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24.09.2021

Weizen- und Rapspreise durchstießen mehrere wichtige Schallmauern

Inland: Weizen stark gefragt - Skespis über Billigschiene bei heimischer Premiumware

Wien, 24. September 2021 (aiz.info). - Nachdem die Kurse von Getreide und Ölsaaten an internationalen Terminbörsen vor allem wegen externer Faktoren und nicht wegen neuer fundamentaler Daten nachgegeben haben, setzten sie in der zweiten Wochenhälfte zu einem neuerlichen Sprung nach oben an. Weizen und Raps durchstießen wichtige Schallmauern: der Mahlweizenkontrakt an der Euronext in Paris zur Lieferung im Dezember die von 250 Euro/t, der November-Rapsfuture an der Euronext die 600 Euro/t auf neue Allzeit-Hochs und an der Wiener Produktenbörse die Kassamarktnotierung von Premiumweizen an der Oberkante die 300 Euro/t. Am späten Freitagmittag verzeichnete die Euronext leichte Verluste für Weizen, Mais und Raps, der Dezember-Mahlweizen hielt sich aber weiterhin über 250 Euro/t. Auch die CBoT in Chicago war leicht im Minus. Die starke Nachfrage nach österreichischem Brotweizen, insbesondere auch nach Aufmischweizen für Italien, halte an, hieß es im Umfeld der dieswöchigen Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse.

Wiewohl Spot-Lieferungen bei zunehmendem Lagerraumdruck vor der Herbsternte für ein ungewöhnlich breites Preisband sorgten, hätten sich am Mittwoch dieser Woche die Wiener Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen nach dem etwas überraschenden Einknicken vorige Woche dennoch wieder "eingekriegt". Premiumweizen legte um 8,50 Euro im Schnitt des Preisbandes auf 265 bis 302 Euro/t zu; Qualitätsweizen stieg um 4,50 Euro/t auf 259 bis 285 Euro/t. Nach wie vor sei nämlich das Angebot aus dem östlichen Ausland im Aufmischsegment nur begrenzt eine Konkurrenz, wurden die steigenden Preise trotz der auf den Markt drängenden Druckpartien kommentiert.

Skepsis zu niedrigen Werten am unteren Rand des Premiumweizen-Preisbandes

Etliche Marktteilnehmer beäugen vor diesem Hintergrund und unter dem Hinweis auf den Vergleich mit den Notierungen von Einfuhren von Premium- und Qualitätsweizen aus dem EU-Ausland die untere Notierung des Premiumweizens von 265 Euro/t kritisch. Die Importnotierungen legten diese Woche für Qualitätsweizen deutlich zu und übersteigen die untere Notierung von inländischem Premiumweizen. In Landwirtekreisen rumort es indessen, möglicherweise werde schwächerer ausländischer Weizen zum "Abmischen" stärkerer heimischer Partien zugekauft und daraus quasi nach "Nostrifikation" eine Billigschiene inländischen Premiumweizens kreiert.

Maismarkt unter dem Eindruck niedrigerer Erträge in wichtigen Importherkünften

Der inländische Maismarkt stehe unter dem Eindruck der kürzlich vom Wissenschaftlichen Dienst der EU-Kommission (aiz.info berichtete, siehe Link unten) nach unten revidierten Prognose für die Hektarerträge von Körnermais in den Herkunftsländern von Maisimporten. Inländischer Futtermais notierte mit 219,50 Euro/t um 3,50 Euro höher als zuletzt Anfang September. Weiters hieß es, für Maisausfuhren würden zurzeit höhere Geldkurse geboten als inländische Verarbeiter anzulegen bereit seien.

Die Nassmaisverabeiter übernähmen zurzeit überwiegend Vertragsware, so die Landwirtschaftskammer. Die Preise sollen laut Kammern auf Basis 14% Feuchtigkeit um 5 Euro/t netto sinken. Agrana senke demzufolge nächste Woche den Landwirtepreis frei Pischelsdorf auf netto 153 Euro/t bei 30% Erntefeuchtigkeit und frei Rübenplatz auf 148 Euro/t. Jungbunzlauer gehe frei Werk Pernhofen bei denselben Kriterien auf rund 140 Euro/t herunter und übernähme bis zu 33% Feuchtigkeit.

Aus Oberösterreich verlautet, bereits erntereifer Mais sei regional sehr gesucht, sodass attraktive Nassmaispreise möglich seien. Wie stark der Preisdruck im Oktober tatsächlich werde, sei noch offen. Aus dem Westen des Bundeslandes werde aktuell von Vorkontraktpreisen von 215 bis 220 Euro/t netto für Trockenmais zur Lieferung in der Haupternte berichtet. Auch aus Westrumänien werde von Maispreisen um 210 Euro/t berichtet, was bei den derzeit hohen Transportkosten Einfuhren nach Österreich noch nicht wirtschaftlich mache. Massiv gestiegene Gaspreise auf bis zum Fünffachen verteuerten zudem die Trocknung.

Weiterhin zurückhaltende Abgabebereitschaft bei Raps und Durum

Die internationalen Preissteigerungen und entsprechende Geldkurse der Verarbeiter hätten noch immer nicht eine regere Abgabebereitschaft bei den Lagerhaltern von Raps auslösen können, die Wiener Notierung von Rapsschrot zog an. Ebenso verteuerten sich Importe von Sojaschroten eine Spur, wohingegen sich die von inländischem GVO-freiem Sojaschrot etwas abkühlte.

Auch inländischer Durum werde weiterhin zurückgehalten. Die EU-Kommission bewertete per 22. September kanadischen Durum fob St. Lorenz Strom mit umgerechnet 495 Euro/t um 4 Euro teurer als vor einer Woche und setzte die der schwächeren französischen Durumqualität fob Port-la-Nouvelle auf 452 Euro/t. Die Warenbörse Bologna notierte diese Woche Durum aus italienischem Anbau mit 13% Protein und 80 kg/hl franco Region mit 487 bis 491 Euro/t.

Schwindende Angst vor Immobilien-Crash in China und Gerücht um Exportbremse Russlands

Die Erholung der internationalen Börsen ging diese Woche auf mehrere und auch externe Faktoren zurück. Die Angst, dass ein Zahlungsausfall des chinesischen Immobilienriesens Evergrande mit einer Verschuldung von mehr als 250 Mrd. Euro einen Effekt von "Lehmann II" - den Auslöser der globalen Finanzkrise 2008 - nach sich ziehen und chinesische und internationale Banken mit sich in den Abgrund reißen könnte, legte sich wieder. Damit erholten sich auch die Rohstoffmärkte und Anleger kehrten zurück - auch in der Hoffnung auf Gewinne nach dem Sinken der Kurse. Gleichzeitig zog der Ölpreis an.

Weiters machte das Gerücht die Runde, Russland könne wegen der galoppierenden Inlandspreise und einer kleineren Ernte 2021 neben der Einhebung von Exportzöllen den Weizenexport zusätzlich mit Quoten auf eine Menge unter 30 Mio. t einbremsen. Das US-Landwirtschaftsministerium ging zuletzt von 35 Mio. t Weizenausfuhren aus, vorige Saison waren es 38,5 Mio. t. Für den Zeitraum 22. bis 28. September senkte die Regierung in Moskau die Exportabgabe auf Weizen aber auch wieder von zuletzt umgerechnet 44,76 Euro/t auf 43,40 Euro/t.

Den Preisen in der EU halfen zuletzt auch ein etwas schwächerer Euro und die nach wie vor anhaltende starke Exportnachfrage vom Weltmarkt.

Der Internationale Getreiderat IGC erhöhte am Donnerstag seine Schätzung für die weltweite Maisernte 2021/22 und senkte die für Weizen eine Spur. Demnach sollen die globalen Versorgungsbilanzen von Mais und Getreide insgesamt positiv - mit einem Lageraufbau nach vier Jahren Abbau - und die von Weizen geringfügig negativ ausfallen. Siehe dazu den Link unten mit dem Bericht von aiz.info. (Schluss) pos