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12.07.2019

Neue USDA-Weizenschätzung befeuert Börsenkurse

Preisbildung in Österreich angelaufen - Mykotoxin-Probleme in Mittel-Osteuropa

Wien, 12. Juli 2019 (aiz.info). - Das US-Landwirtschaftsministerium USDA überraschte am Donnerstag in seinem Juli-WASDE-Bericht mit einer deutlichen Senkung der Prognosen für die weltweite Ernte (-9,37 Mio. t) und das Angebot von Weizen (-10,79 Mio. t) 2019/20. Da der Verbrauch nicht so stark zurückgenommen wird, geht auch die Endlagerschätzung um 7,88 Mio. t zurück. Die Terminbörsen in Chicago (CBoT) und Paris (Euronext) reagierten darauf mit deutlichen Kursgewinnen. Der Mahlweizenfuture an der Euronext stieg bis am späten Freitagmittag für den Liefertermin September 2019 auf 177,25 Euro/t und für den Dezember auf 182 Euro/t, nachdem die Kurse zuvor auf ein mehrwöchiges Tief abgefallen waren. Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche erstmalig Weizen der Ernte 2019. Qualitätsweizen kam dabei auf 177 bis 180 Euro/t. Dies ist weniger als zuletzt für Ware alter Ernte, aber dennoch eine Prämie von 5 Euro/t auf die an diesem Tag fixierte Mahlweizennotierung an der Euronext zur Lieferung im September beziehungsweise ein Gleichstand zum Dezember-Liefertermin. Auch gegenüber Qualitätsweizeneinfuhren aus dem EU-Raum kann die inländische Ware einen Bonus verbuchen.

Allgemein wird heuer in Österreich mit einer stärkeren Differenzierung der Preise für die einzelnen Qualitätsstufen gerechnet, da im Vorjahr fast nur Premiumweizen eingefahren worden war und Qualitäts- und Mahlweizen kaum erhältlich und daher nahezu so teuer wie die Top-Qualität waren. Die Futtergetreidepreise seien, so Marktteilnehmer, wieder auf ein "Normalmaß" heruntergekommen. Gerste notiert vorige Woche in Wien mit 137 Euro/t. Durum-Notierungen von 223 Euro/t CPT Steiermark für Einfuhren aus der EU ließen heimische Produzenten auf Ab-Stationspreise von über 200 Euro/t hoffen. Erste, noch nicht notierte Premiumweizenabschlüsse sollen dem Vernehmen nach zu Preisen über 190 Euro/t ab Station getätigt worden sein.

Haupt-Weizenernte in Österreich angelaufen - Mykotoxin-Probleme in Mittel-Osteuropa

Die heimischen Marktteilnehmer bleiben noch in angespannter Erwartung, denn aus dem östlichen Mitteleuropa - von Rumänien, Südungarn bis nach Serbien und Kroatien - wird von massivem Mykotoxinbefall der Ernte berichtet. Österreich sei dagegen davon verschont geblieben.

Unter Bezug auf Händler spricht die Landwirtschaftskammer nach ersten Druschergebnissen im Osten Österreichs von einer Qualitätsverteilung mit 30% Premium-, 30% Qualitäts-, 40% Mahl- und Ethanolweizen. Landwirte sprächen von Weizenerträgen von 40 bis 60 dt/ha. Die Hektolitergewichte lägen über den geforderten 80 kg/hl. Die Körner seien aufgrund der Hitze während der Abreife jedoch deutlich kleiner als üblich. Mittlerweile ist die Haupternte angelaufen und je weiter sich die Mähdrescher nach Norden arbeiten, desto höher fielen die Anteile an Premiumweizen aus. Beim Raps erreichten die Erträge laut Kammer 20 bis 35 dt/ha und nur vereinzelt bis 40 dt/ha. Das sei insofern oft enttäuschend, weil die Bestände gut über den Winter gekommen seien und die Niederschläge im Mai eine sehr gute Rapsernte erwarten hätten lassen. Auch hier habe jedoch die Juni-Hitze für eine schlechtere Kornausbildung sowie niedrige Tausendkornmasse und Erträge gesorgt. Von oftmals extrem schlechten Siebungen mit zum Teil einstelligen Werten ist bei der Braugerste zu hören. Dieses Problem betreffe nicht nur Österreich, sondern auch nördliche Nachbarn wie Tschechien.

USDA: Hitze schmälerte Weizenangebot in Russland und in der EU

Die im WASDE-bericht des USDA prognostizierten Ernteeinbußen beim Weizen gehen vor allem auf das Konto der Hitzewelle und treffen wichtige Exporteure wie Russland (-3,8 Mio. t), die EU (-2,5 Mio. t), die Ukraine (-1 Mio. t), Australien (-1,5 Mio. t) und Kanada (-1 Mio. t). Die Exporterwartungen kürzt das USDA für Russland um 2,5 Mio. t, für Australien um 1 Mio. t und für die Ukraine um 0,5 Mio. t, wogegen die Ausfuhren der EU um 0,5 Mio. t und die der USA um 1,4 Mio. t höher als vor einem Monat ausfallen. Die weltweite Weizenernte steigt gegenüber dem Vorjahr jedoch noch immer um 5,5% und der Endlagerstand klettert mit 286,46 Mio. t auf eine Rekordhöhe. In der EU wachsen die Weizenendbestände um 1,8 Mio. t auf 11,61 Mio. t an, die Bilanz bleibt aber mit einem Anteil am Verbrauch von 9,1% (weltweit: 37,7%, USA: 84,5%) sehr eng.

Dagegen setzt der Report die globale Maiserzeugung um 5,95 Mio. t hinauf und kommt in der Bilanz nun auf einen um 5,03 Mio. t kleineren Lagerabbau von 29,83 Mio. t. Die globale Maisbilanz bleibt mit Ausnahme um 8,5 Mio. t nach oben revidierter Endlager in den USA (+4,95 Mio. t Ernteschätzung) ziemlich unverändert zum Vormonat. In der reduzierten Schätzung der globalen Ölsaaten- und insbesondere Sojabohnenproduktion schlagen sich vor allem Flächen- und Ertragsminderungen in den USA nach dem verregneten Frühjahr nieder. Entgegen den bisherigen Annahmen einer ziemlich ausgeglichenen Ölsaatenbilanz steht nunmehr auch ein Minus von 10,70 Mio. t vor den Endbeständen, da die Erzeugung um 11,70 Mio. t kleiner angesetzt wird.

Die den Schätzungen zugrundeliegenden Flächenangaben für die USA bei Sojabohnen und auch Mais gelten aber noch nicht als endgültig.

Strategie Grains revidiert EU-Weizenernte - Preise ohne Rückgangspotenzial

Ähnlich wie das USDA revidiert auch die französische Analyse Strategie Grains aufgrund der Juni-Hitzewelle die Weizenernte der EU um 2,3 Mio. t nach unten auf 140,6 Mio. t (2018: 127,1 Mio. t). Auch die Maisproduktion wird um 700.000 t auf 62,7 Mio. t zurückgenommen. Für beide sinkt auch die Endlagerprognose. Weizen gewinne 2019/20 auf Kosten von Mais an Attraktivität in der Tierfütterung und sei insbesondere bei Herkünften aus dem Baltikum international wettbewerbsfähig und nahe am russischen Preisniveau. Die französischen Experte sehen daher kein ausgeprägtes Rückgangspotenzial für die europäischen Weizenpreise. Sie dürften den Weltmarkttrends folgen. Stark im Rückgang seien jedoch die Maisimporte in die EU, da die Binnenmarktpreise die jüngste Befestigung der Weltmarktpreise nicht mitgemacht haben und Importe daher an Attraktivität verloren hätten. (Schluss) pos

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