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Wien, 30. April 2026 (aiz.info)

Tabubruch bei SPAR: Importeier gefährden heimische Qualitätsstrategie

Abkehr von heimischer Qualität bedroht Tierwohl-Standards und bäuerliche Familienbetriebe

Mit der Entscheidung, ausländische Eier ins Sortiment aufzunehmen, setzt der Lebensmitteleinzelhändler SPAR einen massiven Bruch mit einem langjährigen Grundkonsens im österreichischen Eiermarkt. Die Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) warnt vor weitreichenden Folgen für Tierwohl, Qualität und die heimische Versorgung. 

Bruch mit einem österreichischen Erfolgsmodell

Österreich war das erste Land in der EU, das sich zum Ausstieg aus der konventionellen Käfighaltung entschieden hat. Mit hohem finanziellem Risiko und anfangs fehlendem Know-how wagten Bäuerinnen und Bauern die sehr hohen Investitionen im Vertrauen auf den Handel, beim Einkauf ausschließlich auf heimische Frischeier zu setzen. Seit diesem Handschlag im Jahr 2009 hat sich die österreichische Legehennenhaltung zu einem europaweiten Vorzeigemodell mit EU-weit höchsten und für die Tiere besten Standards entwickelt. „SPAR verlässt diesen gemeinsamen Weg als großer Lebensmitteleinzelhändler Österreichs. Das ist ein klarer Tabubruch“, stellt Günther Wenninger, Obmann der EZG-Frischei und Vorstandsmitglied der Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ), fest.

Entscheidung völlig unverständlich

Besonders kritisch sieht die Branche, dass diese Entscheidung nicht aus einer Mangelsituation heraus getroffen wurde: „Die Entscheidung ist für uns umso unverständlicher, als ganzjährig, aber besonders jetzt nach Ostern, ausreichend heimische Eier am Markt vorhanden sind. Österreich produziert rund 2,3 Milliarden Eier pro Jahr, nur ca. 40 Prozent davon gehen in den Lebensmitteleinzelhandel. Die Ware wäre also da“, betont Wenninger. Der österreichische Handel erzielt seit vielen Jahren mengenmäßig Rekordergebnisse beim Absatz heimischer Eier. Die Österreichische Eierdatenbank bestätigt zudem, dass heimische Packstellen in den letzten Jahren deutlich mehr Eier an den Lebensmittelhandel geliefert haben. Engpässe könnten laut Branche nur durch vogelgrippebedingte Marktverschiebungen im Ausland – etwa zwischen Gastronomie, Industrie und Handel – und nicht durch fehlende Produktion im Inland entstanden sein.

Qualität und Transparenz in Gefahr

Österreichische Betriebe haben massiv in Qualität und Transparenz investiert:

•    Über 400 Mio. Euro wurden in den letzten 20 Jahren in tierfreundlichere Ställe investiert.  
•    Die Österreichische Eierdatenbank garantiert lückenlose Rückverfolgbarkeit.
•    Auf- und Ausbau der Anforderungen im AMA-Gütesiegel für Legehennen. 
•    Die Fütterung erfolgt zu 100 % zertifiziert gentechnikfrei und mit nachhaltigem Donausoja, was 40 % CO₂ gegenüber herkömmlicher westeuropäischer Fütterung einspart.
•    EU-weit höchste Tierwohlstandards.
•    Der Geflügelgesundheitsdienst QGV sichert die Tiergesundheit über die Datenbank „Poultry Health Data“.

„Diese Systeme garantieren ein Höchstmaß an Qualität, Transparenz und Kontrolle – vom Stall bis ins Regal. Importware kann dieses Niveau im Regelfall nicht bieten“, gibt Wenninger zu bedenken. Konsumenten könnten Qualitätslabels auf Importeiern oft nicht einordnen, was einen realen Verlust an Sicherheit bedeutet.

Drohende Abwärtsspirale

Die GWÖ warnt eindringlich vor den Konsequenzen der Listung ausländischer Frischeier: „Wenn dieser Schritt Schule macht, droht eine Entwicklung, bei der der Preis über die Qualität gestellt wird. Das wäre der Beginn einer Spirale nach unten“, betont GWÖ-Obmann-Stellvertreter Heinz Schlögl. Die heimischen Betriebe haben ihre hohen Standards über viele Jahre aufgebaut. Steigender Preisdruck würde diese Errungenschaften unmittelbar gefährden. „Wir wären gezwungen, auf kostspielige Mehrleistungen zu verzichten, und würden damit die österreichische Qualitätsstrategie zerstören – entgegen den laufend steigenden Erwartungen der Österreicherinnen und Österreicher im Bereich Tier- und Umweltschutz“, so Schlögl.“.

Versorgungssicherheit steht auf dem Spiel

Die sehr hohe österreichische Eigenversorgung ist das Ergebnis langfristiger Investitionen und stabiler Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette. „Eine verlässliche Versorgung mit heimischen Eiern ist kein Selbstläufer. Sie funktioniert nur, wenn Produzenten und Handel an einem Strang ziehen“, so Schlögl. Ein zukünftig verstärkter Griff zu Importware schwächt nicht nur die heimische Produktion und damit hunderte bäuerliche Familienbetriebe in ganz Österreich, sondern gefährdet langfristig auch die österreichische Versorgungssicherheit. „Welcher Landwirt investiert viel Geld in neue Stallungen, wenn er nicht darauf vertrauen kann, dass seine Eier auch einen Abnehmer finden?“, fragt der Obmann-Stellvertreter. Vielmehr drohe die Gefahr, dass Bäuerinnen und Bauern ihre Eierproduktion einstellen müssen. Damit verlieren viele bäuerliche Familien ihre Haupteinnahmequelle und wichtige Wertschöpfung zur Strukturerhaltung am Land geht verloren.

Klare Worte – und ausgestreckte Hand

Trotz deutlicher Kritik setzt die Branche auf Dialog: „Wir wollen keine Auseinandersetzung ‚David gegen Goliath‘, aber wir können diese Entwicklung nicht kommentarlos hinnehmen“, so Schlögl. Die Geflügelwirtschaft Österreich appelliert deshalb vor allem an SPAR, aber auch an REWE, HOFER und LIDL, den bisherigen Qualitätskurs gemeinsam fortzusetzen.

Gleichzeitig richtet sich ein klarer Appell an die Bevölkerung: „Wer zu österreichischen Eiern greift, entscheidet sich bewusst für Tierwohl, Qualität und die Unabhängigkeit unserer Versorgung.“ (Schluss) APA OTS 2026-04-30/13:00
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