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25.09.2019

IPCC-Bericht: Ansteigender Meeresspiegel gefährdet Millionen von Menschen

Weltklimarat warnt vor den Folgen schmelzender Eismassen

Monte Carlo, 25. September 2019 (aiz.info). - Der Weltklimarat IPCC hat heute in Monaco seinen jüngsten Report zur Eisschmelze und den Ozeanen präsentiert und dabei die globale Politik zum raschen Handeln aufgefordert, um schwerwiegende Konsequenzen für Millionen von Menschen zu verhindern. Das Papier zeigt auf, dass die menschengemachte Erderwärmung Meere und Eismassen auf unserem Planeten massiv schädigt und dass dies unwiderrufliche Folgen mit sich bringt. So könnten Küstenstreifen und Inseln unbewohnbar werden. Eine besondere Gefahr könne die beschleunigte Eisschmelze in der Antarktis werden, falls das Eis einmal irreversibel instabil werde. Das könnte den Meeresspiegel innerhalb von Jahrhunderten um mehrere Meter steigen lassen. Es sei noch unsicher, ob und wann dies beginne, so die Experten.

"Jeder auf der Welt wird betroffen sein von den Veränderungen, die wir sehen", warnte einer der Autoren, der britische Ozeanograf Michael Meredith, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Das von den Vereinten Nationen unterstützte Expertengremium IPCC kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass radikale Maßnahmen einige der schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung noch abwenden könnten. "Das Wichtigste, das aus dem Bericht hervorgeht, ist, dass wir eine Wahl haben", sagte Meredith.

Treibhausgase müssen stark verringert werden

Der Meeresspiegel steigt dem Report zufolge immer schneller an: Der Anstieg sei derzeit doppelt so hoch wie im Schnitt des 20. Jahrhunderts, wurde gewarnt. Nur eine starke Reduzierung der Treibhausgase, der Schutz der Ökosysteme und der bedachte Umgang mit den natürlichen Ressourcen können laut IPCC eine dramatische Entwicklung eindämmen. In manchen Regionen wie den Tropeninseln und Küsten ist die Existenz ganzer Gemeinschaften auch ohne eine instabile Antarktis durch Überschwemmungen bedroht. In Küstenregionen bis zu 10 m Höhe wohnen etwa 680 Mio. Menschen, auf kleinen Inselstaaten sind es 65 Mio. Rund 4 Mio. Menschen leben dauerhaft in der Arktis, deren Eis und Permafrostböden in vielen Gebieten tauen.

Auch Bergregionen betroffen

In Bergregionen werden dem Bericht zufolge durch das Schmelzen der Gletscher und das Auftauen dort bestehender Permafrostböden Lawinen, Steinschläge oder Bergrutsche begünstigt. Sind die Gletscher schließlich ganz verschwunden, ist die Trinkwasserversorgung gefährdet. In Hochgebirgsregionen leben 670 Mio. Menschen.

Rund 130 Forscher aus 36 Ländern hatten zwei Jahre lang aktuelle Studien zu diesen Themen analysiert und die Auswirkungen des Klimawandels auf Küsten und Inseln, Mensch und Natur in einem Report für politische Entscheidungsträger zusammengefasst. Über die Formulierungen dieses Berichts hatten Delegierte der 195 IPCC-Mitgliedstaaten in Monaco mehrere Tage lang bei der Konferenz des Weltklimarates debattiert und abgestimmt.

EU-Kommission: IPCC-Bericht ist weiterer Weckruf

Der heute präsentierte IPCC-Bericht sei "ein weiterer Weckruf", erklären die EU-Kommissare Miguel Arias Cañete (Klimaschutz), Karmenu Vella (Umwelt und Maritimes) und Carlos Moedas (Forschung und Innovation) in einer gemeinsamen Aussendung. "Die Schlussfolgerungen sind eindeutig: Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung verändert unsere Ozeane drastisch. Sie erwärmen sich, werden säurehaltiger, enthalten weniger Sauerstoff. Der Meeresspiegel steigt viel schneller als erwartet. Die Weltmeere können nur dann gesund bleiben, wenn wir die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen. Die EU fordert daher erneut die ehrgeizige Umsetzung des Pariser Abkommens", betonen die Kommissare. Ziel der EU sei es, bis zum Jahr 2050 zum ersten CO2-neutralen Kontinent zu werden. (Schluss)

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