Zum Content springen
Neue Suche

Absender

Empfänger

Wien, 2. Oktober 2026 (aiz.info)

Totschnig zu Grünem Bericht: Dürre 2026 relativiert Vorjahresergebnis

Zahlen für 2025 spiegeln aktuelle Notlage nicht wider - 240-Millionen-Euro-Dürrepaket stützt Betriebe nach Ernteausfällen.

Der parlamentarische Landwirtschaftsausschuss hat am Donnerstag den neuen Grünen Bericht beraten, der die wirtschaftliche Lage der heimischen Höfe für das Wirtschaftsjahr 2025 abbildet. Zwar verzeichnete die heimische Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2025 ein rechnerisches Einkommensplus von durchschnittlich 18 Prozent auf 47.102 Euro je Betrieb, das Ergebnis muss laut Bundesminister Norbert Totschnig jedoch im Lichte der dramatischen heurigen Dürresituation nüchtern und realistisch bewertet werden.

Die Zahlen des Vorjahres basierten im Wesentlichen auf besseren Erzeugerpreisen in der Rinder- und Milchwirtschaft, einem starken Anstieg in der Forstwirtschaft (+44 Prozent) sowie erhöhten Zahlungen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL. Gleichzeitig waren jedoch bereits 2025 der Schweinesektor und Marktfruchtbetriebe durch schwache Erlöse und hohe Betriebsmittelkosten stark belastet.

Totschnig: „Einkommensentwicklung muss richtig eingeordnet werden“

Bundesminister Norbert Totschnig betonte im Ausschuss mit Nachdruck, dass die Statistik des Vorjahres die aktuelle, hochgradig angespannte Lage der Betriebe nicht widerspiegle: „Man muss das Plus von 2025 durch die heurigen Dürreschäden richtig einordnen. Die Trockenheit hat heuer bis Mitte August Schäden von rund einer Milliarde Euro verursacht.“ Die Vorjahreserlöse seien durch die heurigen Ernteausfälle und anhaltend hohen Sachaufwände vielerorts bereits wieder aufgezehrt.

Als unverzügliche Antwort auf die Notlage der Betriebe verwies der Minister auf das rasch geschnürte Dürrepaket der Bundesregierung im Umfang von 240 Mio. Euro. Dieses umfasst konkrete Sofortmaßnahmen zur Liquiditätssicherung: von der Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge für zwei Monate über gezielte Zinszuschüsse bis hin zu einem 10-Prozent-Zuschuss bei der Dürreversicherung.

Hechenberger: Dürrepaket wichtiges Signal für betroffene Höfe

Nationalratsabgeordneter Josef Hechenberger unterstrich im Ausschuss, dass die Vorjahreszahlen keinen Anlass für falsche Schlüsse böten: „Das Einkommensplus 2025 war erfreulich, doch angesichts von Teuerung und der massiven Dürresituation heuer währte die Freude nur kurz.“ Das Dürre-Hilfspaket der Bundesregierung sei daher ein unverzichtbares, rasches Signal zur Unterstützung der Familienbetriebe und zur Aufrechterhaltung der Liquidität.

ÖVP-Landwirtschaftssprecher Johannes Schmuckenschlager thematisierte die Situation jener Sparten, die bereits 2025 unter Druck standen. Bei Marktfrucht- und Veredelungsbetrieben brauche es zielgerichtete Maßnahmen zur Klimawandelanpassung, praxistaugliche Rahmenbedingungen und verstärkte Bildung, um die Widerstandskraft der Betriebe nachhaltig zu stärken.

Einsatz für Entlastung, eigenständige GAP und starke Bäuerinnen

Für die Zukunft der Höfe kündigte Totschnig die konsequente Fortführung der Entlastungsschritte an. Beim Bürokratieabbau setzt das Ressort auf das „Once-Only-Prinzip“, um Mehrfachmeldungen zu vermeiden und praxisfremde Auflagen im ÖPUL zu vereinfachen: „Überbordende Bürokratie hemmt Innovationen und kostet wertvolle Arbeitszeit.“ Bei den Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen 2028–2034 tritt Österreich weiterhin unverrückbar für ein starkes GAP-Budget mit einer eigenständigen Säule für die Landwirtschaft ein.

Minister Totschnig hob abschließend die Schlüsselrolle der Frauen in der Landwirtschaft hervor: Mit einem Betriebsführerinnen-Anteil von 36 Prozent seien sie eine tragende Säule für zukunftsfähige Höfe und lebendige ländliche Regionen. Auf Verlangen der ÖVP wurde der Grüne Bericht im Ausschuss nicht enderledigt, um der wirtschaftlichen Situation der heimischen Landwirtschaft im Plenum des Nationalrats den gebührenden breiten Raum zu geben. (Schluss)
3.804 Anschläge
  • Empfehlen
  • Drucken
  • PDF downloaden
  • RTF downloaden