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15.09.2021

Weizen-Ernteprognosen für Kanada und Frankreich neuerlich herabgesetzt

Börsen ziehen an - Kanadas Durumpreis verdoppelt - Raps als Vorgeschmack auf "Farm to Fork"

Wien, 15. September 2021 (aiz.info). - Das nationale Statistikamt Statistics Canada (StatCan) und das französische Landwirtschaftsministerium setzten die Prognosen für die Weizenernten ihrer Länder neuerlich herab. Frankreich ist größter Getreideproduzent sowie Exporteur in der EU und Kanada einer der Big-Player am Weizenweltmarkt. Nach Europa liefert Kanada Durum sowie neben diesem Weizen auch Canola-Raps. StatCan senkte die Zahl für die Weizenernte 2021 auf 21,7 Mio. t nach 22,9 Mio. t in der August-Schätzung. Das Pariser Agrarressort erwartet nun für Frankreich 36,06 Mio. t Weichweizen gegenüber 36,69 Mio. t im Vormonat. Während Kanada unter einer furchtbaren Dürre litt, war es für den französischen Weizen zur Erntezeit zu nass. Dies schädigte nicht nur die Erträge, sondern zog auch massive Qualitätsprobleme nach sich. Die internationalen Warenterminbörsen reagierten mit Kursgewinnen. An der Euronext übersprang der Weizenkontrakt zur Lieferung wieder die 240-Euro-Marke mit einem Schlusskurs am Dienstag von 243 Euro/t, das sind 29% mehr als vor genau einem Jahr.

Die 21,7 Mio. t bedeuten, dass Kanadas Weizenernte 2021 um mehr als 38% hinter das Vorjahresergebnis von 35,2 Mio. t zurückfällt. Dies lasse - so das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in seiner jüngsten Prognose dieser Tage - in der Saison 2021/22 Weizenausfuhren von lediglich 17 Mio. t zu, während es 2020/21 noch 26,42 Mio. t gewesen waren. Allerdings geht das USDA dabei noch von einer Erntemenge von 23,0 Mio. t aus. An Canola-Raps fuhren die kanadischen Farmer laut StatCan 12,8 Mio. t nach 19,5 Mio. t - ein Minus von 34% - ein. An der weltweiten Leitbörse für Raps, der ICE in Winnipeg, stieg der Kurs des Canola-Futures binnen Jahresfrist um 72%, an der Euronext in Paris der von Raps aus der EU um 53% auf aktuell 587,75 Euro/t.

2021 um 46% weniger Durum in Kanada - Preis binnen Jahresfrist verdoppelt

Einen dramatischen Absturz gegenüber dem Vorjahr setzen Kanadas Statistiker auch beim Durum an. Dieser soll heuer 3,5 Mio. t bringen, um fast 46% weniger als die 6,6 Mio. t von 2020. Entsprechend gehen die Durum-Preise - auch für die Lieferungen in die EU - durch die Decke. Die EU-Kommission quotierte den Exportpreis für kanadischen Hartweizen fob St. Lorenz Strom am 8. September mit ungerechnet 495 Euro/t. Damit verteuerte er sich zum Vergleichswert von 250 Euro/t am 9. September 2020 auf nahezu das Doppelte.

Frankreich fährt größere Weizenernte ein - Anteil mahlfähiger Ware aber kleiner

Das Ergebnis der französischen Weizenernte liegt mengenmäßig aber noch immer um 23,6% über dem des schwachen Jahres 2020 und um 8,1 % über dem Fünfjahres-Schnitt. Jedoch erreicht wegen des verregneten Sommers heuer nur ein wesentlich geringerer Teil der Weizenernte vermahlungsfähige Qualität.

EU-Landwirte wenden sich von Rapsanbau ab - Vorgeschmack auf "Farm to Fork"

Wie in der gesamten EU und auch hierzulande wandten sich Frankreichs Landwirte auch zum Anbau für die Ernte 2021 von Raps ab. Trotz der massiven Einschränkung der Fläche soll die französische Rapsernte laut Ministerium heuer aber mit 3,31 Mio. t die des Vorjahres um 0,5% übertreffen.

Marktinsider sehen im Trend des rückläufigen Rapsanbaus in der EU und einer eklatanten Unterversorgung einen Vorgeschmack darauf, was mit der Umsetzung der "Farm to Fork"-Strategie der EU-Kommission blühen könnte: Nämlich, dass mit der Einschränkung des für eine gewisse Ertragssicherheit notwendigen Betriebsmittels für Pflanzenschutz und Düngung die Produktion unwirtschaftlich und letztlich eingestellt werde. Erst dieser Tage veröffentlichten deutsche Wissenschafter eine Studie, die der "Farm to Fork"-Strategie bescheinigt, bei Milliardenkosten für Umstellung und für Verbraucher kaum ökologischen Nutzen zu bringen. Sie würge die Produktion in der EU ab, unterminiere letztlich die Selbstversorgung der Union und mache sie von Importen aus anderwärtiger Produktion mit niedrigeren Umweltstandards abhängig.

So schränkten die Landwirte in Österreich laut Daten der AMA und von Coceral den Rapsanbau von der Spitze im Jahr 2013 mit 58.469 ha zur heurigen Ernte auf 28.000 ha oder um 52% ein, die Produktion verfiel um 64% von 197.000 t auf 70.000 t. Die Rapserzeugung der EU brach von dereinst 21,78 Mio. t im Jahr 2017 bis heuer auf 17,57 Mio. t ein. (Schluss) pos