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Linz, 15. Jänner 2026 (aiz.info)

20 Jahre Kräuterpädagogik - ein Erfolgskonzept

Durch die Liebe zur Natur zu mehr Artenvielfalt und Biodiversität

Mit der Einführung des Zertifikatslehrgangs Kräuterpädagogik hat das Ländliche Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer OÖ (LFI) früh erkannt, wie groß das Interesse an heimischen Wildpflanzen, an nachhaltiger Nutzung natürlicher Ressourcen und an ganzheitlicher Bildung ist. Ziel war von Beginn an, Menschen im bäuerlichen und ländlichen Umfeld ebenso wie Naturinteressierte aus anderen Bereichen anzusprechen und ihnen qualitätsvolle Weiterbildung zu bieten. Im Jahr 2006 erhielten die ersten Kräuterpädagoginnen ihr Zertifikat in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark – andere Bundesländer folgten. Anfangs waren es tatsächlich ausschließlich Frauen, die sich von diesem neuen Konzept begeistern ließen. Doch bereits beim zweiten Lehrgang wagten sich auch zwei mutige Männer in die Welt der Kräuterpädagogik. 

„Der Zertifikatslehrgang Kräuterpädagogik zählt zu unseren erfolgsreichsten Kursen. In den vergangenen 20 Jahren wurden 53 Lehrgänge mit insgesamt 995 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt“, weiß Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, zu berichten.

Lernen mit allen Sinnen

Ein zentrales Merkmal der Kräuterpädagogik ist das ganzheitliche Lernen. Pflanzen werden nicht nur bestimmt oder beschrieben – sie werden gerochen, geschmeckt, berührt und erlebt. Die Begegnung mit der Natur steht immer im Mittelpunkt. Dadurch entsteht eine tiefere Verbindung zur Umwelt und ein nachhaltiges Verständnis für ökologische Zusammenhänge. „Das ist ein wichtiger Beitrag für den Naturschutz“, ist Waldenberger überzeugt. 

Was als Nischenangebot begann, ist heute breit aufgestellt: Ob Kräuterwanderungen, Wildkräuterküche oder Naturvermittlung für Kinder – das Angebot ist so bunt wie die Pflanzenwelt selbst. Gleichzeitig wächst das Netzwerk an engagierten Menschen, die ihr Wissen mit Begeisterung teilen.

Statements von ausgebildeten Kräuterpädagoginnen

Hanneke Feichtenschlager – Vielfalt auf der Wiese

Die Bäuerin Hanneke Feichtenschlager aus Schneegattern betreibt einen biologischen Heumilchbetrieb mit Direktvermarktung und möchte ihren Kundinnen und Kunden zeigen, wie groß die Artenvielfalt auf ihren Wiesen ist. Ihr Abschlussprojekt „Vom Teller meiner Kuh zum Teller meiner Kundin“ macht deutlich, wie der Kauf biologischer Produkte zur nachhaltigen Bewirtschaftung beiträgt. „Als ich den Lehrgang Kräuterpädagogik machte, entdeckte ich insgesamt 76 verschiedene Wildkräuter auf unseren Wiesen. Auf diese Biodiversität sind wir sehr stolz, denn sie ist eines der Ergebnisse der nachhaltigen biologischen Heuwirtschaft“, erläutert Feichtenschlager.

Magdalena Steinbauer – Kräuterwissen als Lebensweg

Die vierfache Mutter und Ergotherapeutin Magdalena Steinbauer aus Ottnang absolvierte bereits 2012 den Lehrgang zur Kräuterpädagogin. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann die Biokräuterei Mathiasnhof, wo sie Kräuter schonend verarbeitet und ihr Wissen in Workshops und Wildkräuterwanderungen weitergibt. „Ohne den Lehrgang wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Er war für mich persönlich und beruflich eine große Bereicherung“, ist Steinbauer überzeugt.

Martina Nimmervoll – Von der Teilnehmerin zur Trainerin

Martina Nimmervoll aus St. Georgen bei Grieskirchen war Teilnehmerin des ersten Kurses im Jahr 2006. Aus ihrer Abschlussarbeit entwickelte ein Konzept zur Herstellung von Frischkräuterkosmetik-Produkte. Ihr Wissen zur Kosmetik-Herstellung gibt sie heute in Workshops und als Trainerin im LFI OÖ weiter. „Das Besondere an diesem Lehrgang war für mich die gelungene Verbindung von fundiertem Wissen über biologische und ökologische Grundlagen mit traditionellem Wissen und praktischen Anwendungen. Diese praxisnahe Erfahrung hat den Lehrgang einzigartig gemacht und wirkt bis heute nach“, so Nimmervoll.

20 Jahre Kräuterpädagogik: Ein Erfolgsweg zwischen Tradition und Zukunft

Nach 20 Jahren kann die Kräuterpädagogik auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückblicken – und zugleich nach vorne schauen. Die Sehnsucht nach Natur, Entschleunigung und echtem Erleben ist größer denn je. Genau hier liegt ihre Stärke: Sie lädt dazu ein, wieder genauer hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und die Schätze vor der eigenen Haustür zu entdecken. „Das Jubiläum ist Anlass, all jenen zu danken, die die Kräuterpädagogik geprägt haben: dem engagierten Trainerteam, den Teilnehmenden und unseren Kooperationspartnern – der Naturschutzabteilung des Landes OÖ und der Kräutergemeinde Hirschbach. Ein besonderer Dank gilt den Bäuerinnen und Bauern, die unsere Landschaft erhalten und trotz wirtschaftlichem Druck die Artenvielfalt bewahren“, so Waldenberger abschließend.

Neue Kurse starten in Kürze

Die nächsten zwei Zertifikatslehrgänge zur Kräuterpädagogik mit 160 Unterrichtseinheiten starten in Kürze. In einer Online-Veranstaltung am 26. Jänner um 19 Uhr gibt es nähere Informationen zu den Kursen und den Ausbildungsinhalten. Der erste Kurs startet am 6. Februar und dauert bis 25. September, der zweite Kurs startet am 13. Februar und endet am 2. Oktober dieses Jahres. Es gibt noch Restplätze. Näheres zu den Kursen gibt es unter ooe.lfi.at/nr/8506. (Schluss)
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