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Brüssel/Wien, 6. März 2026 (aiz.info)

Vernunft-Sieg in Brüssel: Veggie-Burger bleibt - irreführende Fleischnamen fallen

EU zieht klare Grenze bei Fleischbezeichnungen - großer Erfolg auch beim Verbot, Laborprodukte als "Fleisch" zu verkaufen

Monatelang wurde gestritten, jetzt steht die Entscheidung: In der Europäischen Union darf der „Veggie-Burger“ weiterhin so heißen. Gleichzeitig zieht Brüssel künftig eine klare Linie bei Fleischbezeichnungen. Klassische Begriffe wie „Steak“, „Leber“ oder „Rindfleisch“ bleiben echten Fleischprodukten vorbehalten. Für Vertreter der Landwirtschaft ist das ein wichtiger Schritt für mehr Ehrlichkeit im Supermarktregal – und ein Signal für den Schutz der heimischen Bauern.

Der EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber spricht von einer „vernünftigen Lösung“ nach einer emotional geführten Debatte. „Der große Wirbel um den Veggie-Burger hat sich zum Glück gelegt. Ein Burger beschreibt in erster Linie die Form oder Zubereitung eines Produkts, Konsumentinnen und Konsumenten wissen sehr wohl, ob sie Fleisch oder eine pflanzliche Alternative kaufen“, sagt Bernhuber.

Klare Grenze bei Fleischbegriffen

Entscheidend sei vielmehr, dass künftig klare Grenzen gezogen werden, wenn es um Begriffe geht, die eindeutig mit tierischer Produktion verbunden sind. Namen wie „veganes Rindfleisch“, „veganer Speck“ oder ähnliche Bezeichnungen sollen künftig nicht mehr zulässig sein.

Für Bernhuber geht es dabei nicht nur um Worte, sondern um Fairness im Markt. Wenn industrielle Ersatzprodukte mit Begriffen aus der traditionellen Fleischproduktion werben, profitieren aus seiner Sicht vor allem große Lebensmittelkonzerne, während bäuerliche Familienbetriebe unter Druck geraten. Gerade in Österreich mit seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft sei es daher wichtig, die Herkunft und Bedeutung klassischer Lebensmittel klar zu schützen. „Unsere Bäuerinnen und Bauern stehen für echte Produkte und transparente Herkunft. Wenn Fleisch draufsteht, dann muss auch Fleisch drin sein“, bringt es Bernhuber auf den Punkt.

Erfolg für Transparenz bei Laborfleisch

Besonders deutlich fällt die Zustimmung aus Österreich bei einem zweiten Punkt der EU-Einigung aus: Produkte aus Fleischzellen, die im Labor gezüchtet wurden, dürfen künftig nicht als „Fleisch“ bezeichnet werden. Für viele Vertreter der Landwirtschaftskammer ist das ein entscheidender Erfolg. „Dass im Bioreaktor gezüchtete Zellen nicht einfach als Fleisch verkauft werden dürfen, ist ein riesiger Schritt für Transparenz und Konsumentenschutz“, betont Bernhuber. Gerade bei neuen Technologien müsse klar erkennbar sein, was tatsächlich von einem Tier stammt und was künstlich im Labor produziert wurde.

Bundesminister Norbert Totschnig begrüßt die politische Einigung des jüngsten Trilogs ebenso: „Dort wo Fleisch draufsteht, muss auch Fleisch drinnen sein. Vegetarische Hühnerkeulen gibt es nicht. Außerdem ist es eine wichtige Weichenstellung, dass künstlich erzeugte Zellprodukte aus dem Labor künftig nicht mehr als Fleisch bezeichnet werden dürfen. Das ist ein bedeutender Erfolg, denn Konsumentinnen und Konsumenten haben ein Recht darauf, auf den ersten Blick zu erkennen, ob sie ein natürliches Lebensmittel vom Bauernhof oder ein hochverarbeitetes Industrieprodukt kaufen. Klare Bezeichnungen schaffen Transparenz, sorgen für fairen Wettbewerb und stärken das Vertrauen in unsere regionalen Lebensmittel.“

Petition aus Österreich brachte Bewegung

Dass dieses Thema in Brüssel so stark diskutiert wurde, ist auch auf eine Initiative aus Österreich zurückzuführen. Die Landwirtschaftskammern in der Steiermark und in Kärnten hatten gemeinsam die Petition „Laborfleisch? Nein danke!“ gestartet, mit der tausende Unterstützer mobilisiert wurden. Die Aktion sorgte auch auf europäischer Ebene für Aufmerksamkeit und die Eingebrachte Petition brachte das Thema deutlich auf die politische Agenda.

Der steirische Landwirtschaftskammerpräsident Andreas Steinegger sieht darin ein klares Zeichen aus der Praxis. „Unsere bäuerlichen Betriebe stehen für echte Lebensmittel aus verantwortungsvoller Produktion. Viele Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt, und sie erwarten Transparenz“, sagt Steinegger. Die breite Unterstützung für die Petition habe gezeigt, dass Laborfleisch für viele Konsumenten keine Alternative zur bäuerlichen Landwirtschaft sei.

Auch der Kärntner Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber spricht von einem wichtigen Signal aus Österreich. Gerade bei neuen Technologien müsse Europa vorsichtig sein. „Wenn Landwirtschaft, Kammern und Politik gemeinsam auftreten, dann zeigt sich, wie stark unsere Stimme in Brüssel sein kann“, sagt Huber. Die Entscheidung, Laborprodukte nicht als Fleisch zu bezeichnen, sei deshalb ein wichtiger Schritt für Fairness gegenüber der bäuerlichen Produktion.

„Ehrlichkeit am Teller“

Nach der Einigung gilt nun eine Übergangsfrist, bevor die neuen Regeln vollständig umgesetzt werden. Für viele bäuerliche Vertreter steht aber schon jetzt fest: Die Richtung stimmt. (Schluss)
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