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22.11.2019

Internationale Weizennotierungen etwas fester - Mais und Soja schwächer

Inland: Premiumweizen und Raps befestigt - Druck auf Mais geringer

Wien, 22. November 2019 (aiz.info). - Die Warenterminbörsen in Chicgao (CBoT) und Paris (Euronext) verzeichneten diese Woche eine leichte Erholung der Weizenkurse, US-Mais verlor weiter und ebenso - wie schon seit Wochen - der von der Unsicherheit über die Beilegung des Handelskonflikts zwischen USA und China gebeutelte Sojakomplex. Der Internationale Getreiderat IGC veröffentlichte in seinem November Getreidemarktbericht unspektakuläre globale Bilanzprognosen. Die Gesamtbestände schwinden das dritte Jahr in Folge. Der Dezember-Weizenfuture an der Euronext kratzte am Freitagmittag bei leichten Gewinnen mit 179,75 Euro/t knapp an der im Wochenverlauf schon einmal übersprungenen 180-Euro-Marke. Die Kassamärkte von Weizen und zuletzt auch Raps in der EU zeigen sich stark mit Prämien auf die Euronext-Kurse. Beim Weizen wiegen die Aufkäufe für massive Exportverladungen. Der Preiswettbewerb mit den Schwarzmeerländern setzt den Preisen jedoch Grenzen. Ein Thema bleiben weiterhin zu viel Niederschlag in Frankreich und Großbritannien, aber auch im östlichen Zentral- und in Südosteuropa sowie Trockenheit in der Ukraine. Aus globaler Sicht kommen die Wintereinbrüche in USA und Kanada, Dürre in Australien sowie auf Dürre nun während der Ernte folgender Regen in Argentinien hinzu. In Österreich legten am Mittwoch bei der Notierung der Wiener Produktenbörse Premiumweizen auf 185 bis 191 Euro/t und Raps auf 358 bis 363 Euro/t weiter zu.

Das Geschäft hierzulande bleibe mit Abschlüssen allenfalls über kleine Mengen allerdings ruhig, hieß es. Qualitätsweizen gab an der Unterkante 1 Euro/t auf 172 bis 180 Euro/t ab und Mahlweizen blieb unverändert bei 170 bis 172 Euro/t. Damit weise der Premiumweizen zum Qualitätsweizen eine übliche Preisdifferenz auf, wohingegen der Mahlweizen praktisch an den Qualitätsweizen anschließt. Marktteilnehmer führen das auf den kleinen Anteil der schwächsten Brotweizensortierung an der Ernte 2019 zurück, aus dem die Nachfrage der heimischen Mühlen nicht gedeckt werden könne. Die Inlandsware verteidigt daher ab Station immer noch eine "Österreich-Prämie", so ein Händler, gegenüber den CPT notierten Mahlweizeneinfuhren, obwohl diese inklusive Transport nach Niederösterreich mit 168 Euro/t um 2 Euro/t höher als in der Vorwoche notiert wurden.

Erste Endabrechnungen für Ernte 2019: Preise unter Vorjahr - stärkere Qualitätsstaffelung

Die Landwirtschaftskammer berichtet von ersten Endabrechnungen von Getreide der Ernte 2019 zwischen Aufkäufern und Landwirten. Die Produzentenerlöse lägen unter denen des Vorjahres, die Differenzierung nach Qualitätsstufen jedoch darüber. Erhebungen hätten Nettoerzeugerpreise für Premiumweizen von 160 bis 175 Euro/t, für Qualitätsweizen von 150 bis 167 Euro/t für Mahlweizen von 145 bis 168 Euro/t, Futterweizen von 150 bis 160 Euro/t sowie für Mahlroggen von 145 bis 150 Euro/t ergeben. Manche Händler hätten auch Mahlweizenpreise nach Proteingehalten in 0,5%-Schritten gestaffelt, etwa 154 Euro/t für 12,5% und 159 Euro/t für 13,9%. Generell seien die Erzeugerpreise im Zuschussgebiet des Alpenvorlands höher als im Trockengebiet.

Wiener Produktenbörse: Roggen verliert leicht - zarte Befestigung bei Mais - Gerste legt zu

Mahlroggen gab am unteren Rand des Preisbandes etwas von den Gewinnen der Vorwoche ab, konnte aber an der Oberkante die psychologisch wichtige 160-Euro-Linie halten. Befestigung gab es bei Futterware. Gerste war um 3,50 Euro/t höher bewertet als zuletzt Ende Oktober, und nach einer langen Abwärtsphase zog auch erstmalig Futtermais um 1,50 Euro/t an. Beobachter werten dies als mögliches Zeichen nachlassenden Erntedrucks oder wachsender Qualitätssorgen aufgrund von Mykotoxinbefall in den vielerorts östlich von Österreich wegen anhaltender Nässe noch am Stamm stehenden Beständen.

Seinen Aufwärtstrend fortsetzen konnte die Rapsnotierung, und ebenso zogen die Nebenprodukte Rapsschrot und Rapskuchen sowie viel deutlicher noch Sonnenblumenschrot an.

Reger Weizenexport beflügelt Preise auf EU-Kassamarkt

Rege Weizenexporte beflügeln in der EU die Preise auf den Kassamärkten, wiewohl der Preiswettbewerb mit den Schwarzmeerländern Grenzen setzt. Die Weichweizenausfuhren der EU lagen laut Kommission zum 18. November nach 20 Wochen des Wirtschaftsjahres bei 10,293 Mio. t und um 56% höher als im Vorjahr. Zu einem leicht über der Woche davor gelegenen Eurokurs von 1,1301 USD errechnete die Kommission zum Stichtag 20. November für Weizen aus der EU fob Rouen einen Exportpreis von 204 USD/t (+4 USD zur Vorwoche), für Schwarzmeerweizen von 207 USD/t (-1 USD zur Vorwoche) und für Soft Red Winter aus den USA fob Golf von Mexiko von 23 USD/t (+4 USD/t).

Das US-Landwirtschaftsministerium gab für die jüngste Berichtswoche Weizenexporte von 437.700 t am oberen Ende der Erwartungen des Marktes bekannt. Unter anderem sollen 60.000 t nach Japan, das insgesamt 120.000 t zuschlug, gehen. Highlight aus Sicht der EU war am Mittwoch ein Zuschlag Algeriens für 500.000 t Weizenlieferungen. Der Großteil oder alles davon soll aus Frankreich kommen. Als Preise c&f (cost and freight) nannten Agenturen unter Berufung auf Händlerkreise 223 bis 224 USD/t (201,65 bis 202,55 Euro). Frankreich stand dabei offensichtlich im Wettbewerb mit Argentinien. Lieferung ist je nach Herkunft entweder im Dezember (Argentinien) oder Jänner (Frankreich). Die kolportierten Preise sind deutlich niedriger als die des Ägypten-Tenders vorige Woche von c&f 232,47 USD/t (211,39 Euro). Dies sagt wenig über den tatsächlichen Warenpreis, denn Algerien liegt praktisch vor Frankreichs Haustüre und die Transportkosten fallen sicherlich um einiges geringer aus als in den östlichen Mittelmeerraum.

Argentinien soll übrigens im zweiten Jahr in Folge Asiens Weizenmarkt mit Abnehmern wie Indonesien, Malaysia, Bangladesch oder Vietnam dominieren, nachdem Dürre das Exportpotenzial des angestammten Platzhirschen Australien schrumpft. Asien nimmt 30% des Volumens des Weizenwelthandels auf. Nach der jüngsten Ernteprognose von 18,5 Mio. t sollten Argentinien 12 Mio. t zur Ausfuhr zur Verfügung stehen. Dementgegen blickt Australien der schlimmsten Missernte seit zehn Jahren entgegen. Sollten sich tatsächlich die jüngsten Schätzungen von 15,54 Mio. t oder weniger bewahrheiten, wäre dies weniger als die Hälfte der bisher eingefahrenen Rekordernte in Down Under von gut 32 Mio. t und ließe lediglich 7 bis 8 Mio. t zum Export über.

IGC: Bestandsabbau - Weizenprognose unverändert - leichter Lagerabbau bei großen Exporteuren

Der Internationale Getreiderat IGC schätzt in seinem Grain Market Report (GMR) vom November die weltweiten Getreide-, Mais- und Sojabohnenernten 2019/20 gegenüber dem Vormonat um 5 Mio. t größer bei 2,162 Mrd. t (+0,9% zum Vorjahr), weil er die Maisproduktion um eben diese Menge nach oben revidiert. Doch wird der Maisverbrauch - und ebenso der gesamte Getreidekonsum der Welt - auch um 4 Mio. t höher als vor Monatsfrist gesehen. Die Weizenprognose bleibt zum Oktober unverändert. Im Vergleich zur Vorsaison überwiegen Zunahmen der Weizen- und Gerstenerzeugung - letztere erreicht eine Rekordhöhe - einen Rückgang der von Mais. Das gesamte Angebot liegt jedoch aufgrund der kleinsten Anfangsbestände seit drei Saisonen mit 2,782 Mrd. t um 10 Mio. t oder 0,3% unter dem von 2018/19. Dagegen erreicht der weltweite Verbrauch einen absoluten Spitzenwert von 2,188 Mrd. t Getreide und Mais mit einem Wachstum von 0,8% quer durch alle Verwendungen von Ernährung (+0,9%), Verfütterung (+0,5%) bis industrieller Verwertung (+1,5%). Unter dem Strich schmelzen im dritten Jahr in Folge die Endlager 2019/20 um 26 Mio. t oder 4,2% auf ein Fünfjahres-Tief von 594 Mio. t ab. Signifikant, um ein Drittel, schrumpfen auch die Sojabohnenendbestände.

Weizenendlager der größten Exporteure schrumpfen sogar leicht

Die Weizenlager wachsen zwar global betrachtet 2019/20 auf eine Rekordmenge von 271 Mio. t oder 35,8% des Verbrauchs an, doch relativiert der Rat: Die Anhäufung geht vor allem auf die - nicht weltmarktrelevanten - Regionen Indien und China zurück, wohingegen die Weizenreserven der wichtigsten Exporteure (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) sogar leicht - um 1 Mio. t auf 70 Mio. t - schrumpfen. Einen starken Rückgang der Endbestände um 39 Mio. t (einschließlich USA -7 Mio. t, EU -2 Mio. t und China -21 Mio. t) prognostizieren die Londoner Experten dem Mais.

Prognose 2020/21: Weizenfläche nimmt um 1% und Rapsanbau um 3% zu

In einer Prognose für das kommende Wirtschaftsjahr 2020/21 sagt der IGC eine Zunahme der Weizenfläche auf 218 Mio. ha voraus. Zu nasses Wetter hat die Herbstarbeit der Landwirte in Teilen der EU - vor allem in Frankreich und Großbritannien - unterbrochen. Dagegen hat Trockenheit die Bestände in der Ukraine vor dem Winter in einem schlechten Zustand aufgehen lassen und es wird ein signifikanter Rückgang der Anbaufläche berichtet. Dementgegen bestellen Russlands Landwirte zur Ernte 2020 eine größere Ackerfläche mit Weizen. In den USA bleibt der Weizenanbau nahe seinem aktuellen historischen Tiefstand. Eine 3%ige Ausdehnung soll die globale Rapsaussaat erfahren, wobei neben dem Schwarzmeerraum auch die EU größere Flächen aufweisen soll.

Sojabohnen: Ernte 2019/20 um 5% kleiner als im Vorjahr - Lager schrumpfen um ein Drittel

Die kleinste Sojabohnenernte in sechs Jahren der USA kann in den globalen Produktionszahlen von Zuwächsen in anderen Regionen wie Brasilien nicht aufgewogen werden. Die weltweite Bohnenernte sinkt 2019/20 gegenüber dem Vorjahr um 5,1% auf 341 Mio. t, jedoch geht das Angebot aufgrund höherer Überlager (+17,7% zum Vorjahr) nur um 2,6% auf 394 Mio. t zurück. Der Verbrauch legt 2019/20 angeführt von Asien und Amerika nur moderat und schwächer als in den Vorjahren um 2,0% auf 359 Mio. t zu, sodass die Sojabohnenendlager - vor allem in den USA - weltweit um ein Drittel (-32,9%) auf 35 Mio. t schrumpfen. Vor allem die Lager der großen Exporteure sollen sich um 47,6% leeren.

IGC-Getreide- und Ölsaaten-Preisindex sinkt im November um 1% und zum Vorjahr um 2%

Der globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) verlor im November 1,3% und gegenüber dem Vorjahr 1,9%. Im Plus war nur der Subindex von Mais mit 2,4% zum Vormonat und 3,2% im Jahresabstand. Er wurde getragen von starkem Exportgeschäft und Gewinnen der südamerikanischen Preise. Diese überwogen Preisverluste von US-Mais. Die Weizenpreise litten im Monatsabstand unter dem weltweit großen Angebot und ihr Subindex ging binnen Monatsfrist um 2,8% zurück - im Jahresvergleich sogar um 7,5%. Gerste verlor 0,2% (-20,4% zum Vorjahr). Preisrückgänge in allen Herkünften drückten den Sojabohnen-Subindex gegenüber Oktober um 1,9%, zum Vorjahr fiel er aber um 1,1% höher aus. (Schluss) pos

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