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Wien, 27. August 2026 (aiz.info)

Brunft: Hirsche bleiben lieber unter sich

NÖ Jagdverband appelliert, auf Wegen zu bleiben und Wild Ruhe zu gönnen

Wenn im September das weithin hörbare Röhren der Hirsche durch die Wälder hallt, beginnt eine der beeindruckendsten Phasen im heimischen Wildtierjahr. Was viele jedoch nicht wissen: Gerade in der Brunft reagieren die Tiere besonders empfindlich auf Störungen. Der NÖ Jagdverband ruft daher alle Erholungssuchenden dazu auf, markierte Wege nicht zu verlassen und bekannte Brunftplätze großräumig zu meiden. "Die Hirschbrunft ist ein faszinierendes Naturschauspiel, gleichzeitig aber auch eine entscheidende Phase für den Fortbestand gesunder Rotwildbestände. Rücksichtnahme ist in dieser Zeit der beste Beitrag zum Wildtierschutz", betont Landesjägermeister Christoph Metzker.

Die Hauptbrunft findet in Niederösterreich je nach Region meist zwischen September und Anfang Oktober statt. In dieser Zeit gesellt sich ein erfahrener Platzhirsch zu einem Brunftrudel aus mehreren Alttieren mit ihren Kälbern und Schmaltieren und verteidigt dieses gegen Rivalen. Wochen vor der eigentlichen Brunft markieren die Hirsche ihre Brunftplätze durch Bodenbearbeitung, Suhlen sowie Duftmarken und beanspruchen diese Bereiche mit ihrem charakteristischen Röhren. Das informiert Rivalen über Stärke und Kondition des Hirsches, beeindruckt die weiblichen Tiere und entscheidet häufig bereits ohne Kampf über die Rangordnung. Kommt es dennoch zu Auseinandersetzungen, verlaufen diese meist nach einem festen Ritual. Erst wenn beide Tiere ihre Kräfte eingeschätzt haben, werden die Geweihe gegeneinander eingesetzt. Ernsthafte Kämpfe dauern oft nur kurz, verlangen den Hirschen jedoch enorme körperliche Leistungen ab.

Sensibles Naturschauspiel

Während der wenigen Wochen der Brunft konzentrieren sich die Hirsche nahezu ausschließlich auf die Fortpflanzung. Sie nehmen kaum Nahrung auf und verlieren innerhalb von drei bis vier Wochen bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts. Gleichzeitig befindet sich der Testosteronspiegel auf seinem Jahresmaximum. Die eigentliche Paarung dauert nur wenige Sekunden, entscheidet jedoch über den Fortpflanzungserfolg des gesamten Jahres. Gerade deshalb können Störungen weitreichende Folgen haben. Werden Brunftplätze wiederholt durch Menschen, freilaufende Hunde oder andere Freizeitaktivitäten gestört, stellen Hirsche ihr Röhren häufig ein oder verlegen die Brunft in ruhigere Bereiche. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Paarungen. Nach einer Tragzeit von rund 233 Tagen werden die Kälber Ende Mai bis Anfang Juni geboren. Erfolgt die Brunft verspätet, werden auch die Kälber später geboren und starten mit schlechteren Voraussetzungen in ihren ersten Winter.

Ruhe gönnen, Wege nicht verlassen, Verbote respektieren

Die niederösterreichischen Jägerinnen und Jäger tragen wesentlich dazu bei, dass die Hirschbrunft möglichst störungsfrei ablaufen kann. Sie schützen sensible Kernbereiche vor unnötigen Eingriffen, verzichten auf störende Maßnahmen rund um Brunftplätze und stimmen die Abschussplanung so ab, dass dominante Platzhirsche ihre Fortpflanzungsaufgabe erfüllen und für eine erfolgreiche Brunft sorgen können. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung gesunder und genetisch vielfältiger Rotwildbestände.

Der NÖ Jagdverband appelliert an alle Naturbesucher, in den Wochen der Hirschbrunft besondere Rücksicht walten zu lassen. Wer auf den markierten Wegen bleibt, Hunde an der Leine führt, Lärm vermeidet und Brunftplätze nicht betritt, ermöglicht den Tieren ungestörte Fortpflanzung und trägt dazu bei, dass dieses einzigartige Naturschauspiel auch in Zukunft in Niederösterreich erlebt werden kann. (Schluss)
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