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31.07.2020

Oberösterreich berichtet von respektabler Getreideernte 2020

Gute Erträge und Qualitäten - Flächenplus bei Ölkürbis und Zuckerrübe

Linz, 31. Juli 2020 (aiz.info). In der Pflanzenproduktion in Oberösterreich war heuer nicht die Dürre das Thema, wenn es um Schäden in der Landwirtschaft geht, sondern Frost und Hagel. "Das gesamte Schadensausmaß in Oberösterreich wird bis dato auf zirka 15 Mio. Euro geschätzt. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Frostschäden, vorwiegend im Obstbau. Hagel hat zirka 5 Mio. Euro Schaden verursacht", berichtete heute Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

In der Anbaufläche der wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturarten gab es heuer in Oberösterreich wenig Bewegung. "Die Flächen sind relativ stabil. Der Rückgang von Sommergetreide - vorwiegend Hafer und Sommergerste - setzte sich fort. Die Flächenreduktion bei Raps war zu erwarten und die Sojabohne ist stabil, stagnierte zuletzt aber auch. Körnerleguminosen wie Ackerbohne und Körnererbse sind nahezu bedeutungslos. Dies ist vor allem dem unbefriedigenden Sortenmaterial geschuldet", subsumierte Christian Krumphuber, Pflanzenbaudirektor der LK OÖ. Stark zugelegt hat 2020 der Ölkürbis mit 1.600 ha und entgegen dem Bundestrend, konnte in Oberösterreich auch die Zuckerrübenfläche erhöht werden.

Wintergerste mit stabilen Erträgen

Als sehr ertragsstabil hat sich in der Saison 2019/20 wiederum Wintergerste gezeigt. Im Landesschnitt ist mit 7,8 t/ha Ertrag zu rechnen. Die Qualitäten waren überwiegend gut. Teilweise waren die Hektolitergewichte mit unter 60 kg etwas schwächer. Wintergerste ist flächenmäßig in Oberösterreich die zweitwichtigste Getreidekultur. Bedarf besteht überwiegend in der Fütterung, zunehmend wird diese Kultur aber auch zum Bierbrauen anstatt Sommergerste verwendet.

Weizen brachte im Landesschnitt sehr respektable Erträge von 7,6 t/ha. Die Hektolitergewichte sind überwiegend sehr gut, die Proteingehalte ertragsbedingt etwas knapp. Das Erntewetter war hier heuer sehr viel instabiler als in den Vorjahren und damit auch der Erntestress größer.

Rapserträge haben positiv überrascht

Bei Raps haben die Erträge in Oberösterreich mit 3,5 bis 4,5 t/ha positiv überrascht. Nachdem die Preise gegenüber dem Vorjahr etwas angestiegen sind und die Firma VOG als Betreiber der Ölmühle in Aschach zusätzliche Kontraktfläche sucht, erwartet Krumphuber eine optimistischere Stimmung für diese Kulturart. Die Bestände von Mais und Sojabohne zeigen sich momentan sehr gut, weshalb aus heutiger Sicht eine gute Ernte erwartet wird.

Zuckerrübenfläche ausgeweitet

Entgegen dem Bundestrend, konnte in Oberösterreich die Zuckerrübenfläche 2020 erhöht und auch gehalten werden. Im Durchschnitt der Jahre wurden sehr stabile Erträge (durchschnittlich zirka 85 t/ha) eingefahren und die Anbaufläche aufgrund eines attraktiven Mindestpreises um knapp 900 ha auf mehr als 6.200 ha gesteigert. Insgesamt präsentieren sich die Zuckerrüben laut Krumphuber aktuell in einem "exzellenten" Zustand, der aus heutiger Sicht mit rund 90 t/ha eine überdurchschnittliche Ernte erwartet. Dem Experten zufolge dürfte Oberösterreich 30% der heimischen Rüben produzieren.

Bio-Ackerfläche legte um 1,6% zu

Die Bio-Ackerfläche ist in Oberösterreich im Vergleich zum Jahr 2019 um 1,6%, das heißt um 552 ha, gestiegen und liegt aktuell bei 35.790 ha. Hinsichtlich der einzelnen Kulturen im Bio-Bereich ist ein starker Rückgang bei den Sommerungen, hier vor allem bei der Sommerackerbohne, zu verzeichnen. "Obwohl sie als Eiweißkultur besonders im Bio-Bereich gefragt wäre, und die Vorfurchtwirkung der Ackerbohne außerordentlich gut ist, hat die Trockenheit, der teilweise sehr starke Befall mit Blattläusen und in weiterer Folge mit Nanoviren in den letzten Jahren zu starken Ernteausfällen geführt. Ein Anbaurückgang mit einem Minus von 13% im Jahr 2020 war die logische Folge", berichtete Helmut Feitzlmayr als zukünftiger LK OÖ-Pflanzenbaudirektor. Generell sind im Bio-Landbau die Sommerungen die Verlierer der Frühjahrstrockenheit der letzten Jahre. So ging die Anbaufläche von Bio-Sommergerste um 23% sowie jene von Bio-Hafer um 15% zurück.

Grünland erholte sich gut

Nach den Ende April einsetzenden Niederschlägen erholten sich die Grünlandbestände überraschend rasch und gut, sodass letztlich der erste Aufwuchs meist sehr zufriedenstellende Erträge mit guten Qualitäten brachte. Auch die Ergebnisse des zweiten und dritten Aufwuchses waren meist sehr gut. Aus Sicht der Experten können die Futtervorräte wieder aufgefüllt werden.

Große Obstbau-Krise

Der Obstbau ist im Jahr 2020 in Oberösterreich mit einer seiner größten Krisen der letzten Jahre konfrontiert. "Zum einen haben sieben Frostnächte im März und April große Schäden an der Obstblüte angerichtet, zum anderen führten die Corona-Maßnahmen zu Problemen beim Requirieren von den dringend benötigten Saisonarbeitskräften", berichtete Krumphuber.

Bei Erdbeeren lagen die Ernteausfälle in Oberösterreich durch Frostschäden bei zirka 20%, während Kirschen heuer zu 60% sowie Marillen ist zu 95% ausgefallen sind. Der Frost hat aber auch die Apfelblüte in allen Hauptanbaugebieten massiv getroffen und auf 330 ha von 450 ha mindestens 70% zerstört.

Der erwerbsmäßige landwirtschaftliche und gärtnerische Gemüseanbau wird in OÖ im Jahr 2020 unverändert zu 2019 von 160 Betrieben auf einer Gesamtanbaufläche von rund 1.800 ha (inkl. Mehrfachnutzung) betrieben. Kulturen, die in der Bedeutung (Essgewohnheit) flächenmäßig abnehmen, werden durch "neue" Kulturen oder durch die Ausdehnung von trendigen Kulturen kompensiert. Der Anteil der biologisch produzierten Fläche liegt hier bei fast 450 ha oder 25,5%. (Schluss)