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20.04.2012

Österreich: Aufregung um Ausfall von Lieferungen GVO-freien Sojaschrots

CBOT-Weizenfutures auf Schwarzmeerweizen - Österreichischer Weizen für Polen

Wien, 20. April 2012 (aiz.info). - Massive Auswinterungsschäden und Unsicherheit, ob die Regenfälle der letzten Tage für die Bestandsentwicklung ausreichend waren, ließen an der Euronext in Paris die europäischen Weizennotierungen weiter befestigen ebenso wie auch trotz der guten Aufwuchsbedingungen in den USA der Weizen an der CBOT in Chicago etwas zulegen konnte. Von den Sorgen um die Winterweizenbestände zur Ernte 2012 in Europa profitiert mittlerweile auch schon der österreichische Kassamarkt, indem zuletzt auch Polen vorerst Mahl- und in der Folge auch Qualitätsweizen in Österreich einkaufte. In Österreich warten indes aber die Abnehmer jenes oberösterreichischen Handelshauses, das sich die Versorgungssicherheit mit gentechnikfreier Soja für Österreich auf die Fahnen heftet, vergeblich auf die Auslieferung ihrer Kontrakte über GVO-freien Sojaschrot, nachdem das Unternehmen "Force Majeure" (höhere Gewalt) dafür ins Treffen geführt hat, seine Aprilkontrakte und ausstehenden Altverträge für die Lieferung von Schiffsware nicht erfüllen zu können.

Nachdem kürzlich die Fusion der NYSE-Gruppe (New York Stock Exchange), zu der auch die europäische Leitbörse für Getreide, die Euronext in Paris gehört, mit der deutschen Börse Frankfurt am Veto der EU-Wettbewerbshüter gescheitert ist, haben die Europäer mit dem künftigen Engagement der Chicago Board of Trade (CBOT) im Futureshandel mit Schwarzmeerweizen neuerlich das Nachsehen.

CBOT kündigt ab Juni Futures auf Mahlweizen aus dem Schwarzmeerraum an

Die zur CME-Gruppe gehörende Chicago Board of Trade (CBOT) bietet ab 06.06.2012 einen Futures auf Mahlweizen aus dem Schwarzmeerraum - den "CBoT Black Sea Wheat futures" - im elektronischen Handel an. Dieser soll die Weizenpreise am physischen Markt des Schwarzmeerraumes abbilden, der im Weizenwelthandel für mehr als 20% Marktanteil stehe. Erfüllungsorte sind die Schwarzmeerhäfen Russlands, der Ukraine und Rumäniens. Die Futures werden zur Ortszeit der Region von 10:00 bis 21:15 Uhr elektronisch über das Handelssystem CME Globex gehandelt. Notiert wird in US-Dollar, allerdings im Gegensatz zur CBOT in der metrischen Einheit Tonne. Die Kontraktgröße beträgt analog zu den in den USA gehandelten Weizenfutures von 5.000 bushel 136 t. Die Qualität des Weizens wird mit mindestens 11,5% Protein auf Basis der Trockenmasse, 77 kg Hektolitergewicht und 230 sec. Fallzahl definiert.

Österreich: Aufregung um Ausfall von Lieferungen GVO-freien Sojaschrots

Das Handelshaus bezeichnet sich mit seiner Marke "GEN-NO" als Pionier in Europa und wirbt mit Versorgungssicherheit sowie zertifizierter Qualitätssicherung ab Ursprung Brasilien. So gab Firmenchef Karl Pilstl etwa beim Fachsymposium "Soja & Gentechnik-frei und Nachhaltig!" am 28.04.2011 an, dass seine Lager für mindestens ein Monat GVO-freien Soja vorrätig hätten. Nunmehr ist sein Unternehmen aber über den Wasserweg nicht lieferfähig und machte dafür in einem Schreiben an Kunden von Anfang April Force Majeur geltend, weil unter anderem Streiks in argentinischen und brasilianischen Häfen sowie eine Havarie eines "großen Seedampfers" die Ozeanfrachten nach Rotterdam und Amsterdam verzögert hätten und seine Vorlieferanten ebenfalls Force Majeure erklärt hätten. Allerdings, so das Schreiben weiter, dürfte Ware aus Südamerika doch vorhanden sein, denn man gehe damit in Rotterdam "auf Lager". Zudem wird die seit Wochen bekannte routinemäßige Sperre des Rhein-Main-Donauwasserweges wegen Schleusenwartungen ins Treffen geführt. Die Abnehmer werden in dem Schreiben für ihre April-Belieferung alternativ auf die Versorgung mit Lkw-Ware vertröstet, wofür aber Zwischenkäufe notwendig wären.

Soja- und Sojaschrotnotierungen seit Mitte Dezember 2011 um rund 30% gestiegen

Dieses Vertrösten auf den Spot-Markt ist für die Betroffenen insofern extrem unangenehm, weil die Notierungen für Sojabohnen und Sojaschrot seit Dezember vorigen Jahres einen nahezu stetigen steilen Anstieg um rund 30% durchmachten und die Frachtkosten auf dem Straßen- deutlich höher sind als auf dem Wasserweg. So kletterten die Sojabohnennotierungen am internationalen Leitmarkt, der CBOT in Chicago, für den jeweils vordersten Liefertermin von USD 404,18 pro t am 14.12.2011 bis 19.04.2012 auf USD 520,14 pro t. An der Wiener Produktenbörse zog die Kassamarktnotierung für GVO-freien Sojaschrot mit 44% Rohprotein und Fett bei maximal 7% Rohfaser, lose, von EUR 335,- pro t am 14.12.2011 auf EUR 445,- pro t am 18.04.2012, also sogar um knapp 33%, an. Damit ist aktuell die Versorgung aus kurzfristig zugekaufter Ware deutlich teurer als aus langfristig vertraglich gesicherter.

GVO-frei produzierende Tiermäster haben kein Recht auf Force Majeure

Die ihrerseits in GVO-freien Markenprogrammen des Lebensmittelhandels gebundenen und der österreichischen Richtlinie zur "Gentechnikfreien Produktion" unterworfenen Tiermäster können sich laut dieser Richtlinie aber auf keinerlei Ausnahme wegen "höherer Gewalt" berufen und sind ausnahmslos dazu verpflichtet, in der GVO-freien Produktion keinerlei GVO oder durch GVO hergestellte Erzeugnisse als Futtermittel einzusetzen. Sie sind also auf Lieferungen GVO-freien Sojaschrots alternativenlos angewiesen.

Skepsis in der Branche über Force Majeure - andere Anbieter ohne Verzögerungen lieferfähig

Heimische Marktteilnehmer sehen die Erklärung von "Force Majeure" sowie ihren Zeitpunkt mit einiger Skepsis, da die Streiks in den südamerikanischen Häfen schon im Februar und März stattgefunden hätten und die Schleusenwartungsarbeiten am Donauwasserweg lange im Vorhinein bekannt gewesen wären. Zudem heißt es am heimischen Markt, dass andere Lieferanten GVO-freien Sojaschrots nicht einmal Verzögerungen bei der Auslieferung von Ware gleichen Ursprungs in Südamerika hätten, geschweige denn gar nicht lieferfähig seien. "Die Hafenarbeiter haben ja alle Firmen bestreikt und nicht nur einzelne", so ein Brancheninsider. Demnach habe auch kein Vorlieferant Force Majeur angemeldet oder seien von internationalen Organisationen wie der in London ansässigen GAFTA (The Grain and Feed Trade Association) irgendwelche Meldungen dieser Art ausgegeben worden. Bei der genannten Schiffshavarie soll es sich übrigens um ein Flussschiff am Parana gehandelt haben. Im Gegenteil, so heißt es am Markt, würden österreichische Lieferanten, wie auch die aktuellen Notierungen von GVO-freiem Sojaschrot diese Woche an der Wiener Produktenbörse zeigten, ihre Kunden zurzeit sogar mit zusätzlicher Ware versorgen, wobei prompte Ware allerdings zuletzt nur aus zweiter Hand und zu steigenden Preisen erhältlich sei.

Letztlich sieht man die Risikoverteilung abhängig davon, welche Usancen in den Verträgen des Sojahändlers mit seinen Abnehmern vereinbart worden seien und raten Experten dringend dazu, sich die Erklärungen von Force Majeure der genannten Vorlieferanten genau anzusehen.

Weltweites Angebot von GVO-freier Soja wird immer knapper

Tatsache ist auch, dass der Anbau von GVO-freier Soja weltweit immer mehr zurückgeht und damit das Angebot immer knapper wird. Laut der Datenbank des Internetportals www.transgen.de wurden 2011 weltweit 103 Mio. ha Sojabohnen angebaut und wuchsen davon auf 73% dieser Fläche oder 75,4 Mio. ha GV-Sojabohnen. Europa habe demnach eine immense "Eiweißlücke", jährlich würden etwa 35 Mio. t Sojabohnen und -schrot aus Nord- und Südamerika in die Europäische Union verschifft. Auch im für Europa wichtigsten Erzeugerland, Brasilien, würden inzwischen überwiegend GV-Sojabohnen angebaut und sei deren Anteil in den letzten Jahren auf über 80% angestiegen. In der EU finde laut www.transgen.de kein Anbau von GVO-Sojabohnen statt, in den USA dagegen 2011 auf 94% der gesamten Sojafläche, in Argentinien (2009) auf 97% und in Brasilien (2011) auf 83%. Diese drei Länder dominieren den Soja-Weltmarkt.

Weizennachfrage in Österreich hält an - Polen ordert Mahl- und Qualitätsweizen

Die Nachfrage nach österreichischem Weizen hält an und die Preise können sich halten. Wie es in der Branche heißt, soll die Auslandsnachfrage nach österreichischem Mahlweizen zuletzt vor allem von Polen ausgegangen sein, nachdem man dort aus der alten Ernte 2011 zu Beginn der Saison relativ eifrig Weizen exportiert hat und sich nun massive Auswinterungsschäden an den Beständen für die kommende Ernte 2012 zeigen. Auch Qualitätsweizen soll mittlerweile aus dieser Region in Österreich geordert werden. Der Nachfragesog aus dem Norden rief laut Händlern mittlerweile aber auch heimische Verarbeiter auf den Plan, die sich ihren Anteil am heimischen Angebot sichern wollen.

Damit konnten sich am Mittwoch dieser Woche die Weizennotierungen an der Wiener Produktenbörse gut behaupten.

Wie sprunghaft dieser Markt ist, bewies diese Woche offensichtlich die Wiener Futtergerstennotierung, die die als überraschend hoch kommentierte Notierung der Vorwoche praktisch bestätigt und ein Preisniveau über EUR 200,- pro t auch für ein schwächeres Qualitätssegment zementiert.

Die etwas weiter aufgegangenen Preisbänder für Futter- und Industriemais bringen zum Ausdruck, dass bei anhaltender Nachfrage im Sog einer leichten Preisabschwächung im mitteleuropäischen Raum die Verkaufspreise im Verlauf der Woche vor dem Notierungstag etwas zurückgegangen sind. Zudem wird vermutet, dass Produzenten noch namhafte Maismengen spekulativ zurückgehalten hätten.

Sorge um Ernte 2012 auch in Deutschland - DRV korrigiert Ernteschätzung nach unten

In Deutschland könnte die Getreideernte 2012 noch kleiner ausfallen als die bereits enttäuschende Vorjahresernte. Angesichts gravierender Auswinterungsschäden korrigierte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Schätzung im Vergleich zum Stand von Anfang März um 3,4 Mio. t nach unten auf 41,3 Mio. t. Damit würde die Erntemenge 2011 um rund 1,5% verfehlt.

Für den Winterweizen haben sich die Aussichten so sehr verschlechtert, dass der DRV die Prognose um 2,9 Mio. t zurücknahm - auf lediglich 20,9 Mio. t. Das wären 6,8 Mio. t weniger als 2011 erzeugt wurden. Für Wintergerste gehen die Genossenschaften von einer Erntemenge von 6,8 Mio. t aus und damit um rund 12% weniger als im März erwartet. Das Vorjahresergebnis würde jedoch um 2,5% überschritten. Die Prognose für den Winterraps kürzte der Verband um rund 0,5 Mio. t auf 4,3 Mio. t. Damit würde das völlig unbefriedigende Ergebnis des Vorjahres um 13% übertroffen.

Nach Angaben des DRV haben die Bestände an Weizen, Gerste und Raps die Frostperiode in der ersten Februarhälfte deutlich schlechter überstanden als zunächst angenommen. Zahlreiche Flächen, die noch Mitte März wenig Anlass zur Sorge gaben, mussten nach Wechselfrösten und mangels Regen doch noch umgebrochen werden. Der Schätzung zufolge dürften rund 180.000 ha Winterweizen und 55.000 ha Wintergerste untergepflügt worden sein. Die Aussaatflächen für Sommergetreide und Mais setzt der Raiffeisenverband daher herauf, so zum Beispiel für Sommerweizen um 54% auf 113.500 ha und für Sommergerste um 8% auf 465.300 ha. Wie der DRV weiter mitteilte, leiden die Kulturen nahezu bundesweit unter einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit. Diese hat das Ertragspotenzial weiter begrenzt, auch wenn die Niederschläge der vergangenen Tage in einigen Regionen für eine spürbare Entspannung sorgten.

Deutsche Getreidezüchter verzichten teilweise auf Lizenzgebühr - befristete Ausnahme

Die deutschen Pflanzenzüchter verzichten heuer mehrheitlich auf ein Drittel der Summe, die bei der Aussaat von Konsumgetreide als Schadenersatz fällig ist. Sie kommen damit Landwirten entgegen, die in diesem Frühjahr ungewöhnlich große ausgewinterte Flächen nachsäen müssen.

Nach deutschem Recht verstoßen Abgabe und Erwerb von Konsumgetreide zu Saatzwecken gegen das Sortenschutzgesetz. Die Züchter können dafür Schadenersatz in Höhe der Z-Lizenzgebühr der jeweiligen Sorte verlangen. Angesichts der "unverschuldeten Notlage" in der Landwirtschaft sollen die Landwirte ausnahmsweise jedoch nur ein Drittel der Gebühr zahlen. Ein weiteres Drittel soll der Handel übernehmen und auf ein Drittel verzichten die teilnehmenden Züchter. Die Ausnahmeregelung ist bis zum 30.06.2012 befristet. Bis zu diesem Datum sollen Landwirte, die Konsumgetreide ausgesät haben, und Händler bei der Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) entsprechende Deklarationen abgeben. Formulare und ausführliche Informationen zum Verfahren sowie eine Liste der teilnehmenden Züchter hält die STV auf ihrer Internetseite unter www.stv-bonn.de/auswinterung bereit. Der Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter (BDP) weist darauf hin, dass die Ausnahmeregelung nach Ablauf der Frist erlischt und Verstöße gegen das Sortenrecht durch die STV juristisch vollumfänglich verfolgt werden.

Auswinterung beschert KWS Saat AG unerwartetes Umsatzplus

Das Saatzuchtunternehmen KWS Saat AG hat seine Umsatzprognose für das am 30.06.2012 endende Geschäftsjahr um EUR 30 Mio. auf EUR 970 Mio. angehoben. Der Grund ist die starke Nachfrage nach Maissaatgut wegen der Auswinterungsschäden an Winterkulturen. Nach einer Schätzung des Deutschen Maiskomitees (DMK) dürfte der Maisanbau in Deutschland allein aufgrund fälliger Umbrüche um 80.000 ha ausgedehnt werden. In einer repräsentativen Umfrage, die im Februar und März von der Kleffmann-Gruppe durchgeführt wurde, war noch von einer Stagnation der deutschen Maisfläche bei 2,5 Mio. ha ausgegangen worden. Damals waren die tatsächlichen Schäden an Getreide und Raps noch nicht absehbar. KWS-Finanzvorstand Hagen Duenbostel erläuterte, "wir verzeichnen derzeit eine sehr starke Nachfrage nach unseren Maissorten. Dies hatten wir so nicht geplant. Wir sind aber aufgrund unserer soliden, auf langfristigen Erfahrungswerten beruhenden Vorratshaltung lieferfähig". Angesichts der positiven Geschäftsentwicklung rechnet die KWS Saat AG mit einem Betriebsergebnis über dem bereits sehr guten Vorjahresresultat von EUR 116,6 Mio.

Kasachstan: Waggonmangel bremst Getreideexporte

Kasachstan kann in diesem Wirtschaftsjahr kaum mehr als 11 bis 12 Mio. t Getreide exportieren. Das hat eine Vertreterin des Landwirtschaftsministeriums vor Journalisten in Astana zugegeben. Bislang hatte das Ressort das Exportziel mit 15 Mio. t beziffert. Dieses ist wegen Mangels an Eisenbahnwaggons für die Getreidetransporte aber nicht mehr erreichbar, erläuterte die Ressortsprecherin. Eine Woche zuvor hatte Landwirtschaftsminister Asylschan Mamytbekow bei einer Regierungssitzung erklärt, eine Beschleunigung der Getreideausfuhren sei dringend erforderlich, um Lagerkapazitäten für die Aufnahme der neuen Ernte frei zu machen. Im vergangenen Jahr wurde in Kasachstan mit fast 27 Mio. t eine Rekordproduktion von Getreide eingefahren.

Ukraine korrigiert Exportprognose für Sonnenblumenöl nach oben

Die Ukraine, weltweit größter Exporteur von Sonnenblumenöl, kann in diesem Wirtschaftsjahr laut einer neuen Schätzung der Produzentenvereinigung Ukrolijaprom 3 bis 3,1 Mio. t davon an den internationalen Märkten absetzen. Bislang hatte Ukrolijaprom die möglichen Ausfuhren mit 2,7 Mio. t beziffert. Die Exportprognose wurde nach der jüngsten Korrektur des zu erwartenden Produktionsumfangs von 3,25 auf 3,55 Mio. t geändert, erklärte Geschäftsführer der Vereinigung, Stepan Kapschuk. Im vergangenen Wirtschaftsjahr führte das Land rund 2,65 Mio. t Sonnenblumenöl aus. Die ukrainische Sonnenblumenernte 2011 lag laut dem Kiewer Landwirtschaftsministerium bei 8,7 Mio. t gegenüber knapp 6,8 Mio. t im Vorjahr. Marktexperten halten diese Schätzung für zu niedrig. (Schluss) pos/leh/pom

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