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13.01.2021

Russische Exportbremse und USDA-Report befeuern Getreidebörsen

Heimische Marktpreise hinken trotz stabiler Absatzschätzung der AMA stark nach

Wien, 13. Jänner 2021 (aiz.info). - Das USDA senkt im Jänner-WASDE die Schätzung der weltweiten Endlager nach der Saison 2020/21 von Weizen, Mais, Getreide insgesamt und Ölsaaten gegenüber dem Vormonat nochmals kleiner ein. Beim Getreide insgesamt, dem Mais und bei den Ölsaaten wie auch Sojabohnen schmelzen die Endbestände ab, lediglich die Weizenlager schwellen weiter an, aber das spürbar schwächer als in der Dezember-Prognose. Die internationalen Terminbörsen reagierten darauf - auch in Verbindung mit Überlegungen Russlands, die ab Mitte Februar in Kraft tretende Weizenexportsteuer von 25 Euro/t wegen der international und am Heimmarkt hohen Preise auf 50 Euro/t verdoppeln zu wollen - mit einem neuerlichen Kursfeuerwerk.

Heimische Marktpreise hinken trotz stabiler Absatzschätzung der AMA stark nach

Damit vergrößerte sich etwa der Abstand zu dem an der Wiener Produktenbörse zuletzt vor Weihnachten ebenfalls ab Station Großhandel mit 187 Euro/t notierten heimischen Qualitätsweizen auf unglaubliche 44,25 Euro/t, obwohl dieser in einem deutlich höheren Qualitätssegment angesiedelt ist als der in Paris notierte Weizen. Brancheninsider meinen, da werde es schon wirtschaftlich, sollte sich Weizen am Inlandsmarkt tatsächlich so schwer absetzen lassen, in den Drittlandexport einzusteigen. Denn um die Preisdifferenz zwischen Kassamarkt hierzulande und Euronext-Notierungen, die den EU-Exportpreisen entsprechen, seien schon die Transportkosten nach Triest und das Fobing gedeckt. Ob das extrem starke Nachhinken der Kassamarktpreise in Österreich nur mit von der Corona-Krise bedingten vermeintlichen Absatzschwierigkeiten erklärbar ist, scheint auch immer fraglicher.

Denn die von der AMA im Dezember veröffentlichten jüngsten Getreidebilanzen für Österreich weisen mit 556.000 t einen gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019/20 unveränderten Inlandsverbrauch von Weichweizen für die menschliche Ernährung aus, ebenso eine unveränderte Verarbeitung von 343.000 t zu Bioethanol. Die industrielle Verwertung von Weizen - etwa zu Stärke - soll laut AMA zum Vorjahr sogar um 101.000 t auf 400.000 t zunehmen. Während die AMA-Bilanz Ausfuhren in andere EU-Länder wie den Hauptmarkt Italien mit 662.000 t und in Drittländer mit 47.000 t ebenfalls gleich hoch ansetzt wie im vorangegangenen Wirtschaftsjahr, senkt sie die Einfuhren aus dem EU-Raum gegenüber 2019/20 um 28.000 t auf 1,088 Mio. t. Damit ergibt sich in der Bilanz trotz der 2020/21 mit 1,592 Mio. t um 78.000 t gegenüber 2019 größeren Ernte des vorigen Sommers ein lediglich um 13.000 t wachsender Endlagerstand von 300.000 t oder nicht allzu üppigen 15,5% des Inlandsverbrauchs.

Zum Vergleich: Weltweit betragen - als sogenannte Ratio stock to use - die Weizenendlager 41,23% des Verbrauchs. Und obwohl bisher auf den Märkten Werte der Ratio stock to use unter 20% als preistreibend und solche über 20% als preisdrückend gegolten haben, gehen die Weltmarktpreise durch die Decke und bleiben sie hierzulande extrem zurück.

China hält Hälfte der Weizenreserven - Enge EU-Bilanz

Die Aussichten für den globalen Weizenmarkt sind von gegenüber dem Vormonat kleinerem Angebot, erhöhtem Verbrauch, stärkeren Exporten und kleineren Endlagern geprägt. „Die vorhergesagten weltweiten Endlager werden um 3,3 Mio. t nach unten auf 313,2 Mio. t revidiert, bleiben aber auf einem Rekordhoch, wobei China und Indien davon 51 respektive 10% halten“, vermerkt das USDA zum Weizenweltmarkt.

Denn während sich in diesen Regionen die Lager anhäufen, schmelzen sie etwa in der ohnehin schon eng versorgten EU neuerlich und noch stärker als bisher angenommen ab. Damit erreicht der Endlagerstand von Weizen in der Union (noch einschließlich Vereinigtes Königreich berechnet) zum Ende von 2020/21 mit 11,10 Mio. t gerade einmal 9,37% des Verbrauchs, während es weltweit großzügige 41,23% sind. Die neuerlich um 0,5 Mio. t reduzierte Endlagerprognose für die Union begründet der WASDE-Bericht unter anderem damit, dass infolge der Exportrestriktionen in Russland die Weizenausfuhren aus der Union mit 26,5 Mio. t um ebenso 0,5 Mio. t höher geschätzt werden.

Weltweit setzt das US-Ministerium das Weizenangebot um 1,6 Mio. t kleiner an als vor Monatsfrist. Reduzierte Ernteerwartungen in China und Argentinien wiegen die höhere Schätzung der Rekordernte Russlands mehr als auf. Gleichzeitig erhöht es seine Annahme des globalen Weizenkonsums um 1,8 Mio. t, weil China und die USA mehr verbrauchen sollen als bisher geglaubt. So sagt der Report etwa einen Anstieg der Weizenverfütterung im Reich der Mitte zum Vorjahr um 32% voraus, unter anderem auch wegen der hohen Maispreise in China.

Weniger Maisangebot und Verbrauch - EU muss weniger importieren

Die Maisprognose des USDA spricht gegenüber dem Dezember von verringerten Schätzungen von Ernte und Verbrauch sowie Exporten und Endlagern in den USA wie ebenfalls kleineren Ernten in Argentinien und Brasilien. Damit scheint das globale Maisangebot um gut 10 Mio. t kleiner auf als vor Monatsfrist und der Verbrauch um knapp 5 Mio. t, woraus in der Bilanz eine um gut 5 Mio. t reduzierte Endlagerprognose mit einem Bestandsabbau um gut 19 Mio. t auf 24,62% des Verbrauchs folgt. Von diesen weltweiten Maisreserven hortet China 67,5% und damit einen noch größeren Anteil als an Weizen. Auch für die EU (EU-27 plus UK) reduziert das USDA die Erwartung des Maisverbrauchs zum Dezember um 0,9 Mio. t auf 79,5 Mio. t, woraus sich bei einer nahezu unveränderten Ernteschätzung von 63,6 Mio. t der Importbedarf zur Deckung des Bedarfs um 1 Mio. t auf 18 Mio. t verringert.

Sojalager schrumpfen deutlich - Chinas Hunger wächst weiter

Die Ölsaatenmärkte sind ebenfalls von abschmelzenden Endlagern bestimmt, wozu mit einem Bestandsabbau um 11 Mio. t vor allem Sojabohnen beitragen. Denn obwohl sich die Sojaernte der Welt 2020/21 um 7,6% erholen soll, wächst das Angebot nach der vorjährigen Lagerräumung nur um 1,8%, der Verbrauch aber um 4,3%. Dabei stockt China seine Sojalager sogar auf, während sie in Argentinien und den USA jedoch stärker schwinden.

Größter Sojaimporteur und Kunde der drei wichtigsten Exporteure Brasilien (85 Mio. t Bohnenexport), USA (61 Mio. t) und Argentinien (7 Mio. t) bleibt China mit 100 Mio. t (+1,47 Mio. t oder +1,49% zu 2019/20). Die Chinesen kaufen damit 27,7% der weltweiten Sojaerzeugung von 361 Mio. t auf, die Einfuhren der EU einschließlich des Vereinigten Königreichs als zweitgrößter Sojaimporteur nehmen sich dagegen mit 15,4 Mio. t nahezu bescheiden aus. (Schluss) pos - APA OTS 2020-01-13/14:27