denn wenn es hart auf hart kommt, wird jeder Staat zuerst auf die eigene Bevölkerung schauen“, gibt der LKÖ-Präsident zu bedenken.

„Die Entwicklung verdeutlicht außerdem, dass wir Fortschritte in Forschung und Entwicklung erzielen und nützen müssen und nicht aus reflexartiger Angst alles Neue ablehnen dürfen“, betont Moosbrugger auch im Hinblick auf neue Züchtungsmethoden und andere wissenschaftliche Errungenschaften, die von den europäischen Behörden bereits einer intensiven Prüfung unterzogen und für sicher erachtet worden sind. Diese könnten künftig entscheidende Vorteile etwa hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit bringen. 

„Angesichts dieser weite Teile Europas betreffenden Dürre ist es nicht verständlich, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer vielbeachteten Rede diese Woche zwar lobende Worte für die Bäuerinnen und Bauern findet, dann aber bei den Agrarmitteln und somit den Ausgleichszahlungen für Bauernleistungen sparen will. Wer die Versorgungssicherheit Europas für die Zukunft absichern möchte, wird auch ausreichende Zukunftsinvestitionen in die Land- und Forstwirtschaft tätigen müssen“, fordert der LKÖ-Präsident. (Schluss)
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