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Linz, 26. Mai 2026 (aiz.info)

Milchbauern brauchen Trendumkehr bei Erzeugerpreisen

Steigende Energie- und Düngemittelpreise sind starker Kostentreiber

Nach einer durchaus positiven Entwicklung am Milchmarkt seit Beginn des Jahres 2024 hat sich die Lage in den letzten Monaten deutlich eingetrübt und verschlechtert. Hauptursache dafür sind hohe Anlieferungsmengen und insbesondere geopolitische Unsicherheiten, die die Märkte wiederholt negativ beeinflussen. Diese wirken sich auf vielen Ebenen des Marktgeschehens aus. Die daraus resultierenden Effekte haben teilweise unmittelbaren Einfluss auf die Erlös- und Kostensituation der Milcherzeuger und können von diesen kurzfristig kaum oder gar nicht beeinflusst werden.

„Milcherzeugung ist von langfristigen Entscheidungen geprägt und daher auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen: Eine Milchkuh kann man nicht ein- und ausschalten, je nachdem ob Milch nachgefragt ist oder weniger Absatz hat. Stallbauinvestitionen haben einen Planungs- und Nutzungshorizont von zumindest 20 Jahren und können nicht tagaktuell ein- oder verkauft werden, die Nutzungsdauer von Kühen geht über viele Jahre. Die Volatilität der Preise und die Auswirkung auf Kosten von globalen Ereignissen erschweren Planung und die laufende Produktion. Dieses massive Auf- und Ab von Preisen fordert die bäuerlichen Betriebe zusehends“, stellt Landwirtschaftskammer Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger fest.

Milchpreise zunehmend unter Druck

Die Preisentwicklung bei Milch in den vergangenen Monaten ist nicht erfreulich. Nachdem sich die Preise von Beginn 2024 nach oben entwickelt haben, setzte im November 2025 ein deutlicher Rückgang ein. Das Jahr 2025 war zunächst von einer stabilen Milchpreissituation geprägt. 

Im Jahresdurchschnitt 2025 lag der Milchpreis bei 54,06 Cent netto pro Kilogramm (4,2 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß, Qualitätsmilch konventionell). 2023 lag der Jahresdurchschnittspreis bei 49,47 Cent, 2024 bei 48,26 Cent. Die ersten drei Monate des Jahres 2026 zeigen einen Durchschnitt von 46 Cent und die Preise tendieren bis Juni abgeschwächt abwärts. Im Mai liegen die Auszahlungspreise je nach Verarbeiter bei etwa 42 bis 43 Cent. Hier sind durchschnittliche Mengen- und Tierwohlboni bereits berücksichtigt. Die Zuschläge für Bio konnten sich auf 8 bis 10 Cent verbessern. 

Die Milcherzeugung muss langfristig gedacht werden, vor allem bei Erlösen und Kosten. Es ist daher wichtig, dass nicht nur die laufenden Betriebskosten gedeckt werden, sondern auch ein Einkommen für die geleistete Arbeit entsteht und Abschreibungen verdient werden können. Nur so wird weiterhin in die Milchviehhaltung investiert und die Betriebe können langfristig wirtschaftlich bestehen bleiben.

„Die höheren Preise der vergangenen Jahre waren in der Milchproduktion dringend notwendig, um Einkommen zu sichern und Spielräume für Investitionen auf den Betrieben zu schaffen. Umso stärker wiegt der aktuelle, schmerzhafte Rückgang der Auszahlungspreise. Es braucht daher rasch eine Trendumkehr. Voraussetzung dafür ist, dass sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder deutlich verbessert“, ist Waldenberger überzeugt.

Auch die zuletzt attraktiven Preise für zusätzliche Erlöse bei Kälbern und Schlachtrindern haben sich spürbar abgeschwächt. Bei den Kälberpreisen wirken sich insbesondere die rückläufigen Schlachtpreise dämpfend aus. „In der Rindfleischvermarktung ist es daher dringend erforderlich, rasch eine Bodenbildung des aktuellen Abwärtstrends zu erreichen“, so Waldenberger.

EU- und weltweit stark gestiegenes Milchaufkommen
 
Die Preisentwicklung in Kombination mit einer guten Grundfuttersituation im Jahr 2025 führte ab Herbst 2025 nicht nur in Österreich zu deutlichen Anlieferungssteigerungen. Die Marktentwicklungen in Österreich stehen in enger Verflechtung mit dem EU-Binnenmarkt und dem Handel mit Drittländern.
 
In Österreich wurden im Jahr 2025 3,679 Millionen Tonnen Milch produziert. Das bedeutet einen EU-Anteil der Milchanlieferung von 2,36 Prozent. Deutschland, Frankreich und die Niederlande liefern in Summe ca. 48 Prozent der EU-Menge. Ergänzt man noch Polen und Italien ergibt dies knapp zwei Drittel der EU-Produktion. Die Steigerung der Anlieferungen in diesen fünf Ländern von 2024 auf 2025 entspricht in etwa der halben österreichischen Jahresproduktion. Das zeigt, wie stark Änderungen von Anlieferungsmengen in diesen Ländern nach oben oder unten die Märkte beeinflussen. In Deutschland war von 2023 auf 2024 bei der Milchanlieferung noch ein Minus von einem Prozent festzustellen.
 
Im Jahr 2025 führten also die hohe Anlieferungsmengen – vor allem in wichtigen Exportländern – zu einem steigenden Angebot auf den internationalen Absatzmärkten. Ergänzend zu den Mengen kommen noch höhere Gehalte an den Inhaltsstoffen Fett und Eiweiß.
 
Die Anlieferungskurve in Österreich und der EU zeigt Mitte bis Ende Mai die höchsten Tagesanlieferungen. Der im Jahresverlauf übliche Lieferrückgang auch in anderen europäischen Ländern sollte dazu beitragen, den Abwärtstrend bei den Erzeugerpreisen zumindest einzubremsen oder zu stoppen. Die Anlieferungsmengen sind abhängig von Futterversorgung, Temperaturen und den Margen in der Milcherzeugung. Nicht prognostizierbar sind Einflüsse und Auswirken von Seuchen, wie dies beispielsweise 2024 in Deutschland aufgrund der Blauzungenerkrankung festzustellen war. Hier gilt es weiterhin vorsichtig zu sein. 

EU ist weltweit größter Exporteur von Milchprodukten

Die gesamte EU schaffte 2025 mit Exportmengen bei Milchprodukten von 5,9 Millionen Tonnen einen Exportwert von knapp 21 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen Importmengen von 1,3 Millionen Tonnen und ein Wert von knapp drei Milliarden Euro. Hier spielen vor allem Käseexporte eine sehr große Rolle. Die EU ist damit bei Milch- und Molkereiprodukten weltweit der mit Abstand größte Exporteur. 

Zuletzt hat es Diskussionen über Importe aus der Ukraine bzw. aus den USA gegeben. 
Fakt ist, dass aus der Ukraine im Jahr 2025 ca. 40.000 Tonnen an „Milchprodukten“ in die EU Importiert wurden (Wert 126 Millionen Euro). Demgegenüber hat die EU 64.000 Tonnen im Wert von 288 Millionen Euro in die Ukraine exportiert. 

Es gibt daher einen klaren Handelsüberschuss zugunsten der EU, welche bei Milchprodukten einen hohen Nettoexport in Richtung Ukraine verzeichnet. 

Auch der Handel der EU mit den USA zeigt deutliche Handelsüberschüsse. Knapp 270.000 Tonnen Exporte im Wert von 2,2 Milliarden Euro stehen 20.000 Tonnen Importen im Wert von 146 Millionen Euro gegenüber. Die EU exportiert 69.100 Tonnen Butter in die USA und importiert 3.700 Tonnen.
Die Bilanz der letzten Jahre von Butter in die USA ist positiv zugunsten der EU, sowohl bei Mengen als auch beim wertmäßigen Volumen (622 Millionen Euro zu 24 Millionen Euro im Jahr 2025).

Diese Fakten zeigen, wie wichtig bei den aktuellen Anlieferungsmengen in der EU die Exporte in Drittländer und stabile Handelsbeziehungen sind. Der Handel innerhalb der EU sowie mit Drittländern ist durch Produktionsstandards geregelt, die insbesondere bei Importen in die EU konsequent eingehalten und kontrolliert werden müssen. Österreich und die EU sind vor allem aufgrund der vergleichsweise günstigen natürlichen Produktionsbedingungen bedeutende Exporteure. Daher wirken sich internationale Entwicklungen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite direkt auf den EU-Markt und damit auch auf Österreich aus – eine Abkopplung ist weder möglich noch sinnvoll. Mittelfristig ist zudem weltweit ein anhaltender Trend zu Milchprodukten bzw. ein steigender Milchkonsum festzustellen.

Milchexporte aus Österreich steigen weiter

Im Jahr 2025 wurden österreichische Milchprodukte im Wert von 1,95 Milliarden Euro exportiert. Das entspricht einem Plus von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden Milchprodukte im Wert von 1,32 Milliarden Euro importiert. Daraus ergibt sich eine positive Handelsbilanz von 634 Millionen Euro. Diese ist gegenüber dem Jahr 2024 (609 Millionen Euro) um 4,1 Prozent gestiegen. Wichtigste Exportländer sind Deutschland (49,47 Prozent) und Italien (18,93 Prozent). 

Kieler Rohstoffwert lässt auf leichte Entspannung bei Erzeuger-Preisen hoffen

Auf eine Entspannung der Lage bei den Milchpreisen lässt ein Vergleich des Kieler Rohstoffwertes, der sich aus der Verwertung von Milch zu Butter und Pulver errechnet, und den tatsächlichen Auszahlungspreisen laut AMA-Preisberichterstattung schließen: Tendenziell folgen die Auszahlungspreise der Rohstoffwertung. Dies allerdings verzögert und nicht mit allen Extremwerten. Zuletzt konnte der Rohstoffwert wieder etwas zulegen, was Grund zur Hoffnung auf eine Preisstabilisierung gibt. Mittelfristig müssen jedoch Angebot und Nachfrage wieder in ein anderes Verhältnis kommen, um die Preise steigen zu lassen. 

Höhere Wertschöpfung durch leistungsfähige Milchverarbeiter

Österreichs Milchwirtschaft ist stark exportorientiert und setzt auf hochwertige Verarbeitung. Hohe Qualitätsstandards in der Produktion sowie die Veredelung in Molkereien bilden die Grundlage dafür. Ein wesentlicher Vorteil sind die genossenschaftlich organisierten Molkereien in bäuerlicher Hand. Ihr Fokus liegt auf möglichst hohen Auszahlungspreisen für die bäuerlichen Betriebe. Die genossenschaftliche Molkereistruktur trägt damit auch wesentlich zur Stärkung der Erzeuger bei. 

Die Wertschöpfung entsteht vor allem durch hochwertige Produkte wie Käse, Joghurt, Milchgetränke, sowie Innovationen und Angebote im Hinblick auf Ernährungstrends. Umfangreiche Qualitätsvorgaben, Kontrollen und Dokumentationen sind dafür Voraussetzung. Künftig gilt es, durch mehr Effizienz und Digitalisierung den bürokratischen Aufwand für die Betriebe zu reduzieren. 

Steigende Energiepreise als Kostentreiber

Vor allem die Energiepreise treiben die Kosten in der Milcherzeugung: Direkt etwa bei Treibstoffen während Aussaat und Ernte im Grünland, aber auch indirekt über steigende Futtermittelpreise entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zusätzlich wirken sich höhere Logistikkosten im nationalen und internationalen Handel belastend aus. Hier ist zu hoffen, dass sich die Lage im Iran beruhigt und nicht weiter für Unsicherheiten und unplanbare Risiken sorgt. In Österreich könnten aufgrund der dichten Handelsstruktur weitere Mehrkosten für Logistik und Kühlung entstehen. Diese dürfen jedoch nicht auf die Lieferanten abgewälzt werden.

Kaufverhalten entscheidet über die Zukunft der heimischen Milch

Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden mit ihrem Einkauf über die regionale Wertschöpfung in der bäuerlichen Urproduktion sowie in der Milchverarbeitung. Gleichzeitig stehen hochwertige österreichische Milchprodukte zunehmend unter Druck, da bei Handelsmarken nicht immer heimische Milch eingesetzt wird. Ein Blick auf Herkunft und Gütesiegel schafft hier für Konsumentinnen und Konsumenten Klarheit.

Forderung nach vollständiger Herkunftstransparenz

Viele Konsumentinnen und Konsumenten sowie Gastronomiebetriebe setzen konsequent auf regionale Produkte. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und bei verarbeiteten Lebensmitteln wäre ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz und zusätzliche regionale Nachfrage. „Das AMA-Gütesiegel bietet dabei eine wichtige Orientierung. Das neue Siegel ;Tierhaltung Plus‘ steht zusätzlich für höhere Standards bei Tierwohl und Milchqualität. Wir brauchen daher höchstmögliche Transparenz in Sachen Herkunft und Qualität“, fordert Waldenberger. 

Oberösterreich ist das Milchbundesland Nummer eins

Oberösterreich ist das Milchbundesland Österreichs und steht für Qualität, Innovation und bäuerliche Familienbetriebe. Im Jahr 2025 wurden in Österreich insgesamt 3,678 Millionen Tonnen Milch an heimische Molkereien, Verarbeiter und an das benachbarte Ausland geliefert. Das entspricht einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen 1,199 Millionen Tonnen auf Oberösterreich. 

Die Anzahl der Milchviehbetriebe sank 2025 österreichweit um 3,5 Prozent auf 20.811 Betriebe. In Oberösterreich fiel der Rückgang mit minus 5,7 Prozent auf 4.958 Betriebe noch deutlicher aus. Dennoch bleibt Oberösterreich die Nummer eins der österreichischen Milchproduktion: 32,6 Prozent der gesamten österreichischen Milch werden hier produziert und jeder vierte Milchviehbetrieb Österreichs befindet sich in Oberösterreich. 

Die durchschnittliche Milchanlieferung pro Betrieb lag in Oberösterreich im Jahr 2025 bei 240.000 Kilogramm. Österreichweit betrug die durchschnittliche Anlieferung rund 176.000 Kilogramm. Insgesamt gab es 2025 in Österreich 69 Milchverarbeitungsunternehmen mit 87 Betriebsstätten. Die Zahl der Milchkühe blieb sowohl österreichweit mit rund 536.000 Tieren als auch in Oberösterreich mit rund 164.000 Tieren gegenüber 2024 relativ stabil.

Im Durchschnitt wurden in Österreich 25,8 Kühe pro Betrieb gehalten, in Oberösterreich waren es 33,1 Kühe. „Trotz der Strukturentwicklung bleibt Österreich im internationalen Vergleich ein Land mit kleinstrukturierter Landwirtschaft, in der die bäuerlichen Familien ihre Tiere persönlich kennen und betreuen“, erläutert Kammerdirektor Karl Dietachmair.

Die Biomilchanlieferung in Österreich stieg von 659.796 Tonnen im Jahr 2024 auf 679.382 Tonnen im Jahr 2025 und macht damit 18 Prozent der Gesamtanlieferung aus. In Oberösterreich erhöhte sich die Biomilchanlieferung von 156.626 auf 160.338 Tonnen. Ihr Anteil an der oberösterreichischen Gesamtanlieferung liegt bei rund 13 Prozent. Von der gesamten Biomilchanlieferung in Oberösterreich wurden 41.000 Tonnen (25,6 Prozent) als Bio-Heumilch angeliefert.

Natürliche Produktionsbedingungen ermöglichten Steigerung der Milchproduktion 

Seit dem Ende der Milchquote 2015 ist die EU-Milchproduktion um 7 Prozent angestiegen. In Österreich lag der Produktionsanstieg in diesem Zeitraum bei 21 Prozent. 
Während 1995 in Österreich 2,29 Millionen Tonnen Milch angeliefert wurden, lag dieser Wert 2015 bei 3,1 Millionen Tonnen und 2025 bei 3,679 Millionen Tonnen. Seit dem EU-Beitritt wurde die Anlieferungsmenge damit um über 60 Prozent gesteigert. 
Die heimische Landwirtschaft bekam mit der Abschaffung der Milchquoten die Chance, die guten natürlichen Produktionsbedingungen (hoher Grünlandanteil) bestmöglich für die Milchproduktion zu nutzen. Das Auslaufen der Milchquote hat den Strukturwandel in der Milchproduktion aber weiter stark befeuert. Im Jahr 2015 zählte Österreich insgesamt 29.124 milchliefernde Betriebe, während es 2024 nur noch 21.557 waren. In den letzten drei Jahrzehnten haben fast drei Viertel der Milchviehbetriebe aufgegeben. Im Jahr 1995 waren es noch 83.793 Lieferbetriebe. 

Betriebsentwicklung: Standort und Strategie

Die Entwicklung von Milchviehbetrieben hängt stark vom jeweiligen Standort und seinen Voraussetzungen ab: etwa von den Möglichkeiten für den Stallbau und von der Verfügbarkeit hochwertiger Grundfutterflächen. Auch das Klima beeinflusst maßgeblich, u.a. wie ertragreich das Grünland ist. Diese Unterschiede spiegeln sich deutlich in der regionalen Entwicklung der Milchproduktion in Oberösterreich wider. Mit wachsender Betriebsgröße nimmt auch der Einsatz moderner Technik zu, sowohl im Stall als auch auf den Feldern. Wie diese eingesetzt werden kann, hängt wiederum stark von den Gegebenheiten am Standort ab.

Die wirtschaftlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen ändern sich laufend und somit auch die Herausforderungen für die Milcherzeuger. Es gibt in der Milchproduktion kein Patentrezept sondern eine Reihe von Möglichkeiten und Strategien, wie sich ein Betrieb aufstellen kann. Letztendlich zählt die Differenz von Erlösen und Kosten. 

„Die in der Produktion stehenden Betriebe in OÖ nutzen die natürlichen Produktionsvoraussetzungen für die Entwicklung ihrer Betriebe. Dazu kommen Know-how, Leidenschaft und Engagement der Betriebsleiter. Auch die Zucht leistet einen wichtigen Beitrag, indem sie die Grundlage für leistungsfähige, gesunde und an regionale Bedingungen angepasste Tiere schafft“, erläutert Dietachmair.

In OÖ stiegen die Anlieferungsmengen bei Milch von knapp 995.000 Tonnen im Jahr 2015 auf 1.199.000 Tonnen im Jahr 2025. Die deutlichsten Zuwächse sind in den Bezirken Rohrbach, Vöcklabruck, Schärding und Freistadt festzustellen. 

Die Dynamik in der Betriebsentwicklung zeigt sich auch in der Größenentwicklung der einzelnen Betriebe. Die Haupttreiber der Entwicklung sind Technik und Technologie, sowie die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit (Skaleneffekte bei Fixkosten), Erwirtschaftung von Deckungsbeitragen zur Abdeckung der Entlohnung und Abschreibung. 

Moderne Technologie stärkt Qualität und Tiergesundheit

Die Technologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Mengen- und Qualitätssteigerung in der Milchproduktion. Moderne Melksysteme ermöglichen eine besonders schonende, tierfreundliche und hygienische Milchgewinnung. Neben herkömmlichen Melkanlagen arbeiten in Oberösterreich aktuell bereits mehr als 960 Milchviehbetriebe mit automatischen Melksystemen. Diese entlasten die Bäuerinnen und Bauern und liefern wichtige Tiergesundheitsdaten, um die Herden bestmöglich zu betreuen. Damit werden in OÖ in ca. 20 Prozent der Betriebe, insgesamt etwa 31 Prozent der Tiere auf diese Weise gemolken. 

Tierwohlinitiativen und Investitionen zahlen sich aus

Die oberösterreichischen Milchviehbetriebe investieren seit Jahren konsequent in das Tierwohl. Moderne, helle und luftige Ställe, regelmäßiger Auslauf sowie Weidehaltung leisten einen wichtigen Beitrag zur Tiergesundheit und zum Wohlbefinden der Tiere.
Diese Investitionen werden mittlerweile auch vom Markt stärker honoriert. Je nach Molkerei und Tierwohlprogramm erhalten Betriebe Zuschläge von bis zu vier Cent netto pro Kilogramm Milch. Tierwohl bringt dabei mehrere Vorteile mit sich: Die Tiergesundheit verbessert sich, die Nutzungsdauer der Tiere verlängert sich und der Stress für die Tiere wird reduziert. In vielen Fällen steigen dadurch auch die Leistungen der Tiere. Gleichzeitig verbessern moderne Stallkonzepte die Arbeitsbedingungen für die bäuerlichen Familien deutlich.
Bäuerinnen und Bauern sind heute mehr denn je in ihrer Unternehmerkompetenz gefordert. 

Ausgaben für Milchprodukte steigen

Im Durchschnitt gab ein Haushalt laut RollAMA-Daten im Jahr 2025 pro Monat 229 Euro für Lebensmittel aus. Davon entfielen 23 Prozent beziehungsweise 52 Euro auf Milchprodukte.
Von den gesamten Haushaltsausgaben entfallen durchschnittlich rund 11,8 Prozent auf Lebensmittel und alkoholfreie Getränke. Für Milchprodukte inklusive Butter werden dabei lediglich rund 1,5 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben aufgewendet.

Im Jahr 2025 stieg der wertmäßige Anteil der Milchprodukte im Lebensmitteleinzelhandel um 3,6 Prozent. Mengenmäßig reduzierte sich der Absatz zwar um 1,1 Prozent, dieser liegt jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2022 und 2023. Besonders deutlich zeigt sich die hohe Nachfrage bei Butter: Der mengenmäßige Anteil von Butter stieg gegenüber Margarine um vier Prozent. Dies unterstreicht die große Beliebtheit heimischer Milchprodukte.
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