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16.05.2018

Land&Forst Betriebe: 2017 war mageres Jahr für die heimischen Forstbetriebe

Montecuccoli: CETA bringt zusätzliche Absatzmärkte

Wien, 16. Mai 2018 (aiz.info). - Während in Österreich 2017 für die holzverarbeitende Industrie gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorherrschten, blicken die heimischen Waldbesitzer auf ein "mageres bis schlechtes" Jahr 2017 - ausgelöst durch Klimawandel, Borkenkäfer- und Windwurfkalamitäten sowie in Folge Marktverwerfungen - zurück, präsentierte heute Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, die forstwirtschaftliche Jahresbilanz 2017. Dem heute im Nationalrat genehmigten Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada - CETA - steht der Präsident positiv gegenüber. "Wir brauchen Zugang zu Exportmärkten und Österreich kann hier seine Kompetenzen ausspielen", so Montecuccoli. "CETA gilt als Chance, über Absatzmärkte Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen. Was wir brauchen, sind faire Verhandlungen und eine ordentliche Einführungsphase", ergänzte Zeno Piatti-Fünfkirchen, Vizepräsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Tatsächlich hat die internationale Konjunktur 2017 den Export der Holzwirtschaft belebt. Dank der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konnten Säge-, Papier- und Plattenindustrie ihre Produktion auf einem stabilen Niveau halten oder weiterentwickeln. Dafür wurden 24 Mio. Festmeter (fm) Rundholz verarbeitet, 11,9 Mio. fm heimisches Holz. Der Schnittholzexport konnte damit auf 5,7 Mio. fm beziehungsweise um 5% ausgebaut werden. Fast die Hälfte der heimischen Nadelschnittholzexporte ging nach Italien (47,8%), gefolgt von Deutschland (17,5%). An Bedeutung gewinnt laut Montecuccoli der asiatische Markt (9,5%), während die Lieferungen in die USA auf niedrigem Niveau (0,8%) weiter abnehmen.

Borkenkäfer verursachte 2017 rund 50 Mio. Euro Schaden

2017 lag der gesamte Holzeinschlag in Österreich mit 17,65 Mio. fm 5% über der Menge des Jahres 2016, wobei die Schadholzmenge mit 6,48 Mio. fm außergewöhnlich hoch ausfiel, was Montecuccoli auf eine "noch nie dagewesene Menge an Borkenkäferholz in der Höhe von 3,3 Mio. fm" zurückführte. Experten der Land&Forst Betriebe beziffern den Schaden in der heimischen Forstwirtschaft durch den Borkenkäferbefall im Jahr 2017 auf rund 50 Mio. Euro.

Das hatte auch Auswirkungen auf die Preisentwicklung. So stagnierte der Jahresdurchschnittspreis für Nadelsägerundholz im Vergleich zu 2016 auf einem Niveau von rund 89 Euro pro Festmeter. Die Betriebe mussten vor allem im zweiten Halbjahr 2017 einen Preisverfall von rund 5 Euro hinnehmen. Im Vergleich dazu lagen die Durchschnittspreise 2013/2014 noch bei rund 98 Euro. Der Jahresdurchschnittspreis für das Industrieholz blieb unverändert auf rund 36 Euro je fm. "Der Industrieholzpreis ist unser ewiges Sorgenkind", beklagte der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Borkenkäfer: Alarmzeichen stehen auf rot

Auch heuer stehen die "Alarmzeichen auf rot", was den Befall mit Borkenkäfer betrifft. Denn die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit im April und Mai haben die Entwicklung des Schädlings begünstigt. "Wir haben jetzt eine Witterungssituation wie sonst Ende August. Viele Bäume sind geschwächt und können kein Harz mehr produzieren, um die Brutgänge zu verschließen", warnte Montecuccoli vor einer Massenvermehrung des Insekts, bei dem sich von einem Muttertier ausgehend 10.000 Nachkommen innerhalb eines Sommers entwickeln können.

Nach 2016 hatten die Waldbesitzer auch 2017 mit einem massiven Borkenkäferbefall, vor allem in den Regionen nördlich der Donau, im Burgenland und der Südsteiermark, zu kämpfen. "Für die betroffenen Betriebe bedeutet das eine wirtschaftliche Katastrophe. Einzelne befallene Bäume aus dem Wald zu holen ist ein riesiger Aufwand. Ist kein rechtzeitiger Abtransport möglich, kommt es zu Qualitätsverlusten wie etwa durch Verfärbungen des Holzes, und es ist eine Behandlung erforderlich, die wiederum einen großen Aufwand bedeutet. Für Betriebe entsteht somit ein dreifacher Schaden durch höhere Kosten, geringere Erträge und langfristig durch die fehlenden Bäume, die noch zuwachsen hätten sollen", so Montecuccoli.

Aber auch der gegen Ende 2017 in Kärnten aufgetretene massive Windwurf, der mehr als 400.000 fm Schadholz verursachte, konnte bisher nur Schritt für Schritt aufgearbeitet werden, weshalb ein Großteil dieses Schadholzes erst 2018 auf den Markt kommen wird.

Waldbesitzer müssen auf Veränderungen reagieren

Der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich geht davon aus, dass sich der Wald langfristig durch Klimawandel und Schädlingskalamitäten verändern wird. In Zukunft müssten sich die Waldbesitzer deshalb auf kürzere Umtriebszeiten mit anderen Baumarten einstellen, die Durchforstungen entsprechend adaptieren und eine Waldhygiene hinsichtlich Insektenbefall in den Vordergrund stellen. Außerdem müsse es Verbesserungen in der Infrastruktur geben. "Wir brauchen daher auch nach 2020 gezielte Maßnahmen im Programm Ländliche Entwicklung, weil wir das sonst nicht schaffen werden", appellierte Montecuccoli an Bundesministerin Elisabeth Köstinger.

Übergangslösung für Ökostromanlagen gefordert

Geht es nach dem Präsidenten der Land&Forst Betriebe Österreich kommt das angekündigte Energiegesetz 2020 für Ökostromanlagen, deren Verträge jetzt auslaufen, zu spät. "Es braucht jetzt Übergangslösungen, ansonsten kommt es zu Stilllegungen von voll funktionsfähigen Holzkraftwerken. Die mühsam aufgebaute Holzversorgungslogistik ist gefährdet und bringt negative Auswirkungen auf der gesamten Wertschöpfungskette mit sich. Eine Forcierung von Ökostrom soll im Interesse aller sein, um die angestrebten Klima- und Energieziele zu erreichen. Werden die Kraftwerke abgestellt, können die Energieziele nicht erreicht werden und dann wird es richtig teuer", so Montecuccoli.

GAP: Klares Nein zu Capping

Piatti-Fünfkirchen sprach sich entschieden gegen Kürzungen im EU-Agrarhaushalt nach 2020 aus. So ergebe der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission zum Mehrjährigen Finanzrahmen für Österreich eine jährliche Reduktion von 27,5 Mio. Euro bei den Direktzahlungen sowie von jährlich 97,5 Mio. Euro in der Ländlichen Entwicklung. "Dieser Vorschlag wirkt einer familien- und flächengebundenen Landwirtschaft entgegen", sagte Piatti-Fünfkirchen, der auch den Nutzen einer geplanten Obergrenze für die Direktzahlungen pro Betrieb nicht sieht. Laut dem Vizepräsidenten der Land&Forst Betriebe wären in Österreich von einem Capping bei 60.000 Euro Direktzahlungen Betriebe mit mehr als 200 ha, das wären rund 1.400 Höfe, betroffen. "Wer eine Obergrenze verlangt, kennt die europäischen Agrarstrukturen nicht. Eine willkürliche Kürzung hat einen Effekt auf die Agrarpolitik und verzerrt die Wettbewerbsfähigkeit. Ein Capping aus einer rein finanziellen Überlegung ist zu kurz gegriffen. Wir stehen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, die ihre Leistung über die Fläche erbringt. Was soll es bringen, wenn man wenigen Betrieben etwas wegnimmt und auf 60.000 Landwirtschaften verstreut", kritisierte Piatti-Fünfkirchen.

Die Land&Forst Betriebe sprechen sich für den Erhalt des Zwei-Säulen-Systems in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aus und fordern, dass geplante Vereinfachungen bei den Bauern ankommen müssen. Außerdem dürften die Kosten des Brexit nicht auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen werden und es müsste eine gerechte und nachhaltige Landwirtschaft beibehalten werden. Auch die Vielfalt der österreichischen Agrarstruktur sei eine besondere Stärke und müsste in das agrarpolitische Programm einfließen. "Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort, die in ihrem Regierungsprogramm schreibt 'Leistung muss sich lohnen' und beziehen dies auch auf die Agrarpolitik", verwies Piatti-Fünfkirchen auf zunehmend schwierigere Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft.

250 Mio. Euro Schäden durch den Klimawandel

"Der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen. Insgesamt beträgt die Summe an klimatisch bedingten Schäden in der Landwirtschaft 250 Mio. Euro für das Jahr 2017. Diese enorme Summe, gepaart mit den Extremwetterereignissen in den letzten Jahren, sind deutliche Indikatoren für die Realität des Klimawandels, unter dem die Landwirtschaft leidet", machte Piatti-Fünfkirchen aufmerksam.

"Aufgrund der klimatischen Entwicklungen war das Jahr 2017 ein schwaches Erntejahr. Die Getreideernte - ohne Mais - war mit rund 2,8 Mio. t mengenmäßig die schlechteste Ernte der letzten vier Jahre in Österreich. Auch weltweit lag das erste Mal seit vielen Jahren die Produktionsleistung unter dem Getreideverbrauch. Die Landwirtschaft war 2017 zum wiederholten Mal mit Spätfrost konfrontiert. Dies verursachte Frostschäden und Ertragsausfälle, besonders im Wein- und Obstbau. Laut Hagelversicherung beliefen sich die Frostschäden 2017 auf 70 Mio. Euro. Die im weiteren Jahresverlauf anhaltende Trockenheit im Norden und Osten des Landes setzte der Landwirtschaft zu und verursachte Dürreschäden im Wert von zusätzlich 140 Mio. Euro", zog der Vizepräsident der Land&Forst Betriebe Österreich Bilanz. (Schluss) hub