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Wien, 29.Oktober 2026 (aiz.info)

Genussfähigkeit stärkt Gesundheit

ernährung heute: Bewusstes Genießen stärkt das Wohlbefinden, die subjektive Lebensqualität und unterstützt einen gesundheitsförderlichen Lebensstil. Trainiert wird es am besten wie ein Muskel, von klein auf und mit allen Sinnen.

Ein Essen in angenehmer Gesellschaft, der Duft einer frisch zubereiteten Speise oder ein besonderes Geschmackserlebnis: Genuss bereichert das Leben, stärkt das Wohlbefinden und lässt sich gezielt fördern. Wie das gelingen kann, beleuchtet die aktuelle Ausgabe ernährung heute mit neuen Erkenntnissen aus Philosophie, Psychologie und Ernährungswissenschaft. „Genuss ist kein Gegenspieler von Gesundheit, sondern einer ihrer Ressourcen. Wer zu genießen versteht, nimmt sich Zeit, Ruhe und Raum für das Erleben, isst meist vielfältiger und kleinere Portionen, schätzt das soziale Miteinander und profitiert von positiv abgespeicherten Erfahrungen durch mehr Wohlbefinden und Erholung. Entscheidend für Genuss mit gutem Gewissen sind Wissen und die Fähigkeit, zu genießen – und beides lässt sich lernen“, so f.eh-Geschäftsführerin Marlies Gruber.

Genuss gilt als ein wesentlicher Bestandteil eines guten Lebens und ist ein komplexer Prozess im Gehirn, bei dem Sinneseindrücke, körperliche Bedürfnisse, Erinnerungen und Erfahrungen zusammenspielen. Neurowissenschaftlich lassen sich drei Komponenten unterscheiden: die Motivation, etwas genießen zu wollen (Wanting), das Genusserlebnis an sich (Liking) und die Reflexion über den Belohnungsgrad , also das Lernen aus dem Genussmoment. Dabei sind im Gehirn unterschiedliche Botenstoffe beteiligt. Während Dopamin vor allem die Motivation und das Lernen steuert, sind körpereigene Opioide dafür verantwortlich, dass wir das Erlebnis positiv bewerten. Im Idealfall entsteht daraus ein länger anhaltendes Gefühl der Zufriedenheit und Sättigung.

Genussfähigkeit ist daher unter mehreren Gesichtspunkten relevant und kommt vor allem dann zum Ausdruck, wenn sie fehlt. Anhedonie – die Unfähigkeit zu genießen und Freude empfinden zu können – gilt als zentrales Symptom von Depressionen. Genießen wieder zu erlernen, spielt dabei nicht nur als ein therapeutischer Ansatz eine wesentliche Rolle, sondern auch als Faktor der psychischen und physischen Prävention.

Essen ist damit weit mehr als reine Nahrungsaufnahme, wie auch der Philosoph Robert Pfaller betont. Er unterscheidet zwischen Hunger, der ein körperliches Bedürfnis stillt, und Appetit, der mit Lust und Vorfreude verbunden ist. Genießen bedeutet nicht, möglichst viel zu konsumieren. Es geht vielmehr darum, mit geschärfter Aufmerksamkeit den eigenen Sinnen nachzuspüren, sich Zeit zu nehmen und Geschmackserlebnisse bewusst wahrzunehmen. Genuss wird damit zu einer Kompetenz, die sich wie ein Muskel trainieren lässt und Ausdruck von Selbstbestimmung und Lebenskunst ist.

Genießen braucht aktive Aufmerksamkeit

Dass genießen zu können kein Zufall ist, bekräftigen auch die Psychologin Katharina Bernecker und Sensorikerin Eva Derndorfer: Denn Genießen ist weder elitär noch eine Frage der Perfektion, es lässt sich durch gemeinsames Kochen, das Entdecken unbekannter Lebensmittel und die bewusste Wahrnehmung unterschiedlicher Aromen und Texturen von klein auf fördern. „Genussfähigkeit ist eine erlernbare Kulturtechnik. Neben theoretischem Wissen braucht es praktische Erfahrungen, sensorische Kompetenz und eine Umgebung, die Genuss ermöglicht. Dazu gehört vor allem auch die Muße, im Moment verweilen zu können, sich Zeit zu nehmen und sich nicht ablenken zu lassen. Genuss braucht aktive Aufmerksamkeit“, betont Marlies Gruber. Wesentliche weitere Faktoren fürs Genießen im Alltag veranschaulichen die kompakten f.eh-Genusstipps in der aktuellen Ausgabe.

Weitere Themen im Magazin

Auch abseits des Schwerpunkts Genuss bietet die aktuelle Ausgabe von ernährung heute erneut vielfältige Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis: Nicola Kaltenböck und Theres Rathmanner beschreiben, wie ausgewogene und nachhaltige Schulverpflegung dauerhaft im Schulalltag verankert werden kann. Henry Jäger erläutert die Möglichkeiten des 3D-Drucks, um Lebensmittel herzustellen. Eva Derndorfer beleuchtet Herkunft, Herstellung und sensorische Eigenschaften des Trendgetränks Matcha. Michael Blass beschäftigt sich in seiner Kolumne „Spitze Feder“ mit Lenkungssteuern als Instrument der Ernährungspolitik. (Schluss)
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