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Salzburg, 11. August 2026 (aiz.info)

Dürre in Salzburg - Futterknappheit und versiegte Brunnen fordern Landwirtschaft

Retten, was zu retten ist

Salzburgs Landwirtschaft steht vor einer existenziellen Zuspitzung: Ausgedörrte Wiesen liefern kaum noch Futter, Winterreserven werden mitten im Sommer aufgebraucht und versiegte Brunnen gefährden die Wasserversorgung von Mensch und Tier. „Rasche unbürokratische Hilfen sind jetzt das Gebot der Stunde“, so LK Salzburg-Präsident Rupert Quehenberger.

Die anhaltende Trockenheit und die daraus resultierende Futterknappheit setzen Salzburgs Landwirte massiv unter Druck. Von den Grünlandflächen im Flachgau bis hinauf zu den Almen kämpfen tierhaltende Betriebe mit der Unsicherheit, ausreichend hochwertiges Futter für den Winter zu ernten. Viele Landwirte müssen bereits jetzt Vorräte verfüttern, teuer Vorräte zukaufen und im schlimmsten Fall Tierbestände reduzieren. Im ganzen Bundesland gibt es Regionen mit Flächen, die braun und ausgedörrt sind. Zusätzlich kommt es inzwischen auch in mehreren Regionen zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung auf einzelnen Höfen und auf den Almen.

„Wir erleben derzeit teilweise eine Landschaft, wie man sie eigentlich nur aus dem Süden Europas im Hochsommer kennt“, so Präsident Rupert Quehenberger. Inzwischen helfen auch kurze Regenschauer nicht mehr. Es braucht rund 20 bis 30 Liter Niederschlag über mehrere Stunden, um das Wachstum wieder anzuregen. „Erst dann kann es wieder  Wachstum geben. Jetzt heißt es, schnell zu handeln, um zu retten, was noch zu retten ist“, betont Präsident Rupert Quehenberger. Der Druck auf die Landwirtschaft ist groß. 
„Es geht um die Absicherung der Lebensmittelproduktion und um Weichenstellungen für die Zukunft. Dieses Wetterphänomen wird uns nicht nur heuer fordern.“ 

Fehlender Regen verschärft Problem weiter

Auch die Wetterprognosen für die kommenden Wochen lassen keine Entspannung erwarten. Experten gehen derzeit davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Wochen nicht entspannen wird. Damit Schadensbegrenzung möglichst gelingt, hat die Landwirtschaftskammer Salzburg Maßnahmen zusammengestellt, die sofort Entlastung auf den Höfen bringen und sobald Regen kommt auch wieder Futterwachstum begünstigen. „Jetzt muss alles darangesetzt werden, die Schäden auf den Betrieben so weit wie möglich zu begrenzen. Wie groß die Ausfälle tatsächlich sind, wird sich endgültig erst im September und Oktober zeigen – dann werden wir auch klar erkennen, wo gezielte finanzielle Hilfen notwendig sind“, betont LK Salzburg-Präsident Rupert Quehenberger.

Um die unmittelbaren Folgen der Dürre abzufedern und die Betriebe rasch zu entlasten, braucht es nun ein abgestimmtes Bündel konkreter Maßnahmen:

Klimafittes Grünland: Neuanlagen durchführen

Aktuell geht man davon aus, dass sich in manchen Bereichen die ausgetrockneten Grünlandbestände heuer selbst nach Regenfällen nicht mehr eigenständig erholen werden. Futtergräser verlieren im Wettbewerb mit Unkräutern und die Flächen wären für das restliche Jahr verloren. Ein wichtiger Schlüssel wird es sein, dass diese Wiesen neu angesät werden können. Diese Neuanlagen sollten unbedingt mit trockenheitstoleranten Grünlandpflanzen erfolgen. „In Extremfällen wie diesem Jahr könnten Neuanlagen mit rasch wachsenden Kleearten oder Weidelgräsern die Ernteausfälle zumindest teilweise abfedern. Diese Saat könnte noch in den nächsten Wochen ausgebracht werden. So ist man dann gerüstet, wenn der Niederschlag kommt“, so der Grünlandreferent der LK-Salzburg, Matthias Greisberger. Auch für alle Betriebe, die in der ÖPUL-Maßnahme „Humuserhalt und Bodenschutz auf umbruchsfähigem Grünland (HBG)“ teilnehmen, soll dies ohne Prämienverlust ermöglicht werden. Allein im Salzburger Flachgau betrifft dies rund 66 % der Betriebe. 

Keine Prämienverluste bei vorzeitigem Almabtrieb 

Aktuell müssen Tiere mindestens 60 Tage auf der Alm bleiben, damit die Betriebe die Almzahlungen erhalten. Doch wegen der Trockenheit sind viele Almweiden bereits abgegrast. Landwirte, die ihre Tiere vorzeitig ins Tal zurückholen, riskieren den Verlust der Prämie, da „Futterknappheit“ nicht als höhere Gewalt anerkannt ist. Diese Regelung muss ausgesetzt werden, um die Betriebe nicht noch zusätzlich finanziell zu belasten. 

Bewirtschaftung und Beweidung von Naturschutzflächen zulassen

Viele bäuerliche Betriebe haben sich freiwillig dazu verpflichtet, Wiesen sehr spät im Sommer zu mähen. Für heuer sollen diese Vertrags-Naturschutzflächen sofort für die Bewirtschaftung freigegeben werden, ohne finanzielle Einbußen für die betroffenen Betriebe. Somit könnten in manchen Bereichen in den kommenden Wochen noch Futterreserven eingefahren, aber vor allem auch beweidet werden, um nicht jetzt schon auf Reserven zurückgreifen zu müssen. 

„Wir setzen unsere Beratungsressourcen gezielt in den am stärksten betroffenen Regionen ein“, versichert Rupert Quehenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg. „Jetzt müssen wir schnell handeln, um die Verluste für Landwirte und Verbraucher so gering wie möglich zu halten. “ 

Neben der dramatischen Futterknappheit spitzt sich auch die Trinkwassersituation immer weiter zu. Versiegende Hausbrunnen und Quellen bringen einzelne Höfe und Almen an die Grenze ihrer Versorgung. Fehlt Wasser, sind nicht nur die dort lebenden Menschen betroffen: Auch die Versorgung der Tiere, die Stallhygiene und damit der gesamte Betriebsablauf stehen innerhalb kürzester Zeit auf dem Spiel.

Akute Trinkwassernot auf einzelnen Betrieben

Viele Höfe in exponierter Lage sind nicht an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen, sondern auf eigene Brunnen und Quellen angewiesen. Versiegen diese, entsteht innerhalb kürzester Zeit eine existenzielle Notsituation. Der Wasserbedarf eines landwirtschaftlichen Betriebes ist enorm: Eine Milchkuh benötigt rund 100 Liter Wasser, dazu kommt der Bedarf für die am Hof lebenden Menschen sowie für Reinigung und Hygiene in der Lebensmittelproduktion – im Vergleich: ein vierköpfiger Haushalt verbraucht täglich rund 400 Liter. 

Abgestimmter Weg in Notsituationen

Für solche akuten Fälle gibt es einen klaren und abgestimmten Weg: Bäuerinnen und Bauern, deren Trinkwasserversorgung existenziell gefährdet ist, können sich sofort an ihre Gemeinde wenden. Dort wird die Lage aufgenommen und die weitere Vorgehensweise koordiniert – etwa gemeinsam mit Feuerwehr, Wasserversorgern und den zuständigen Stellen. Dieses Vorgehen wurde mit dem Salzburger Gemeindeverband besprochen. Landwirtschaft und Gemeinden stehen geschlossen zusammen, damit Betroffene schnell und unbürokratisch Hilfe erhalten und Leid bei Mensch und Tier verhindert wird.

„In einer solchen Notsituation darf kein Betrieb allein gelassen werden. Entscheidend ist, dass die Betroffenen sofort wissen, an wen sie sich wenden können, und dass die notwendigen Schritte vor Ort rasch koordiniert werden. Diesen Schulterschluss mit den Gemeinden haben wir vereinbart“, betont Kammeramtsdirektor Franz Wieser.

Versorgung langfristig absichern

Die Soforthilfe kann die aktuelle Not lindern, sie ersetzt jedoch keine dauerhafte Lösung. Im nächsten Schritt müssen gefährdete Wasserversorgungen systematisch abgesichert werden. Dazu wird es vor allem notwendig sein, Quellen neu zu fassen, zusätzliche Wasservorkommen zu erschließen und – wo erforderlich – Speicher, Brunnen und Leitungsverbindungen auszubauen. Ziel muss eine robuste Infrastruktur sein, die auch längere Trockenperioden bewältigt und die Versorgung der Höfe für kommende Generationen sicherstellt.

Bankengespräch zu Investitionskrediten

Für diese Projekte braucht es tragfähige Finanzierungslösungen und eine gemeinsame Planung von Gemeinden, Land, Wasserversorgern und Landwirtschaft. Die aktuelle Dürre zeigt mit aller Deutlichkeit: Trinkwassersicherheit ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass bäuerliche Familien ihre Höfe weiterführen, Tiere verlässlich versorgen und regionale Lebensmittel produzieren können. Jetzt zählt die schnelle Hilfe 
– unmittelbar danach muss die Versorgung für die Zukunft abgesichert werden. „Das wird sicherlich auch finanzielle Investitionen brauchen und neben Förderungen wird sich die Landwirtschaftskammer Salzburg auch mit den Salzburger Banken besprechen, um die Rahmenbedingungen für günstige Investitionskredite für die betroffenen Familien auf den Weg zu bringen“, so Kammerpräsident Quehenberger. (Schluss)
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