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Linz, 30. September 2026 (aiz.info)

OÖ Herbsternte 2026: Dürre hinterlässt massive Spuren

Eines der schwierigsten Ackerbaujahre geht zu Ende

Das Jahr 2026 gehört aufgrund der Rekorddürre zu einem der schwierigsten Ackerbaujahre der Geschichte. Bis Ende September fehlen in Oberösterreich noch immer durchschnittlich 37 Prozent des üblichen Jahresniederschlags und manche Regionen verzeichnen weiterhin ein Defizit von 40 bis 50 Prozent. Dazu gesellte sich heuer die Hitze und verursachte im Pflanzenbau eine anhaltende Stresssituation. So verzeichnete allein die Stadt Braunau über 52 Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Die Getreideernte konnte im Frühsommer noch leicht unterdurchschnittlich und damit für die Ackerbauern mit akzeptablen Erträgen und guten Qualitäten eingebracht werden. Laut dem amtlichen AMA-Marktbericht fehlten aber in Oberösterreich bei der Winterrapsernte im Frühsommer bereits 13 Prozent des Vorjahrertrages. Die durchschnittlichen Erträge der Herbstkulturen, deren Ernte aktuell am Laufen ist, liegen in Oberösterreich bei Zuckerrübe um rund ein Viertel und bei Mais und Sojabohne um 35 bis 40 Prozent unter dem guten Vorjahresniveau. Nur bei Ölkürbis werden jetzt im Herbst durchschnittliche Erträge erzielt. Laut Hagelversicherung belaufen sich die Dürreschäden in der oberösterreichischen Landwirtschaft, über das gesamte Erntejahr gerechnet, bei rund 200 Millionen Euro.

„Das Landwirtschaftsjahr 2026 zeigt in aller Deutlichkeit, wie verwundbar die Produktion unter freiem Himmel gegenüber Wetterextremen geworden ist. Die Zahl der Schadensmeldungen aus Hagel und Elementarrisiken hat sich gegenüber dem Vorjahr verfünffacht, vor allem wegen der außergewöhnlich hohen Zahl an Dürreschadensmeldungen“, erläutert der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, Franz Waldenberger.

Dürrehilfspaket schafft rasche und unbürokratisch Hilfe

Laut Österreichischer Hagelversicherung verursachte die Dürre in der österreichischen Landwirtschaft Schäden von rund einer Milliarde Euro. Etwa 400 Millionen Euro davon sind durch die Entschädigungen der Hagelversicherung gedeckt, wobei etwa drei Viertel auf die Dürreindexversicherung und ein Viertel auf die Dürreertragsversicherung entfallen. Besonders betroffen sind in Oberösterreich das Grünland, die Viehwirtschaft und die Herbstkulturen (Mais, Soja, Zuckerrübe), aber auch der Gemüse-, Hopfen- und Erwerbsobstbau sowie die Forstwirtschaft. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und der agrarischen Interessenvertretung wurde ein Dürre-Hilfspaket im Umfang von 240 Millionen Euro vereinbart. 

„Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich begrüßt dieses Paket als wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der bäuerlichen Betriebe. Angesichts steigender Betriebsmittelkosten, schwieriger Marktbedingungen und erheblicher Ertragsausfälle soll insbesondere die Liquidität der Betriebe gesichert und eine Reduktion von Tierbeständen verhindert werden“, so Waldenberger. 

Dabei sollen vier zentrale Maßnahmen des Dürre-Hilfspakets rasch Liquidität auf die von der Dürre betroffenen Betriebe bringen. Kernstück ist die Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen. So entfallen im vierten Quartal 2026 zwei Monatsbeiträge, ohne dass sich daraus Nachteile bei Pensionen, Versicherungszeiten oder Sozialleistungen ergeben. Die Gegenfinanzierung erfolgt über eine befristete Reduktion des Bundeszuschusses zur bäuerlichen Krankenversicherung bis 2031. Zusätzlich wird ein mit 25 Millionen Euro dotiertes Zinszuschussprogramm für Betriebsmittelkredite bereitgestellt. Damit können bis zu 300 Millionen Euro an Krediten für Futtermittel, Saatgut, Dünger und andere Betriebsmittel mobilisiert werden. Der Zinszuschuss beträgt 2,50 bis 2,75 Prozentpunkte.

Weitere 25 Millionen Euro sind für die Stundung von Agrarinvestitionskrediten vorgesehen. Dadurch erhalten betroffene Betriebe mehr finanziellen Spielraum bei laufenden Rückzahlungen. Zur Stärkung der Risikovorsorge wird zudem der öffentliche Prämienzuschuss zur Dürreversicherung im Jahr 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent erhöht. In Oberösterreich sind bereits rund 85 Prozent der Ackerflächen und 60 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürreschäden versichert.

„Es ist die betriebliche Entscheidung jedes einzelnen Landwirts, die Angebote der Österreichischen Hagelversicherung in Anspruch zu nehmen. Die Versicherung kann weder fehlenden Regen ersetzen noch die Auswirkungen steigender Temperaturen verhindern, aber sehr wohl finanzielle Schäden abfedern. Auch wenn in Oberösterreich bereits ein Großteil der Landwirte versichert ist, so appellieren wir mit Nachdruck an die Eigenverantwortung der Betriebsführerinnen und Betriebsführer, die immer häufiger auftretenden Schadereignisse ernst zu nehmen und sich auch in Zukunft verlässlich zu versichern“, betont Waldenberger.

Grünland und Feldfutterbau am stärksten betroffen
 
Das Grünland ist eine sehr wasserbedürftige Kultur. Um die gleiche Futtermenge in Kilo Trockenmasse zu bilden, benötigen Wiesen und Weiden beispielsweise doppelt so viel Wasser wie so manch andere Ackerfutterkultur, z.B. Mais oder Hirse. Die für die Tierhaltung so wesentlichen Grünland- und Feldfuttererträge sind über den Hitzesommer in vielen Regionen massiv eingebrochen und erhöhten den Druck, die Herbsternte vorzeitig zu nutzen sowie Futtermittel zu importieren. Beispielsweise wurde etwa 20 Prozent der ursprünglich gedachten Körnermaisflächen als Silomais für Futterzwecke geerntet. Weiters waren Importe von Heu und Luzerneheu aus benachbarten Ländern, wie Kroatien und Rumänien, meist teuer und zu teils fragwürdigen Qualitäten, notwendig. Die Heuqualitäten aus Italien waren meist zufriedenstellend, aber durch das knappe Angebot und die gestiegenen Transportkosten verdoppelte sich der Preis für qualitativ hochwertiges Heu gegenüber den Vorjahren.
 
Servicepaket zur Grundfuttersicherung
 
Die Landwirtschaftskammer, die Maschinenringe und der Verband Bio Austria reagierten zeitgerecht und unterstützten die Tierhalter mit Futtermittelbörsen, vermittelten Ackerflächen von viehlosen Betrieben für den Futterzwischenfruchtanbau sowie Körnermaisflächen für die Silomaisnutzung. Ergänzend dazu haben Lagerhäuser und die RWA über den europäischen Markt mehr als 1.200 LKW-Züge Heu nach Österreich organisiert, jeder fünfte davon für oberösterreichische Betriebe. Über eine Sammelankaufsaktion von Bio Austria wird auch gezielt Futter an Bio-Betriebe vermittelt. Insgesamt wurden bis dato 2.200 Tonnen Bio-Luzerneheu bestellt, wovon 1.500 Tonnen noch in Zustellung sind. Dennoch mussten nicht wenige Rinderhalter ihre Tierbestände dem knapperen Futterangebot anpassen und entsprechend abstocken, um über den kommenden Winter zu kommen.
 
Nach den Dürreschäden folgen Mäuseplage und Engerlinge
 
Die anhaltende Trockenheit führte vielerorts auch zu Schäden an bestehenden Grünlandbeständen. Zahlreiche Flächen mussten saniert oder nachgesät werden. Diese Maßnahmen sind mit erheblichem Arbeitsaufwand und zusätzlichen Kosten für Saatgut, Bodenbearbeitung und Pflege verbunden. Die Trockenheit begünstigt zudem das Auftreten von Schädlingen. Viele Grünlandbetriebe kämpfen mit hohen Mäusepopulationen. Durch ihren Wurzelfraß schwächen die Mäuse die Futterpflanzen, zusätzlich verschmutzen Erdhaufen das Erntegut. Seit Mitte August werden auch vermehrt Engerlingschäden festgestellt. Die Larven des Feldmaikäfers und Junikäfers fressen an den Pflanzenwurzeln und können bei starkem Befall zum Absterben der Grasnarbe und damit zum vollständigen Ausfall von Grünlandflächen führen. Zusätzlich machen die Schäden oft kostspielige Regulierungsmaßnahmen sowie eine Neuanlage der betroffenen Wiesen erforderlich, wodurch den Betrieben erhebliche wirtschaftliche Belastungen entstehen.

Auswirkungen der Geopolitik und gestiegene Betriebsmittelpreise setzen Ackerbauern unter Druck
 
Laut Schätzung der AMA-Marktberichtstelle beträgt die gesamte österreichische Getreide- und Maisproduktion heuer 4,2 Millionen Tonnen. Das sind 1,3 Millionen Tonnen bzw. 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Während ein Weizenüberschuss aus dem Vorjahr den Mahlweizenpreis in Österreich noch immer unter netto 200 Euro pro Tonne drückt, kann der Mais mit netto 250 Euro pro Tonne einen durchaus akzeptablen Preis erzielen. Leider trifft der gute Maispreis in West- und Osteuropa auf dürrebedingt niedrige Erträge. Infolge der heurigen Missernte liegt der österreichische Importbedarf bei Mais mit 1,5 Millionen Tonnen auf einem historisch hohen Niveau. Kamen diese Mengen in der Vergangenheit vor allem aus Ungarn, Rumänien und Serbien über die Donau, so hat sich hier das Geschehen völlig gedreht. Die Körnermaisproduktion ist in den vergangenen Jahren in diesen Ländern aufgrund von mehrjähriger Trockenheit und Aflatoxinproblemen dramatisch eingebrochen. So wurden diese ehemaligen Exportländer selbst zu Zuschussländern. Damit ist Österreich wie viele andere EU-Staaten, die heuer von der Dürre betroffen waren, gezwungen, sich über die EU hinaus Mais zu beschaffen – und das wird schwierig.
 
Der Maisexport aus der Ukraine ist aufgrund der nachhaltig zerstörten Hafenanlagen am Schwarzen Meer zum Erliegen gekommen. Ebenso sind die russischen Hafenanlagen durch kriegerische Handlungen zerstört und die Getreideexporte durch laufende Drohnenangriffe stark eingeschränkt. Üblicherweise werden Italien, Spanien und Portugal über den Meerweg mit mehreren Millionen Tonnen ukrainischem Mais versorgt. Ebenso sind die Pegelstände der Wasserstraßen, wie Donau oder Rhein, wegen der anhaltenden Trockenheit für den Schiffstransport zu den Binnenländern zu niedrig. Nun wurde auch noch die Binnenschifffahrt der Donau bis Ende November gesperrt, um für die ausreichende Kühlwasserversorgung des Atomkraftwerks Paks eine Sohlschwelle aus rund 150.000 m3 Gestein zu errichten.
 
Der Großteil der Maisimporte wird 2026/27 laut EU, wo heuer statt der üblichen 60 Millionen Tonnen nur rund 45 Millionen Tonnen geerntet werden, zu 45 Prozent aus den USA kommen, gefolgt von 34 Prozent aus der Ukraine und zu 17 Prozent aus Brasilien. Interessant ist, dass 2025/26 noch rund 50 Prozent der EU-Maisimporte aus Brasilien stammten.
 
Es ist aber bis dato noch nicht geklärt wie die starke österreichische Verarbeitungsindustrie (Stärke, Zitronensäure, Ethanol) zu tragbaren Preisen mit ausreichend Rohstoff versorgt werden kann. Als Binnenland sind wir in der aktuellen Situation auf LKW- und Bahntransporte angewiesen, die sich wegen gestiegener Diesel- und Energiepreise massiv verteuert haben und nur eingeschränkt verfügbar sind. Nun zeigt sich, dass sowohl die Veredler als auch die Mischfutterindustrie beginnen, verstärkt den knappen und teuren Mais durch die noch immer auf Lager liegenden Weizenvorräte zu ersetzen. Wir sind damit überzeugt, dass der Weizenpreis, der seit der Ernte nahezu „bleiern“ auf niedrigem Niveau verharrt, die nächsten Wochen steigen muss.
 
Betriebswirtschaftliches Umfeld und Deckungsbeiträge im Ackerbau
 
Die wirtschaftliche Situation im Ackerbau bleibt herausfordernd. Während sich die Erzeugerpreise vieler Kulturen zuletzt stabilisiert haben, bereiten insbesondere die deutlich gestiegenen Betriebsmittelkosten Sorgen. Vor allem bei Stickstoff- und Phosphordüngern sowie beim Diesel kam es innerhalb der vergangenen zwölf Monate zu deutlichen Preissteigerungen. Für die Ernte 2027 ist dadurch bei vielen Ackerbaukulturen mit Mehrkosten von rund 100 bis 150 Euro je Hektar zu rechnen. Etwa zwei Drittel der Kostensteigerungen entfallen dabei auf Düngemittel und etwa ein Drittel auf Diesel.
 
Das Erntejahr 2026 hat gleichzeitig eindrucksvoll gezeigt, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Betriebes stärker denn je vom Ertragsniveau abhängt. Die langanhaltende Trockenheit führte in Oberösterreich zu außergewöhnlich großen Unterschieden zwischen Regionen, Gemeinden und teilweise sogar benachbarten Schlägen. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die wirtschaftlichen Ergebnisse aus.
Bei den aktuellen Kalkulationen ergibt sich für Sojabohnen bei einem Ertrag von heuer durchschnittlich 2,5 Tonnen pro Hektar ein Deckungsbeitrag von rund 250 Euro je Hektar. Fällt der Sojabohnenertrag auf lediglich 2,0 Tonnen pro Hektar, was heuer keine Seltenheit war, so geht der Deckungsbeitrag bereits gegen Null. Beim Körnermais werden bei einem Ertrag von heuer Ø 7,8 Tonnen pro Hektar rund 550 Euro Deckungsbeitrag je Hektar erreicht. Fällt hier der Ertrag auf lediglich 6,0 Tonnen pro Hektar, so beträgt der Deckungsbeitrag nur mehr 220 Euro pro Hektar. Die besten Deckungsbeiträge konnten 2026 bei nur relativ kleinen Kulturen wie Winterraps und Ölkürbis erzielt werden. Bei heuer im Schnitt 3,5 Tonnen Raps pro Hektar beträgt der Deckungsbeitrag 1.350 Euro, bei im Schnitt 900 Kilogramm Ölkürbis pro Hektar immerhin 1.000 Euro.
 
Deckungsbeitrag ist nicht der Gewinn
 
Dabei ist zu beachten, dass der Deckungsbeitrag keineswegs mit dem Gewinn gleichzusetzen ist. Vom Deckungsbeitrag müssen noch zahlreiche weitere Kosten wie Maschinenabschreibungen, Gebäude, Arbeitszeit, Pachtkosten, Finanzierungskosten sowie die Entlohnung des Betriebsleiters gedeckt werden. Schließlich sind auch noch die Sozialversicherungsbeiträge zu leisten.
 
Die Erfahrungen des heurigen Jahres verdeutlichen zudem die Bedeutung des Risikomanagements. Wetterextreme wie Trockenheit, Hagel oder Starkniederschläge können innerhalb weniger Wochen erhebliche Ertragsverluste verursachen. Neben einer ausgewogenen Fruchtfolge und einer breiten Streuung der Kulturen gewinnen daher Instrumente der Risikoabsicherung wie Versicherungen zunehmend an Bedeutung.

„Für die Anbauplanung 2027 stehen die Ackerbaubetriebe damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits haben die heurigen Ertragseinbußen gezeigt, wie stark Wetterextreme die Wirtschaftlichkeit beeinflussen können, andererseits steigen die Produktionskosten deutlich an. Hohe und stabile Erträge bleiben daher die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Ackerbaubetriebe“, so Präsident Waldenberger abschließend.
 
Ausblick auf die Herbstkulturen ist aufgrund der extremen Wettersituation ernüchternd
 
Die meteorologischen Rahmenbedingungen waren heuer außergewöhnlich. Der Frühling 2026 war österreichweit der niederschlagsärmste seit Beginn der entsprechenden Messreihe seit 169 Jahren. Somit und durch den fehlenden Winterniederschlag fehlten den landwirtschaftlichen Kulturen bereits zu Beginn der Vegetationsperiode entscheidende Wasserreserven. Betroffen war auch Oberösterreich und so haben ein Niederschlagsdefizit von durchschnittlich 37 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel und der heißeste Sommer der Messgeschichte auch in der oberösterreichischen Landwirtschaft Spuren hinterlassen. Sogar in Regionen mit Starkregen und einzelnen schweren Gewittern mit Hagel konnte das entstandene Niederschlagsdefizit nur teilweise ausgeglichen werden.
 
„Das Jahr 2026 führt damit erneut vor Augen: Die Landwirtschaft arbeitet in einer Werkstatt unter freiem Himmel. Rund 80 Prozent des Ertrages hängen unmittelbar vom Wetter ab. Wenn Niederschlag über Monate fehlt und gleichzeitig außergewöhnlich hohe Temperaturen auftreten, sind selbst mit modernster Bewirtschaftung und der Möglichkeit von Bewässerung Ertragsverluste nicht vollständig vermeidbar“, betont der Leiter der Abteilung Pflanzenbau der LK OÖ, Helmut Feitzlmayr.

Körnermaisernte über den Sommer geschrumpft
 
Die zum Teil prekäre Situation in der Futtermittelbevorratung, vor allem in der Rinderhaltung, führte dazu, dass seit Anfang August verstärkt Körnermais als Silomais vorzeitig genutzt wurde. Die Schätzungen belaufen sich mittlerweile auf eine zusätzliche Silomaisnutzung von 10.000 Hektar ursprünglicher Körnermaisflächen. Damit wird die Körnermaisfläche, die heuer in Oberösterreich gegenüber dem Vorjahr unverändert 51.500 Hektar betrug auf 41.500 Hektar sinken. Gleichzeitig sinkt der durchschnittliche Hektarertrag bei Körnermais gegenüber dem Vorjahr von 12,4 Tonnen pro Hektar auf geschätzt 7,8 Tonnen pro Hektar. Die Körnermaisproduktion schrumpft damit von 639.000 Tonnen auf 324.000 Tonnen. So fehlen heuer allein in Oberösterreich 315.000 Tonnen bzw. rund die Hälfte der vorjährigen Körnermaisproduktion.
 
Die eigentliche Körnermaisernte begann Ende August. Ebenso startete die AGRANA in Aschach bereits am 21. August die Nassmaiskampagne und wird diese wegen dem schlechten physiologischen Zustand der Maispflanzen bis Anfang November beenden. Die Erträge der aktuell laufenden Ernte bleiben in Oberösterreich, mit den bereits oben prognostizierten durchschnittlich 7,8 Tonnen Körnermais je Hektar, witterungsbedingt deutlich hinter dem Rekordjahr 2025 zurück.
 
Die Ertragssituation ist dabei regional sehr unterschiedlich. Im Innviertel und in den nördlichen Gemeinden des Bezirks Rohrbach konnten durchaus zufriedenstellende und wirtschaftlich interessante Erträge erzielt werden. Deutlich schwieriger ist die Situation hingegen im südlichen Mühlviertel und im Zentralraum, wo die Erträge aufgrund der fehlenden Niederschläge deutlich hinter dem sehr guten Niveau des Jahres 2025 zurückbleiben.
 
Aflatoxinbelastung bei Mais erstmals in Oberösterreich festgestellt
 
Aufgrund der außergewöhnlich heißen und trockenen Witterung kam es heuer erstmals zu festgestellten Aflatoxinbelastungen bei Mais in Oberösterreich. Aflatoxine werden unter hohen Temperaturen und Trockenheit von Pilzen der Gattung Aspergillus gebildet. Während Aflatoxinbelastungen bisher vor allem aus den wärmeren Regionen Süd- und Südosteuropas bekannt waren, ist nun auch Oberösterreich betroffen. Auch in den östlichen Bundesländern Österreichs wurden Belastungen festgestellt.
 
Geringe Erträge und bescheidene Qualität bei Sojabohne
 
Auch die Sojabohne hatte 2026 mit den Auswirkungen der extremen Trockenheit zu kämpfen. Auf schweren, tiefgründigen Böden konnten sich die Bestände zunächst gut entwickeln, litten im weiteren Verlauf jedoch ebenfalls unter der anhaltenden Trockenheit. Auf leichten, sandigen Standorten war die Entwicklung bereits bis zur Blüte beeinträchtigt. In weiterer Folge wurden aufgrund der fehlenden Niederschläge teilweise nur wenige oder gar keine Hülsen ausgebildet. In der laufenden Ernte zeigen sich bei Sojabohne eine geringe Qualität und zum Teil, auch auf guten Standorten, sehr niedrige Erträge. Während im Vorjahr in Oberösterreich noch im Schnitt 3,7 Tonnen pro Hektar geerntet wurden, wird heuer der Sojaertrag auf 2,5 Tonnen pro Hektar und damit um 35 Prozent geringer geschätzt. Dabei streuen die Ertragsergebnisse von rund 500 Kilo je Hektar auf schwachen Standorten bis zu 3.500 Kilo je Hektar in absoluten Gunstlagen.

„Trotz der schwierigen Bedingungen bleibt die Sojabohne eine Kultur mit Potenzial und ist auch dank des erfolgreichen österreichischen Zuchtprogramms der Saatzucht Donau mittlerweile ein fester Bestandteil des oberösterreichischen Ackerbaus. Besonders interessant sind neue, sehr frühe Sorten, die den erfolgreichen Sojaanbau auch in Rand- und Grenzlagen ermöglichen und damit zusätzliche Anbauregionen erschließen können“, ist Feitzlmayr überzeugt.
 
Zuckerrübenernte kann österreichischen Zuckerbedarf nicht mehr decken
 
Die Zuckerrübenernte in Österreich startet heuer am 5. Oktober, der Verarbeitungsbeginn im Werk Tulln ist für den 7. Oktober vorgesehen. Österreichweit werden rund 20.500 Hektar Zuckerrüben geerntet. Nach den derzeitigen Schätzungen ist mit durchschnittlichen Erträgen von etwa 56 Tonnen je Hektar zu rechnen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Erntemenge wird eine kurze Kampagne von unter 100 Tagen erwartet. Die Rüben haben einen Zuckergehalt von rund 17 Prozent. Erstmals in der Nachkriegszeit kann mit einer prognostizierten Zuckermenge von rund 200.000 Tonnen (inkl. Melasseentzuckerung) der Zuckerbedarf der österreichischen Bevölkerung im Ausmaß von 270.000 Tonnen nicht mehr gedeckt werden. Die Eigenversorgung ist damit bei österreichischem Zucker auf 74 Prozent gefallen.
 
In Oberösterreich werden heuer auf rund 5.500 Hektar Anbaufläche und bei einem Ertrag von im Schnitt 70 Tonnen pro Hektar knapp 400.000 Tonnen Zuckerrüben geerntet. Damit liefern die oberösterreichischen Rübenbauern bereits mehr als ein Drittel der österreichischen Gesamtproduktion. Trotz dieser hohen Bedeutung fällt die Ernte jedoch deutlich unterdurchschnittlich aus. Die derzeit erwarteten Erträge liegen etwa ein Viertel unter dem Vorjahr und auch klar unter dem langjährigen Mittel, nachdem in den vergangenen Jahren vielfach Erträge zwischen 80 und über 100 Tonnen je Hektar erzielt wurden.
 
Die regionalen Unterschiede sind dabei enorm. Während einige Regionen im Westen Oberösterreichs noch von ausreichenden Niederschlägen profitieren konnten, waren insbesondere die Gebiete rund um Enns sowie die östlichen Landesteile stark von der Sommertrockenheit betroffen. Die Ergebnisse der Vorkampagne-Proben bestätigen dieses Bild. Etwas Hoffnung machen die aktuell überdurchschnittlichen Zuckergehalte, die einen Teil der Mindererträge kompensieren könnten.
Offen bleibt, ob die Niederschläge Mitte September bis zum Erntebeginn noch geringfügige Verbesserungen bei Rübenmasse und Zuckerertrag ermöglichen. Entscheidend für die Ertragsbildung wären jedoch ausreichende Niederschläge bereits im Juli und August gewesen.
 
Durchschnittliche Ölkürbisernte in Oberösterreich
 
Der Ölkürbisanbau wurde in Oberösterreich 2026 deutlich ausgeweitet. Laut AMA-Flächenauswertung stieg die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr von 1.688 auf 2.228 Hektar. Besonders starke Flächenzuwächse verzeichneten die Bezirke Linz, Steyr und Schärding.
Die Ernte hat in vielen Regionen jedoch erst begonnen, weshalb Aussagen zum tatsächlichen Ertragsniveau noch mit großer Unsicherheit behaftet sind. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen eine außergewöhnlich große Spannweite. Während schwächere Bestände lediglich 200 bis 300 Kilo Kürbiskerne je Hektar erreichen, werden auf guten Standorten Erträge von deutlich über 1.000 Kilo je Hektar erzielt. Nach derzeitiger Einschätzung könnte der oberösterreichische Durchschnittsertrag bei etwa 900 Kilo je Hektar liegen. Verantwortlich für die großen Unterschiede sind vor allem die regional sehr unterschiedlichen Niederschläge sowie vielfach inhomogene Bestände. Diese erschweren auch die Wahl des optimalen Erntezeitpunktes.
 
Österreichweit dürfte sich die Trockenheit insbesondere in den niederösterreichischen Hauptanbaugebieten deutlich auf die Ernte auswirken. Obwohl die Anbauflächen hoch sind, rechnen Marktteilnehmer daher nicht mit einer Rekordernte. Für Oberösterreich wird die Situation derzeit tendenziell günstiger eingeschätzt als in vielen Regionen Niederösterreichs.
Die derzeitigen Einschätzungen deuten darauf hin, dass die österreichische Kürbiskernernte unter ihrem Potenzial bleiben könnte.

Obstbau heuer mit Ertragseinbußen aber guter Qualität
 
Die anhaltende Trockenheit und Hitze prägten die diesjährige Obsternte in Oberösterreich. Größere Schäden durch Frost oder Hagel blieben zwar weitgehend aus, der Wassermangel führte jedoch in vielen Kulturen zu kleineren Früchten und geringeren Erträgen. Besonders im Kernobstbau werden je nach Standort Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent erwartet. Die Qualität von Äpfeln und Birnen ist dennoch überwiegend gut, da die vielen Sonnenstunden Aroma und Süße fördern.
 
Steinobst zeigte sich deutlich robuster: Kirschen, Marillen und Zwetschken lieferten trotz Trockenheit überwiegend gute Ernten, unterstützt durch eine hohe Nachfrage nach regionaler Ware. Im Beerenobstbereich fielen die Ergebnisse dagegen durchwachsen aus. Erdbeeren, Heidelbeeren, Aronia und Minikiwis litten teils massiv unter Hitze, Trockenheit und lokalen Frostschäden. Bei Walnüssen wird eine gute Ernte mit hoher Qualität erwartet, während Haselnüsse regional deutliche Ertragseinbußen verzeichnen. Positiv präsentiert sich das Streuobst mit guten Behangzahlen, steigenden Fruchtgrößen und zufriedenstellenden Zuckergehalten.
 
Wirtschaftlich bleibt die Situation angespannt. Der Preisdruck durch Importware ist in allen Obstsparten hoch und kann von den heimischen Betrieben kaum ausgeglichen werden. Chancen auf eine ausreichende Wertschöpfung bieten vor allem die Direktvermarktung und die Weiterveredelung. Auch im Streuobstsektor wirken die hohen Erntemengen preisdrückend und erschweren die langfristige Sicherung der Bestände. Generell wird es auch im Obstbau immer notwendiger, sich mit dem Thema Bewässerung intensiv auseinanderzusetzen. Von der Wasserverfügbarkeit bis zu Bewässerungsstrategien passend zur jeweiligen Kultur sind noch viele Fragen zu klären.
 
Massive Ertrags- und Qualitätsverluste bei Gemüse und Erdäpfel
 
Die anhaltende Trockenheit und die außergewöhnlich hohen Temperaturen prägten heuer auch den Gemüse- und Erdäpfelbau in Oberösterreich. Trotz Bewässerung litten zahlreiche Kulturen unter Wassermangel, Hitze und heißen Winden. Besonders betroffen waren Wurzelgemüse, Kohlgemüse und Erdäpfel, bei denen vielerorts deutliche Ertrags- und Qualitätsverluste verzeichnet wurden. Auf den rund 2.080 Hektar Gemüseanbaufläche werden je nach Kultur und Standort Rückgänge der vermarktungsfähigen Erträge von 30 bis teilweise 80 Prozent erwartet. Dabei zeigt sich das tatsächliche Ausmaß oft erst nach der Ernte oder während der Lagerung, wenn Qualitätsmängel, Schädlingsschäden oder zu geringe Frucht- und Kopfgrößen eine Vermarktung erschweren oder unmöglich machen.
 
Besonders schwierig war die Situation bei Karotten, Roten Rüben und weiteren Wurzelgemüsearten. Trotz hoher Investitionen in die Bewässerung kam es teilweise zu Totalausfällen und erheblichen Lieferengpässen für die Verarbeitung. Nach dem sehr guten Vorjahr verzeichnete auch das Kohlgemüse starke Einbußen durch Trockenstress und Schädlingsbefall. Gleichzeitig zeigt das Extremjahr, wie stark die Gemüseproduktion durch Wetterextreme und die eingeschränkten Möglichkeiten im Pflanzenschutz unter Druck gerät.
 
Auch bei Erdäpfeln hat sich die Marktlage innerhalb weniger Wochen grundlegend verändert. Während im Sommer noch hohe Lagerbestände den Markt belasteten, zeichnen sich aufgrund der schlechten Erträge inzwischen Versorgungsengpässe für 2027 ab. Zusätzlich bereiten Probleme bei Lagerfähigkeit und Qualität Sorgen. Viele Bestände erreichen weder die erforderlichen Größen noch die notwendigen Mengen für die verarbeitende Industrie. Insgesamt zählt 2026 für den Gemüse- und Erdäpfelbau zu den herausforderndsten Jahren der vergangenen Jahrzehnte.
 
Die Hopfenernte fällt um ein Drittel geringer aus
 
Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben die Hopfenernte 2026 im Mühlviertel deutlich beeinträchtigt. Zwar war der Behang der Pflanzen vielerorts zufriedenstellend, die Ausbildung der Dolden blieb jedoch häufig hinter den Erwartungen zurück. Dies führte sowohl zu Ertragseinbußen als auch zu geringeren Alphasäuregehalten und damit zu Qualitätseinbußen. Die Mühlviertler Hopfengenossenschaft erwartet eine um mehr als 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegende Ernte.
 
Das Erntejahr zeigt deutlich, dass die zunehmenden Wetterextreme den Hopfenbau vor große Herausforderungen stellen. Wesentliche Anpassungsmaßnahmen sind die Weiterentwicklung des Sortenspektrums sowie zusätzliche Bewässerungsmöglichkeiten. Auf bewässerten Flächen konnten deutlich bessere Qualitäten und wesentlich stabilere Erträge erzielt werden. Diese Investitionen werden entscheidend sein, um die heimische Hopfenproduktion langfristig abzusichern. (Schluss)
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