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17.01.2020

Trump schließt Handelsdeal - Mais- und Sojanotierungen stürzen ab

Fundamentaldaten, Streiks in Frankreich und staatliche Eingriffe Russlands stärken Weizen

Wien, 17. Jänner 2020 (aiz.info). - US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am Mittwoch den von ihm vor allem für die US-Farmer viel gepriesenen Phase-Eins-Handelsdeal mit China und an der CBoT stürzten in Folge die Notierungen von Mais und Sojabohnen, aber auch anderer Produkte wie Schweinefleisch, ab. Denn der Vertrag enthält ein Schlupfloch, das die Absichtserklärung Chinas, den USA 2020 um 12,5 Mrd. USD (11,2 Mrd. Euro) und 2021 um 24 Mrd. USD (21,5 Mrd. Euro) mehr Agrargüter abzukaufen als zur Ausgangsbasis von 24 Mrd. USD (21,5 Mrd. Euro) im Jahr 2017, in Schall und Rauch aufgehen lassen könnte. Die Käufe sollten nämlich nur nach Maßgabe der Marktverhältnisse erfolgen.

Was so viel heißt wie: Die US-Agrargüter müssten von den Chinesen tatsächlich benötigt werden und wettbewerbsfähig sein. Da keine staatlichen Einkäufe vorgesehen sind, gelten privatwirtschaftliche Regeln der Märkte. Und die Strafzölle - etwa in Höhe von 60% auf US-Schweinefleisch - bleiben aber weiterhin in Kraft. Sie werden vom Phase-Eins-Deal noch nicht aufgehoben. Der Maisfuture an der CBoT steuerte bis Freitag auf die stärksten Wochenverluste seit fünf Monaten zu und der auf Sojabohnen auf die seit der dritten Augustwoche des Vorjahres. Auch die Rallye auf den Weizen- und Rapsterminmärkten fand ein vorläufiges Ende, nachdem der März-Mahlweizenkontrakt an der Euronext in Paris am Mittwoch mit 195,25 Euro/t den höchsten Schlusskurs für den Frontmonat seit März 2019 erreicht hatte. Am Freitagmittag war er wieder leicht im Plus bei 193,50 Euro/t und verbuchte immer einen Wochengewinn von 2 Euro/t. Soft Red Winter an der CBoT erklomm zur Wochenmitte ein Eineinhalbjahre-Hoch. An der Wiener Produktenbörse zogen diese Woche die Notierungen von Qualitätsweizen und Mahlroggen an.

Der Februar-Rapsfuture in Paris ging bis zum Handelsschluss am Donnerstag auf 404,25 Euro/t zurück. Am Montag schloss er noch bei 420,50 Euro/t. Hintergrund des Einbruchs beim Raps ist ein Einknicken der internationalen Pflanzenölkurse als Folge dessen, dass Indien vorige Woche als Vergeltung für Kritik der Regierung in Kuala Lumpur an seiner Kaschmir-Politik alle Palmöleinkäufe aus Malaysia gestoppt hat. Indien war seit 2014 wichtigster Abnehmer Malaysias für sein Palmöl mit zuletzt 4,4 Mio. t jährlich, was 24% der malaysischen Ausfuhren dieses Pflanzenöls entspricht. Malaysia und der größte Produzent Indonesien sind die Big Player am Palmöl-Weltmarkt. Palmöl macht als Pflanzenöl Nummer eins - noch vor Sojaöl - gut 35% der weltweiten Erzeugung aus, der Anteil von Rapsöl kommt gerade einmal auf rund 15%.

Fundamentaldaten, Streiks in Frankreich und staatliche Eingriffe Russlands stärken Weizen

Die internationalen Weizennotierungen wurden jüngst von einem Mix an Faktoren gestärkt. Fundamental wirken zunehmende Anzeichen für ein knapper werdendes Angebot und starke Exportnachfrage bullish. Zudem entwickelten die Winterweizenbestände in der Schwarzmeer-Region wegen überdurchschnittlicher Temperaturen kaum Winterhärte, es fehlt lokal an schützender Schneedecke und auch dort, wo zumindest einige Millimeter liegen, damit vor allem auch an Feuchtigkeit. Dies, ein stärkerer Rubelkurs und starke Exportnachfrage bei gleichzeitig geringerem Angebot als im vorigen Wirtschaftsjahr trieben in den letzten Wochen die Exportpreise für russischen Weizen auf eine Saisonspitze.

Russische Regierung zieht Exportzügel mit Quote für zweite Saisonhälfte an

Offensichtlich auch aus Angst, die Getreidepreise könnten auch im Inland für die ohnehin krisengeplagte russische Bevölkerung davongaloppieren, will die Regierung in Moskau nun die Zügel anziehen und Quoten für den Getreideexport in der zweiten Hälfte des bis 30. Juni dauernden Wirtschaftsjahres 2019/20 festsetzen, damit eine ausreichende Versorgung des Inlandsbedarfs gewährleistet bleibe. Das wurde am Montag aus dem Agrarressort bekannt. Ausgehend von einer Gesamtproduktion von 121 Mio. t Getreide errechnet das Ministerium ein Exportpotenzial von 45 Mio. t, wovon im ersten Halbjahr 2019/20 schon 25 Mio. t ausgeführt worden seien. Somit sieht ein entsprechender Dekretsentwurf eine Quote von 20 Mio. t für Ausfuhren bis zur Jahresmitte 2020 vor. Ob diese Maßnahme mit den Regeln der WTO kompatibel ist, wird bezweifelt. Diese Exportbremse und Ausfälle bei anderen wichtigen Weltmarktlieferanten wie Australien eröffnen nun dem Mitbewerb wie der EU zusätzliche Marktsegmente.

Exportprognose der EU erhöht - Streiks in Frankreich Preistreiber und Risikofaktor

Die französische Analyse Strategie Grains setzte erst am Donnerstag die Schätzung der Weizenexporte der EU für 2019/20 von 28,7 Mio. t in der Dezember-Prognose auf 30,5 Mio. t hinauf. Obendrauf sagt sie der Union 2020 mit 139,8 Mio. t eine um 4% kleinere Weizenernte als 2019 (145,8 Mio. t) voraus. Laut von Reuters zitierten Umfragen sei im regengeplagten Frankreich - der größte Getreideproduzent in der EU - der Anbau von Winterweizen zur Ernte 2020 gegenüber dem Vorjahr um 10% zurückgegangen und auf dem kleinsten Stand seit 19 Jahren.

Die Ausfuhren der EU halten weiterhin schwunghaft an, wegen technischer Probleme konnte aber die EU-Kommission seit Weihnachten keine frischen Exportzahlen zur Verfügung stellen. Auch in den USA kommen die Ausfuhren in Schwung. Das USDA meldete für die Berichtswoche bis 9. Jänner 650.600 t Weizenverkäufe, was den Schnitt der vergangenen vier Wochen um 32% übertrifft.

Ein Preistreiber und Sorgenkind zugleich bleiben in der EU die Eisenbahner- und auch Hafenarbeiterstreiks in Frankreich. Noch steht ausreichend Getreide in den Exporthäfen zur Verfügung, allerdings hat sich die Logistik verteuert und steigen wegen reger Nachfrage die Produktpreise. Sollten die Streiks allerdings noch länger anhalten, droht Ware in den Häfen auszugehen. Es heißt jetzt schon, dass Geschäfte mit dem für Frankreich typischen schwächeren Mahlweizen von 10 bis 11% Protein zunehmend von anderen Ländern wie Deutschland bedient würden. Zudem laufen in Deutschland laut Agenturberichten laufend Exportverladungen von Weizen mit 12,5% Protein für Länder wie den Iran.

Die Exportpreise stiegen zuletzt weiter. Der Vergleich der EU-Kommission von Exportpreisen auf fob-Basis zum Stichtag 15. Jänner bei einem Kurs des Euro von 1,1301 USD sieht bei den fob-Preisen Weizen aus der EU mit umgerechnet 225 USD/t (+7 USD zum 8. Jänner) gleichauf mit dem aus der Schwarzmeerregion (+4 USD zum 8. Jänner) und ganz deutlich vor Soft Red Winter aus den USA (258 USD/t, +7 USD zum 8. Jänner).

Ein ähnliches Bild zeigte die am Dienstag geschlossene jüngste Weizenausschreibung Ägyptens: Das billigste aus Russland stammende Angebot machte auf fob-Basis 235,30 USD/t (210,67 Euro) aus. Es heißt dazu, die Preise c&f seien letztlich gegenüber dem Tender in der Woche zuvor neuerlich um etwa 4 USD/t gestiegen, nachdem sie da schon um etwa diesen Betrag höher waren als gegen Jahresende 2019. Französischer Weizen war fob nur unmerklich teurer als der russische offeriert, hat aber höhere Transportkosten. Diese Woche war auch die Türkei mit einem Weizentender über rund 500.000 t am Markt.

Inländischer Kassamarkt in die Gänge gekommen

Der österreichische Kassamarkt für Getreide ist wieder in die Gänge gekommen. Wie es rund um die Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche aus Händlerkreisen hieß, liefen zufriedenstellende Abschlüsse über Aufmischweizen nach Italien. Diesmal befestigten sich Notierungen von Qualitätsweizen (178 bis 186 Euro/t, +2,50 Euro) und auch Mahlroggen (155 bis 156 Euro/t, +0,50 Euro), wobei der inländische Qualitätsweizen ab Station einen deutlichen Bonus im Vergleich zu CPT notierter (inklusive Fracht zum Zielort) Importware aus dem EU-Raum (181 Euro/t) lukrieren kann. Auch Durum fand wieder auf das Kursblatt. Er verfehlte knapp das Niveau von zuletzt Mitte Dezember und liegt mit 240 Euro/t knapper beim Preisniveau von Einfuhren aus der EU (255 Euro/t) in die Steiermark als der Weichweizen.

Mit Interesse und einer Portion Optimismus blickt die Branche auf den Verlauf der zweiten Saisonhälfte. Dieser stützt sich auf die Befestigung der internationalen Preise und Terminmarktnotierungen von Weizen und auch Raps, die auch über die Absicherung von Preisen für die kommende Ernte 2020 nachdenken lassen sollten.

Obwohl nicht notiert, war auch von einer Befestigung der Futtergerstenpreise zu hören, wobei höhere Futtergetreidepreise als bemerkenswert im Vergleich zu den schwächelnden Maispreisen kommentiert werden. Es scheine aber noch immer jede Menge Mais aus dem Osten verfügbar zu sein.

Etwas angezogen gegenüber dem Jahresbeginn haben die Notierungen für Soja-, Raps- und Sonnenblumenschrote. (Schluss) pos

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