Wiesen und Weiden sind die Salatschüssel der Rinder und kein Hundeklo
Was leicht vermeidbar gewesen wäre, ist für Rinderzüchterin Heidi Ofner aus Kraubath schlichtweg eine Katastrophe - der Schaden unwiederbringlich.
Was sich leicht vermeiden lässt, kann fatale Folgen für die Rinder haben. Eine große Gesundheitsgefahr für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen sind Hinterlassenschaften von Hunden in Wiesen und auf Weiden. Durch die Exkremente können gefährliche Parasiten übertragen werden. „Fressen die Tiere das damit verunreinigte Futter, steht die Gesundheit der Rinder auf dem Spiel. Was sich leicht vermeiden lässt, kann fatale Folgen für die Tiere haben und für die Bauernfamilien einen enormen und unwiederbringlichen Schaden anrichten“, warnt Richard Judmaier, Obmann der Bezirkskammer Leoben.
Katastrophe für Rinderzüchterin aus Kraubath/Mur.
Seit 36 Jahren ist Heidrun Ofner erfolgreiche Rinderzüchterin der Milchviehrasse Holstein. Ihre Weiden grenzen direkt an die Gemeindestraße, an der täglich Personen mit Hunden unterwegs sind. Gleichzeitig sind direkt an der Gemeindestraße Ständer mit Gackerl-Sackerln sowie ein Mistkübel angebracht. Das Unglück mit ihren wertvollen Zuchttieren wäre also leicht zu vermeiden gewesen, ist aber für Heidrun Ofner eine Katastrophe: Die halbe Herde der Zuchttiere ist mit gefährlichen von Hunden stammenden Parasiten Neospora infiziert, was die betreuende Tierärztin Barbara Wolfger nach Untersuchungen bestätigt. „Zudem haben vier trächtige Kühe ihre Föten bereits verworfen, bei weiteren vier wird ein Verwerfen befürchtet. Ein neugeborenes Kalb ist ebenso infiziert, bei einem weiteren ungeborenen Kalb ist ebenso mit einer Infektion zu rechnen“, sagt Heidrun Ofner. Der Gesamtschaden, so Andreas Rinnhofer, Leiter der Bezirkskammer Obersteiermark, wird für den Betrieb mit 35.000 bis 40.000 Euro berechnet.
Ehrenkodex für ein gutes Miteinander von Mensch, Hund und Weidetieren.
Angesichts dieser schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen und des enormen wirtschaftlichen Schadens für die Landwirtschaft, stellt Kammerobmann Richard Judmaier klar, dass „Wiesen und Weiden die Salatschüssel für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen sind.“ In diesem Zusammenhang stellte er einen Ehrenkodex für ein gutes Miteinander von Mensch, Hund und Weidetieren vor, der einen Sieben-Punkte-Vertrauensgrundsatz enthält. Ein zentraler Aspekt dabei: Das Gras der Wiesen und Weiden ist das wichtigste Futter für die Weidetiere und darf nicht durch Hundekot und Müll verunreinigt werden. Auch die von Bauern aufgestellten Tafeln „Hundekot und Müll im Futter gefährden unsere Tiere – Tierwohl braucht Mitverantwortung“, machen die Bevölkerung auf diese spezielle Problematik aufmerksam.
Betreuungstierärztin Barbara Wolfger: So gefährlich ist Hundekot für die Kühe.
Die Neosporose ist eine durch den Einzeller Neospora caninum hervorgerufene Infektionskrankheit bei Haus- und Wildtieren. Sie tritt bei Haushunden auf und kann über den Hundekot auf Rinder übertragen werden, wo der Erreger Verwerfen bzw. Aborte auslöst. Nach der Aufnahme von Neospora caninum Zellen durch Rinder, überwinden die mikroskopisch kleinen Parasiten die Plazentaschranke und können zu einer Infektion des Gehirns oder des Herzmuskels der Föten führen. Manche Föten sterben dann ab und es kommt zu einem Abort, andere werden blind oder lebensschwach geboren. Infizierte Föten können aber auch klinisch gesund geboren werden, stellen aber in weiterer Folge eine Infektionsquelle am Betrieb dar. Der Hauptwirt des Erregers sind Hunde. Sie infizieren sich durch Aufnahme infektiösen Materials (rohes infiziertes Fleisch, Nachgeburtsmaterial) und scheiden daraufhin durch den Kot infektiöse Parasiten aus. Diese werden wiederum von Zwischenwirten (Rinder, Wild, Ziegen, Schafe), über die Weide oder gemähte Weide aufgenommen. Nachdem kein hofeigener Hund am Betrieb ist, müssen die Tiere auf diesem Hof über Kot von fremden Hunden angesteckt worden sein. Leider ist die Erkrankung sehr langwierig: sind die Kühe einmal mit dem Erreger infiziert, kommt es immer wieder zum Verwerfen. Nachgewiesen positive Tiere müssen daher aus dem Bestand ausgeschieden werden. Der Betrieb ist Mitglied des Tiergesundheitsdienstes, wodurch die Bestandsuntersuchung möglich wurde. Das Ausmaß der Infektion ist ungewöhnlich massiv – praktisch die Hälfte der Kalbinnen und Kühe sind mit dem Parasiten infiziert.
Keine wirksame Behandlung der durch die gefährlichen Parasiten hervorgerufene Krankheit.
„Da keine wirksame Behandlung dieser Erkrankung beim Rind existiert, ist besonderes Augenmerk auf vorbeugende Maßnahmen, insbesondere auf die Verhinderung der Verschmutzung von Rinderfutter mit Hundekot, zu legen“, sagt Betreuungstierärztin Barbara Wolfger. Studien zeigen, dass die Hundedichte in Gemeinden erhebliche Risikofaktoren darstellen, geringe Niederschlagsmengen und Wärme erhöhen das Risiko dafür zusätzlich.
Betretungsverbot.
Private Wiesen dürfen von Spaziergängern und Freizeitnutzern generell nicht betreten werden. Die Grundeigentümer können gegen ein solches Verhalten mit einer Besitzstörungs- sowie Unterlassungsklage gegen den Tierhalter vorgehen und gegebenenfalls Schadenersatz fordern. Das Steiermärkische Landessicherheitsgesetz besagt, dass Tiere in einer Weise zu verwahren sind, dass dritte Personen weder gefährdet noch unzumutbar belästigt werden. Ansonsten droht eine Strafe. Die Gemeinde kann zusätzliche Verordnungen zur Hundehaltung vorsehen. Hunde sind an öffentlich zugänglichen Orten entweder mit einem um den Fang geschlossenen Maulkorb zu versehen oder so an der Leine zu führen, dass eine jederzeitige Beherrschung des Tieres gewährleistet ist.
Zivilrechtlich haften Tierhalter für die ordnungsgemäße Verwahrung ihrer Tiere.
Tödliche Gefahr für Rinder auch durch achtlos weggeworfenen Müll.
„Immer mehr Bäuerinnen und Bauern klagen, dass auf Weiden und Wiesen zudem Müll wie Plastikabfälle, Alu- und Getränkedosen, sogar Glasflaschen weggeworfen werde“, ergänzt Richard Judmaier. Wird nämlich das Gras zur Futter- und Heugewinnung mit Erntemaschinen geschnitten, werden nicht nur die Halme, sondern auch der Unrat sowie der feste Hundekot zerkleinert und im Futter verteilt. Die Folgen sind allzu häufig fatal: Scharfkantiger und spitzer Unrat landet im Verdauungstrakt der Tiere, das kann zu schweren Verdauungsstörungen und bei Metallteilen zu inneren Verletzungen, im Extremfall sogar bis zum Tod der Tiere führen. (Schluss)
Katastrophe für Rinderzüchterin aus Kraubath/Mur.
Seit 36 Jahren ist Heidrun Ofner erfolgreiche Rinderzüchterin der Milchviehrasse Holstein. Ihre Weiden grenzen direkt an die Gemeindestraße, an der täglich Personen mit Hunden unterwegs sind. Gleichzeitig sind direkt an der Gemeindestraße Ständer mit Gackerl-Sackerln sowie ein Mistkübel angebracht. Das Unglück mit ihren wertvollen Zuchttieren wäre also leicht zu vermeiden gewesen, ist aber für Heidrun Ofner eine Katastrophe: Die halbe Herde der Zuchttiere ist mit gefährlichen von Hunden stammenden Parasiten Neospora infiziert, was die betreuende Tierärztin Barbara Wolfger nach Untersuchungen bestätigt. „Zudem haben vier trächtige Kühe ihre Föten bereits verworfen, bei weiteren vier wird ein Verwerfen befürchtet. Ein neugeborenes Kalb ist ebenso infiziert, bei einem weiteren ungeborenen Kalb ist ebenso mit einer Infektion zu rechnen“, sagt Heidrun Ofner. Der Gesamtschaden, so Andreas Rinnhofer, Leiter der Bezirkskammer Obersteiermark, wird für den Betrieb mit 35.000 bis 40.000 Euro berechnet.
Ehrenkodex für ein gutes Miteinander von Mensch, Hund und Weidetieren.
Angesichts dieser schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen und des enormen wirtschaftlichen Schadens für die Landwirtschaft, stellt Kammerobmann Richard Judmaier klar, dass „Wiesen und Weiden die Salatschüssel für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen sind.“ In diesem Zusammenhang stellte er einen Ehrenkodex für ein gutes Miteinander von Mensch, Hund und Weidetieren vor, der einen Sieben-Punkte-Vertrauensgrundsatz enthält. Ein zentraler Aspekt dabei: Das Gras der Wiesen und Weiden ist das wichtigste Futter für die Weidetiere und darf nicht durch Hundekot und Müll verunreinigt werden. Auch die von Bauern aufgestellten Tafeln „Hundekot und Müll im Futter gefährden unsere Tiere – Tierwohl braucht Mitverantwortung“, machen die Bevölkerung auf diese spezielle Problematik aufmerksam.
Betreuungstierärztin Barbara Wolfger: So gefährlich ist Hundekot für die Kühe.
Die Neosporose ist eine durch den Einzeller Neospora caninum hervorgerufene Infektionskrankheit bei Haus- und Wildtieren. Sie tritt bei Haushunden auf und kann über den Hundekot auf Rinder übertragen werden, wo der Erreger Verwerfen bzw. Aborte auslöst. Nach der Aufnahme von Neospora caninum Zellen durch Rinder, überwinden die mikroskopisch kleinen Parasiten die Plazentaschranke und können zu einer Infektion des Gehirns oder des Herzmuskels der Föten führen. Manche Föten sterben dann ab und es kommt zu einem Abort, andere werden blind oder lebensschwach geboren. Infizierte Föten können aber auch klinisch gesund geboren werden, stellen aber in weiterer Folge eine Infektionsquelle am Betrieb dar. Der Hauptwirt des Erregers sind Hunde. Sie infizieren sich durch Aufnahme infektiösen Materials (rohes infiziertes Fleisch, Nachgeburtsmaterial) und scheiden daraufhin durch den Kot infektiöse Parasiten aus. Diese werden wiederum von Zwischenwirten (Rinder, Wild, Ziegen, Schafe), über die Weide oder gemähte Weide aufgenommen. Nachdem kein hofeigener Hund am Betrieb ist, müssen die Tiere auf diesem Hof über Kot von fremden Hunden angesteckt worden sein. Leider ist die Erkrankung sehr langwierig: sind die Kühe einmal mit dem Erreger infiziert, kommt es immer wieder zum Verwerfen. Nachgewiesen positive Tiere müssen daher aus dem Bestand ausgeschieden werden. Der Betrieb ist Mitglied des Tiergesundheitsdienstes, wodurch die Bestandsuntersuchung möglich wurde. Das Ausmaß der Infektion ist ungewöhnlich massiv – praktisch die Hälfte der Kalbinnen und Kühe sind mit dem Parasiten infiziert.
Keine wirksame Behandlung der durch die gefährlichen Parasiten hervorgerufene Krankheit.
„Da keine wirksame Behandlung dieser Erkrankung beim Rind existiert, ist besonderes Augenmerk auf vorbeugende Maßnahmen, insbesondere auf die Verhinderung der Verschmutzung von Rinderfutter mit Hundekot, zu legen“, sagt Betreuungstierärztin Barbara Wolfger. Studien zeigen, dass die Hundedichte in Gemeinden erhebliche Risikofaktoren darstellen, geringe Niederschlagsmengen und Wärme erhöhen das Risiko dafür zusätzlich.
Betretungsverbot.
Private Wiesen dürfen von Spaziergängern und Freizeitnutzern generell nicht betreten werden. Die Grundeigentümer können gegen ein solches Verhalten mit einer Besitzstörungs- sowie Unterlassungsklage gegen den Tierhalter vorgehen und gegebenenfalls Schadenersatz fordern. Das Steiermärkische Landessicherheitsgesetz besagt, dass Tiere in einer Weise zu verwahren sind, dass dritte Personen weder gefährdet noch unzumutbar belästigt werden. Ansonsten droht eine Strafe. Die Gemeinde kann zusätzliche Verordnungen zur Hundehaltung vorsehen. Hunde sind an öffentlich zugänglichen Orten entweder mit einem um den Fang geschlossenen Maulkorb zu versehen oder so an der Leine zu führen, dass eine jederzeitige Beherrschung des Tieres gewährleistet ist.
Zivilrechtlich haften Tierhalter für die ordnungsgemäße Verwahrung ihrer Tiere.
Tödliche Gefahr für Rinder auch durch achtlos weggeworfenen Müll.
„Immer mehr Bäuerinnen und Bauern klagen, dass auf Weiden und Wiesen zudem Müll wie Plastikabfälle, Alu- und Getränkedosen, sogar Glasflaschen weggeworfen werde“, ergänzt Richard Judmaier. Wird nämlich das Gras zur Futter- und Heugewinnung mit Erntemaschinen geschnitten, werden nicht nur die Halme, sondern auch der Unrat sowie der feste Hundekot zerkleinert und im Futter verteilt. Die Folgen sind allzu häufig fatal: Scharfkantiger und spitzer Unrat landet im Verdauungstrakt der Tiere, das kann zu schweren Verdauungsstörungen und bei Metallteilen zu inneren Verletzungen, im Extremfall sogar bis zum Tod der Tiere führen. (Schluss)
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