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23.06.2022

Land&Forst Betriebe kritisieren EK-Entwürfe zu Wiederherstellung der Natur

Vorschlag der Kommission zu EU-Verordnung fährt an den wahren Problemen vorbei

Wien, 23. Juni 2022 (aiz.info). - Die Land&Forst Betriebe kritisieren die Entwürfe der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, die die EU-Kommission (EK) am Mittwoch vorgelegt hat. Die ehrgeizigen Wiederherstellungsziele ignorieren größtenteils wichtige Themen der Landnutzung, wie etwa die Versorgungssicherheit der Bevölkerung, die angesichts des Ukraine-Konflikts aktueller ist denn je, oder auch die dringend notwendige Umsetzung der Bioökonomiestrategie zur Eindämmung des Klimawandels. "Die Antwort auf klimatische Veränderungen und eine ungewisse Zukunft kann nicht sein, unreflektiert an der Vergangenheit festzuhalten. Stattdessen muss der Blick nach vorne gerichtet und müssen aktiv zukunftsorientierte Anpassungsmaßnahmen durchgeführt werden", so Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

"Denn gerade im Ökosystem Wald, wo die Folgen des Klimawandels bereits seit Längerem spürbar sind, kann eine Anpassung aufgrund der langen Wachstumszeiträume nur langsam vonstattengehen. Die Wiederherstellung vergangener Zustände wäre hier der vollkommen falsche Weg und eine Katastrophe." 

Von den Land&Forst Betrieben Österreich ergeht ein dringender Appell an die politischen Entscheidungsträger, diese Gesetzesmaterie im EU-Parlament und im Rat der EU noch in die richtige Richtung zu lenken und so zukunftsfitte Ökosysteme zu fördern, die den aktuellen Herausforderungen gewachsen sind.

Lokale Gegebenheiten und wichtige Ökosystemleistungen, wie etwa die Schutzfunktion des Waldes in manchen Regionen, wurden von der EU-Kommission bei der Erstellung der Zielsetzungen offensichtlich nicht in Betracht gezogen. Ebenso stellt die Verordnung einen Einschnitt in die Lebensgrundlage zahlreicher land- und forstwirtschaftlicher Betriebe dar, die die heimische Kulturlandschaft seit Generationen nachhaltig bewirtschaften. Darüber hinaus werden mit dem Entwurf, der eine Orientierung an den natürlichen Lebensräumen in den 1950er-Jahren vorsieht, natürliche Dynamiken und gesellschaftliche Entwicklungen vollkommen außer Acht gelassen.

"Tatsache ist, dass der vorgelegte Entwurf einen massiven Einschnitt in die Kompetenzen der EU-Mitgliedstaaten bedeutet und nicht mit dem Subsidiaritätsprinzip in Einklang zu bringen ist. Da es sich um eine EU-Verordnung handelt, die nicht mehr in nationalem Recht umzusetzen ist, wird den Mitgliedstaaten auch die Möglichkeit genommen, EU-weite Ziele an die Gegebenheiten in den einzelnen Regionen anzupassen. Gerade in der Forstwirtschaft sind Regelungen auf nationaler Ebene jedoch notwendig und sinnvoll, um der großen europäischen Diversität an Wäldern, Bewirtschaftungsarten und gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden", so Montecuccoli abschließend. (Schluss)