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Wien, 19. Mai 2026 (aiz.info)

ARGE Rind: Rinderpreise massiv unter Druck

Erste Vorboten von Mercosur

Die österreichische Rindfleischbranche steht aktuell massiv unter Druck. Innerhalb kurzer Zeit kam es zu einem Preisverfall von rund 20 Prozent. Für viele österreichische Rinderbauern bedeutet das erneut eine existenzielle Belastung - gerade nach jenem Jahr, in dem sich die Preise erstmals nach langer Durststrecke positiv entwickelt hatten und viele Mäster wieder Hoffnung schöpften.

Aus Sicht der ARGE Rind zeigen sich bereits jetzt die ersten massiven Auswirkungen internationaler Handelsentwicklungen und eines zunehmenden Importdrucks aus Südamerika. Besonders brasilianisches Rindfleisch drängt verstärkt auf den europäischen Markt. Allein in der Gastronomie konnte brasilianisches Rindfleisch in Teilbereichen stark zulegen. Gleichzeitig verlor österreichisches Rindfleisch in den ersten Monaten des Jahres deutlich an Marktanteilen im Gastrovertrieb.

"Wir sehen aktuell Entwicklungen, die wie ein Vorbote von Mercosur wirken. Wenn billig produzierte Ware ohne vergleichbare Standards auf unseren Markt drückt, geraten regionale Kreisläufe massiv unter Druck. Die heimische Landwirtschaft braucht faire Rahmenbedingungen, transparente Herkunftskennzeichnung und ein klares Bekenntnis von Politik, Handel und Gastronomie zur österreichischen Produktion", betont Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind.

Die Problematik betrifft jedoch nicht nur Österreich, sondern den gesamten europäischen Markt. In Folge des Irankrieges liefern Exportländer wie Polen deutlich weniger Fleisch in den arabischen und iranischen Raum. Gleichzeitig wird wieder verstärkt brasilianisches Lebendvieh nach Nordafrika und in die Türkei transportiert. Diese Verschiebungen der internationalen Warenströme setzen den europäischen Rindfleischmarkt zusätzlich massiv unter Druck und verstärken die derzeitige Preissituation für heimische Produzenten erheblich.

Weiters verschärft sich die Situation durch die weiter auseinandergehende Kostenschere in der Landwirtschaft. Infolge des Irankrieges steigen nicht nur die Treibstoffkosten massiv an - auch Betriebsmittel wie Dünger verteuern sich spürbar. Während die Produktionskosten für die bäuerlichen Betriebe laufend steigen, geraten gleichzeitig die Erlöse am Rindfleischmarkt unter Druck. Für viele Landwirte wird es dadurch zunehmend schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten und notwendige Investitionen am Betrieb abzusichern.

Besonders dramatisch ist die Situation für die bäuerlichen Familienbetriebe. In den vergangenen zehn Jahren haben rund 25 Prozent der österreichischen Rinderhalter aufgegeben - im Schnitt drei Betriebe pro Tag. Erst im letzten Jahr konnte dieser Negativtrend kurzfristig verlangsamt werden. Durch die aktuelle Marktvolatilität droht nun erneut eine Welle von Betriebsaufgaben.

"Unsere Bauern produzieren mit höchsten Standards, investieren in Tierwohl, Qualität und Regionalität. Wenn diese Leistung am Markt nicht mehr abgegolten wird, sperren wieder Höfe zu - und mit jedem Betrieb verlieren wir ein Stück Versorgungssicherheit und lebendigen ländlichen Raum", sagt Josef Fradler, Obmann der ARGE Rind.

Ergänzend ist noch zu erwähnen, dass sich aufgrund der guten Exportmöglichkeiten und der Unterstützung mittels Ankaufbeihilfen aus europäischen Ländern die Lebendviehpreise gegensätzlich zum Schlachtrindermarkt verhalten.

Die ARGE Rind appelliert daher eindringlich an Konsumenten, Gastronomie, Handel und Politik, bewusst auf österreichisches Rindfleisch zu setzen. Regionalität sichert Wertschöpfung im eigenen Land, stärkt bäuerliche Familienbetriebe und schützt langfristig die heimische Lebensmittelversorgung. Gleichzeitig fordert die ARGE Rind eine rasche und transparente Herkunftskennzeichnung sowie längerfristige, faire Preisbildungsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette. (Schluss)
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