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10.10.2019

NÖ Jagdverband: Landwirte für biodiversitätsfördernde Maßnahmen besser entlohnen

Gipfel zur Förderung des Niederwilds abgehalten

Wien, 10. Oktober 2019 (aiz.info). - Der NÖ Jagdverband machte die in Europa seit Jahrzehnten stark rückläufigen Bestände von Feldhase und Fasan sowie die verschwindend geringen Rebhuhnbestände beim heute restlos ausverkauften Niederwildgipfel am Campus Krems (NÖ) zum Thema. Experten aus Wissenschaft und Politik sowie Landwirte und Jäger diskutierten vor rund 400 Besuchern über zielgerichtete Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung der Niederwildbestände. Das Ergebnis ist ein Forderungskatalog (auf aiz.info als Download abrufbar), welcher der Europäischen Kommission, der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), dem österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, nachhaltigen und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) sowie darüber hinausgehenden Politikfeldern als Handlungsanstoß dienen soll.

"Die niedrigen Niederwildbesätze sind ein gesamteuropäisches Problem und bedürfen daher auch einer europäischen Lösung. Dabei sind es vor allem die fehlenden Lebensräume, die sich negativ auf die Besätze auswirken. Die Landwirtschaft ist der Hauptgestalter des Lebensraums, daher müssen gemeinsam Antworten gefunden werden", betonte Josef Pröll, Landesjägermeister von Niederösterreich und Gastgeber der Veranstaltung, der für einen Schulterschluss von Jägerschaft, Landwirtschaft und Agrarpolitik appellierte. Für Landwirte müsse es sich lohnen, biodiversitätsfördernde Maßnahmen umzusetzen. "Hier braucht es ganz klar eine Umstellung der GAP hin zur Förderung von Leistungen für die Biodiversität. Denn viele Wünsche der Jäger an Landwirte können diese gar nicht umsetzen, da es ihnen die Regularien von GAP und ÖPUL verbieten", so Pröll.

62% Streckenrückgang bei Feldhase

Laut dem NÖ Jagdverband sind in den vergangenen zehn Jahren in Niederösterreich die Strecken beim Feldhasen um 62% und beim Fasan um 75% zurückgegangen. Die Rebhuhnbestände liegen in dem Bundesland nahe der Nulllinie. "Das Rebhuhn ist ein Indikator, wie es um den Lebensraum der Tiere steht", betonte Pröll, der das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, wie etwa ausgeräumte Landschaften, eine unzureichende Insektenbiomasse, der Verlust von Lebensräumen durch Verbauung, zunehmende Freizeitaktivitäten im Wald, aber auch wärmere, feuchtere Winter, mit denen der Krankheitsdruck auf das Wild steigt, als Ursachen für die sinkenden Niederwildbestände nannte. Allerdings sieht er ebenso die Jäger in der Pflicht, weshalb der NÖ Jagdverband ab 2020 die Anschaffung von zwei Fallenmeldern pro Revier finanziell unterstützen will, um auch das Raubwild in Schach zu halten. Ungenügend Deckung sei eines der Hauptprobleme, weshalb Niederwild geschützten Greifvögeln und Raubwild vermehrt ausgeliefert sei.

Klarer Zusammenhang zwischen Niederwildbesatz und Brachverpflichtung

Pröll forderte beim Niederwildgipfel deshalb verstärkte biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die in der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik verankert werden sollen. Der NÖ Landesjägermeister zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen Niederwildbesatz und Brachverpflichtung auf. Seit Ende der Brachverpflichtung im Jahr 2007 seien die Strecken in Niederösterreich beim Feldhasen um 62% gesunken, stellte Pröll fest. Aktuell seien in Österreich konventionelle landwirtschaftliche Betriebe, die an der ÖPUL-Maßnahme "Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung (UBB)" teilnehmen, dazu verpflichtet, auf 5% ihres Ackerlandes Biodiversitätsflächen anzulegen. Die Hälfte davon könnte aber ohne zeitliche Beschränkung zu beliebigen Zeiten gemäht beziehungsweise gemulcht werden, was dem Niederwild nicht zugutekomme.

Pröll stellte klar, dass alle Landwirte, egal ob bio oder konventionell wirtschaftend, künftig für biodiversitätsfördernde Maßnahmen angemessen entlohnt werden müssten. "Wir müssen in den Geldtopf greifen. Die Landwirte, die heutzutage in vielen wirtschaftlichen Bereichen mit dem Rücken zur Wand stehen, sollen etwas dafür bekommen, wenn sie die Biodiversität fördern, und ich rede hier nicht von einem Paket für Niederösterreich", so Pröll.

Außerdem müssten Mahdzeitpunkte mit Blick auf das Niederwild neu definiert werden und Allianzen mit öffentlichen Einrichtungen, die etwa die Böschungen entlang von Straßen pflegen, geschmiedet werden. Weitere Ansatzpunkte sind eine Sensibilisierung der Bevölkerung für ein wildtierfreundliches und -schonendes Freizeitverhalten sowie die Renaturierung ungenutzter und versiegelter Flächen. Zudem soll ein Fördertopf für freiwillige Biodiversitätsmaßnahmen, die Landwirte gemeinsam mit den Jägern setzen, geöffnet werden. "Denn Niederwild gibt es nicht zum Nulltarif", brachte es Pröll abschließend auf den Punkt. (Schluss) hub

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