Sie sind noch nicht eingeloggt:
21.04.2017

Präsidentenwahl in Frankreich: Landwirte neigen zu konservativem Francois Fillon

Kandidaten versprechen Rezepte gegen die Krise

Paris, 21. April 2017 (aiz.info). - In der französischen Präsidentschaftswahl sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Gleich vier Kandidaten liegen in Wählerumfragen nahe beieinander. Mehr oder weniger betonen alle Anwärter auf das Präsidentenamt, in dem von nationalen Tönen geprägten Wahlkampf, der französische Agrarsektor müsse verlorenes Terrain wieder gut machen. Die versprochenen Rezepte gegen die Krise sind unterschiedlich, aber die Landwirtschaft hat bei allen Bewerbern eine Bedeutung bei der Suche nach nationaler Identität. Und neue Ausgleichszahlungen für die Betriebe haben die Kandidaten auch anzubieten.

Selbst der liberale Emmanuel Macron spricht vom besonderen Agrarsektor, der mehr Schutz und Begleitung als andere Wirtschaftssektoren brauche. Aber mehr Stimmen unter den Landwirten bringt das dem Kandidaten mit den bisher besten Aussichten auf das Präsidentenamt kaum. Der Eliteschüler und ehemalige Wirtschaftsminister Macron wird von der ländlichen Wählerschaft eingeordnet, dem man das Herz für die Landwirtschaft nicht ohne weiteres abnimmt. Laut Umfragen liegt der parteilose Macron vor der ersten Wahlrunde am 23. April 2017 zusammen mit der rechtsnationalen Kandidatin Marine Le Pen mit jeweils 22% an der Spitze, dicht gefolgt vom konservativen Francois Fillon mit 21% und dem linken Jean-Luc Mélenchon mit 18%.

Landwirte in Frankreich über Agrarpolitik enttäuscht

Viele französische Landwirte sind von der nationalen und der europäischen Agrarpolitik enttäuscht. Sie stecken im Gegensatz zu ihren Kollegen in anderen EU-Mitgliedstaaten immer noch tief in der Krise. Zunehmende Importe werden als unfaires Dumping wahrgenommen und die Hilfe vom Staat soll über eigene Strukturschwächen hinweghelfen. Französische Landwirte drücken ihre Forderungen zuweilen eindeutig aus und sind für ihren Hang zum Krawall bekannt. Wiederholt stoppten und entluden sie Lkws an den Grenzen. Bei den Präsidentschaftswahlen wollen viele von ihnen den etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen.

Zunächst war in Umfragen die Zustimmung zu Marine Le Pen unter den Landwirten größer als in anderen Bevölkerungsgruppen. Doch kurz vor dem Wahltermin rücken mehr und mehr Bauern von Le Pen ab und wenden sich dem konservativen Kandidaten Fillon zu. Der Anwärter auf das Präsidentenamt, der das katholisch konservative Establishment in Frankreich verkörpert, lehnt eine Rückkehr der Landwirtschaft ins 19. Jahrhundert ab. Er will die Versorgung mit ausreichendem Pflanzenschutz sicherstellen und wettbewerbsfähige Betriebe fördern. Fillon verbreitet Sicherheit im Gegensatz zu Le Pen. Schließlich fragen sich die Landwirte, ob sie mit der von Le Pen angestrebten Verlagerung der Agrarpolitik von Brüssel nach Paris wirklich besser dastehen werden.

Nach der jüngsten Umfrage des online-Nachrichtendienstes Terre-net wollen 41% der Landwirte für Fillon stimmen. 20% von ihnen neigen zu Le Pen, wohingegen der als nächster Präsident gehandelte Macron nur von 14,5% unterstützt wird. (Schluss) mö

  • Unser Lagerhaus © Archiv