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16.09.2020

Moosbrugger: Gelebte Regionalität sichert Wertschöpfung und Arbeitsplätze

WIFO untersucht regionale Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln

Wien, 16. September 2020 (aiz.info). - "Die Corona-Krise hat eine starke Wiederbelebung der Regionalität gebracht, das gilt für den Sommertourismus ebenso wie für den Lebensmittelhandel. Frau und Herr Österreicher greifen heute verstärkt zu heimischen Lebensmitteln, weil sie wissen, dass sie sich auf unsere Bäuerinnen und Bauern verlassen können. Nun hat das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung in unserem Auftrag untersucht, ob und wie sich mehr Regionalität im Einkauf auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze auswirkt. Das Ergebnis beweist eindeutig, dass gelebte Regionalität nicht nur positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die vor- und nachgelagerte Wirtschaft hat, sondern auch der Landwirtschaft das Rückgrat stärkt." Dies stellte heute Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger im Rahmen der Präsentation der WIFO-Studie "Die Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich" fest.

WIFO-Studie: Die Ergebnisse

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat in einem ersten Schritt die gesamte Wertschöpfungskette von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich erstmals bis auf Bezirksebene erhoben. Demnach waren im Jahr 2018 mehr als 413.000 Personen in der Wertschöpfungskette beschäftigt und die Brutto-Wertschöpfung betrug 18 Mrd. Euro. Im Verhältnis zur Volkswirtschaft insgesamt betrug der Anteil der Beschäftigten 9,2% (davon 3 Prozentpunkte in der Landwirtschaft) und der Anteil der Wertschöpfung 5,2% (davon 0,9 Prozentpunkte der Landwirtschaft).

"In einem zweiten Schritt haben wir eine Modellanalyse durchgeführt", berichtete WIFO-Agrarexperte Franz Sinabell. Dabei wurde angenommen, dass die Importe von Agrargütern und Lebensmitteln um 1% reduziert werden und die entstehende Lücke durch heimische Produkte aufgefüllt wird. Daraus wurden dann die Folgewirkungen für die Landwirtschaft, die vor- und nachgelagerten Bereiche und schließlich für die Volkswirtschaft insgesamt berechnet.

Win-win-Situation für den Standort Österreich

Das Ergebnis: 1% mehr Nachfrage nach inländischen Agrarrohstoffen und Lebensmitteln entspricht der Produktion im Agrarsektor von 28 Mio. Euro und in der nachgelagerten Verarbeitung von 88 Mio. Euro, insgesamt also 116 Mio. Euro. Durch die Produktionsausweitung in der Landwirtschaft wächst in den vorgelagerten Branchen die Wertschöpfung um 70 Mio. Euro, wodurch 2.100 Beschäftigte ausgelastet sind. Verringert man auch die Importe von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 1%, ersetzt diese durch heimische Produkte und kombiniert das Ergebnis mit dem vorigen Szenario, so reagiert die Volkswirtschaft mit einer Steigerung der Wertschöpfung um 141 Mio. Euro, womit rund 3.100 Beschäftigte verbunden sind. "Vergleichbare Effekte sind auch zu erwarten, wenn stattdessen die Exportnachfrage steigt. Sinkt die Nachfrage nach Agrargütern um 1% und verwendet beziehungsweise konsumiert man stattdessen importierte Güter, so wirkt sich das spiegelbildlich negativ für die Volkswirtschaft aus", so Sinabell.

Die Beschäftigungseffekte durch den erhöhten Konsum regionaler Lebensmittel würden sich nicht auf die ländlichen Gebiete beschränken, sondern auch urbanen Räumen zugutekommen", gab der WIFO-Experte zu bedenken. "Wir können hier von einer Win-win-Situation sprechen, weil der gesamte Wirtschaftsstandort Österreich davon profitiert", stellte Moosbrugger fest.

Bauern brauchen faire Erzeugerpreise

"Unsere Lebensmittel haben einen hohen Wert, das erkennen wir ganz besonders in Krisenzeiten, wo sich die Bedeutung der Versorgungssicherheit auf drastische Weise zeigt. Leider haben diese Lebensmittel aber oft nur einen niedrigen Preis. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen bessere Erzeugerpreise für ihre hochwertigen Produkte und einen höheren Anteil an der Wertschöpfungskette. Um mehr am Markt zu erlösen, muss man der Landwirtschaft jedoch die Chance dazu geben und die Weichen auf EU-Ebene richtig stellen: So müssen für Übersee-Importe dieselben Regeln gelten wie für die EU-Bauern, und in der Gemeinsamen Agrarpolitik oder beim Green Deal brauchen wir praxistaugliche Regeln", verlangte Moosbrugger.

Mehr Wertschöpfung in bäuerliche Hände

"In Österreich müssen wir in optimal organisierten Branchen vermehrt auf Qualitätsprogramme, das AMA-Gütesiegel und Markenstrategien setzen, die einen Teil der Wertschöpfung wieder zurück in bäuerliche Hände bringen. Wir müssen die Direktvermarktung forcieren, Sektorstrategien entwickeln und in Branchenverbänden, etwa im Bereich Milch, unsere Kräfte bündeln", unterstrich Moosbrugger. "Die Konsumenten können aber nur dann bewusst die regionale Qualität wählen, wenn die Herkunft der Lebensmittel auch transparent und klar gekennzeichnet ist. Daher muss die im Regierungsprogramm verankerte Kennzeichnung von Lebensmitteln im Verarbeitungsbereich und in der Gemeinschaftsverpflegung rasch umgesetzt werden", forderte Moosbrugger.

Der LK-Präsident übte in diesem Zusammenhang auch Kritik an Bestrebungen auf EU-Ebene, den Bezeichnungsschutz für Milch aufzuweichen. "Es geht mir nicht darum, pflanzenbasierte Produkte zu verbieten oder schlechtzumachen. Es muss aber klar ersichtlich sein, dass diese etwas gänzlich anderes als Milchprodukte sind, weil ja völlig andere Inhaltsstoffe und Verarbeitungsschritte dahinterstehen. Die Konsumenten dürfen hier nicht getäuscht werden", so Moosbrugger.

Woche der Landwirtschaft im Zeichen der Regionalität

Auch die "Woche der Landwirtschaft 2020" soll im Zeichen der Regionalität stehen. Vom 28. September bis 3. Oktober werden in allen Bundesländern Aktionstage unter dem Motto "Das isst Österreich" veranstaltet, bei denen die Landwirtschaftskammern (Landjugend, Seminarbäuerinnen) vor Supermärkten über regionale Lebensmittel informieren. Über das detaillierte Programm wird die LK Österreich in den kommenden Tagen informieren.

Anmerkung: Auf der Homepage www.lko.at sind die Ergebnisse der WIFO-Studie auf einer Österreich-Karte dargestellt. Über eine interaktive Grafik lassen sich auch Auswertungen auf Länder- und Bezirksebene abrufen. (Schluss) kam - APA OTS 2020-09-16/11:38

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