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Linz, 15. Oktober 2026 (aiz.info)

LK OÖ: Mit Praxistreffs Forstunfälle wirksam verhindern

34 Forstopfer pro Jahr verlangen mehr Prävention - LK Oberösterreich startet kostenlose Praxistrainings zur Einschätzung von Fällrisiken.

Die Waldarbeit zählt weiterhin zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. Um Unfälle zu vermeiden, sind fundierte Ausbildung, regelmäßige Weiterbildung und praxisnahe Beratung von entscheidender Bedeutung. Mit dem Praxistreff „Sichere Waldarbeit“ setzt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich in den kommenden Monaten einen gezielten Schwerpunkt zur Unfallprävention. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Sicherheitsaspekte bei der Arbeit mit der Motorsäge.

„Jeder vermeidbare Unfall im Wald ist einer zu viel. Mit dem notwendigen Fachwissen, praktischer Übung und einer guten Vorbereitung können Risiken deutlich reduziert werden. Deshalb unterstützt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich gezielt Schulungs- und Weiterbildungsangebote für Waldbewirtschafter. Ziel ist es, die Sicherheit bei der Waldarbeit zu erhöhen und Unfälle bestmöglich zu vermeiden“, betont LK OÖ-Präsident Franz Waldenberger.

Sicherheits-Veranstaltungen direkt im Wald

„Gefahren erkennen, bevor sie zum Unfall führen“ lautet das Motto des Praxistreffs „Sichere Waldarbeit“. Die halbtägigen Veranstaltungen finden direkt im Wald statt, werden bezirksweise organisiert und sind für Teilnehmende kostenlos. Gemeinsam mit den lokalen Forstberatern der Landwirtschaftskammer und erfahrenen Praxistrainern, stehen Arbeitsvorbereitung, Einsatzplanung und die Einschätzung von Gefahrensituationen im Mittelpunkt. Ohne selbst zur Motorsäge zu greifen, lernen die Teilnehmenden Risiken bei der Arbeit mit der Motorsäge frühzeitig zu erkennen und zu beurteilen. Auch konkrete Fällsituationen werden an ausgewählten Bäumen analysiert und Schritt für Schritt besprochen. Die Veranstaltungen finden im Zeitraum von Ende Oktober bis Mitte Dezember 2026 statt.

Traurige Unfallbilanz

Pro Jahr verunglücken in Österreich durchschnittlich 34 Menschen tödlich bei der Waldarbeit. Darauf weist das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) auf Basis von Medienbeobachtungen hin. Besonders unfallträchtig sind die Monate Jänner bis März, auf die rund 40 Prozent aller tödlichen Forstunfälle entfallen. Weitere 27 Prozent ereignen sich in den Herbstmonaten September bis November. Die häufigste Ursache schwerer Unfälle sind Fällarbeiten. 2025 standen rund 60 Prozent der tödlichen Forstunfälle mit unkontrolliert umstürzenden oder verkeilten Bäumen in Zusammenhang. Weitere etwa 30 Prozent waren auf Fehlbedienungen oder technische Defekte, beispielsweise bei Traktoren oder Anhängern, zurückzuführen. Ein zusätzliches Risiko stellt die Alleinarbeit dar. Jeder zweite tödlich Verunglückte arbeitete zum Unfallzeitpunkt ohne Begleitperson, wodurch im Notfall oft keine unmittelbare Hilfe verfügbar ist. Nach Einschätzung des KFV könnten zahlreiche Unfälle durch eine fundierte Aus- und Weiterbildung sowie das konsequente Tragen einer vollständigen persönlichen Schutzausrüstung vermieden werden.

Fundierte Berufsausbildung senkt das Unfallrisiko

Eine fundierte Ausbildung bildet die Grundlage für sicheres und professionelles Arbeiten im Wald. Die Ausbildung zum Forstfacharbeiter vermittelt alle wesentlichen Kenntnisse und Fertigkeiten für manuelle und motormanuelle Arbeiten, von der Aufforstung und Bestandespflege bis hin zur sicheren Holzernte. Dabei stehen sowohl die fachgerechte Arbeitsausführung als auch die Arbeitssicherheit im Mittelpunkt. Darauf aufbauend bietet die Meisterausbildung in der Forstwirtschaft eine vertiefende Qualifizierung. Sie vermittelt umfassendes Fachwissen für die nachhaltige Bewirtschaftung von Waldflächen sowie Kompetenzen in der Betriebsführung und Unternehmensentwicklung. Damit werden die Absolventinnen und Absolventen auf die verantwortungsvolle Führung eines forstwirtschaftlichen Betriebes vorbereitet.

Die forstliche Berufsausbildung in Oberösterreich wird von der bei der Landwirtschaftskammer eingerichteten Lehrlings- und Fachausbildungsstelle koordiniert. Sie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur fachlichen Qualifizierung und zur Arbeitssicherheit in der Forstwirtschaft. Seit dem Jahr 2000 haben insgesamt 2.128 Personen die Forstfacharbeiterprüfung erfolgreich abgeschlossen. Weitere 517 Absolventinnen und Absolventen erlangten den Forstwirtschaftsmeisterbrief. Diese Zahlen unterstreichen die hohe Bedeutung einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung und zeigen das große Engagement der oberösterreichischen Waldbewirtschafter für fachliche Kompetenz und sicheres Arbeiten im Wald.

Praxisnahe Weiterbildung für mehr Sicherheit

Ergänzend zur Berufsausbildung und zum Weiterbildungsangebot der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen setzt die LK OÖ über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) auf ein breites Weiterbildungsangebot. Besonderen Stellenwert haben dabei Motorsägen  und Arbeitstechnikkurse in Kleingruppen, in denen maximal sechs Teilnehmende unter Anleitung erfahrener Profis direkt im Wald mit der Motorsäge arbeiten. Geübt werden sichere Arbeitsabläufe ebenso wie spezielle Techniken in der Stark  und Schwachholzernte – praxisnah und angepasst an die jeweilige Ausrüstung der Teilnehmenden.
Ein besonderes Erfolgsmodell ist die LFI-Ausbildungsreihe „Frauen im Wald“. Die speziell für Frauen konzipierten Kurse bieten Raum, den sicheren Umgang mit der Motorsäge ohne Hemmschwellen zu erlernen und zu perfektionieren. 

SVS-Sicherheitshunderter nutzen

Wer in der Forstwirtschaft arbeitet, sollte bei der persönlichen Schutzausrüstung keine Kompromisse eingehen. Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) setzt mit dem „Sicherheitshunderter“ einen wichtigen Anreiz für mehr Arbeitssicherheit und unterstützt unfallversicherte Land- und Forstwirte beim Ankauf von Schutzausrüstung wie Forsthelmen, Schnittschutzhosen oder Forstsicherheitsschuhen. Die Förderung von bis zu 100 Euro leistet einen wertvollen Beitrag zur Unfallprävention und hilft dabei, die Sicherheit bei der täglichen Arbeit im Wald weiter zu erhöhen.

Gefahren erkennen und Unfälle vermeiden

Die Arbeit im Wald zählt nach wie vor zu den gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt. Trotz technischer Hilfsmittel und verbesserter Ausrüstung, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. „Viele davon wären durch eine bessere Einschätzung der Gefahren und die konsequente Einhaltung von Sicherheitsregeln vermeidbar“, weiß Günter Affenzeller, Forstberater der Landwirtschaftskammer OÖ.

Kein Aufenthalt im Gefahrenbereich von Seilwinden

Besondere Risiken bestehen bei der Arbeit mit Seilwinden, wobei die meisten Seilwinden heutzutage mit Funk gesteuert werden. Die größte, oft unterschätzte Gefahr geht dabei indirekt von der Fernsteuerung aus, da diese den Bediener dazu verleitet, sich im Gefahrenbereich zwischen den Blochen aufzuhalten. Ein Aufenthalt unter der bewegten Last in steilem Gelände, sowie im Seilwinkel bei belastetem Seil, ist verboten. Zudem darf sich bei der Last- und Leerfahrt niemand im Nahbereich des Traktors befinden da durch wegspringende Holzteile und Steine oder im schlimmsten Fall durch das Kippen des Traktors, Verletzungen herbeigeführt werden können. Es kann auch passieren, dass sich ein Bloch bei einem Baumstumpf oder Stein verkeilt, die Seilwinde aber mit voller Kraft weiterzieht. Dadurch kann das Seil reißen oder Umlenkrollen beschädigt werden, was zu einem Ausschlag des gezogenen Bloches führt. Befindet man sich dabei im Gefahrenbereich, endet das meist tödlich.

Aus Beinaheunfällen lernen

Ein oft unterschätztes Thema sind sogenannte Beinaheunfälle. Situationen, bei denen „noch einmal alles gut gegangen ist“, sollten keinesfalls einfach abgehakt werden. Die Analyse solcher Vorfälle bietet die Möglichkeit, Fehlerquellen zu erkennen und daraus zu lernen, bevor tatsächlich ein schwerer Unfall passiert. Wer Beinaheunfälle ernst nimmt, kann wesentlich zur Verbesserung der eigenen Arbeitssicherheit beitragen.

Mangelhafte Ausbildung erhöht Risiko

In der Praxis zeigt sich außerdem, dass immer wieder Personen ohne ausreichende Ausbildung oder Erfahrung Waldarbeiten durchführen. Dies wird häufig bereits am Schnittbild oder an den verbleibenden Stöcken sichtbar. Fehlendes Fachwissen führt oft zu einer Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten. Gerade in schwierigen Situationen, etwa bei der Fällung von Problem- oder Schadholzbäumen, steigt dadurch das Unfallrisiko erheblich.
„Ein wichtiger Grundsatz lautet daher: Wer sich bei einer Arbeit unsicher fühlt oder nicht mehr weiterweiß, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Forstdienstleister verfügen über die notwendige Ausbildung, Erfahrung und Ausrüstung, um anspruchsvolle und gefährliche Arbeiten sicher durchzuführen. Gerade bei der Waldarbeit gibt es bei schwerwiegenden Fehlern oft keine zweite Chance“, betont Affenzeller.

Dürre Äste als Gefahr
 
Aktuell stellt auch das Eschentriebsterben die Forstwirtschaft immer noch vor große Herausforderungen. Geschädigte Eschen, aber auch andere Laubbäume, weisen häufig abgestorbene Kronenteile sowie instabile Stammbereiche auf. Dadurch entstehen schwer einschätzbare Gefahren bei der Aufarbeitung. Besonders tückisch sind dabei Dürräste, die scheinbar ohne Vorwarnung herabfallen können. Solche sogenannten „Witwenmacher“ gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Verletzungen bei der Arbeit in geschädigten Beständen.
 
Missachtung von Waldsperren
 
Zunehmend herausfordernd wird auch der Umgang mit Waldsperren während der Holzernte. Obwohl die meisten Erholungssuchenden Sperren respektieren, kann sich niemand vollständig darauf verlassen, dass sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten. Waldbesitzer und Forstarbeiter müssen daher stets damit rechnen, dass Wanderer, Radfahrer oder andere Waldbesucher unerwartet auftauchen. Dies erhöht die Anforderungen an die Arbeitsorganisation und kann Beschäftigte zusätzlich gefährden.
 
„Die Sicherheit bei der Waldarbeit beginnt daher mit einer realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, einer fundierten Ausbildung und dem konsequenten Beachten von Sicherheitsmaßnahmen. Wer Risiken frühzeitig erkennt und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern kann auch schwere oder gar tödliche Unfälle verhindern“, so Affenzeller abschließend.

Demonstration der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Arbeit mit der Motorsäge
 
Manche Gefahren lassen sich auch durch perfekte Arbeitsorganisation nicht vollständig vermeiden. Für solche Fälle wurde eine moderne und funktionale persönliche Schutzausrüstung entwickelt. Herabfallende Baumteile und Äste können massive Kopfverletzungen hervorrufen. Ein Waldarbeiterschutzhelm mit Gesichts- und Gehörschutz ist bei der Forstarbeit daher ebenso unerlässlich wie das Tragen von Handschuhen. Beim Helm ist auf das Alter zu achten. Schutzhelme aus thermoplastischem Material sind je nach Modell nach vier oder fünf Jahren zu tauschen. Eine Schutzjacke in Signalfarbe erleichtert die Sichtbarkeit im Gelände. Moderne Schnittschutzhosen bieten nicht nur optimalen Schutz, sondern zeichnen sich auch durch perfekten Tragekomfort aus. Ist eine Schnittschutzeinlage beschädigt, darf diese nicht abgenäht werden, sondern die Hose muss durch eine neue ersetzt werden. Waldarbeitersicherheitsschuhe mit entsprechendem Profil, Stahlkappen bzw. Schnittschutzeinlagen sind bei der Holzernte ebenfalls ein Muss.
 
Spezialmethode „Königsbronner Anschlagtechnik“
 
Die Königsbronner Anschlagtechnik ist eine spezielle Methode zum sicheren Befestigen eines Seiles an Bäumen bei der motormanuellen Holzernte. Sie wurde entwickelt, um den Motorsägenführer beim Fällen insbesondere von stärkerem oder problematischem Holz besser zu schützen. Dabei wird das Zugseil einer Seilwinde bereits am stehenden Baum mit einer speziellen Anschlagtechnik befestigt, sodass der Baum frühzeitig unter kontrollierten Zug gebracht werden kann. Die Person, welche das Zugseil befestigt, muss sich dafür nicht im unmittelbaren Gefahrenbereich des später fallenden Baumes aufhalten. Mithilfe der Königsbronner Anschlagtechnik kann das Seil relativ hoch am Baum angebracht werden, ohne dass dafür eine Leiter notwendig ist.
Durch das frühzeitige Herstellen der Verbindung zwischen Baum und Seilwinde können Fällrichtung und Fallverhalten gezielt unterstützt werden. Dies erhöht die Arbeitssicherheit, reduziert Risiken durch unkontrollierte Bewegungen des Baumes und erleichtert die Fällung von Bäumen mit Rückhang, Seitenhang oder ungünstiger Kronenlast. Die Methode hat sich insbesondere bei der Aufarbeitung von Schadflächen und bei schwierigen Fällsituationen bewährt.
Die Königsbronner Anschlagtechnik ersetzt nicht die fachgerechte Fälltechnik, sondern ergänzt diese als wichtiges Sicherheitsinstrument. Voraussetzung für ihren erfolgreichen Einsatz sind eine entsprechende Ausbildung, geeignete Arbeitsmittel sowie die konsequente Einhaltung aller Sicherheitsabstände und Arbeitsschutzbestimmungen.
 
Schulungs-/Weiterbildungsbedarf aufgrund der Erfahrungen aus „Waldarbeits-Kursen“
 
Es kommt immer wieder vor, dass bei der Waldarbeit zwar der Helm benutzt wird, aber kein am Helm angebrachter Gehörschutz verwendet wird. Der Lärm der Motorsägenarbeit wird gerne ausgeblendet. Langfristig kommt es dadurch aber zur Schwerhörigkeit. Auch die Kommunikation untereinander ist manchmal mangelhaft, dort wo mehrere Personen bei der Arbeit im Wald interagieren. Es braucht klare und eindeutige Anweisungen im Zusammenhang mit möglichen Gefahrenquellen. Technisch gibt es hier eine tolle Unterstützung, nämlich Helme, die mit einem Helmfunk-Headset ausgestattet sind. Dies erleichtert die Kommunikation ungemein und bietet gleichzeitig einen Schutz vor Lärm, da der Funk im Gehörschutz integriert ist. Auch die Rettungskette ist vor Beginn der Arbeit durchzubesprechen, damit, falls es doch zu einem Unfall kommt, schnelle Hilfe gewährleistet ist.
 
„Ein wichtiger Ratschlag am Schluss. Man darf sich nicht selbst überschätzen und schwierige Situationen um jeden Preis selbst lösen wollen. Bei kniffligen Bäumen ist es keine Schande Profis zu Hilfe zu holen, die bei der Fällung besonders gefährlicher Bäume unterstützen und die notwendigen Fertigkeiten und Erfahrung mitbringen. Es ist außerdem immer gut, sein eigenes Know-How zu verbessern und entsprechende Schulungen zu besuchen, so wie sie beispielsweise vom LFI angeboten werden“, ist Praxistrainer Gerhard Fragner überzeugt. (Schluss)
14.579 Anschläge
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