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Linz, 5. August 2026 (aiz.info)

LK OÖ fordert nationale Dürrehilfe für die Landwirtschaft

Zuspitzung bei Dürresituation sowie Energie- und Betriebsmittelkostenanstiege wirtschaftlich für viele Betriebe nicht mehr bewältigbar

Oberösterreichs Landwirtschaft steckt in der schwersten Dürre seit Jahrzehnten. Die anhaltende Dürre betrifft heuer praktisch alle landwirtschaftlichen Produktionssparten in Oberösterreich. Vielerorts drohen dramatische Ertragsausfälle bis hin zu Totalausfällen. Viele tierhaltende Betriebe sind bereits gezwungen, erhebliche Mengen an Ersatzfuttermitteln zuzukaufen oder ihre Tierbestände teilweise abzustocken. Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert daher wirksame öffentliche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Betriebe. „Die Trockenheit hat heuer ein Ausmaß erreicht, das wir so noch nicht erlebt haben. Für zahlreiche bäuerliche Familienbetriebe steht damit die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel. Erschwerend kommt hinzu, dass gleichzeitig auch die Energie- und Betriebsmittelkosten massiv gestiegen sind. Wir brauchen jetzt rasch wirksame nationale Hilfen – sei es über Entlastungen bei der Sozialversicherung oder über Direkthilfen“, appelliert LK OÖ-Präsident Franz Waldenberger.

Ernteausfälle in nahezu allen Produktionssparten

Die anhaltende Trockenheit hat sich in den vergangenen Wochen weiter dramatisch zugespitzt. Oberösterreich verzeichnet heuer das trockenste erste Halbjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, österreichweit war es das zweittrockenste. In zahlreichen Regionen des Landes drohen im Grünland Ertragsausfälle von bis zu fünfzig Prozent, bei Herbstkulturen, wie Mais und Soja, kommt es vielerorts bereits zu massiven Mindererträgen bis hin zu Totalausfällen. Besonders angespannt ist die Situation für all jene Betriebe, die auf das Grundfutter vom Grünland angewiesen sind: Die Futtervorräte gehen in besonders betroffenen Regionen bereits zur Neige. Die Tierhalter versuchen ihren Futterbedarf über Zukäufe sowie, wo möglich, über den Anbau von Feldfutter und weiteren Futterzwischenfrüchten zu sichern. „Die Lage spitzt sich in den betroffenen Regionen immer weiter zu. Viele Betriebe stehen bereits jetzt vor Abstockungen ihrer Rinderherden, weil sich das Futter für den Winter schlicht nicht mehr ausgeht“, so Waldenberger.

Stark gestiegene Energie- und Betriebsmittelkosten verschärfen die Lage zusätzlich

Neben den Wetterextremen und Trockenperioden belastet vor allem der starke Anstieg der Energie- und Betriebsmittelkosten die heimischen Betriebe. Diese sind seit dem Frühjahr infolge des Konflikts im Nahen Osten spürbar gestiegen, in besonderem Maße die Kosten für Stickstoffdünger, aber auch die Treibstoffkosten für Diesel. Gleichzeitig kämpfen aktuell viele Produktionssparten mit schwierigen Marktsituationen, etwa der Ackerbau und die Schweinehaltung. „Wenn Dürre und explodierende Betriebsmittelkosten gleichzeitig zuschlagen, reichen die bestehenden Sicherheitsnetze nicht mehr aus. Wir brauchen jetzt rasch spürbare nationale Hilfen entweder in Form von Entlastungen im Bereich der Sozialversicherung oder durch Direktzahlungen an die betroffenen Betriebe“, fordert Waldenberger.

Hagelversicherung als Rückgrat der Risikovorsorge absichern

Ein zentrales Sicherheitsnetz für die heimischen Betriebe bleibt die Österreichische Hagelversicherung. Rund 85 Prozent der oberösterreichischen Ackerbaubetriebe und rund 60 Prozent der Grünlandbetriebe sind bereits über die Dürreindex-Versicherung abgedeckt – ein Beleg dafür, wie fest dieses Instrument in der betrieblichen Risikovorsorge verankert ist. Wie wichtig diese Absicherung ist, zeigt sich gerade heuer: Laut Einschätzung der Österreichischen Hagelversicherung wird es für einen Großteil der Betriebe zu Auszahlungen von Dürreentschädigungen kommen, insbesondere wenn die prognostizierten Niederschläge in den nächsten Tagen ausbleiben bzw. gering ausfallen. Möglich wird diese breite Absicherung durch die Prämienbezuschussung von 55 Prozent durch die öffentliche Hand, in die Bund und Land Oberösterreich heuer gemeinsam rund 36 Millionen Euro investieren. „Ohne diese Unterstützung könnten sich viele Betriebe eine ausreichende Absicherung gar nicht leisten. Gerade angesichts der zunehmenden Wetterextreme muss dieses System auch künftig finanziell abgesichert und dort weiterentwickelt werden, wo es die Betriebe am dringendsten brauchen“, so Waldenberger.

LK OÖ unterstützt mit Service- und Beratungspaket 

Angesichts der angespannten Futtersituation infolge der Dürre unterstützt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich tierhaltende Betriebe mit einem Service- und Beratungspaket: Kooperationen zwischen Ackerbau- und Viehhaltungsbetrieben werden aktiv gefördert, damit Ackerbaubetriebe Flächen für den Anbau von Futterzwischenfrüchten zur Verfügung stellen können. Ergänzend vermittelt die Futtermittelbörse der LK OÖ Futtermittelangebote und -gesuche; auch die Bereitstellung von Körnermais zur Silomaisnutzung kann darüber koordiniert werden. „Wo Futter fehlt, muss es rasch und unbürokratisch zu den Betrieben kommen, die es brauchen. Genau das leisten unsere Kooperations- und Vermittlungsangebote“, so Waldenberger.

Erleichterungen bei Auflagen erwirkt

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) hat auf Drängen der Landwirtschaftskammern vor kurzem auf die angespannte Situation reagiert und bei mehreren Förderauflagen Erleichterungen ermöglicht. Bei der Ernteverpflichtung im Agrarumweltprogramm ÖPUL und in der Bergbauern-Ausgleichszulage entfällt heuer in den besonders von der Dürre betroffenen Bezirken Eferding, Grieskirchen, Kirchdorf, Linz, Linz-Land, Perg, Steyr, Steyr-Land, Urfahr-Umgebung, Wels und Wels-Land die sonst erforderliche einzelbetriebliche „Höhere Gewalt“-Meldung bei Nichternte. Beim Zwischenfruchtanbau und im „System Immergrün“ wird die trockenheitsbedingt ausbleibende flächendeckende Begrünung österreichweit bei Kontrollen berücksichtigt. Auch im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Tierwohl – Weide“ trägt man der Situation Rechnung: Der Grundfutterbedarf muss heuer nicht zwingend überwiegend über die Weide gedeckt werden. Zusätzlich wurde auf Initiative von Bio Austria und der Landwirtschaftskammer OÖ vom Land Oberösterreich ein Antrag für eine Ausnahme zur Verwendung von nichtbiologischem Grundfutter für das gesamte Bundesland genehmigt, um die Futterversorgung biologisch wirtschaftender Tierhaltungsbetriebe abzusichern.

Dennoch braucht es weitere bürokratische Erleichterungen, etwa durch längere Fristen im „System Immergrün“, eine Verkürzung der Mindestweidedauer bei der ÖPUL-Maßnahme „Tierwohl – Weide“ und die Möglichkeit zur ausnahmsweisen Silagebereitung bei spätem Feldfutter und Zwischenfrüchten im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme Heuwirtschaft. „Die rasche Reaktion des Ministeriums bringt wichtige bürokratische Vereinfachungen für unsere Betriebe. Zusätzlich braucht es nun rasch wirksame Direkthilfen als wichtiges Signal für die hauptbetroffenen Betriebe zum wirtschaftlichen Durchhalten – auch wenn klar ist, dass diese am Ende nur einen Teil der aufgetretenen wirtschaftlichen Schäden decken können“, betont Waldenberger abschließend. (Schluss)
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