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16.04.2018

Köstinger wird in EU für Verbot bienenschädlicher Neonicotinoide stimmen

Jetzt gemeinsam Maßnahmenkatalog für heimischen Zuckerrübenanbau erarbeiten

Wien, 16. April 2018 (aiz.info). - "Österreich wird am 27. April auf europäischer Ebene für ein Verbot bienenschädlicher Neonicotinoide stimmen." Das kündigt Bundesministerin Elisabeth Köstinger an. "Wir treffen diese Entscheidung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Überzeugung, dass wir alles dafür tun müssen, um Bienen zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten. Für diesen gemeinsamen Kampf brauchen wir auch gemeinsame europäische Lösungen, die für alle Mitgliedstaaten verbindlich sind", so die Ministerin.

Es gebe bereits jetzt ein Verbot von Neonicotinoiden als Saatgut-, Boden- sowie als Blattbehandlungen auf für Bienen attraktive Pflanzen. In Österreich gebe es hier strengere Regeln als in anderen EU-Mitgliedstaaten, so Köstinger. Nach der Vorlage der Bewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), die eine Ausweitung des EU-weiten Verbots auf nicht Bienen-attraktive Pflanzen und Saatgut vorschlage, sei nun die Europäische Kommission gefordert, einen Vorschlag vorzulegen. Über ein Verbot von drei Neonicotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) werde am 27. April im zuständigen EU-Ausschuss abgestimmt. "Österreich wird auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse, der EFSA-Studie, aber auch der Zwischenergebnisse eigener Untersuchungen, einem Verbot der drei Wirkstoffe zustimmen", kündigt die Ministerin an.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind Basis der Entscheidung

In den vergangenen Jahren wurde das Projekt "Zukunft Biene" vom Agrarressort, der AGES und der Universität Graz forciert. In dieser Studie wird nachgewiesen, dass drei Neonicotinoide einen negativen Einfluss auf die Bienenpopulationen haben. "Für mich war immer klar: Die Debatte muss wissenschaftlich geführt werden, und es kann nur ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene geben", stellt Köstinger fest. Weitere Erkenntnisse der Studie sind, dass Neonicotinoide nicht der einzige Grund für das zunehmende Bienensterben in den letzten Jahren waren. Die rückläufige Zahl der Imker, vor allem aber die Varroamilbe, sind die Hauptgründe der zurückgehenden Populationen. "Das Bienensterben werden wir weiter in diesem Projekt untersuchen, um zusätzliche Maßnahmen zu setzen", so die Ministerin.

Lösungen für Zuckerrübenproduzenten gefragt

Für die Rübenbauern gebe es kurzfristig keine wirklichen Alternativen zu den Neonicotinoiden. Dazu komme, dass die Preise für heimische Zuckerrüben gesunken seien und die Abschaffung der EU-Zuckerquoten zu weiteren wirtschaftlichen Problemen bei den Betrieben führe. "Wir müssen nun intensiv daran arbeiten, dass unsere Rübenbauern keinen Schaden durch das Verbot nehmen. Ich sehe hier vor allem die EU-Kommission, aber auch den österreichischen Handel und die Industrie gefordert", stellt die Ministerin fest. "Wenn unsere Konsumenten Zucker ohne Neonicotinoide wollen, dann müssen wir auch den Import von Rohrzucker und Zuckerrüben aus Drittstaaten in die EU stoppen beziehungsweise einbremsen", sagt Köstinger. Das Mercosur-Abkommen sieht sie in diesem Zusammenhang weiterhin kritisch.

Handelsketten, NGOs und die Industrie sind nun gefordert

Köstinger appelliert an die heimischen Konsumenten, Zucker beziehungsweise Bio-Zucker aus Österreich zu kaufen. Hier sei aber auch der Handel bei seinen Listungen gefordert. In der Industrie müsse ebenfalls ein Umdenken einsetzen. Der Großteil des Zuckers, der konsumiert werde, befinde sich nämlich in verarbeiteten Produkten. Köstinger nimmt aber auch die NGOs in die Pflicht: Sie seien gefordert, an Lösungen mitzuarbeiten und nicht immer nur Probleme aufzuzeigen. Deshalb lade sie die Handelsketten, die Industrie, NGOs, die Rübenbauern und Experten der Landwirtschaftskammer Österreich zu einem Aktionsgipfel ein. Dabei solle gemeinsam ein Maßnahmenkatalog erarbeitet werden, um den Rübenbauern eine Perspektive zu bieten, so Köstinger.

Deutschland will Neonicotinoid-Verbot zustimmen

Die deutsche Bundesregierung will dem EU-weiten Verbot von Neonicotinoiden im Freiland zustimmen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte am vergangenen Wochenende gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" an, den Vorschlag der EU-Kommission zu unterstützen. (Schluss)

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