LK OÖ: Ackerbau in ständigem wirtschaftlichen Krisenmodus
Ausblick Frühjahrsanbau 2026: Globale Rekordernten treffen auf knappe Energie- und Düngerversorgung
Das Jahr 2025/26 brachte weltweit Rekordernten bei Weizen, Mais, Sojabohnen und Raps und die noch vollen Lager drücken die Preise bei den Ackerkulturen. Schon vor Beginn des Nahostkonflikts sahen sich die Ackerbauern wegen zu hoher Produktionskosten mit zu geringen Erlösen konfrontiert. Seit dem Kriegsbeginn im Iran verteuerten sich die Produktionsmittel für die Ackerbauern bei einer gängigen Fruchtfolge um durchschnittlich 150 Euro je Hektar, davon entfallen zwei Drittel auf höhere Düngerkosten und ein Drittel auf höhere Dieselkosten.
„Bei düngeintensiven Kulturen wie Weizen oder Mais beträgt derzeit die Kostensteigerung sogar bis zu 180 Euro je Hektar. Der Deckungsbeitrag betrug bei acht Tonnen guter Mahlweizenqualität zuletzt 340 Euro je Hektar und zeigt so die Dimension der Kostensteigerung auf. Für viele Getreidebauern rechnet sich so die Produktion nicht mehr“, rechnet Franz Waldenberger, der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, vor.
Landwirtschaft bleibt auf den steigenden Dünger- und Dieselkosten sitzen
Zwar ist der Weizenpreis bei Ausbruch des Irankrieges kurz gestiegen, aber mittlerweile an der Euronext wieder auf 218 Euro je Tonne gefallen. Ebenso ist die Maisnotierung lediglich um 10 Euro auf 209 Euro je Tonne gestiegen. Auch die Rapsnotierung stieg mit 20 Euro nur verhalten auf 491 Euro je Tonne. Das zeigt, dass die massiven Preissteigerungen bei Weizen, Mais und Raps, im Gegensatz zum Ausbruch des Russland-Ukraine Krieges, diesmal ausbleiben. Der Nahe Osten ist eben bei diesen Agrarrohstoffen ein Zuschussgebiet und nicht wie Russland und die Ukraine globaler Getreideversorger. So droht der Landwirtschaft, dass sie vorerst auf den steigenden Dünger- und Dieselkosten sitzen bleibt. Langfristig könnten aber wegen der nachhaltigen Marktstörungen die Preise der Agrarrohstoffe und mit ihnen die Lebensmittelpreise steigen.
Irankrieg kann im afrikanischen und asiatischen Raum Ernährungskrise auslösen
Die Sperre der Straße von Hormus entzieht der globalen Landwirtschaft 35 Prozent des weltweiten Harnstoffbedarfs und etwa 50 Prozent des global gehandelten Schwefels. Gerade Ammoniak und Schwefelsäure fehlen in großen Mengen für die Stickstoff- und Phosphordüngerherstellung. Der Iran, Katar und Ägypten zählen neben Russland zu den wichtigsten weltweiten Düngerherstellern und hier werden aktuell Anlagen und Aufbereitungsanlagen nachhaltig zerstört. Zusätzlich verschärft Russland die Situation durch Exportbeschränkungen bei Düngemitteln, insbesondere bei Ammoniumnitrat. Wie letzte Woche angekündigt, werden die Exporte bis zum 21. April ausgesetzt, was die weltweiten Düngerpreise weiter nach oben treibt und die Versorgungsengpässe in ohnehin stark betroffenen Regionen verstärkt.
Ohne ausreichend Stickstoff- und Phosphordünger werden weltweit die Ernten zurückgehen und können vor allem im afrikanischen und asiatischen Raum Hungerkrisen und Flüchtlingswellen auslösen. Abgesehen vom menschlichen Leid führt die Verknappung der Erdöl- und Gaslieferungen zu steigenden Preisen für Transport, Energie, Dünger und schließlich Lebensmittel. Harnstoff ist im österreichischen Agrarhandel bereits auf 900 Euro je Tonne gestiegen und stieg damit seit der Einlagerung im Juni 2025 um 50 Prozent. NAC, der wichtigste in Österreich verwendete Stickstoffdünger, stieg um 47 Prozent auf 550 Euro je Tonne. Allein diese Teuerungen werden die Landwirte zu sparsamerem Einsatz von Düngemitteln zwingen.
Klimazölle zerstören Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bauern
Mit Jahresbeginn wurden in der EU, wie bei Eisen, Stahl, Aluminium und Zement, auch bei Dünger CO2-Zölle eingeführt. Allein dadurch wurde seit 1. Jänner 2026 importierter Harnstoff um 55 Euro je Tonne und importierter Kalkammonsalpeter, bekannt als NAC, um 120 Euro je Tonne, teurer. Bei Kalkammonsalpeter sind wir durch heimische Düngermittelhersteller gut selbst versorgt, womit sich diese hohen Importzölle bisher nur zum Teil auswirken. Aber bei Harnstoff ist die europäische Landwirtschaft zu zwei Drittel von Importen abhängig und spürt nun die volle Kostensteigerung.
Durch das CO2-Grenzausgleichsystem CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) soll die europäische Düngerindustrie, die in der Regel klimafreundlicher als globale Düngerhersteller produziert, einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Die oben angesprochenen höheren Kosten tragen allerdings die Landwirte. Dabei ist das erst der Beginn einer jährlichen Kostensteigerung. Bis 2034 werden schrittweise dem CO2-Zertifikatshandel die freien Zertifikate entzogen. Das bewirkt eine drastische Erhöhung der Zertifikatskosten und damit der Düngerpreise. Bei NAC, der – in Österreich international atypisch – etwa 90 Prozent des eingesetzten mineralischen Stickstoffdüngers ausmacht, werden bis 2034 Kostensteigerungen in Höhe von 150 bis 300 Euro je Tonne erwartet (abhängig vom ETS-Preis, also dem CO2-Preis im EU-Emissionshandel). Zum Vergleich hat NAC im Juni 2025, bei der letzten Düngereinlagerung, 370 Euro je Tonne gekostet und könnte sich bis 2034 durch CBAM um 40 bis 80 Prozent verteuern.
„Der Klimazoll CBAM verursacht steigende Kosten, die nur Landwirte in der EU tragen müssen und ihre Wettbewerbsfähigkeit international schwächt. Wenn wir hier nicht gegensteuern, wird die Schere zu unseren Mitbewerbern weltweit immer größer, mit massiven Folgen für die heimische Produktion und die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe. CBAM schützt die Düngemittelindustrie auf Kosten der Landwirtschaft. Entweder CBAM wird ausgesetzt oder es werden Agrargüter miteinbezogen“, fordert Waldenberger.
Die Ernährungssouveränität steht in der EU auf dem Spiel
Europa ist ein im Verhältnis rohstoffarmer Kontinent und ist in hohem Ausmaß auf externe Energie- und Düngerversorgung angewiesen. Russland fällt aufgrund der Sanktionen als bisher wichtigster Energie- und Düngerlieferant aus. Die Konkurrenz um diese Rohstoffe nimmt nun durch die Sperre der Straße von Hormus und die nachhaltige Zerstörung der Düngeraufbereitung im Nahen Osten massiv zu. Ebenso kehren bereits internationale Düngerhändler der EU wegen der zusätzlichen Klima-Zölle den Rücken. Heimische Düngerhändler gehen bereits davon aus, dass sich Ägypten, aktuell der wichtigste Harnstofflieferant der EU, andere Abnehmer am globalen Markt suchen wird. Man spricht bereits teilweise von einer sich anbahnenden Harnstoffknappheit am EU-Markt.
„Unter diesen Vorzeichen wird die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Produktion der heimischen Landwirtschaft sukzessive zurückgehen und unsere Lebensmittelversorgung immer stärker auf Importe angewiesen sein. Angesichts der dramatisch schnell zum Erliegen kommenden Energie- und Düngerwarenströme braucht es nicht viel Fantasie, dass hier nicht nur steigende Lebensmittelpreise, sondern – noch viel schlimmer – auch die Ernährungssouveränität und damit Versorgungssicherheit der Bevölkerung auf dem Spiel steht. Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert daher dringend die sofortige Aussetzung der Klima-Zölle auf Düngemittel und eine Neubewertung der Maßnahmen des Green Deal“, fordert Waldenberger.
Zuckerrübenbauern hoffen auf Preiserholung
Die Situation am EU-Zuckermarkt ist aktuell durch Übermengen, rückläufigen Konsum und steigenden Importdruck stark angespannt. Besonders Freihandelsabkommen führen zu erheblichen zusätzlichen Zuckermengen in der EU und gelten als wesentlicher Auslöser für den anhaltenden Preisverfall. Insgesamt könnten durch bestehende und neue Abkommen bis zu 3,8 Millionen Tonnen Zucker zollbegünstigt oder zollfrei in den europäischen Markt gelangen. Der Großteil beruht auf Zuckerrohrimporten aus den LDC-Abkommen (Least Developed Countries) zur wirtschaftlichen Entwicklung der ärmsten Länder der Welt. Jede zusätzliche Importmenge verdrängt die heimische Produktion und verschärft den wirtschaftlichen Druck auf Landwirtschaft und Zuckerindustrie deutlich.
Gleichzeitig gibt es auf europäischer Ebene erste Signale für ein Gegensteuern: EU-Agrarkommissar Christophe Hansen setzt sich dafür ein, die sogenannte „aktive Veredelung“, über die ca. 700.000 Tonnen Zucker zollfrei in die EU gelangen, im Agrar- und Lebensmittelsektor strenger zu prüfen und gegebenenfalls für ein Jahr auszusetzen bzw. dauerhaft einzuschränken. Der importierte Zucker war im Rahmen der „aktiven Veredelung“ nach der Verarbeitung wieder für den Re-Export gedacht, entwickelte sich aber immer mehr zum Schlupfloch für billigen Rohrzucker am EU-Markt.
Viele Mitgliedstaaten reagieren bereits auf die angespannte Marktlage und planen für 2026 eine Reduktion der Anbauflächen, um Angebot und Nachfrage wieder besser in Einklang zu bringen. Auch in Österreich zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Die Zuckerrübenfläche geht im Vergleich von 2025 auf 2026 um rund 17 Prozent zurück, in Oberösterreich beträgt der Rückgang etwa sechs Prozent. Österreichweit werden 22.800 Hektar Zuckerrüben angebaut, davon 5.500 Hektar in Oberösterreich. Der durchschnittliche europäische Zuckerpreis lag beim Preismonitoring der EU im Jänner 2026 bei 518 Euro je Tonne - für eine wirtschaftliche Produktion sind aber Preise von mindestens 650 Euro je Tonne nötig.
Die heimischen Rübenbauern lehnen weitere Zugeständnisse bei neuen Handelsabkommen – etwa mit Australien oder Thailand – entschieden ab. Hintergrund sind deutlich unterschiedliche Produktionsstandards, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen und keinen fairen Wettbewerb ermöglichen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unterstreichen die Betriebe die Bedeutung einer stabilen, regionalen Produktion. Eine gesicherte heimische Versorgung mit Zucker bleibt ein zentraler Faktor für Versorgungssicherheit, Wertschöpfung im ländlichen Raum und die langfristige Stabilität der europäischen Landwirtschaft.
„Mit der Reduktion der Zuckerrübenflächen in den EU-Mitgliedstaaten, der seitens der EU-Kommission beabsichtigten Aussetzung von jährlich 700.000 Tonnen Importzucker im Rahmen der aktiven Veredelung und der höheren Rentabilität von Zucker in der Ethanolerzeugung durch die steigenden Erdölpreise, erwarten wir auch für die heimischen Rübenbauern wieder steigende Zuckerpreise und damit Licht am Ende des Tunnels“, resümiert Waldenberger. (Schluss)
„Bei düngeintensiven Kulturen wie Weizen oder Mais beträgt derzeit die Kostensteigerung sogar bis zu 180 Euro je Hektar. Der Deckungsbeitrag betrug bei acht Tonnen guter Mahlweizenqualität zuletzt 340 Euro je Hektar und zeigt so die Dimension der Kostensteigerung auf. Für viele Getreidebauern rechnet sich so die Produktion nicht mehr“, rechnet Franz Waldenberger, der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, vor.
Landwirtschaft bleibt auf den steigenden Dünger- und Dieselkosten sitzen
Zwar ist der Weizenpreis bei Ausbruch des Irankrieges kurz gestiegen, aber mittlerweile an der Euronext wieder auf 218 Euro je Tonne gefallen. Ebenso ist die Maisnotierung lediglich um 10 Euro auf 209 Euro je Tonne gestiegen. Auch die Rapsnotierung stieg mit 20 Euro nur verhalten auf 491 Euro je Tonne. Das zeigt, dass die massiven Preissteigerungen bei Weizen, Mais und Raps, im Gegensatz zum Ausbruch des Russland-Ukraine Krieges, diesmal ausbleiben. Der Nahe Osten ist eben bei diesen Agrarrohstoffen ein Zuschussgebiet und nicht wie Russland und die Ukraine globaler Getreideversorger. So droht der Landwirtschaft, dass sie vorerst auf den steigenden Dünger- und Dieselkosten sitzen bleibt. Langfristig könnten aber wegen der nachhaltigen Marktstörungen die Preise der Agrarrohstoffe und mit ihnen die Lebensmittelpreise steigen.
Irankrieg kann im afrikanischen und asiatischen Raum Ernährungskrise auslösen
Die Sperre der Straße von Hormus entzieht der globalen Landwirtschaft 35 Prozent des weltweiten Harnstoffbedarfs und etwa 50 Prozent des global gehandelten Schwefels. Gerade Ammoniak und Schwefelsäure fehlen in großen Mengen für die Stickstoff- und Phosphordüngerherstellung. Der Iran, Katar und Ägypten zählen neben Russland zu den wichtigsten weltweiten Düngerherstellern und hier werden aktuell Anlagen und Aufbereitungsanlagen nachhaltig zerstört. Zusätzlich verschärft Russland die Situation durch Exportbeschränkungen bei Düngemitteln, insbesondere bei Ammoniumnitrat. Wie letzte Woche angekündigt, werden die Exporte bis zum 21. April ausgesetzt, was die weltweiten Düngerpreise weiter nach oben treibt und die Versorgungsengpässe in ohnehin stark betroffenen Regionen verstärkt.
Ohne ausreichend Stickstoff- und Phosphordünger werden weltweit die Ernten zurückgehen und können vor allem im afrikanischen und asiatischen Raum Hungerkrisen und Flüchtlingswellen auslösen. Abgesehen vom menschlichen Leid führt die Verknappung der Erdöl- und Gaslieferungen zu steigenden Preisen für Transport, Energie, Dünger und schließlich Lebensmittel. Harnstoff ist im österreichischen Agrarhandel bereits auf 900 Euro je Tonne gestiegen und stieg damit seit der Einlagerung im Juni 2025 um 50 Prozent. NAC, der wichtigste in Österreich verwendete Stickstoffdünger, stieg um 47 Prozent auf 550 Euro je Tonne. Allein diese Teuerungen werden die Landwirte zu sparsamerem Einsatz von Düngemitteln zwingen.
Klimazölle zerstören Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bauern
Mit Jahresbeginn wurden in der EU, wie bei Eisen, Stahl, Aluminium und Zement, auch bei Dünger CO2-Zölle eingeführt. Allein dadurch wurde seit 1. Jänner 2026 importierter Harnstoff um 55 Euro je Tonne und importierter Kalkammonsalpeter, bekannt als NAC, um 120 Euro je Tonne, teurer. Bei Kalkammonsalpeter sind wir durch heimische Düngermittelhersteller gut selbst versorgt, womit sich diese hohen Importzölle bisher nur zum Teil auswirken. Aber bei Harnstoff ist die europäische Landwirtschaft zu zwei Drittel von Importen abhängig und spürt nun die volle Kostensteigerung.
Durch das CO2-Grenzausgleichsystem CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) soll die europäische Düngerindustrie, die in der Regel klimafreundlicher als globale Düngerhersteller produziert, einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Die oben angesprochenen höheren Kosten tragen allerdings die Landwirte. Dabei ist das erst der Beginn einer jährlichen Kostensteigerung. Bis 2034 werden schrittweise dem CO2-Zertifikatshandel die freien Zertifikate entzogen. Das bewirkt eine drastische Erhöhung der Zertifikatskosten und damit der Düngerpreise. Bei NAC, der – in Österreich international atypisch – etwa 90 Prozent des eingesetzten mineralischen Stickstoffdüngers ausmacht, werden bis 2034 Kostensteigerungen in Höhe von 150 bis 300 Euro je Tonne erwartet (abhängig vom ETS-Preis, also dem CO2-Preis im EU-Emissionshandel). Zum Vergleich hat NAC im Juni 2025, bei der letzten Düngereinlagerung, 370 Euro je Tonne gekostet und könnte sich bis 2034 durch CBAM um 40 bis 80 Prozent verteuern.
„Der Klimazoll CBAM verursacht steigende Kosten, die nur Landwirte in der EU tragen müssen und ihre Wettbewerbsfähigkeit international schwächt. Wenn wir hier nicht gegensteuern, wird die Schere zu unseren Mitbewerbern weltweit immer größer, mit massiven Folgen für die heimische Produktion und die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe. CBAM schützt die Düngemittelindustrie auf Kosten der Landwirtschaft. Entweder CBAM wird ausgesetzt oder es werden Agrargüter miteinbezogen“, fordert Waldenberger.
Die Ernährungssouveränität steht in der EU auf dem Spiel
Europa ist ein im Verhältnis rohstoffarmer Kontinent und ist in hohem Ausmaß auf externe Energie- und Düngerversorgung angewiesen. Russland fällt aufgrund der Sanktionen als bisher wichtigster Energie- und Düngerlieferant aus. Die Konkurrenz um diese Rohstoffe nimmt nun durch die Sperre der Straße von Hormus und die nachhaltige Zerstörung der Düngeraufbereitung im Nahen Osten massiv zu. Ebenso kehren bereits internationale Düngerhändler der EU wegen der zusätzlichen Klima-Zölle den Rücken. Heimische Düngerhändler gehen bereits davon aus, dass sich Ägypten, aktuell der wichtigste Harnstofflieferant der EU, andere Abnehmer am globalen Markt suchen wird. Man spricht bereits teilweise von einer sich anbahnenden Harnstoffknappheit am EU-Markt.
„Unter diesen Vorzeichen wird die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Produktion der heimischen Landwirtschaft sukzessive zurückgehen und unsere Lebensmittelversorgung immer stärker auf Importe angewiesen sein. Angesichts der dramatisch schnell zum Erliegen kommenden Energie- und Düngerwarenströme braucht es nicht viel Fantasie, dass hier nicht nur steigende Lebensmittelpreise, sondern – noch viel schlimmer – auch die Ernährungssouveränität und damit Versorgungssicherheit der Bevölkerung auf dem Spiel steht. Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert daher dringend die sofortige Aussetzung der Klima-Zölle auf Düngemittel und eine Neubewertung der Maßnahmen des Green Deal“, fordert Waldenberger.
Zuckerrübenbauern hoffen auf Preiserholung
Die Situation am EU-Zuckermarkt ist aktuell durch Übermengen, rückläufigen Konsum und steigenden Importdruck stark angespannt. Besonders Freihandelsabkommen führen zu erheblichen zusätzlichen Zuckermengen in der EU und gelten als wesentlicher Auslöser für den anhaltenden Preisverfall. Insgesamt könnten durch bestehende und neue Abkommen bis zu 3,8 Millionen Tonnen Zucker zollbegünstigt oder zollfrei in den europäischen Markt gelangen. Der Großteil beruht auf Zuckerrohrimporten aus den LDC-Abkommen (Least Developed Countries) zur wirtschaftlichen Entwicklung der ärmsten Länder der Welt. Jede zusätzliche Importmenge verdrängt die heimische Produktion und verschärft den wirtschaftlichen Druck auf Landwirtschaft und Zuckerindustrie deutlich.
Gleichzeitig gibt es auf europäischer Ebene erste Signale für ein Gegensteuern: EU-Agrarkommissar Christophe Hansen setzt sich dafür ein, die sogenannte „aktive Veredelung“, über die ca. 700.000 Tonnen Zucker zollfrei in die EU gelangen, im Agrar- und Lebensmittelsektor strenger zu prüfen und gegebenenfalls für ein Jahr auszusetzen bzw. dauerhaft einzuschränken. Der importierte Zucker war im Rahmen der „aktiven Veredelung“ nach der Verarbeitung wieder für den Re-Export gedacht, entwickelte sich aber immer mehr zum Schlupfloch für billigen Rohrzucker am EU-Markt.
Viele Mitgliedstaaten reagieren bereits auf die angespannte Marktlage und planen für 2026 eine Reduktion der Anbauflächen, um Angebot und Nachfrage wieder besser in Einklang zu bringen. Auch in Österreich zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Die Zuckerrübenfläche geht im Vergleich von 2025 auf 2026 um rund 17 Prozent zurück, in Oberösterreich beträgt der Rückgang etwa sechs Prozent. Österreichweit werden 22.800 Hektar Zuckerrüben angebaut, davon 5.500 Hektar in Oberösterreich. Der durchschnittliche europäische Zuckerpreis lag beim Preismonitoring der EU im Jänner 2026 bei 518 Euro je Tonne - für eine wirtschaftliche Produktion sind aber Preise von mindestens 650 Euro je Tonne nötig.
Die heimischen Rübenbauern lehnen weitere Zugeständnisse bei neuen Handelsabkommen – etwa mit Australien oder Thailand – entschieden ab. Hintergrund sind deutlich unterschiedliche Produktionsstandards, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen und keinen fairen Wettbewerb ermöglichen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unterstreichen die Betriebe die Bedeutung einer stabilen, regionalen Produktion. Eine gesicherte heimische Versorgung mit Zucker bleibt ein zentraler Faktor für Versorgungssicherheit, Wertschöpfung im ländlichen Raum und die langfristige Stabilität der europäischen Landwirtschaft.
„Mit der Reduktion der Zuckerrübenflächen in den EU-Mitgliedstaaten, der seitens der EU-Kommission beabsichtigten Aussetzung von jährlich 700.000 Tonnen Importzucker im Rahmen der aktiven Veredelung und der höheren Rentabilität von Zucker in der Ethanolerzeugung durch die steigenden Erdölpreise, erwarten wir auch für die heimischen Rübenbauern wieder steigende Zuckerpreise und damit Licht am Ende des Tunnels“, resümiert Waldenberger. (Schluss)
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