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29.11.2011

FAO: Lebensmittelproduktion muss bis 2050 um 70% steigen

Ein Viertel der Böden büßte an Produktivität ein

Rom, 29. November 2011 (aiz.info). - Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Durban in Südafrika hat die UN-Welternährungsorganisation FAO einen Bericht über die Entwicklung der Landflächen vorgestellt. Darin stellt sie eine deutliche Verschlechterung der Böden auf einem Viertel der Landfläche fest. Um auch im Jahr 2050 genug Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren, müsse dieser Trend umgekehrt werden, mahnen die UN-Experten - verglichen mit dem Jahr 2009 müsste die Nahrungserzeugung bis 2050 um rund 70% steigen, damit sie mit der wachsenden Weltbevölkerung Schritt halten könne. In der in Rom präsentierten Studie "Zustand der weltweiten Land- und Wasserressourcen für Nahrung und Landwirtschaft" stufen die Experten ein Viertel der weltweiten Landfläche als stark degeneriert ein.

Ursachen für die Verschlechterung seien beispielsweise Erosion, Wasserverschmutzung oder ein Verlust der Artenvielfalt. 8% der Landfläche werden in dem Bericht als mittelschwer geschädigt und 36% als leicht geschädigt ausgewiesen. Lediglich auf 10% der Flächen habe es Verbesserungen gegeben. Damit die bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich neun Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden könne, müsse die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis dahin um 70% wachsen, heißt es in dem Bericht.

Europa: Intensivwirtschaft verschmutzt die Böden

Konkret bedeute das: Die jährliche Produktion von Reis, Weizen und anderen Getreidesorten müsste um 1,0 Mrd. t steigen, die jährliche Produktion von Fleisch und Fisch um 200 Mio. t. Damit dieses Ziel erreicht werde, müsse die Agrarproduktion auf den bestehenden Ackerflächen nachhaltig intensiviert werden, sagte die FAO. In den Jahren der Grünen Revolution stieg die Agrarproduktion dank neuer Technologien, Pestiziden und der Einführung ertragreicher Pflanzenarten drastisch an. Während zwischen 1961 und 2009 die bewirtschafteten Landflächen nur um 12% zunahmen, stiegen die Erträge um 150%. Inzwischen würden jedoch der Klimawandel und nachteilige Anbaumethoden die Produktivität senken, heißt es in dem Bericht. In weiten Teilen der Welt sei das Wachstum im Vergleich zu den guten Jahren der Grünen Revolution um die Hälfte zurückgegangen.

Als Problemgebiete weist der Bericht unter anderem Westeuropa aus. Dort habe intensive Landwirtschaft zu einer Verschmutzung der Böden und der Gewässer und damit zu einem Verlust der Artenvielfalt geführt. In den Hochgebieten des Himalaja, der Anden, der äthiopischen Hochebene und im südlichen Afrika seien vor allem Erosion und zunehmend starke Überschwemmungen problematisch. Auch Wasser werde zunehmend knapp, warnen die Autoren der Studie. Probleme seien vor allem die Versalzung und die Verunreinigung des Grundwassers durch Agrarabflüsse und Gifte. Um auch im Jahr 2050 die Wasserversorgung zu gewährleisten, werde eine effizientere Bewässerung notwendig. Aktuell würden die meisten Bewässerungssysteme unterhalb ihrer Leistungsgrenzen operieren. Die FAO fordert Investitionen in neue Anbaumethoden, etwa integrierte Bewässerung oder Fischfarmen. Bis 2050 würden dafür etwa EUR 750 Mrd. allein für den Ausbau von Bewässerungssystemen in Entwicklungsländern notwendig. EUR 120 Mio. sollten außerdem für Bodenschutz und Wasserkontrollsysteme investiert werden, berichtet Dow Jones News. (Schluss)