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13.06.2019

"Heurigen"-Saison in Eferding startet trotz früher Pflanzung später

Anbauflächen für Speiseerdäpfel rückgängig, bei Industrieware steigend

Linz, 13. Juni 2019 (aiz.info). - Erstmals konnte heuer der LEH nicht durchgehend mit österreichischen Erdäpfeln beliefert werden, nachdem Trockenheit, Schädlinge und hohe Aussortierungen die Ernte 2018 maßgeblich dezimiert hatten. Seit Anfang Mai konnten Kunden daher nur mehr Importware kaufen. Nun ist die neue Kartoffelernte angelaufen - trotz sehr früher Pflanzung immer noch später als in den Vorjahren. Die Heurigen werden nun im klimatisch bevorzugten Eferdinger Becken (OÖ) geerntet. Wärmere Temperaturen, verbunden mit den fruchtbaren Donau-Schwemmlandböden, ergeben einen mehrwöchigen Erntevorsprung.

"Der junge Erdapfel ist noch nicht ausgereift, wobei dies sogar von Vorteil ist. Neben Mineralstoffen und Vitaminen schmecken die Heurigen nussiger und würziger als die Spät-Erdäpfel. Sie enthalten weniger Kohlenhydrate und sind sehr kalorienarm", weist Manfred Schauer, Obmann der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl-Erdäpfel, auf die Besonderheit hin. Mit Schale gegessen, erhöhen sich auch der Ballaststoffanteil und der Nährstoffgehalt, da sich viele wertvolle Vitamine und Mineralstoffe in der Schale befinden. Als "Heurige" vermarktet werden dürfen Erdäpfel nur bis Ende Juli.

Trotz der knappen Versorgung ist der Preis zum Saisonstart für die heimischen Erdäpfelbauern nicht befriedigend, da der LEH ausländische Ware deutlich teurer einkauft als heimische.

2018: Schlechte Erträge, hohe Aussortierung, geringerer Preis als im Ausland

In der Saison 2018 hatten die heimischen Bauern nicht nur mit Dürre, sondern auch mit einer hohen Aussortierungsquote durch Schädlingsbefall zu kämpfen, was zu der noch nie dagewesenen Produktknappheit führte. Manche Betriebe mussten bis zu 50% der Ernte entsorgen. "In Oberösterreich kam uns die hohe Dichte an viehhaltenden Betrieben zugute, so konnten die für den Handel ungeeigneten Erdäpfel sinnvoll verwertet werden", so Ewald Mayr, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl. "Betriebswirtschaftlich war das für die Bauern aber ein Desaster, da sie nicht an den guten Marktpreisen - bedingt durch das kleine Angebot - mitpartizipieren konnten."

Export bewirkt in Ägypten unleistbare Erdäpfelpreise

Ausländische Heurige - aus Ägypten und Israel - waren in den letzten Wochen im österreichischen Handel sehr nachgefragt und wurden zu Höchstpreisen verkauft. "Wir würden uns wünschen, wenn wir mit unseren Heurigen gleiche Preise erzielen würden", meint Mayr, zumal der jüngst präsentierte Erdäpfelcheck der LK Niederösterreich gezeigt hat, "dass speziell bei Erdäpfeln aus den genannten beiden Staaten Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die hierzulande seit Jahrzehnten verboten sind. Wir fordern daher für Importware gleiche Produktionsauflagen wie in Europa." Neben den langen Transportwegen spricht auch der soziale Aspekt gegen diese Einfuhren: In Ägypten etwa treibt die Erdäpfelerzeugung für Europa die Lebensmittelpreise derart in die Höhe, dass sich die Bürger selbst diese Lebensmittel nicht leisten können. "Zudem arbeiten die Feldarbeiter für einen Tageslohn, der bei uns pro halbe Stunde bezahlt wird", ergänzt Mayr.

Klimawandel bereitet Sorgen

Sorgen bereitet den Bauern auch der Klimawandel. Seit Jahren breitet sich das trockene pannonische Klima Ostösterreichs Richtung oberösterreichischem Zentralraum aus. Und auch die hohen Temperaturen setzen den Erdäpfeln zu. "Ab 30 °C hört der Erdapfel auf zu wachsen. Bei zahlreichen Hitzetagen sinkt der Ertrag trotz Gewitterregen oder Bewässerung", weist Schauer auf die Auswirkungen des Klimawandels hin. Die Bauern müssen bei der Sortenwahl auf trockenheitstolerante Knollen zurückgreifen. Jedoch ist mittlerweile die Bewässerung der Flächen eine Überlebensversicherung. "Nach 2013, 2015, 2017 und 2018 startete auch 2019 viel zu trocken. Es ist immer mehr zu erkennen, dass sich der Erdäpfelanbau in jene Regionen verlagert, in denen die Flächen bewässert werden können. Ohne Bewässerung geht ein Drittel des Ertrages verloren. Das Ertragsminus betrug im Vorjahr bei Betrieben, die bewässern konnten, 15% im Vergleich zu Durchschnittsjahren, an den Randlagen des Eferdinger Beckens waren es 40%", so Schauer.

Flächen bei Speiseerdäpfeln rückgängig, bei Industrieware steigend

Laut aktueller Flächenstatistik erzeugen bundesweit 15.000 Landwirte auf 24.000 ha Erdäpfel (1.300 ha in OÖ), 1970 waren es noch 110.000 ha (15.000 ha in OÖ). Beim Speiseerdäpfelanbau gibt es heuer einen Rückgang um 3%, der durch die Flächenerweiterung für Industrieerdäpfel ausgeglichen wird. Ursache dafür ist laut Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich, dass die Industrie seit 2017 vor der Herausforderung steht, ausreichend Rohstoffe zu bekommen und daher intensiv Betriebe für die Erdäpfelproduktion gesucht hat. "Sehr viele Bauern gehen auch deshalb diesen Weg, weil die Qualitätsanforderungen der Industrie wesentlich geringer sind als die des Handels", so Grabmayr.

Den Speiseerdäpfel-Erzeugern bereitet aber ebenso Sorgen, dass die Österreicher immer mehr zu Fertigprodukten greifen. Von den konsumierten 50 kg Erdäpfeln pro Kopf und Jahr sind bereits 30 kg industriell verarbeitet. In Entwicklungsländern liegt dieser Anteil bei 5%.

Konsumenten greifen beim Einkauf gerne zu Produkten aus der Region

"Es tut gut, zu sehen, dass die Bemühungen um regionale Qualitätsprodukte auf fruchtbaren Boden fallen und dass es Produzenten gibt, die diese Regionalität leben, aber auch immer mehr Konsumenten, die diese Regionalität wertschätzen. Deswegen bin ich auch ein starker Verfechter der Forderung nach einer strengen Herkunftskennzeichnung", so der LK-Vizepräsident.

Österreichische Erdäpfelbauern, die für Vermarktungsprogramme produzieren, arbeiten zu 100% nach den strengen AMA G.A.P.-Richtlinien. Hier gibt es Kontrollen hinsichtlich Düngung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Hygiene, Fremdarbeitskräftebeschäftigung und Warenfluss am Markt. "Wenn der Konsument im Supermarkt nach heimischer Ware greift, greift er nach garantierter Qualität. Die österreichische Herkunft ist im Handel durch das AMA-Gütesiegel gut ersichtlich, während Importware oft kaum gekennzeichnet wird. Hier trete ich ganz klar für mehr Transparenz ein", betont Grabmayr abschließend. (Schluss)

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