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Wien, 20. August 2026 (aiz.info)

NTÖ-Stellungnahme: Dürre, Preisdruck und gestiegene Kosten in der österreichischen Tierhaltung

An Futtermittelindustrie, Schlachthöfe, Handel und Gastronomie

Die Trockenheit der vergangenen Wochen trifft die österreichische Nutztierhaltung mit voller Härte: Ernteausfälle, knappes und teures Futter sowie niedrige Erzeugerpreise bringen Betriebe in allen Sparten - Rinder-, Schweine-, Geflügel-, Schaf- und Ziegen- sowie Pferdehaltung - an ihre wirtschaftliche Grenze. In Oberösterreich und Niederösterreich haben sich die Schlachtzahlen bei Rindern bereits jetzt stark erhöht, ein deutliches Warnsignal, dass immer mehr Betriebe ihre Tierbestände reduzieren.

Die Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) hat gemeinsam mit ihren sechs Mitgliedsverbänden dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, die wir Ihnen anbei zur freien Verwendung übermitteln. Darin appellieren die Obleute aller Sparten eindringlich an Futtermittelindustrie, Schlachthöfe, Handel und Gastronomie, die heimischen Bäuerinnen und Bauern jetzt mit fairen, kostendeckenden Preisen zu unterstützen um einen überstürzten Strukturwandel und den dauerhaften Verlust der österreichischen Eigenversorgung zu verhindern.

Stellungnahme 

Sehr geehrte Partnerinnen und Partner entlang der Wertschöpfungskette,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Schlachthöfe,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Futtermittelindustrie,
sehr geehrte Partnerinnen und Partner aus Handel und Gastronomie,

die Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) sowie deren Mitgliedsverbände sehen mit großer Sorge auf die aktuelle Situation in der österreichischen Nutztierhaltung. Über alle Sparten hinweg - Rinder-, Schweine-, Geflügel- (inkl. Ei), Schaf- und Ziegen- sowie Pferdehaltung - ist die Lage mehr als besorgniserregend.
Niedrige Erzeugerpreise führen bei gleichzeitig hohen Kosten für Futter und Energie zu laufenden Verlusten. Weite Teile der tierischen Veredelung sind derzeit faktisch nicht kostendeckend. Die extreme Hitze und der anhaltende Wassermangel auf den Feldern haben bereits jetzt Ernteausfälle vorprogrammiert und verschärfen eine ohnehin angespannte Situation auf den Betrieben zusätzlich.

Ein Mangel an hofeigenen Futtermitteln ist bittere Realität. Immer mehr Betriebe sehen sich gezwungen, deutlich weniger Tiere einzustallen oder Umtriebe ganz ausfallen zu lassen, mit dramatischen Folgen. In den Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich haben sich die Schlachtzahlen-Rinder bereits jetzt stark erhöht. Die gesamte tierische Veredelung ringt um die noch verwertbaren Getreide- und Maisbestände, während die Nachfrage steigt, weil die eigenen Flächen kaum Ertrag versprechen.

Niedrige Erzeugerpreise in der Primärproduktion, kombiniert mit weiter steigenden Futter- und Energiekosten, bringen viele Veredelungsbetriebe an den Punkt, aus einem derzeit existenzbedrohenden System auszusteigen. Österreichs Tierhalterinnen und Tierhalter werden ihre Betriebe nicht gegen jede wirtschaftliche Vernunft weiterführen - ohne positive Perspektiven werden sie andere Wege gehen. Um einen überstürzten Strukturwandel mit massiven Betriebsaufgaben zu vermeiden, ist es an der Zeit, dass alle Partner entlang der Wertschöpfungskette zusammenstehen, um gemeinsam aus dieser Krise herauszukommen.

Unser Appell entlang der Wertschöpfungskette

An die Hersteller von Futtermitteln appellieren wir: Gehen Sie auf Ihre Partner im landwirtschaftlichen Bereich zu und bieten Sie Futtermittelkontrakte zu fairen Preisen an, damit Ihre Kunden auch in Zukunft noch Ihre Kunden sein können.

Zwischen der Futtermittelwirtschaft und der österreichischen Landwirtschaft besteht eine über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft. Österreichische Futtermittel stehen für nachvollziehbare Herkunft, gesicherte Qualität, kurze Transportwege und eine Verlässlichkeit in der Versorgung, die sich in jeder Krise bewährt hat - ein Wert, der sich in keiner Preisliste vollständig abbilden lässt. Diese Verlässlichkeit ist keine Einbahnstraße: Sie beruht darauf, dass Ihre Kunden wirtschaftlich handlungsfähig bleiben.

Jeder Euro, der in österreichische Ware investiert wird, bleibt in der heimischen Wertschöpfungskette, bei den Betrieben, bei den Verarbeitern und damit auch bei Ihnen. Der Verkauf österreichischer Ware sichert nicht nur Ihren Absatz, sondern schafft zusätzliche regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit im eigenen Land. Wer heute die Betriebe hält, sichert morgen den eigenen Markt.

An die Schlachthofbetreiber gerichtet: Erzielen wir gemeinsam kostendeckende Preise für österreichische Ware. Denn eines ist gewiss, die Warenverfügbarkeit mit Herkunft Österreich ist in Gefahr und könnte schneller zum Thema werden, als wir uns heute vorstellen können.

An Handel und Zulieferer im Gastrobereich appellieren wir: Greifen Sie vermehrt zu österreichischer Ware. Es liegt in Ihrer Hand, den Anteil heimischer Ware in Ihrem Sortiment zu erhöhen. Entscheidend ist dabei die Preisgestaltung: Jetzt ist nicht die Zeit, weiter am Preis zu drehen, sondern die Zeit, die Preise an die gestiegenen Erzeugungskosten anzupassen. Aktionen und Preisdruck auf Kosten der heimischen Betriebe verschieben das Problem nur und gefährden die Verfügbarkeit österreichischer Ware in Ihren Regalen.

An die Gastronomie gerichtet: Unterstützen Sie jetzt die heimische Tierhaltung, indem Sie sich beim Einkauf für regionale österreichische Ware entscheiden. Das hilft uns, die Eigenversorgung zu erhalten. Denken Sie an die Zeit der Pandemie zurück, in der Sie durch österreichische Produzentinnen und Produzenten Unterstützung erfahren durften. Unterstützung heißt heute auch, im Einkauf nicht auf das billigste Angebot zu setzen, sondern die Preise an die realen Kosten der Erzeugung anzupassen. Nur so bleibt österreichische Ware auch morgen verfügbar - und mit ihr das Argument der Herkunft auf Ihrer Speisekarte.

Eines ist sicher: Ist eine stabile Eigenversorgung einmal verloren, dauert es - wenn überhaupt möglich - Jahrzehnte, sie wieder zu erreichen. Betriebe, die aus der Tierhaltung und der Fleischproduktion einmal ausgestiegen sind, kommen nicht mehr zurück. Wertschöpfung geht dann für immer verloren.

Was die österreichische Tierhaltung braucht

+ Faire, kostendeckende Erzeugerpreise
+ Futtermittel zu realistischen Preisen
+ Mehr österreichische Ware im Handel und in der Gastronomie - bei Frischfleisch ebenso wie bei Verarbeitungsware

Nur wenn wir alle den Ernst der Situation erkennen und gemeinsam handeln, können wir auch in Zukunft auf ein vielfältiges Angebot aus österreichischer Tierhaltung zurückgreifen. Die österreichische Tierhaltung sichert das Einkommen auf landwirtschaftlichen Betrieben, nicht nur durch die Produktion von Lebensmitteln, sondern auch durch den Erhalt einer Kulturlandschaft als Erholungs- und Freizeitfaktor. Einen hohen Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln aus Österreich zu sichern und den Produktionsstandort in allen Facetten der Tierhaltung zu stärken, muss in der aktuellen Situation das gemeinsame Ziel sein. (Schluss)
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