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Wien, 28. September 2026 (aiz.info)

Green Care-Hoftafel für den Lenzihof

Tiergestützte Pädagogik und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche in Köstendorf

Am 25. September 2026 wurde der Lenzihof in Köstendorf mit der Green Care-Hoftafel ausgezeichnet. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb von Viktoria und Andreas Rinnerthaler, vulgo Steinerlenz, liegt mitten im Ortskern und wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Grünland, Forstwirtschaft und die vielfältige Tierhaltung bilden heute die wirtschaftliche Grundlage und gleichzeitig den Rahmen für die Green Care-Angebote. Bäuerin Viktoria Rinnerthaler verbindet hier ihre langjährige pädagogische Berufserfahrung mit der Landwirtschaft und bietet tiergestützte Programme sowie Angebote im Rahmen von „Schule am Bauernhof“ für Kinder und Jugendliche an. 

Landwirtschaft wird zum pädagogischen Arbeitsfeld

Bäuerin Viktoria Rinnerthaler ist inklusive Elementarpädagogin, Frühförderin und Horterzieherin. Die Verbindung ihrer beiden beruflichen Welten war jedoch lange keineswegs selbstverständlich. Heute nutzt sie gerade die Besonderheiten des Bauernhofs gezielt für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

„Viele Jahre habe ich gedacht, dass sich meine pädagogische Arbeit und unser Hof aufgrund der Rahmenbedingungen kaum verbinden lassen. Heute sehe ich gerade darin die Stärke: Kinder können hier Verantwortung übernehmen, Beziehungen zu Tieren aufbauen und Landwirtschaft unmittelbar erleben“, so Viktoria Rinnerthaler anlässlich der Hoftafelverleihung. 

Im Rahmen der Tiergestützten Intervention arbeitet sie mit einzelnen Kindern sowie in Kleingruppen. Die Einheiten werden an den jeweiligen Unterstützungsbedarf angepasst. Über die Beziehung und den angeleiteten Kontakt zu den Tieren sollen unter anderem Selbstvertrauen, Konzentration und soziale Kompetenzen gestärkt und neue Zugänge zu Lernen und persönlicher Entwicklung eröffnet werden. Bei „Schule am Bauernhof“ steht dagegen die Vermittlung landwirtschaftlicher Zusammenhänge im Mittelpunkt. Kinder erfahren beispielsweise, wie sich ein Kalb entwickelt oder wie Lebensmittel entstehen. Direktes Erleben und selbstständiges Handeln spielen dabei eine zentrale Rolle.

Land Salzburg unterstützt tiergestützte Arbeit am Bauernhof

Für ihre Angebote nimmt Viktoria Rinnerthaler auch die Förderung des Landes Salzburg für tiergestützte Interventionen am Bauernhof in Anspruch. Das Land unterstützt zertifizierte Green Care-Betriebe mit 50 Euro je geförderter Einheit, maximal 11.000 Euro pro Betrieb und Kalenderjahr. Die in Österreich einzigartige Förderung schafft zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe und trägt gleichzeitig dazu bei, qualitätsgesicherte tiergestützte Angebote für Familien leistbarer zu machen. 

„Tiergestützte Interventionen haben sich auf qualifizierten Bauernhöfen als eigenständige Dienstleistung etabliert. Mit der Salzburger Förderung setzen wir einen zusätzlichen Impuls: Sie erleichtert Familien den Zugang zu diesen Angeboten und stärkt gleichzeitig jene Betriebe, die mit viel Fachwissen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, betonte Landesrat Maximilian Aigner.

Diversifizierung aus den eigenen Stärken

Gerade für kleinere Höfe bieten Green Care-Dienstleistungen eine Möglichkeit, zusätzliche Wertschöpfung am Betrieb zu schaffen. Dabei werden neben den klassischen landwirtschaftlichen Ressourcen auch zusätzliche berufliche Qualifikationen und Erfahrungen der Menschen am Hof zu einem wichtigen Teil des Betriebskonzeptes.

„Bäuerliche Familienbetriebe können durch Diversifizierung die Wertschöpfung am Betrieb erhöhen, ohne dafür Flächen zuzupachten oder in teure Technik und Bauten investieren zu müssen. Entscheidend ist, dass ein neuer Betriebszweig fachlich und wirtschaftlich zum Hof passt und professionell betrieben wird – der Lenzihof ist dafür ein sehr gutes Beispiel“, betonte der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Rupert Quehenberger.

Daran knüpfte Kammerrätin Conny Rohrmoser mit Blick auf die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft an: „Das Internationale Jahr der Bäuerin rückt stärker ins Bewusstsein, welches fachliche Potenzial Frauen in die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe einbringen. Viktoria Rinnerthaler nutzt ihre pädagogische Ausbildung gezielt für den eigenen Hof und schafft daraus einen neuen Arbeitsplatz am Betrieb.“ 

Wichtiger Partner für die Gemeinde 

Der Lenzihof ist mit seinen Bildungsangeboten auch eng mit der Gemeinde Köstendorf verbunden. Viktoria Rinnerthaler arbeitet mit dem örtlichen Kindergarten sowie der Volks-, Sonder- und Mittelschule zusammen. Damit wird der Bauernhof zu einem zusätzlichen Lern- und Erfahrungsraum für Kinder aus Köstendorf. 
„Wenn Kindergarten und Schulen einen Bauernhof regelmäßig nutzen, wird Landwirtschaft zu einem selbstverständlichen Teil der Bildungsarbeit vor Ort. Der Lenzihof schafft dafür kurze Wege und verbindet bäuerliche Praxis mit einem qualifizierten pädagogischen Angebot für unsere Familien“, betonte Vizebürgermeister Matthias Altmann.

Der nächste Entwicklungsschritt

Viktoria Rinnerthaler gründet derzeit den Verein „Lenzis Wunscherfüller – Unterstützungsverein für tiergestützte Pädagogik am Steinerlenz“. Der Verein soll die tiergestützte pädagogische Arbeit am Hof künftig unterstützen. Eine eigene Website befindet sich derzeit im Aufbau.

„Ein gutes Green Care-Projekt ist nie fertig. Wenn ein Angebot angenommen wird, beginnt die nächste unternehmerische Frage: Wie kann ich es weiterentwickeln, neue Partner einbinden und auf eine breitere Basis stellen? Mit dem Unterstützungsverein schafft Viktoria Rinnerthaler dafür jetzt eine zusätzliche Struktur – genau diese Bereitschaft, weiterzudenken, zeichnet innovative Betriebe aus“, betonte Günther Mayerl, Geschäftsführer der Green Care Entwicklungs- und Beratungs-GmbH. (Schluss)
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