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Wien/Paris, 30. März 2026 (aiz.info)

Agrana will in Frucht- und Getränkesparte weiter wachsen

Chancen präsentieren sich laut Firmenchef Büttner vor allem im Food-Service-Geschäft, weitere Einsparungen im Zuckersegment

Die Agrana strebt in ihrem Geschäftsbereich Food & Beverage Solutions (FBS) weiteres Wachstum an. Potenziale ortet der Konzern vor allem in der Food-Service-Industrie, die an die Gastronomie bzw. an Fast-Food-Restaurants und Kaffeeketten andockt. "Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Ausrichtung, weil der Konsum in diese Richtung geht", sagte Firmenchef Stephan Büttner anlässlich eines Werksbesuchs nahe Paris laut APA. Im Zuckersegment sollen indes weitere Einsparungen folgen.

In das Segment Food & Beverage Solutions, das zuletzt gute Ergebnisse abwarf, fallen unter anderem Erzeugnisse für Molkereien sowie für die Hersteller von Eiscreme, Backwaren- und Getränken. Das Portfolio beinhaltet weiters würzige Zubereitungen und Aromen sowie Rezepturen für Sirupe und Saucen.

Besseren Zugang zum Food-Service-Markt - der umfasst alles, was außer Haus konsumiert wird - erhofft sich der CEO des Lebensmittelveredlers vor allem durch die im August angekündigte Übernahme des slowenischen Lebensmittelherstellers Mercator-Emba, wo das Closing bald erwartet wird. Das Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Ljubljana ist unter anderem auf die Herstellung von Sirupen sowie Dessert-Toppings spezialisiert und beliefert unter anderem die Systemgastronomie und Einzelhandelsfirmen.

"Es ist sehr schwer, in dieses Kundensegment (Fast-Food- und Kaffeeketten, Anm.) vorzudringen, weil die traditionell starke Lieferantenbeziehungen haben. Die haben einen Namen zu verlieren und brauchen stetige Qualität. Mit Mercator und unseren sonstigen globalen Aktivitäten haben wir demnächst aber einen ganz anderen Hebel bei solchen Kunden und versprechen uns viel von dem Zukauf", so der Manager vor Journalistinnen und Journalisten.

Umstrukturierungen auf Kurs

In den vergangenen zwei Jahren habe man "intensiv an der Aufstellung des Unternehmens" gearbeitet, so Büttner mit Blick auf die neue Konzernstrategie. Denn die Strukturen seien "viel zu starr" und "angebotsgetrieben" gewesen. Außerdem litt das Zuckergeschäft, einst Steckenpferd der Agrana, unter geringeren Marktpreisen und zehrte dem Konzern Gewinne weg. Mittlerweile ist die Agrana in zwei größere Segmente gegliedert: Neben Food und Beverage Solutions wurden die einstigen Bereiche Stärke und Zucker in eine Rohstoff-Sparte eingegliedert. Vorteile seien, dass ersteres Segment nicht so stark von Ernten oder Wettereinflüssen abhängig sei und es mehr Synergien zwischen den Bereichen gebe, die stärker von den Rohstoffmärkten getrieben seien. Die Struktur des Unternehmens lasse sich so besser verschlanken.

Der Umgestaltungsprozess im Konzern ist aber noch im Gange. Vor allem stelle sich die Frage, in welchen Bereich langfristig der Fruchtsaft- und Konzentrathersteller Austria Juice eingegliedert wird, den die Agrana zuletzt vollständig übernommen hat, nachdem sie schon 50,1 Prozent an dem Unternehmen gehalten hatte. Gerade der Konzentratteil sei sehr rohstofflastig und würde sich daher gut in den Stärke- und Zuckerbereich einfügen, so Büttner. Bei Aromen und Getränkegrundstoffen, die ebenso von Austria Juice produziert werden, sei wiederum eine Integration in FBS vorstellbar. Eine Spaltung sei also möglich, damit sollen sich nun die Gremien befassen. Die Grundsatzentscheidung soll in den kommenden Monaten gefällt werden.

Im Bereich Food & Beverage Solutions (FBS) hat die Agrana weltweit 36 Standorte. Einer davon liegt in der Gemeinde Mitry-Mory in der Nähe von Paris, laut Büttner ein "wesentlicher Standort" für die Agrana. Beschäftigt sind dort 125 Mitarbeitende bei einer Produktionskapazität von 48.000 Tonnen, das sind etwa 7 bis 8 Prozent der gesamten Konzernkapazität in diesem Bereich. Auszeichnen würde sich dieses wie die anderen Werke über die Nähe der Kunden, für die produziert wird, was mit geringen Transportwegen auch im Sinne der Kostenreduktion sei, ergänzte der Leiter der Division Frucht, Markus Wagner.

Einsparungen im Zuckerbereich

Im defizitären Zuckersegment arbeite das Management allerdings bereits an weiteren Einsparungen, kündigte Büttner an. Bekannt war bereits, dass Agrana bis 2027/28 etwa 400 bis 500 Stellen im Zucker- und Stärkegeschäft streichen will, die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf wurde geschlossen. Die Einsparungen sollten sich konzernweit auf 100 Mio. Euro pro Jahr belaufen, nun lautet das Ziel 130 Mio. Euro jährlich bis ins Geschäftsjahr 2027/28. "Wir müssen weiter an der Wettbewerbsfähigkeit im Zuckerbereich feilen, da sind wir noch nicht da, wo wir hinmüssen", sagte Büttner, ohne konkrete Maßnahmen zu nennen. (Schluss)
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