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14.03.2019

Platter: Tirol schafft Rechtssicherheit für seine Almbauern

Versicherungsschutz ab April - Gesetzesänderung und Info-Kampagne auf Schiene

Innsbruck, 14. März 2019 (aiz.info). - Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und LH-Stellvertreter Josef Geisler präsentierten heute gemeinsam mit Landwirtschaftskammer(LK)-Präsident Josef Hechenberger Maßnahmen für ein gutes Miteinander im Almgebiet: "Wir erweitern den Versicherungsschutz für Landwirtinnen und Landwirte mit Weidevieh und verankern die Eigenverantwortung von Personen, die in Almgebieten unterwegs sind, im Tiroler Almschutzgesetz. Damit schaffen wir Rechtssicherheit für die heimischen Bauern, denn das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Almsaison gesichert wird und unsere Almen für Einheimische und Gäste offen bleiben", betonten Platter und Geisler. Mit über 2.000 bewirtschafteten Almen, 9.500 auftreibenden bäuerlichen Betrieben und 110.000 gealpten Rindern ist Tirol das Almenland Österreichs.

Tiroler Wegeversicherung für Landwirte mit Weidevieh

Die Erweiterung des Versicherungsschutzes basiert auf dem Tiroler "Mountainbike-Modell" - eine Haftplicht- und Rechtsschutzversicherung des Landes, mit welcher Wegehalter, Grundeigentümer und Bewirtschafter im Schadensfall bei Unfällen mit Mountainbikern geschützt sind. Hier erfolgt nun eine Erweiterung um das Haftungsrisiko von Landwirten beziehungsweise Bewirtschaftern des Waldes oder der Alm im Zusammenhang mit der Tierhalterpflicht und Weidetieren. Der Versicherungsschutz tritt mit April 2019 in Kraft, die Kosten werden zur Gänze vom Land Tirol getragen: "Mit der Tiroler Wegeversicherung herrscht Rechtssicherheit. Damit ist bereits für den heurigen Almsommer gewährleistet, dass die Bauernschaft umfassend und bestmöglich bei Vorfällen mit Weidevieh abgesichert ist", so Platter. "Keiner will Almwirtschaft betreiben und gleichzeitig dem Risiko ausgesetzt sein, sein Hab und Gut zu verlieren", begrüßte Hechenberger die nun gesetzten Maßnahmen.

Verhaltenspflichten im Almschutzgesetz

Auch das Tiroler Almschutzgesetz wird um einen Paragraphen zu Verhaltenspflichten auf Almen ergänzt. "Im Wege einer Verordnung können wir dann die Verhaltenspflichten in Übereinstimmung mit dem Bund verbindlich regeln", führte Geisler aus. Künftig ist klar geregelt, dass der Almbetrieb nicht beeinträchtigt und das Weidevieh nicht gestört werden soll. Dies bezieht die eigenverantwortliche Abstandseinhaltung und verantwortungsbewusste Haltung von mitgeführten Tieren mit ein. Zudem müssen Weideflächen entsprechend gekennzeichnet werden - insbesondere, wenn dort Mutterkühe mit Kälbern weiden. Die Beschlussfassung des novellierten Tiroler Almschutzgesetzes ist für den Mai-Landtag vorgesehen.

Bewusstseinskampagne ab Frühsommer 2019

"Die Almen haben mit 163.000 ha einen Anteil von 13% an der Tiroler Landesfläche. Auch daran lässt sich ihre Bedeutung für eine leistungsfähige Almbewirtschaftung einerseits und für die Alm als Natur- und Erholungsraum andererseits ermessen", unterstrich Platter. Er will ein gutes Miteinander auf den Almen auch durch Bewusstseinsbildung gefördert wissen. Dazu soll es im Frühsommer 2019 eine breit ausgelegte, mehrsprachige Informationskampagne geben, mit welcher auf verschiedenen Kommunikationskanälen auf das richtige Verhalten auf Almen - vor allem im Hinblick auf Mutterkuhherden - aufmerksam gemacht wird. LK-Präsident Hechenberger ist überzeugt davon, dass Prävention und Information entscheidend sind: "Das Verständnis, wie man sich in der Natur bewegt, wie man Tieren begegnet, ist schwindend - hier müssen wir jedenfalls aufklären."

"Gemeinsam mit der Lebensraum Tirol 4.0. Holding, der Landwirtschaftskammer, dem Alpenverein, dem Bauernbund und der Tirol Werbung wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Miteinander auf Almen weiter gewährleistet werden kann und soll", verwies der Landeshauptmann auch darauf, dass Tirol unter dem Titel "Eine Alm ist kein Streichelzoo" bereits in den vergangenen Jahren intensive Aufklärungsarbeit leistete und eine Vorreiterrolle in Österreich einnahm.

Hintergrund der heute vorgestellten Maßnahmen ist das erstinstanzliche Urteil gegen einen Tiroler Landwirt nach einer Kuh-Attacke mit tragischem Ausgang (aiz.info berichtete). Die Bundesregierung präsentierte dazu Anfang dieser Woche einen "Aktionsplan für sichere Almen". Neben einem Verhaltenskodex für Wanderer und Touristen sowie einem Ratgeber für die Alm- und Weidewirtschaft sieht der Aktionsplan auch eine Änderung im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) und eine Vereinheitlichung von zielgerichteten Versicherungslösungen vor. (Schluss)

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