Hitze und Trockenheit verursachten deutliche Einbußen bei Obst und Gemüse
Moosbrugger und Kohlfürst fordern Investitionen in Klimafitness und Bewässerung
Hitze und Trockenheit haben heuer zu massiven Ertragseinbußen bei Obst und Gemüse geführt und die bereits im August erwarteten Ausfälle bestätigt. Im Obstbau wird mit rund 30% weniger Ernte gerechnet, im Gemüsebau liegen die Einbußen durchschnittlich bei 40%. Bei einzelnen Kulturen betragen die Verluste sogar bis zu 50% im Schnitt.
Um die Produktion für die Zukunft abzusichern, fordern der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ), Josef Moosbrugger, und der Obmann des Österreichischen Branchenverbands für Obst und Gemüse (ÖBOG), Manfred Kohlfürst, spürbare Investitionen in Maßnahmen zur Klimafitness, insbesondere Bewässerung, und weitere Verbesserungen im Pflanzenschutz-Bereich.
Apfelernte rund 35% unter Vorjahr
„Die Apfelernte ist noch im Gange, die bisherigen Ergebnisse bestätigen jedoch weitgehend die erwarteten Mengen. In der Steiermark wird mit rund 90.000 Tonnen gerechnet, österreichweit mit etwa 130.000 Tonnen. Damit dürfte die Apfelernte rund 35% unter dem Vorjahresniveau liegen“, betont Kohlfürst, selbst steirischer Apfelbauer. Bei frühen Sorten wie Gala, Elstar und Arlet fallen die Mengen im Schnitt noch geringer aus. Etwas besser präsentiert sich die Situation bei späteren Sorten: Die Niederschläge im September haben hier zu einer leichten Erholung beigetragen. Zusätzlich zu den Dürreschäden hat ein massiver Befall durch die marmorierte Baumwanze kurz vor der Ernte zu erheblichen Ertragsverlusten bei Äpfeln und Birnen geführt.
Gemüse: Schäden geringer als erwartet, regional hohe Ausfälle
„Im Gemüsebau zeigt sich je nach Kultur ein sehr unterschiedliches Bild. Besonders schwierig ist die Situation bei Chinakohl in der Steiermark bei unbewässertem Anbau mit Ertragsrückgängen von gut 50%. Auch bei Kraut, insbesondere in Oberösterreich, erreichen die Verluste nahezu 50%“, berichtet der ÖBOG-Obmann. Hitze, Trockenheit, fehlende Beregnungsmöglichkeiten und Schädlingsbefall beeinträchtigen dort Ertrag, Lagerfähigkeit und somit die Menge, die an die Konsumentinnen und Konsumenten vermarktet werden kann. Bei Zwiebeln und Karotten liegen die Einbußen bei rund 25%. Bei Salaten und Kohlgemüse konnten die großen Ausfälle des Sommers hingegen durch gute Erträge im Herbst teilweise kompensiert werden.
Investitionen in zukunftsfähige Wasserinfrastruktur gefordert
„Die heurige Ernte zeigt deutlich, wie stark die Obst- und Gemüseproduktion unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Wenn bei einzelnen Kulturen im Schnitt bis zur Hälfte der Ernte fehlt, geht es darum, wie wir die heimische Produktion unter veränderten klimatischenBedingungen dauerhaft absichern können“, betont Moosbrugger.
„Wasser wird immer mehr zur Schlüsselfrage für unsere Lebensmittelproduktion. Ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten können die Betriebe bei zunehmender Hitze und Trockenheit nicht ausreichend gewünschte Produkte liefern. Neben Klimaschutz, insbesondere durch Ersatz fossiler Energieträger durch Erneuerbare, und mehr Risikomanagement braucht es daher eine entschlossene Klimawandel-Anpassung und somit auch Investitionen in eine zukunftsfähige Wasserinfrastruktur“, fordert Moosbrugger. Gemeinsam mit Kohlfürst weist er zudem darauf hin, dass es bei den stark gestiegenen Bewässerungskosten rasche und unbürokratische Unterstützung braucht.
Sorgenkind Tiefkühlgemüse
Zusätzliche Probleme gibt es bekanntermaßen bei Verarbeitungsgemüse. Neben wetterbedingten Ertragseinbußen trifft die Produzentinnen und Produzenten in Niederösterreich die angekündigte Schließung der Tiefkühlproduktion von Ardo im Marchfeld mit Jahresende 2026. Mangels absehbarer Vermarktungsmöglichkeit wird der dortige Herbstanbau von Tiefkühlspinat für die Frühjahrsernte zur Gänze eingestellt. Bei Spinat, Grünerbsen, Edamame und Gewürzkräutern ist aufgrund der Hitze zudem mit mindestens 30% weniger Ertrag zu rechnen. „Es muss dafür gesorgt werden, sowohl der Urproduktion als auch der Verarbeitung weiterhin Zukunftsperspektiven in unserem Land zu bieten, da beide voneinander abhängen. Gemeinsam gilt es, den Standort Österreich abzusichern und zu stärken“, so Moosbrugger.
Geschützter Gemüsebau leidet unter hohen Kosten
Schwierig, aber etwas besser, als befürchtet stellt sich die Ertragssituation mittlerweile im geschützten Gemüsebau unter Glas und Folie dar. Klima und Bewässerung können dort zwar gezielter gesteuert werden, doch bei Temperaturen über 30°C stellen die Pflanzen ihr Wachstum ein. „Besonders der Tomatenanbau wurde dadurch im Juli und August stark beeinträchtigt, was weiterhin nachwirkt. Bei Gurken, Paprika und Melanzani konnten die hitzebedingten Ausfälle hingegen jetzt im Herbst teilweise ausgeglichen werden. Die Bilanz beim Frischgemüse fällt damit, was rein die Erträge betrifft, etwas besser aus, als zunächst erwartet“, berichtet Kohlfürst.
„Da Hitze und Trockenheit weite Teile Europas betroffen haben, war das Angebot an Frischgemüse am europäischen Markt eingeschränkt und die Nachfrage hoch. Vergleichsweise gute Preise konnten die geringeren Erntemengen zumindest teilweise abfedern. Gleichzeitig fallen die durch weltpolitische Turbulenzen erhöhten Energie- und Düngerkosten diesen Betrieben erheblich zu Last“, erklärt der ÖBOG-Obmann, der dringend Kostenentlastungen seitens der EU fordert.
Kohlfürst und Moosbrugger: heimische Produktion absichern
„Die Auswirkungen des Klimawandels treffen auf hohe Produktions- und Lohnkosten sowie fehlende Möglichkeiten im Pflanzenschutz. Damit auch künftig ausreichend heimisches Obst und Gemüse produziert werden kann, brauchen wir gezielte Investitionen in Bewässerung, Wasserspeicher, Hagelschutz, widerstandsfähige Sorten und leistbare Versicherungslösungen. Außerdem muss daran gearbeitet werden, dass wir unsere Kulturen besser vor verstärkt hereinkommenden Schaderregern schützen können. Die EU und Österreich müssen dafür Sorge tragen, dass wir die Bevölkerung auch weiterhin mit hochqualitativem Obst und Gemüse aus unserem Land versorgen können“, unterstreichen Moosbrugger und Kohlfürst unisono. (Schluss) APA OTS 2026-10-16/08:29
Um die Produktion für die Zukunft abzusichern, fordern der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ), Josef Moosbrugger, und der Obmann des Österreichischen Branchenverbands für Obst und Gemüse (ÖBOG), Manfred Kohlfürst, spürbare Investitionen in Maßnahmen zur Klimafitness, insbesondere Bewässerung, und weitere Verbesserungen im Pflanzenschutz-Bereich.
Apfelernte rund 35% unter Vorjahr
„Die Apfelernte ist noch im Gange, die bisherigen Ergebnisse bestätigen jedoch weitgehend die erwarteten Mengen. In der Steiermark wird mit rund 90.000 Tonnen gerechnet, österreichweit mit etwa 130.000 Tonnen. Damit dürfte die Apfelernte rund 35% unter dem Vorjahresniveau liegen“, betont Kohlfürst, selbst steirischer Apfelbauer. Bei frühen Sorten wie Gala, Elstar und Arlet fallen die Mengen im Schnitt noch geringer aus. Etwas besser präsentiert sich die Situation bei späteren Sorten: Die Niederschläge im September haben hier zu einer leichten Erholung beigetragen. Zusätzlich zu den Dürreschäden hat ein massiver Befall durch die marmorierte Baumwanze kurz vor der Ernte zu erheblichen Ertragsverlusten bei Äpfeln und Birnen geführt.
Gemüse: Schäden geringer als erwartet, regional hohe Ausfälle
„Im Gemüsebau zeigt sich je nach Kultur ein sehr unterschiedliches Bild. Besonders schwierig ist die Situation bei Chinakohl in der Steiermark bei unbewässertem Anbau mit Ertragsrückgängen von gut 50%. Auch bei Kraut, insbesondere in Oberösterreich, erreichen die Verluste nahezu 50%“, berichtet der ÖBOG-Obmann. Hitze, Trockenheit, fehlende Beregnungsmöglichkeiten und Schädlingsbefall beeinträchtigen dort Ertrag, Lagerfähigkeit und somit die Menge, die an die Konsumentinnen und Konsumenten vermarktet werden kann. Bei Zwiebeln und Karotten liegen die Einbußen bei rund 25%. Bei Salaten und Kohlgemüse konnten die großen Ausfälle des Sommers hingegen durch gute Erträge im Herbst teilweise kompensiert werden.
Investitionen in zukunftsfähige Wasserinfrastruktur gefordert
„Die heurige Ernte zeigt deutlich, wie stark die Obst- und Gemüseproduktion unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Wenn bei einzelnen Kulturen im Schnitt bis zur Hälfte der Ernte fehlt, geht es darum, wie wir die heimische Produktion unter veränderten klimatischenBedingungen dauerhaft absichern können“, betont Moosbrugger.
„Wasser wird immer mehr zur Schlüsselfrage für unsere Lebensmittelproduktion. Ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten können die Betriebe bei zunehmender Hitze und Trockenheit nicht ausreichend gewünschte Produkte liefern. Neben Klimaschutz, insbesondere durch Ersatz fossiler Energieträger durch Erneuerbare, und mehr Risikomanagement braucht es daher eine entschlossene Klimawandel-Anpassung und somit auch Investitionen in eine zukunftsfähige Wasserinfrastruktur“, fordert Moosbrugger. Gemeinsam mit Kohlfürst weist er zudem darauf hin, dass es bei den stark gestiegenen Bewässerungskosten rasche und unbürokratische Unterstützung braucht.
Sorgenkind Tiefkühlgemüse
Zusätzliche Probleme gibt es bekanntermaßen bei Verarbeitungsgemüse. Neben wetterbedingten Ertragseinbußen trifft die Produzentinnen und Produzenten in Niederösterreich die angekündigte Schließung der Tiefkühlproduktion von Ardo im Marchfeld mit Jahresende 2026. Mangels absehbarer Vermarktungsmöglichkeit wird der dortige Herbstanbau von Tiefkühlspinat für die Frühjahrsernte zur Gänze eingestellt. Bei Spinat, Grünerbsen, Edamame und Gewürzkräutern ist aufgrund der Hitze zudem mit mindestens 30% weniger Ertrag zu rechnen. „Es muss dafür gesorgt werden, sowohl der Urproduktion als auch der Verarbeitung weiterhin Zukunftsperspektiven in unserem Land zu bieten, da beide voneinander abhängen. Gemeinsam gilt es, den Standort Österreich abzusichern und zu stärken“, so Moosbrugger.
Geschützter Gemüsebau leidet unter hohen Kosten
Schwierig, aber etwas besser, als befürchtet stellt sich die Ertragssituation mittlerweile im geschützten Gemüsebau unter Glas und Folie dar. Klima und Bewässerung können dort zwar gezielter gesteuert werden, doch bei Temperaturen über 30°C stellen die Pflanzen ihr Wachstum ein. „Besonders der Tomatenanbau wurde dadurch im Juli und August stark beeinträchtigt, was weiterhin nachwirkt. Bei Gurken, Paprika und Melanzani konnten die hitzebedingten Ausfälle hingegen jetzt im Herbst teilweise ausgeglichen werden. Die Bilanz beim Frischgemüse fällt damit, was rein die Erträge betrifft, etwas besser aus, als zunächst erwartet“, berichtet Kohlfürst.
„Da Hitze und Trockenheit weite Teile Europas betroffen haben, war das Angebot an Frischgemüse am europäischen Markt eingeschränkt und die Nachfrage hoch. Vergleichsweise gute Preise konnten die geringeren Erntemengen zumindest teilweise abfedern. Gleichzeitig fallen die durch weltpolitische Turbulenzen erhöhten Energie- und Düngerkosten diesen Betrieben erheblich zu Last“, erklärt der ÖBOG-Obmann, der dringend Kostenentlastungen seitens der EU fordert.
Kohlfürst und Moosbrugger: heimische Produktion absichern
„Die Auswirkungen des Klimawandels treffen auf hohe Produktions- und Lohnkosten sowie fehlende Möglichkeiten im Pflanzenschutz. Damit auch künftig ausreichend heimisches Obst und Gemüse produziert werden kann, brauchen wir gezielte Investitionen in Bewässerung, Wasserspeicher, Hagelschutz, widerstandsfähige Sorten und leistbare Versicherungslösungen. Außerdem muss daran gearbeitet werden, dass wir unsere Kulturen besser vor verstärkt hereinkommenden Schaderregern schützen können. Die EU und Österreich müssen dafür Sorge tragen, dass wir die Bevölkerung auch weiterhin mit hochqualitativem Obst und Gemüse aus unserem Land versorgen können“, unterstreichen Moosbrugger und Kohlfürst unisono. (Schluss) APA OTS 2026-10-16/08:29
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