Sie sind noch nicht eingeloggt:
01.07.2022

Rauch und Totschnig: Bis 2039 Aus für Vollspaltenbuchten in der Schweinehaltung

Umfassendes Paket verhandelt - Neue Methode für Betäubung bei Ferkelkastration erlaubt

Wien, 1. Juli 2022 (aiz.info). - Die Bundesregierung hat sich auf das endgültige Aus von Vollspaltenbuchten in der Schweinehaltung geeinigt, so der für Tierschutz zuständige Minister Johannes Rauch und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Demnach ist nun das Enddatum für die Nutzung von Schweineställen mit unstrukturierten Vollspaltenbuchten fixiert: Bestehende Ställe müssen bis Ende 2039 umgebaut sein. Bei Neu- und Umbauten sind Vollspaltenbuchten ohne Funktionsbereiche bereits ab dem kommenden Jahr verboten. Verbesserungen gibt es auch bei der Kastration von Ferkeln. Die gesetzlichen Grundlagen sollen noch im Juli 2022 im Parlament beschlossen werden.

Rauch: "Jetzt ist es fix: Vollspaltenbuchten haben ein Ende. Das ist ein großer Erfolg für den Tierschutz und läutet eine echte Wende in der Schweinehaltung ein. Unsere Maßnahmen bringen schon in den kommenden Jahren Verbesserungen für Millionen Schweine, gleichzeitig wird den Betrieben die Umstellung erleichtert. Das große Tierschutz-Paket bringt ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern, ein Verbot des sinnlosen Tötens von Küken, Einschränkungen bei den Tiertransporten und viele weitere Verbesserungen. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Tierwohl in Österreich."

Totschnig: "Tierwohl ist uns allen wichtig - genauso wie die verlässliche Versorgung mit heimischen Lebensmitteln. Das Tierwohl-Paket der Bundesregierung wurde daher lange, intensiv und in Abstimmung mit den betroffenen Brachen verhandelt. Damit wird es sowohl den Interessen des Tierschutzes, der Bäuerinnen und Bauern als auch der Verbraucherinnen und Verbraucher gerecht. Gerade in Zeiten der Teuerung müssen Schritte der Weiterentwicklung behutsam gesetzt werden, um heimische Produktionsketten nicht zu gefährden und keinen weiteren Teuerungsschub auszulösen. Auch wenn einzelne Punkte des Pakets durchaus fordernd sind, wird damit den tierhaltenden Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit für die Ausrichtung der Betriebe gegeben. So ist es erstmals gelungen, einen Investitionsschutz für bestehende Systeme im Tierschutzgesetz zu verankern. Mit dem Ausstieg aus dem Vollspaltenboden gehen wir auf die gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen für mehr Tierwohl und Qualität ein, geben unseren Bäuerinnen und Bauern Perspektive und sichern gleichzeitig die Lebensmittelversorgung. Ich appelliere an die Bevölkerung, zu heimischem Fleisch zu greifen. Wer keinen Vollspaltenboden will, entscheidet sich künftig für das Schnitzel vom österreichischen Schwein."

Verhandlungen führten zu umfassendem Tierwohl-Paket 

Aufbauend auf konkrete Vorhaben zu Tierschutz, Tierhaltung und Tiertransporten im Regierungsprogramm 2020 bis 2024 und den parlamentarischen Entschließungsantrag vom Dezember 2021 wurde Anfang Mai ein umfassendes Tierwohl-Paket in Begutachtung geschickt. Es sieht unter anderem ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern, ein Verbot des sinnlosen Tötens von Küken sowie Einschränkungen bei den Tiertransporten vor. Unter Einbeziehung der Öffentlichkeit, der bäuerlichen Interessenvertretung, von Branchenvertretern, Vertretern der Zivilgesellschaft und weiteren Stakeholdern wurde nun ein Tierwohl-Paket ausverhandelt, das nächste Woche im Parlament beschlossen wird.

Laut Rauch und Totschnig umfasst dieses Paket eine Weiterentwicklung der Standards für Tierwohl bei der Haltung von Schweinen sowie bei der Ferkelkastration.

Gesetzliches Verbot für Vollspaltenbuchten bei der Schweinehaltung

Das endgültige Aus von Vollspaltenbuchten erfolgt Ende 2039. Bis dahin müssen bestehende Ställe auf eine neue Haltungsform umgebaut werden. Ab 2023 wird es ein gesetzliches Verbot für den Neu- und Umbau von Ställen mit herkömmlichen Vollspaltenbuchten geben. Ab dann gilt bereits konkret: bis zu 20% mehr Platz, verpflichtende Klimatisierung, mehr Beschäftigungsmaterial und sogenannte "strukturierte Buchten" - also eigene Liege-, Aktivitäts- und Kotbereiche mit angepasster Temperaturregelung.

Bis 2026 werden Vorschläge für einen neuen gesetzlichen Mindeststandard in der Schweinehaltung erarbeitet. Dieser wird nach einer fachlichen Begutachtung und politischer Diskussion festgesetzt und ist anschließend für weitere Neu- und Umbauten sowie ab 2040 auch für bestehende Ställe verbindlich. Die Erarbeitung dieses Mindeststandards erfolgt im Rahmen des Forschungsprojekts IBest+, in das Tierschutzorganisationen, Wissenschafter/-innen und schweinehaltende Betriebe eingebunden werden.

Parallel wird das AMA-Gütesiegel ausgebaut, um möglichst viele Betriebe zu besseren Tierwohlstandards zu bewegen. Über 1 Mio. Schweine sollen so bereits bis 2030 bessere Haltungsbedingungen erhalten. Fleisch von Schweinen, die auf Vollspaltenbuchten gehalten werden, verschwindet aus den Küchen und Kantinen von Behörden, Schulen, Polizeistationen und anderen Bundeseinrichtungen. Stattdessen muss auf Fleisch aus Haltungen mit mindestens 60% mehr Platz und eingestreutem Liegebereich umgestellt werden.

Verbesserung bei der Ferkelkastration

Die Betäubung von Ferkeln vor der Kastration wird für die Betriebe deutlich erleichtert. Eine Novellierung der Tierhaltungsverordnung soll die Verwendung eines Narkosegases ermöglichten. Sie ist nach entsprechender Ausbildung für die Anwendung durch die Tierhalter/-innen geeignet. Das verhindert sinnloses Tierleid, das von zahllosen Organisationen seit Jahren kritisiert wurde. (Schluss)
  • Unser Lagerhaus © Archiv